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IS Fljótsdalshreppur 2016.05.11

Der 11.05.2026 zeigte sich in der ostisländischen Gemeinde Fljótsdalshreppur von einer typisch rauen, aber klaren Seite. Bei Temperaturen um exakt 4 Grad Celsius fegte ein böiger Wind durch das weite Tal, während die auflockernde Wolkendecke immer wieder intensives Sonnenlicht auf die langgestreckte Wasseroberfläche und die schroffen Berghänge warf.

 

Die historische und kulturelle Bedeutung der Region Fljótsdalshreppur ist von einer enormen Tiefe geprägt, die sich insbesondere an den Ufern des ausgedehnten Binnengewässers Lagarfljót manifestiert. Eine der historisch wertvollsten Stätten Ostislands befindet sich tief im Tal, nahe dem heutigen Besucherzentrum des Nationalparks. Es handelt sich um Skriðuklaustur, ein ehemaliges Augustinerkloster, dessen Ausgrabungsstätten ein immenses archäologisches Erbe darstellen. Das Kloster wurde im Jahr 1493 als letzte katholische Ordensniederlassung vor der isländischen Reformation gegründet. Historische und archäologische Untersuchungen in den 2000er Jahren brachten die massiven Grundmauern des weitläufigen Klosterkomplexes zutage. Die Funde belegen zweifelsfrei, dass diese Einrichtung nicht nur als spiritueller Rückzugsort, sondern vor allem als essenzielles Hospital für kranke und gebrechliche Menschen aus der gesamten ostisländischen Region fungierte. Zahlreiche Skelettfunde zeugen von der Behandlung schwerer Krankheiten, die das harte Leben in der subarktischen Isolation mit sich brachte. Mit der Durchsetzung der Reformation im Jahr 1552 wurde das Kloster gewaltsam aufgelöst, und die Ländereien fielen an die dänische Krone, wodurch das Gebäude allmählich verfiel. Ein völlig anderes, aber architektonisch ebenso herausragendes Kapitel der lokalen Geschichte wurde im 20. Jahrhundert an exakt derselben Stelle aufgeschlagen. Der berühmte isländische Schriftsteller Gunnar Gunnarsson, der weite Teile seines Lebens in Dänemark verbracht und dort große literarische Erfolge gefeiert hatte, kehrte im Jahr 1939 in seine Heimat zurück. Er erwarb das historische Landgut Skriðuklaustur und ließ dort ein massives, absolut einzigartiges Herrenhaus errichten. Der Entwurf für dieses Gebäude stammte von dem renommierten deutschen Architekten Fritz Höger, der in ganz Europa für seine expressive Backsteinarchitektur berühmt war. Das Gebäude in Fljótsdalshreppur sticht durch sein weiß getünchtes Äußeres und sein markantes, mit grünem Gras bewachsenes Dach architektonisch völlig aus der traditionellen isländischen Bauweise heraus und bildet ein ungewöhnliches Monument europäischer Architekturgeschichte inmitten der rauen isländischen Natur. Gunnarsson spendete das gesamte Anwesen im Jahr 1948 dem isländischen Staat, woraufhin es lange als landwirtschaftliche Forschungsstation diente und heute als bedeutendes Kulturzentrum und Museum für Literatur genutzt wird. Abseits der greifbaren Architektur ist die Historie der Region untrennbar mit einem der faszinierendsten Mythen Islands verbunden, dem Lagarfljótsormur. Der Legende nach lebt in den unergründlichen, extrem trüben Tiefen des Flusses Lagarfljót ein gigantisches, schlangenartiges Ungeheuer. Die erste schriftliche Erwähnung dieser Kreatur datiert auf das Jahr 1345, als historische Annalen von einer gewaltigen, inselartigen Masse berichteten, die sich aus dem Wasser erhob. Der Mythos des Lagarfljótswurms wurde über Jahrhunderte hinweg von der lokalen Bevölkerung am Leben erhalten. Die Erzählungen berichten, dass ein junges Mädchen einen kleinen Goldring auf eine Heideschnecke legte, in der Hoffnung, das Gold würde sich vermehren. Stattdessen wuchs die Schnecke zu einem unkontrollierbaren Drachen heran, der schließlich in den See geworfen wurde und seitdem dort sein Unwesen treibt. Sichtungen des Ungeheuers wurden in der isländischen Folklore oft als extrem schlechtes Omen für kommende Naturkatastrophen oder harte Winter gewertet. Im Jahr 2012 sorgte ein verschwommenes Video, das eine schlangenartige Bewegung im eisigen Wasser zeigen sollte, für weltweites mediales Aufsehen und ließ die historische Legende im modernen Zeitalter wieder aufleben. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt zeugt diese hartnäckige Sage von dem tiefen Respekt und der ständigen Furcht der frühen Siedler vor den unberechenbaren, oft lebensfeindlichen Gewässern und den verborgenen Tiefen ihrer Heimat.

 

Die geomorphologische und ökologische Struktur der Gemeinde Fljótsdalshreppur wird primär durch gigantische eiszeitliche Gletscher, tiefe Flusstäler und massives, uraltes Vulkangestein definiert. Im Zentrum dieser hochdynamischen Landschaft liegt das Gewässer Lagarfljót, das sich wie ein extrem breiter, langgestreckter Strom durch das gesamte Tal zieht. Geografisch betrachtet handelt es sich um eine glaziale Rinne, die von dem abfließenden Schmelzwasser des gigantischen Vatnajökull im Hochland gespeist wird. Aufgrund des extrem feinen, in Schwebe gehaltenen Gesteinsmehls, das die Flüsse direkt aus den Gletschermühlen herantransportieren, weist das Wasser des Lagarfljót eine trübe, milchig-braune bis gräuliche Färbung auf. Diese enormen Sedimentmassen lagern sich kontinuierlich am Grund ab und verändern das hydrologische System fortwährend. Die flankierenden Bergmassive, die das Tal majestätisch einrahmen, erreichen beträchtliche Höhen und bestehen aus extrem alten, tertiären Basaltschichten, die vor mehr als 10 Millionen Jahren durch riesige Schildvulkane aufgetürmt wurden. Die stetige Hebung der Landmasse und die unaufhaltsame glaziale Erosion durch die eiszeitlichen Eisschilde haben tiefe Rillen in diese Gesteinsformationen gefräst. An den westlichen Hängen des Tals offenbart sich die enorme Kraft des abfließenden Wassers in Form einer spektakulären Wasserfallkette. Der unbestrittene Höhepunkt ist der gigantische Hengifoss, der mit einer beeindruckenden Fallhöhe von 128 Metern zu den absoluten Giganten der isländischen Natur zählt. Das eiskalte Wasser stürzt hier in einem schmalen, extrem kraftvollen Strahl über eine fast senkrechte Felswand in eine gewaltige Schlucht. Die geologische Einzigartigkeit des Hengifoss liegt in der stark geschichteten Wandstruktur hinter dem fallenden Wasser. Zwischen den dicken, pechschwarzen Basaltschichten ziehen sich deutlich sichtbare, leuchtend rote Bänder horizontal durch den gesamten Fels. Bei diesen roten Schichten handelt es sich um oxidierte Tone, sogenannte Paläoböden, die sich in extrem langen Ruhephasen zwischen den einzelnen vulkanischen Eruptionen bildeten. In diesen Phasen verwitterte die Lava an der Oberfläche zu fruchtbarem Boden, auf dem sogar Nadelbäume wuchsen. Bei der nächsten massiven Eruption wurden diese Böden unter glühender Lava begraben, wobei das enthaltene Eisen extrem stark oxidierte und die Gesteinsschicht buchstäblich rot brannte. Ein Stück weiter flussabwärts stürzt derselbe Fluss über den Litlanesfoss. Dieser Wasserfall ist zwar deutlich niedriger als der Hengifoss, besticht jedoch durch eine der weltweit formschönsten und massivsten Ansammlungen von vulkanischen Basaltsäulen. Die geometrisch nahezu perfekten, oft sechseckigen Säulen umschließen den stürzenden Wasserstrahl wie gewaltige, versteinerte Orgelpfeifen. Sie entstanden durch die extrem langsame und gleichmäßige Abkühlung dicker Lavaströme, die sich beim Erstarren sternförmig zusammenzogen. Ein weiterer faszinierender, jedoch weitaus weniger frequentierter Wasserfall in der direkten Umgebung ist der Hölknárfoss, der sich in eine tiefe, von rauen Basaltblöcken gesäumte Schlucht ergießt und die enorme hydrologische Dichte der Region unterstreicht. Die weite Ebene um das Lagarfljót und die geschützten Hänge weisen für isländische Verhältnisse eine absolute ökologische Anomalie auf, denn sie sind dicht bewaldet. Am gegenüberliegenden Ufer, in unmittelbarer Nachbarschaft zu Fljótsdalshreppur, erstreckt sich das größte zusammenhängende Waldgebiet Islands. Die Flora in dieser geschützten, windberuhigten Senke ist erstaunlich divers. Neben der heimischen isländischen Moorbirke, die hier ungewöhnlich hoch wächst, wurden im 20. Jahrhundert in großen Aufforstungsprojekten massive sibirische Lärchen und robuste Fichten gepflanzt, die dem Tal einen fast skandinavischen Charakter verleihen. Der weiche Waldboden ist dicht von Heidelbeeren, Krähenbeeren und verschiedenen Pilzarten bedeckt. In den feuchteren Lagen rund um die Wasserfälle gedeihen üppige Teppiche aus leuchtend grünem Zackenmützenmoos, Arktischer Weide und Echter Engelwurz, die von dem ständigen feuchten Sprühnebel der Katarakte extrem profitieren. Diese dichte, geschützte Wald- und Buschvegetation bietet der isländischen Tierwelt exzellente, sichere Rückzugsorte. Die lichten Birkenwälder und die Bergflanken sind das absolute Kerngebiet der wilden isländischen Rentiere. Im späten Frühjahr lassen sich die Herden oft in den tieferen Tälern beobachten, wo sie in der erwachenden Natur frische Triebe und nahrhafte arktische Flechten suchen. Auch der zähe Polarfuchs durchstreift auf der Jagd nach Kleinnagern und Vögeln das Unterholz und die steinigen Hänge. Die reiche Avifauna der Region profitiert enorm von dem Schutz der Bäume und dem Nahrungsangebot der zahlreichen Zuflüsse. Das Alpenschneehuhn ist hier sehr präsent und brütet in der kargen Heidelandschaft oberhalb der Waldgrenze. In den dichten Baumkronen nisten zahlreiche Singvögel wie die Rotdrossel, und auch das flinke isländische Wintergoldhähnchen hat sich in den Nadelwäldern fest etabliert. Die Uferbereiche des Flusses und die weiten Schwemmebenen ziehen zudem Graugänse und Singschwäne an. Das kalte, trübe Wasser des Lagarfljót selbst ist aufgrund der extrem feinen Gletschersedimente nicht sonderlich fischreich, in den zahlreichen klaren Zuflüssen aus den Bergen tummeln sich jedoch Forellen und arktische Saiblinge.

 

Die Gemeinde bildet ein naturnahes Zentrum im isländischen Osten. Die gut gepflegten Wanderpfade zu den Wasserfällen und dem kulturhistorischen Klostergut bieten Reisenden fokussierte, lehrreiche Erlebnisse in einer weiten Tallandschaft.

 

de.wikipedia.org/wiki/Flj%C3%B3tsdalshreppur

 

Kamera und Objektiv:

Sony ILCE-7CR und Sony SEL24240

 

Bildinformation:

12MP - 3465 x 3465 px - ca. 12MB

 

Bildbearbeitung: Adobe Photoshop Express

 

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Uploaded on June 11, 2026
Taken on May 11, 2026