View allAll Photos Tagged zerfall

Verfallenes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert errichtet auf den Grundmauern der Burg Zamek (Deutscher Orden, 1280) in Morag / Mohrungen- Polen

Aus der Letzten Italien Tour

Copyright 14.05.2015 M.Pack

Bannwald Klebwald

s0340a Algen 2780 MeyA4B1 Algen Meyers Konversations-Lexikon Erster Band Jahr 1885.

 

Inhalt der Tafel Algen

Meeresalgen von der Küste Alaskas.

1. Macrocystis pyrifera.

2. Nereocystis Lütkeana, ältere Pflanze.

3. Dasselbe, jugendliche Pflanze.

4. Alarıa fistulosa.

3. Alarıa esculenta.

6. Laminaria Bongardiana.

7. Laminaria saccharına.

8. Laminaria digitata.

9. Constantinea Rosa marina.

10. Odonthalia Gmelinıi.

11. Irıdaea Mertensiana.

12. Dumontia Hydrophora.

13. Porphyra pertusa.

15) Thalassophyllum Clathrus (crispum).

16. Costaria Turneri.

17. Fucus vesiculosus.

18. Halymenia palmata.

19. Agarum Gmelini.

20. Desmarestia intermedia.

 

Algen (Algae, hierzu Tafel "Algen"), kryptogamische Pflanzenklasse aus der Abteilung der Thallophyten, ein- oder vielzellige, stets Chlorophyll enthaltende, meist im Wasser lebende Gewächse, deren Körper keine Unterscheidung von Stengel, Wurzeln und Blättern erlaubt, aber in Form, Größe und Entwickelung die größten Verschiedenheiten zeigt. Bei den einzelligen A. besteht jedes Individuum aus einer einzigen Zelle, während bei den Fadenalgen mehrere Zellen reihenförmig zu Zellfäden vereinigt sind. Bei andern A. sind zahlreiche Zellen flächen- oder körperförmig vereinigt, und der Thallus nimmt dann oft bei ansehnlicher Größe eine strauch- oder blattartige Gestalt an, die Organe der höhern Pflanzen in der Form nachahmend. Der Körper der A. besteht aus lauter einander ziemlich gleichen, runden oder cylindrischen, bei den Tangen oft parenchymatisch vereinigten Zellen, welche stets Chlorophyll enthalten. Dies tritt formlos, in Körnern oder in Bändern auf, und wo es sich allein findet, hat die Alge die den höhern Pflanzen eigne rein grüne Färbung. Bei vielen sind aber dem Chlorophyll noch andre Farbstoffe beigemengt und zwar entweder goldgelbes Phykoxanthin, wie bei den Diatomeen, die daher braune oder olivengrüne Färbung haben, oder neben diesem noch ein drittes Pigment, das Phykocyan, bei den spangrün gefärbten A. (Phykochromaceen). Bei den meist olivenbraunen Ledertangen ist es intensiv braunrot und heißt Phykophäin. Bei den lebhaft roten Florideen ist dieses dritte Pigment das rote Phykoerythrin. Außer diesen Farbstoffen, die immer an das Protoplasma gebunden sind, finden sich in den Zellen der A. häufig Stärkekörner.

 

Wie die übrigen Thallophyten, zerfallen die A. je nach der Art ihrer geschlechtlichen Fortpflanzung, deren Erforschung man Thuret, Bornet, Pringsheim, Cohn u. a. verdankt, in vier große Hauptabteilungen: 1) Protophyta, ohne geschlechtliche Fortpflanzung sich durch Teilung, Schwärmzellen, unbewegliche Brutzellen oder Sporen vermehrend, mit den beiden Ordnungen Chlorophyllophyceae und Cyanophyceae. 2) Zygosporeae. Die geschlechtliche Fortpflanzung besteht in Kopulation zwischen zwei gleichartigen Zellen, und zwar verschmelzen entweder zwei Schwärmzellen miteinander, wie bei der Ordnung der Zoosporeae, oder die Kopulation findet zwischen unbeweglichen Zellen statt, wie bei den Konjugaten. Das Produkt der Kopulation ist eine Zygospore. 3) Oosporeae. Der Geschlechtsakt wird von zwei verschiedenen Zellen ausgeübt, von denen die eine, die weibliche Zelle oder das Oogonium, aus seinem Protoplasma die Eizelle, d. h. die Anlage einer spätern neuen Pflanze, erzeugt, während die männlichen Zellen oder Antheridien ihren Inhalt in unbeweglicher oder beweglicher Form (in letzterm Fall als sogen. Spermatozoiden) mit der Eizelle vermischen. Das aus der befruchteten Eizelle zunächst hervorgehende Produkt ist die Oospore. Zu dieser Abteilung gehören die Ordnungen der Coenobieae, Sphaeropleae, Coeloblasteae, Oedogonieae, Characeae und Fucoideae. 4) Carposporeae. Die geschlechtliche Fortpflanzung wird durch Antheridien und ein mehrzelliges weibliches Organ, das Karpogon, vermittelt, welches ein haarförmiges Empfängnisorgan, die Trichogyne, trägt und sich nach der Befruchtung in eine mehrzellige, die Sporen erzeugende Frucht, das Cystokarp, umwandelt. Die Abteilung umfaßt die Ordnung der Coleochaeteae und Florideae. Die sehr verschiedenen Formen der ungeschlechtlichen Vermehrung sind bei der folgenden Charakteristik der einzelnen Ordnungen der A. ebenfalls berücksichtigt.

 

1. Ordnung: Chlorophyllophyceae (protophytische A. mit Chlorophyllinhalt), von sehr einfachem Bau, oft einzelne, isoliert lebende Zellen oder zu verschieden gestalteten, gallertartigen Zellkolonien vereinigt.

Sie vermehren sich auf ungeschlechtlichem Wege, indem sich ihre Zellen in Tochterzellen teilen, oder sie lassen durch Zweiteilung Schwärmzellen hervorgehen, die zu neuen Pflanzen sich ausbilden. Gattungen: Palmella Lynb., Pleurococcus Menegh., Characium A. Br., Gloeocystis Näg. u. a.

 

2. Ordnung: Cyanophyceae (protophytische A. mit Phykocyan, s. S. 341), unterscheiden sich durch spangrüne, blaugrüne oder violette Färbung von der vorigen Ordnung. Die stets ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt durch Teilung oder durch Umwandlung vegetativer Zellen in Sporen. Mehrere Arten der Gattung Nostoc leben als Pseudoparasiten in Gewebehohlräumen von Laub- u. Lebermoosen, im Stamm von Gunnera, in der Wurzel von Cycas, im Blatt von Azolla u. a. Gattungen: Chroococcus Näg., Gloeocapsa Ktz. (Fig. 1), Rivularia Roth, Sirosiphon Ktz., Scytonema Ag., Nostoc Vauch., Limnochlide Ktz., Oscillaria Bosc.

 

3. Ordnung: Zoosporeae (A. mit Schwärmsporenpaarung), pflanzen sich geschlechtlich durch Verschmelzung von Schwärmsporen fort, außerdem ungeschlechtlich durch andre, meist größere Schwärmzellen. Süßwasserbewohner, in die Familien der Pandorineen, Hydrodiktyeen und Ulothricheen zerfallend; die erstere (Fig. 2) begreift Formen, die entweder einzelne Zellen von der Form gewimperter Schwärmsporen bilden, oder zu kugeligen, auch tafelförmigen Kolonien vereinigt sind, aus deren Gallerthülle die Wimpern der einzelnen Zellen hervorragen. Die durch wiederholte Zweiteilung in einer Mutterzelle erzeugten, mit zwei Wimpern, einem roten Pigmentfleck und einer farblosen Spitze versehenen Schwärmsporen berühren sich bei der Paarung (Fig. 2 bei III) und verschmelzen zu einer Kugel, die, entsprechend der Vereinigung von zwei Schwärmern, vier Wimpern und zwei rote Flecke zeigt (Fig. 2 bei IV). Später verschwinden Wimpern und Flecke, die zur Ruhe gekommene Kugel umhüllt sich mit einer festen Haut, ihr vorher grüner Inhalt wird rot, und sie stellt nun die Zygospore dar, die auf austrocknendem Schlamm eine Ruhezeit durchmacht, dann, angefeuchtet, zunächst einen roten Schwärmer hervorgehen läßt, der wieder zur Ruhe kommt und in 16 zu einer neuen Pandorina-Kolonie zusammentretende Zellen zerfällt. Gattungen: Pandorina Bory (Fig. 2), Stephanosphaera Cohn, Chlamydomonas Ehrbg., Hydrodictyon Roth, Pediastrum Roth (Fig. 3), Ulothrix Ktz. u. a. Durch endophyte, aber nicht eigentlich parasitäre Lebensweise zeichnen sich mehrere ebenfalls zu den Zoosporeen gehörige, bis jetzt noch unvollständig bekannte A. aus. So lebt Chlorochytrium Lemnae in Intercellularräumen von Lemna trisulca, Endosphaera biennis im Blattparenchym von Potamogeton lucens, Phyllobium dimorphum im Blatt von Lysimachia Nummularia.

 

4. Ordnung: Conjugatae (kopulierende A.). Hier kopulieren behufs der geschlechtlichen Vermehrung zwei unbewegliche, vegetative Zellen miteinander, das Produkt der Vereinigung ist eine von den vegetativen Zellen verschiedene Zygospore. Ungeschlechtliche Vermehrung findet durch Zellteilung, niemals durch Schwärmsporen statt. Die Ordnung umfaßt vier Familien. Die meist frei im Wasser schwimmenden, selten auf feuchtem Boden lebenden Zygnemaceen bestehen aus cylindrischen Zellfäden, in denen Chlorophyllkörper in Form von Bändern und Platten auftreten. Behufs der Kopulation wächst z. B. bei der Gattung Spirogyra (Fig. 4) aus zwei

 

^[Abb.: Fig. 1. Eine Gloeocapsa. A einfaches Individuum; B-E wiederholte Zweiteilungen in mehrere Individuen, welche kolonienweise vereinigt bleiben.]

 

^[Abb.: Fig. 2. Entwickelung von Pandorina. I eine schwärmende Familie; II eine geschlechtliche Familie, von welcher einzelne Zellen aus der Hülle austreten; III zwei sich paarende Schwärmer; IV dieselben nach ihrer Vereinigung; V eine eben entstandene, VI eine ausgewachsene Zygospore.]

 

^[Abb.: Fig. 3. Pediastrum Rotula, eine achtzellige Familie.]

 

^[Abb.: Fig. 4. Kopulation von Spirogyra. I zwei benachbarte Fäden, die sich bei a und b zur Kopulation vorbereiten; II Fäden, welche in Kopulation begriffen sind; bei a schlüpft der Plasmakörper der einem Zelle in den der andern über, bei b haben sich beide Plasmakörper vereinigt.]

 

Zellen nebeneinander liegender Fäden je ein schlauchförmiger Fortsatz hervor; die beiden entstandenen Fortsätze berühren sich, die sie trennende Wand wird gelöst, und der Plasmainhalt der einen Zelle tritt durch den Kopulationsschlauch in die andre hinüber, um mit dem Inhalt derselben zu verschmelzen und dadurch die Zygospore zu bilden, welche sich bald mit einer dicken Haut umzieht, nach dem Absterben der übrigen Fadenteile überwintert und im nächsten Frühjahr zu einer neuen Pflanze auskeimt. In andern Fällen, z. B. bei Zygogonium, kommt die Zygospore innerhalb des Kopulationsschlauchs zur Ausbildung. Der in den vegetativen Zellen vorhandene Chlorophyllkörper stellt bei Spirogyra ein ein- oder mehrfaches, an den Rändern gezacktes Band dar. Die zierlichen Desmidiaceen bewohnen hauptsächlich Torfsümpfe, in denen sie zwischen andern A. leben. Meist sind sie durch eine mittlere Einschnürung in zwei symmetrische Hälften geteilt und bilden einzellige, sternförmige, mondförmige, strahlig gelappte oder walzenförmige Gestalten oder sind auch zu Zellbändern vereinigt. Gattungen: Desmidium Ag., Closterium Ntzch., Cosmarium Cord., Micrasterias Ag., Euastrum Ehrbg. (Fig. 5), Staurastrum Mey. u. a. Ebenso zierliche Formen wie die Desmidien bietet die Familie der Diatomeen (Diatomaceae oder Bacillariaceae) dar; sie unterscheiden sich jedoch von denselben durch einen eigentümlichen Farbstoff, das Diatomin, welches das Chlorophyll verdeckt und es gelb oder braun erscheinen läßt, sowie durch reichliche Ablagerung von Kieselerde in der Zellmembran. Nach dem Glühen der Diatomeen bleibt die Kieselerde als zierliches, Form und Skulptur der ursprünglichen Zelle wiedergebendes Skelett zurück. Die Diatomeen leben als isolierte Zellen oder sind zu band- und scheibenartigen Zellfamilien vereinigt; manche sind in Gallerthüllen eingeschlossen, andre sitzen auf Gallertstielen andern Pflanzen auf. Häufig sind ihre Formen symmetrisch zweihälftig, von ovaler, kahnförmiger, nadelförmiger, geigenförmiger Gestalt, in andern Fällen asymmetrisch. Ihre Zellhaut zeigt eine feine Skulptur, z. B. eine stärker hervortretende Mittellinie, einen zentralen und zwei endständige Knoten und zahlreiche dichte Seitenstreifen. Jede Diatomeenzelle besteht aus zwei ungleichen Schalenhälften, einer ältern größern und einer jüngern kleinern, von denen erstere mit ihren Rändern über den Rand der letztern übergreift, etwa wie ein Schachteldeckel über die Seitenwand der Schachtel. Die Seite, an welcher die Schalenränder übereinander greifen, heißt Gürtelband- oder Nebenseite, die andre, meist reichlicher gezeichnete die Hauptseite. Durch diese Zweischaligkeit wird eine eigentümliche Teilungsart der Diatomeen veranlaßt; bei derselben werden nämlich zwei neue Zellhälften gebildet, die mit ihren Gürtelbändern stets in die alten bleibenden Schalenhälften hineingreifen und also kleiner als diese werden; jede neugebildete ganze Zelle besteht demnach aus einer alten und einer neuen Schale. Da sich der Teilungsvorgang oftmals hintereinander wiederholt, so entsteht eine Anzahl immer kleinerer Individuen. Nach Eintritt einer gewissen Grenze der Verkleinerung tritt schließlich die Bildung von Zygosporen (Auxosporen) ein, welche die Individuen wieder auf normales Größenmaß zurückführt. Auch die Bildung dieser Auxosporen ist eine sehr eigentümliche und komplizierte. Viele isoliert lebende Arten zeigen eine langsam schwimmende oder kriechende, der Längsachse der Zelle parallele Bewegung, deren Ursache teils in feinen, aus Spalten u. Öffnungen der Schale hervorgestreckten, im Wasser nicht sichtbaren Plasmafäden, teils in starken Diffusionsströmen gesucht worden ist. Die Diatomeen leben in zahllosen Massen auf und in feuchter Erde, auf nassen Felsen, im Süßwasser und im Meer, bilden oft schleimige oder gallertartige Überzüge auf andern Pflanzen und sind ein Hauptbestandteil des Grundschlammes vieler Gewässer. Fossil kommen sie in Lagern von der Mächtigkeit vieler Meter als Bergmehl, Polierschiefer, Tripel, Infusorienerde, z. B. bei Bilin in Böhmen, Ebstorf in der Lüneburger Heide, in Toscana, Sibirien, Lappland u. a. O. vor. Auch in Guanolagern sind sie verbreitet. Die erste genauere Kenntnis derselben verdankt man Ehrenberg, der sie jedoch zu den Infusorien rechnete. Gattungen: Melosira Ag., Amphora Ehrbg., Achnanthes Bor., Diatoma DC., Synedra Ehrbg., Fragilaria Ag., Pleurosigma Sm. (Fig. 6), Navicula Bor., Pinnularia Ehrbg., Meridion Ag., Tabellaria Ehrbg., Triceratium Ehrbg., Biddulphia Gray, Actiniscus Ehrbg., Dictyocha Ehrbg. u. a.

 

5. Ordnung: Coenobieae (in Zellfamilien lebende Oosporeen). Zu dieser Ordnung wird allein die Familie der Volvocineen gezählt, deren Zellen zu hohlkugeligen, in einer Gallerthülle eingeschlossenen Kolonien vereinigt sind und mit je zwei beweglichen Wimpern aus der Hülle hervorragen.

 

6. Ordnung: Sphaeropleae. Auch diese Ordnung umfaßt nur eine Familie, die Sphäropleaceen, die einzellige, cylindrische, unverzweigte Zellfäden mit ringförmigen Chlorophyllbändern darstellen. Ihre Oogonien und Antheridien entstehen in gewöhnlichen, den vegetativen gleichen Zellen des Fadens und öffnen sich für den Austritt der keulenförmigen, bewimperten Spermatozoiden und den Eintritt derselben zu den grünen, mit farblosem Empfängnisfleck versehenen Eizellen durch kreisrunde Löcher. Die

 

^[Abb.: Fig. 5. Euastrum crux melitensis, eine aus zwei symmetrischen Hälften bestehende einfache Zelle darstellend.]

 

^[Abb.: Fig. 6. Pleurosigma angulatum.]

 

^[Abb.: Fig. 7. Befruchtung von Vaucheria. A ein Stück der Schlauchzelle mit Antheridium (a) und Oogonium (og); B geöffnetes Oogonium, das einen Schleimtropfen (sl) ausstößt; C die mit zwei Wimpern versehenen Spermatozoiden; D Versammlung der Spermatozoiden am Eingang der Oogonien.]

 

hierher gehörige Gattung Sphaeroplea bewohnt überschwemmte Flußufer.

 

7. Ordnung: Coeloblastea (schlauchartige Oosporeen). Ihr Thallus besteht aus einer einzigen, meist verzweigten Schlauchzelle, die Geschlechtsorgane sind nicht wie bei der vorigen Ordnung den vegetativen Zellen gleich, sondern verschieden von ihnen. Die Gruppe der Vaucheriaceen mit der Gattung Vaucheria DC. (Fig. 7) umfaßt A., die an feuchten Orten auf der Erde oder auch im süßen Wasser leben; ihre ungeschlechtliche Vermehrung geschieht durch große, in keulig anschwellenden Ästen gebildete unbewegliche Brutzellen oder durch bewegliche, mit einem dichten Überzug kurzer Wimpern versehene Schwärmsporen (Fig. 8). Die Geschlechtsorgane stehen nebeneinander auf demselben Faden; die Antheridien bilden sich am Ende hornförmig gekrümmter oder gerader Äste und erzeugen längliche, zweiwimperige Spermatozoiden, während die schief eiförmigen, zu einer Papille ausgezogenen Oogonien eine kugelige Eizelle mit farblosem Empfängnisfleck ausbilden. Bei der Befruchtung öffnen sich Antheridien und Oogonien, welch letztere bisweilen vorher einen farblosen Tropfen von Protoplasma austreten lassen; einzelne im Wasser umherschwärmende Spermatozoiden treten in das Oogonium ein und vermischen sich mit dem Plasma der Eizelle. Letztere umzieht sich mit einer Haut, wird dadurch zur Oospore, und ihr vorher grüner Inhalt färbt sich rot; nach längerer Ruhezeit keimt sie und wächst zu einem neuen Algenpflänzchen aus. Die beiden ebenfalls hierher gehörigen Familien der Caulerpeen und Codieen mit den Gattungen Caulerpa Lam., Bryopsis Lam., Acetabularia Lam., Udotea Lam., und Codium Ag. bestehen aus Meeresbewohnern der warmen Zone. Eine den Schlauchalgen in der Form der Zellfäden gleiche, aber durch ihre Sporenbildung völlig abweichende Alge (Phyllosiphon Arisari T. Kühn) lebt parasitär in den Blättern des südeuropäischen Arisarum vulgare.

 

8. Ordnung: Oedogonieae (Ödogonien). Diese Ordnung unterscheidet sich besonders durch ihren mehrzelligen Thallus von der vorigen. Die Familie der Ödogoniaceen umfaßt nur die Gattungen Bulbochaete und Oedogonium (Fig. 9 u. 10), erstere durch Endzellen mit angeschwollenem Grund und borstenförmiger Spitze ausgezeichnet, die der letztern fehlen. Durch eine besondere Art der Zellteilung werden bei diesen Gattungen an den Querwänden der Zellfäden eigentümliche Zellhautkappen erzeugt. Die ungeschlechtliche Vermehrung erfolgt durch Schwärmsporen, welche sich nach dem Schwärmen mit einer lappig verzweigten Haftscheibe festsetzen. Die Antheridien entstehen durch mehrfache Teilung vegetativer Zellen und bilden in der Regel eine übereinander stehende Zellreihe, aus welcher die Spermatozoiden in verschiedener Weise austreten (Fig. 9). Die Oogonien bilden sich ebenfalls durch Teilung vegetativer Zellen, nehmen kugelige oder ovale Form an und öffnen sich für den Eintritt der Spermatozoiden entweder durch ein kreisförmiges Loch oder mit einem Deckel, wobei eine schleimige, aus dem Inhalt des Oogoniums gebildete Masse in den Riß tritt und daselbst den sogen. Befruchtungsschlauch herstellt; das übrige Plasma des Oogoniums formt sich zur Eizelle um, die sich nach der Befruchtung mit einer dicken Haut umzieht und als rot gefärbte Oospore überwintert. Die Verteilung der Geschlechter ist eine eigentümliche; bei vielen Arten entstehen nämlich die Antheridien auf kleinen, der weiblichen Pflanze aufsitzenden Pflänzchen, den sogenannten Zwergmännchen (Fig. 10 m). Letztere entwickeln sich aus den Androsporen, das heißt Schwärmzellen, die sich auf dem Oogonium oder in dessen Nähe festsetzen und nur eine einzige vegetative Zelle mit einem Antheridium an der Spitze entwickeln; aus letzterm treten nur zwei Spermatozoiden hervor.

 

Für die übrigen sich der Ordnung habituell anschließenden Familien ist die systematische Stellung noch zweifelhaft, da die geschlechtliche Fortpflanzung derselben unbekannt ist. Bekannt ist die Familie der Konfervaceen mit den Gattungen Conferva Lk. und Cladophora Ktz., die teils Meeresbewohner, teils Süßwasseralgen sind und im Wasser schwimmende oder flutende wolkige Fadenmassen von grüner oder bleichgelber Farbe bilden. Die Chätophoreen (Gattungen: Chaetophora Schr. Stigeoclonium Ktz.) unterscheiden sich von der vorigen durch eine die Fäden einhüllende Gallertmasse, die als Luftalgen lebenden Chroolepideen (Gattung: Chroolepus) durch roten oder rotbraunen Zellinhalt, die Ulvaceen (Gattungen: Ulva L. und Enteromorpha Lk.) durch flächenartigen, blattförmigen Thallus. Bei den meisten Gattungen findet un-^[folgende Seite]

 

^[Abb.: Fig. 8. Vaucheria sessilis. a Ende eines Schlauches; b Anschwellung u. Protoplasmaansammlung in demselben zur Schwärmsporenbildung; c Austritt der Schwärmspore; d dieselbe nach dem Austritt.]

 

^[Abb.: Fig. 9. Fadenstück eines Oedogonium, aus seinen Zellen Spermatozoiden z entleerend. - Fig. 10. Fadenstück eines Oedogonium mit zu Oogonien angeschwollenen Zellen og und auswendig ansitzenden Zwergmännchen m.]

 

geschlechtliche Fortpflanzung durch Schwärmsporen statt, bei einigen kennt man auch zweierlei, nämlich größere und kleinere Schwärmsporen.

 

9. Ordnung: Characeae (Armleuchtergewächse), s. d.

 

10. Ordnung: Fucoideae (ledertangartige A.). Diese Ordnung umfaßt Meeresbewohner, die in ihren einfachsten Formen den Konfervaceen ähnlich sind, aber bei den höher entwickelten wurzel-, blatt- und stengelähnliche Teile ausbilden. Charakteristisch ist ihre olivengrüne bis lederbraune, durch Phykophäin veranlaßte Färbung. Nach der Fortpflanzung zerfällt die Ordnung in zwei Gruppen, in die der Phäosporeen mit ungeschlechtlicher Vermehrung durch Schwärmsporen und die der Fukaceen ohne Schwärmsporen, aber mit hochentwickelten Geschlechtsorganen. Innerhalb der ersten Gruppe besteht der Thallus bei der Familie der Ektokarpeen (Gattung: Ectocarpus Lyngb.) aus einfachen Zellfäden, bei den Sphacelarieen (Gattungen: Sphacelaria Lyngb., Cladostyphus Ag.) bildet er zahlreiche parenchymatisch verbundene Zellreihen, bei den Chordarieen (Gattung: Chordaria Ag.) ist er hautartig, kugelig oder fadenförmig, bei den Diktyoteen (Gattungen: Dictyota Ag., Padina Adans.) blattartig flach, bei den Laminarieen (Gattungen: Laminaria Mont., Chorda Lam., Macrocystis Ag.) entwickelt er sich zu oft riesigen, blattartigen, ganzen oder geteilten Formen mit wurzelartiger, fest haftender Basis und stark verlängertem Stiel, endlich bei den Sporochnoideen (Gattungen: Desmarestia Grev., Sporochnus Ktz.) treten fiederig verzweigte Gestalten auf. Die Gruppe der Fukaceen oder Ledertange besteht aus flach gedrückten oder cylindrischen, gabelig oder fiederförmig verzweigten, lederartigen A., deren inneres Gewebe eine parenchymatische Rinde und lockeres Mark unterscheiden läßt und häufig durch große, als Schwimmapparat dienende Lufträume, die sogen. Luftblasen, unterbrochen wird. An besondern Fruchtästen stehen grubige Höhlungen mit warzenförmiger Mündung, die Conceptacula (Fig. 11), welche die Geschlechtsorgane enthalten; bei den monözischen Arten stehen Antheridien und Oogonien in demselben Conceptaculum, bei den diözischen in verschiedenen. Die auf einer kurzen Stielzelle aufsitzenden Oogonien stellen große, kugelige, mit braunem Protoplasma erfüllte Zellen dar, deren Inhalt bei manchen Gattungen sich zu einem einzigen Ei umformt, bei andern durch Teilung in 2, 4 oder 8 Eizellen zerfällt (Fig. 14). Die Antheridien bestehen aus länglich eiförmigen Zellen (Fig. 12), welche die Endglieder ästig verzweigter Haare bilden; sie erzeugen viele kleine, zugespitzte Spermatozoiden mit rotem Pigmentfleck und zwei Wimpern. Bei der Befruchtung werden zunächst Oogonien und Antheridien von den Konzeptakeln ausgestoßen, sie öffnen sich dann, zahlreiche Spermatozoiden sammeln sich an der Oberfläche der großen Eizelle (Fig. 13) an und versetzen dieselbe in rotierende Bewegung, wobei einzelne Schwärmer sich mit dem Plasma des Eies vermischen. Nachdem letzteres zur Ruhe gekommen, umgibt es sich als Oospore mit einer Membran und keimt zu einer neuen Pflanze aus. Gattungen: Fucus L. (Fig. 11, 12, 13, 14), Cystoseira Ag., Halidrys Grev., Sargassum Ag. (Fig. 15).

 

11. Ordnung: Coleochaeteae (Koleochäteen), kleine, aus verästelten Zellreihen oder Zellscheiben gebildete Süßwasseralgen, die sich als Karposporeen (s. oben) durch die Art ihrer geschlechtlichen Fortpflanzung von allen vorherigen Ordnungen unterscheiden. Als weibliches Organ fungiert bei ihnen eine flaschenförmige, in einen Halsteil (Trichogyne) verlängerte Zelle, das Karpogon, in deren Bauchteil sich die Eizelle befindet. Nach der Befruchtung, die auch hier durch bewegliche Spermatozoiden erfolgt, wird das Karpogon von benachbarten Zellzweigen umwachsen, welche ringsherum eine lückenlose, sich braun färbende Rinde herstellen, während die Trichogyne abfällt. Die auf diese Weise gebildete Frucht überwintert und erzeugt im nächsten Frühjahr Schwärmsporen, aus denen neue Pflanzen hervorwachsen. Gattung: Coleochaete Bréb.

 

^[Abb.: Fig. 11. Fucus vesiculosus. Stück des Thallus, an den Enden mit den aus zahlreichen Conceptacula bestehenden Fruchtständen. Natürliche Größe.]

 

^[Abb.: Fucus vesiculosus. Fig. 12. Antheridien tragende Haare aus einem Conceptaculum. - Fig. 13. Eine aus dem Oogonium entleerte Befruchtungskugel, von Spermatozoiden umschwärmt. - Fig. 14. Ein Oogonium aus einem Conceptaculum.]

 

^[Abb.: Fig. 15. Ein Stück von Sargassum natans mit kugelförmigen Schwimmblasen ½.]

 

12. Ordnung: Florideae (Rot- oder Blütentange). Die hierher gehörigen, durch Farben- und Formenpracht ausgezeichneten A. sind vorwiegend Meeresbewohner; nur die Gattungen Batrachospermum Roth, Lemanea Bor. und Arten von Bangia Lyngb. sowie Hildenbrandtia Nard. bewohnen süßes Wasser. Die schön rote oder dunkelviolette Färbung vieler Florideen wird durch einen roten, neben Chlorophyll auftretenden Farbstoff, das Pykoerythrin ^[richtig: Phykoerythrin], bedingt. Nur in ihren einfachsten Formen ähneln diese A. den Konfervaceen, sonst nimmt ihr Thallus blattartige oder regelmäßig verästelte, oft sehr zierliche Formen an; bei einer Gruppe, den Korallineen, wird derselbe durch Inkrustation von kohlensaurem Kalke korallenartig fest. Die ungeschlechtliche Vermehrung geschieht durch unbewegliche Brutzellen, die Tetrasporen, die zu vier in je einer Mutterzelle entstehen. Der Befruchtungsprozeß verläuft bei den Gruppen der Florideen in etwas verschiedener Weise, immer aber findet derselbe zwischen unbeweglichen Samenkörpern (Spermatien) u. einem mit halsartigem Empfängnisorgan versehenen Karpogon (Fig. 16 f, t) statt. Bei manchen Florideen sitzt das Empfängnis-Organ oder die Trichogyne nicht unmittelbar dem Karpogon auf, sondern letzteres stellt schon vor der Befruchtung einen Zellkörper dar, und die Trichogyne wird von einer besondern Zellreihe, dem Trichophor (Fig. 16 f), getragen. Zum Zweck der Befruchtung müssen die aus den Antheridien (Fig. 16 a n) entleerten Spermatien durch das Wasser in die Nähe der Trichogyne gelangen; einzelne haften dann an der zarten Haut derselben fest, worauf dieselbe an der Berührungsstelle sich auflöst. Infolge der Befruchtung entwickelt sich das Karpogon weiter und erzeugt entweder einen dichten Knäuel von Ästen, deren Endzellen sich zu Sporen ausbilden, die Keimhäufchen (glomeruli) darstellend, oder es bildet sich zu einer kapselartigen Sporenfrucht' ^[richtig:,] dem Cystokarp (Fig. 17), aus, welches die Sporen einschließt. Die Cystokarpien stehen entweder frei an der Seite der Thalluszweige, oder sind dem Körper des Thallus eingesenkt; sie enthalten einen oder mehrere von Gallerthüllen umschlossene Ballen von Sporen und öffnen sich bei der Reife am Scheitel. Wichtigste, zugleich als Repräsentanten von Familien betrachtete Gattungen sind: Porphyra Ag., Lemanea Bory, Ceramium Lynb., Furcellaria Lam., Gigartina Ag., Dumontia Ag., Rhodymenia Grev., Gelidium Ag., Sphaerococcus Grev., Rhodomela Ag., und Corallina Tourn.

 

Die Fukaceen und Florideen bilden die hauptsächliche Vegetation der Meere und erreichen zum Teil riesige Dimensionen, wie Laminarien und Macrocystis-Arten (bis 300 m lang), schwimmen auf hoher See oder leben an den Felsen der Küste festgewachsen, wo sie vielen Seetieren zur Nahrung und zum Aufenthalt dienen. Eine Darstellung wichtiger Meeresformen der A. gibt die beifolgende Tafel und zwar folgende Arten: 1. Macrocystis pyrifera, 2. Nereocystis Luetkeana (adulta), 3. N. L. (juvenilis), 4. Alaria fistulosa, 5. A. esculenta, 6. Laminaria Bongardiana, 7. L. saccharina, 8. L. digitata, 9. Constantinea Rosa marina, 10. Odonthalia Gmelini, 11. Iridaea Mertensiana, 12. Dumontia Hydrophora, 13. Porphyra pertusa, 14. u. 15. Thalassophyllum Clathrus (crispum), 16. Costaria Turneri, 17. Fucus Vesiculosus, 18. Halymenia palmata, 19. Agarum Gmelini, 20. Desmarestia intermedia. Auch in den vorweltlichen Perioden, vom Übergangsgebirge bis zum Tertiär, waren die Meere reich an solchen Gewächsen.

 

Die meisten A. sind ausgesprochene Wasserpflanzen, und diejenigen, welche an der Luft leben, halten sich nur an feuchten Orten auf und erfordern sogar für gewisse Lebensprozesse, wie für die Bildung von Schwärmsporen, periodische Anwesenheit tropfbarflüssigen Wassers. Eine zweite Lebensbedingung der A. ist das Licht, dessen sie, wie alle mit Chlorophyll ausgestatteten Gewächse, zur Unterhaltung des Assimilationsprozesses bedürfen. Sie bilden ihre organische Substanz, wie die höhern Pflanzen, aus Kohlensäure und Wasser und unterscheiden sich in dieser Beziehung sehr bestimmt von den Pilzen, welche des Chlorophylls entbehren, sich daher von vorgebildeter organischer Materie ernähren müssen. Über die Beziehungen von A. zu Pilzen s. Flechten, zu Tieren s. Symbiose. - Einen Nutzen gewähren nur die Tange, von denen manche jung als Gemüse, andre als Futter für Haustiere Verwendung finden. Einige liefern technische und arzneiliche Handelsartikel. Die an den Küsten ausgeworfenen Tangmassen werden als Dünger benutzt und an den englischen und französischen Küsten auf Jod und Alkalisalze verarbeitet.

 

Vgl. J. G. ^[Jacob George] Agardh, Species, genera et ordines algarum (Lund 1848-80, Bd. 1-3); Kützing, Phycologia generalis (Leipz. 1843); Derselbe, Species algarum (das. 1849); Derselbe, Tabulae phycologicae (Nordh. 1846-71, 19 Bde.); Nägeli, Die neuern Algensysteme (Zür. 1847); Rabenhorst, Flora europaea algarum (Leipz. 1865-68); Harvey, Phycologia britannica (Lond. 1871); Thuret, Études phycologiques (Par. 1878); Bornet und Thuret, Notes algologiques (das. 1876 bis 1880, Heft 1 u. 2).

 

^[Abb.: Herpothamnion hermaphroditum. Fig. 16. Stück eines Thallusastes mit Antheridien an und dem weiblichen Organ mit dem Trichophor f und der Trichogyne t. - Fig. 17. Stück eines Thallusastes mit dem weiblichen Organ nach der Befruchtung, wo dieses sich zum Cystocarp entwickelt; bei g liegen die Sporenhaufen, unterhalb welcher Zellfäden als Hülle des Cystocarps hervorsprossen.]

   

2010 - 80er

 

Zu DDR-Zeiten Ferienheim "Aktivist" der IG Wismut in top Lage.

Heute verfällt es.

Verfallene Wohnhäuser in der Ortschaft Orneta - Polen

Kamera: Ricoh 401 TLS

Film: Adox HR50

Belichtung: EI 80

Entwicklung: Rodinal 100+1, 1h

decomposition of a bird

Historie

Jährlich erinnert der 8. Mai als "Tag der Befreiung" an die Beendigung des 2. Weltkrieges durch die Alliierten und durch die Rote Armee im Jahr 1945. Die Siegermächte waren nämlich nicht nur die ehemaligen Sowjets, sondern u.a. auch die Staaten: USA, Großbritannien und Frankreich.

In der Roten Armee kämpften einst Soldaten aus 15 Volksgruppen gegen Nazideutschland. Sie kamen u.a. aus Weißrussland, Armenien, Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan, Ukraine, Litauen oder Aserbaidschan. Die meisten dieser Staaten zählen heute zu den Nachfolgestaaten des heutigen Russlands, andere Staaten wie z.B. Litauen haben bereits ihre Unabhängigkeit wieder erlangt. Letztere sind zugleich auch Mitglied der NATO.

Am 7. Mai 1945 wurde bei den Verhandlungen im Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) in Reims die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte vereinbart und diese dort vertraglich unterzeichnet. Als Zeitpunkt für die Einstellung aller Kampfhandlungen in Europa wurde der 8. Mai, 23:01 Uhr festgelegt.

Da in der Sowjetunion die Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde und bedingt durch die Zeitverschiebung (siehe Moskauer Zeit) das Inkrafttreten der Kapitulation in Moskau auf den 9. Mai fällt, werden im heutigen Russland und in vielen anderen postsowjetischen Staaten bis heute die Feierlichkeiten erst am 9. Mai und als „Tag des Sieges“ begangen.

Als postsowjetische Staaten im politikwissenschaftlichen Sinne werden diejenigen unabhängigen Staaten bezeichnet, die aus dem Zerfall der einstigen Sowjetunion ab 1990 hervorgingen. Die Auflösung des weltgrößten sozialistischen Staates markierte zugleich das Ende des Kalten Krieges. Noch lebende Veteranen werden überall geehrt, doch manch frühere Teilrepublik oder auch sich als Opposition verortete Vereine und Organisationen versuchen sich vom heutigen Russland abzugrenzen.

 

Der Tag des Sieges ohne russische Propaganda, mit Aufklärung und Memorial-Führung im Treptower Park

So auch das exilrussische Bündnis Demokrati-Я, die in diesem Jahr erneut einen Stand -diesmal im Treptower Park- aufgebaut hatten. Schon im letzten Jahr waren sie für 2 Tage -allerdings am Mahnmal im Tiergarten- mit einem Infostand vertreten; Demokrati-Я hält auch fortlaufend Proteste in der Stadt gegen Putin ab.

In ihrer Veranstaltung zum diesjährigen 8. und 9. Mai schrieben sie:

Vor 78 Jahren endete der blutigste Krieg in der Geschichte der Menschheit mit dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition und der Kapitulation Nazideutschlands. Doch heute wütet ein weiterer Krieg wieder mitten in Europa. Diesmal ist es einer eines Landes, das 1945 die Welt von der braunen Pest befreit hat. Wie kann es sein, dass ein Dreivierteljahrhundert nach dem Sieg über den Faschismus das Siegerland Russland alle Anzeichen einer wiederauflebenden faschistischen Diktatur aufweist?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, sich der Geschichte und ihren ungelernten Lektionen zuzuwenden. Das Gedächtnis von den Verzerrungen der Propaganda zu befreien, an die Verbrechen der sowjetischen Diktatur zu erinnern, die lange vertuscht wurden, und die aktuellen Verbrechen des russischen Regimes nicht zu vergessen. Aber unsere Hauptaufgabe für heute ist es, dem neuen Sieg (peremoha) näher zu kommen. Die Aggression muss bekämpft werden.

 

Unsere Aktion ist Teil eines gemeinsamen Projekts von Bürgerinitiativen, die sich im Frühjahr 2022 zusammengeschlossen haben: www.gedenken-gegen-krieg.de/

Dieses Jahr werden wir am 8. und 9. Mai im Treptower Park ein kleines Zeltlager mit Ausstellungsmaterial, einem Performance-Bereich und verschiedenen interaktiven Programmen für zwei volle Tage aufbauen.

Unsere Ziele:

▪️ die historische Bedeutung dieses Datums und dieses Ortes im Kontext der aktuellen Ereignisse (neu) zu reflektieren;

▪️ die Besucher:innen des Denkmals über die Verbrechen des sowjetischen und russischen Regimes und deren Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine zu informieren;

▪️ die Bundesregierung aufzufordern, die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber der Ukraine anzuerkennen und sie noch umfassender in ihrem Befreiungskampf gegen die russische Aggression zu unterstützen.

 

Demokrati-Я hatte für die beiden Tage ein Programm aufgestellt und u.a. Gäste wie Markus Meckel, ehemaliger Außenminister der DDR und Bundestagsabgeordnete, Dmitri Stratievski, Vorsitzender des Osteuropa-Zentrum Berlin, Olga Romanova, Gründerin der Organisation "Russland hinter Gittern", Maria Tunkara, Bloggerin, Anna Narinskaya, Journalistin, Mitglieder der Menschenrechtsorganisation "Memorial" und andere geladen.

Als Künstler traten u.a. auf: der DDR-Dissident Ekkehard Maaß, die Schauspielerin und Performance-Künstlerin Janina Ahh, der Dichter und Sozialaktivist Alexander Delfinov, die Filmemacherin Anya Demidova und andere.

 

Außerdem wurden an beiden Tagen Führungen durch den Denkmalkomplex in Zusammenarbeit mit Memorial Deutschland durchgeführt. Auf der Website "Gedenken gegen Krieg" steht dazu geschrieben:

"Inmitten des pompösen, spätstalinistischen Denkmals sprechen wir über die sowjetische Architektur von Gedenkstätten für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, die Merkmale totalitärer Erinnerungskultur, die Ersetzung der Trauer um die Toten durch eine Feier des Triumphs und den sowjetischen Einsatz von Dieser Triumph legitimierte die Versklavung eines großen Teils Europas.

Wir sprechen über die unterschiedliche Wahrnehmung des Treptower Denkmals heute, aber auch darüber, wie sich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Russland verändert hat und wie sie von der russischen Staatspropaganda instrumentalisiert wird, um den Beginn eines neuen Angriffskrieges zu rechtfertigen."

 

Für viele wahrscheinlich nicht wissend: auch acht Zitate des Diktators Josef Stalin sind bis heute am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow in goldenen Lettern verziert. Stalin war ein kommunistischer Diktator der Sowjetunion von 1927 bis 1953. Er war für den Holodomor mit Millionen von Toten verantwortlich.

Von 1932 bis 1933 starben rund 8 Millionen Menschen in der Sowjetunion am Hungertot, davon rund 4 Millionen Menschen in der Ukraine.

Im November 2022 hat der Deutsche Bundestag den "Mord durch Hunger" als Genozid anerkannt.

Die russische Politik wehrt sich bis heute und mit Nachdruck gegen die Einordnung des Holodomor als Völkermord.

In der zweiten Säuberungswelle zu Beginn des Jahres 1948 wurden hauptsächlich Juden in der Sowjetunion hingerichtet, die als „wurzellose Kosmopoliten“ denunziert wurden. Die Kampagne führte zunächst zur Auflösung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und zur Hinrichtung jiddischer Intellektueller, bekannt als Nacht der ermordeten Dichter. Sie erreichte ihren Höhepunkt in der sogenannten Ärzteverschwörung. Siehe dazu auch der Beitrag in der Jüdischen Allgemeinen: "Der König der Juden".

 

In diesem Jahr war das tragen der ukrainischen Flagge erlaubt, während russische- aber auch sowjetische Flaggen sowie das tragen von St. Georgs-Bändern u.ä. verboten waren. Diese könnten „im aktuellen Kontext als Sympathiebekundung für die Kriegsführung verstanden werden“, entschied das Oberveraltungsgericht. Dutzende Menschen verstießen dennoch gegen diese Verbote und drückten somit ihre Unterstützung aus.

Ein Verbot für ukrainische Flaggen hatte das Verwaltungsgericht am Freitag nach einer Eilklage des ukrainischen Verein Vitsche Berlin aufgehoben.

 

Einer der Aktivisten rund um Demokrati-Я war laut t-Online Alexander Sch. Auf seinem T-Shirt war ein stark geschminkter Wladimir Putin abgebildet, ein bekanntes Bild des Widerstands. "Putin hat kein Recht, diesen Sieg für sich zu privatisieren", sagte der Mann aus Lettland. Russland sei mittlerweile selbst zu einem "echten faschistischen Staat" geworden. Er habe Familienmitglieder in Russland, die Putin und seinen Krieg unterstützten. "Seit Kriegsbeginn bezeichne ich die nicht mehr als meine Verwandten. Ich habe sie für immer aus meinem Leben gestrichen."

Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern aus Russland und der Ukraine machte Sch. sich auf den Weg nach vorne zur "Mutter Heimat". Sie hatten eine Ukraine-Flagge, die Flagge des russischen Widerstandes (weiß/hellblau/weiß und ohne das Rot, was als Blut bezeichnet wird) und eine EU-Flagge dabei und sangen ukrainische Lieder.

Immer wieder wurden sie auf Russisch oder Deutsch beleidigt. "Fuck Ukraine", "Bandera", "Faschisten" rief ihnen die Menschenmenge zu.

Als sie vorne angekommen waren, bildete sich eine Menschentraube um sie. Polizeikräfte trennten beiden Gruppen. Immer wieder wurde versucht, die Ukraine-Flagge zu entreißen. Dann fingen die Putin-Unterstützer an, den Männern mit den Ukraine-Flaggen "Nazis raus" entgegenzurufen. Sch. und seine Mitstreiter stimmten in diesen Ruf mit ein. Unter Polizeischutz und anhaltenden Beschimpfungen wurden sie von der Soldatenstatue wieder weg geführt.

Sch. und seine Mitstreiter gaben im Anschluss Medienvertretern noch ein Interview, wo sie abermals mehrmals von Putinunterstützern gestört wurden. U.a. rief ein Mann, der eine zeitlang dem Interview mit gelauscht hatte: "Lieber Stalin als Selenskyj" zu. Das sagt dann auch schon sehr viel aus.

 

Messerattacke und Übergriffe auf Medienjournalisten

Entgegen aller Presseberichte gab es am Abend des 9. Mai noch einen versuchten Messerangriff auf diese Aktivisten, der Täter konnte später von der Polizei dingfest und abgeführt werden. Eine russische Aktivistin von "МЫР — My Russian Rights — MRR" (Verein für Menschenrechte), aber auch Martin Lejeune hatte mit einem ausgiebigen Video darüber berichtet. Wie Waffen in diesen Denkmalkomplex kommen konnten, bleibt unklar.

Gezeigt wurde im Video von Lejeune aber auch, wie ein immer größer werdender Mob aus Putin-Anhängern einen ukrainischen Medienaktivisten attackierten, diesen traten und schlugen und als die Polizei kam, wurde dieser -wie erwartet- beschuldigt, die Putin-Anhänger bespuckt zu haben ("weswegen man treten und schlagen durfte").

Fake-News à la Russland. Es ist ein Elend.

 

Ganz vorne im Park hatte erneut die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) am 8. und 9. Mai einen Stand mit Programm -und ohne russische Propaganda- aufgebaut. Die VVN-BdA verteilte an diesen Tagen z.B. rote Nelken mit einem Aufkleber: "Nein zum Krieg", die auch direkt an der "Mutter Heimat" in das Denkmal gesteckt wurden. Interessant zu beobachten war, das Putinfreunde nur Nelken ansteckten, die ohne den Aufkleber "Nein zum Krieg" auskamen. Im letzten Jahr wurden die VVN-BdA im Treptower Park laut taz mit Worten wie: "Ihr seid gegen Russland, also seid ihr Nazis." beschimpft.

 

hinzugezogene Quellen

www.flickr.com/photos/tags/demokratija

www.flickr.com/photos/sozialfotografie/albums/72177720308...

www.facebook.com/events/639991311331587/

www.gedenken-gegen-krieg.de/en/events/

www.tagesspiegel.de/berlin/ovg-folgt-beschwerde-der-berli...

www.stern.de/politik/geschichte/berliner-denkmaeler-ueber...

de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

osteuropa.lpb-bw.de/simon-holodomor-als-voelkerm

www.dw.com/de/was-ist-der-holodomor-hungersnot-ukraine-v%...

www.juedische-allgemeine.de/kultur/der-koenig-der-juden/ (archive.fo/R6vkA)

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02J4NpRn5kqSs3SV...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02Jjh9fyRitSiVmA...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02n29V5Pty86Gpzi...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0veDoqsNFQ7SeNnW...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02tAcHz8zTAQD6Bx...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0kAuQ4qHYjfKPqAi...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0nNgPwxKrvnYwMhM...

www.t-online.de/region/berlin/id_100173060/putin-fans-fei...

www.dw.com/ru/akcia-s-krovavoj-kukloj-v-berline-vojna-eto...

www.facebook.com/Ooo.Romanova/videos/192582193712995

www.youtube.com/watch?v=p5NmadEpZuE

neuntermai.vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/05/...

taz.de/Gedenken-zum-9-Mai-in-Berlin/!5850611/

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------

 

© Streichphotography

 

Die Bilder sind in druckbarer Qualität und Original vorhanden.

 

Rechtlicher Hinweis:

Copyright:

Denken Sie bitte daran, alle hier abrufbaren Medien sind durch das Urheberrecht (§ 2 Abs. 2 UrhG) geschützt und sind Eigentum des Urhebers.

Nutzungsrecht:

Wenn Sie ein Foto für gewerbliche Zwecke verwenden möchten, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail.

Denken Sie bitte daran, dass auch wenn Ihnen ein Nutzungsrecht gewährt wurde, dass die Werke Eigentum des Urhebers bleiben. Eine Weitergabe bzw. Übertragung des überlassenen Materials an Dritte, ist ohne schriftliche Genehmigung des Urhebers nicht gestattet!

Alle Verstöße werden geahndet und rechtlich verfolgt!

 

Vielen Dank!

Stand: Mai 2023

Inselpark Wilhelmsburg September 2014

Abend-Idylle neben dem Kloster Agia Triada auf der Halbinsel Akrotiri im Nordwesten von Kreta in der Gemeinde Chania am Mittwoch 17.04.13. Foto: Markus Bolliger

decomposition of a bird

nice place to live... but a lot of work to do there...

Besuch der Ruine Greifenstein oberhalb von Filisur im Kanton Graubünden der Schweiz :

.

.

.

Ruine der Burg Greifenstein

.

.

.

***************************************************************************************************************

***************************************************************************************************************

 

Ruine Greifenstein

 

***************************************************************************************************************

***************************************************************************************************************

.

.

.

- Entstehungszeit : 12. Jahrhundert

 

- Erhaltungszustand : Ruine

 

- Ort : Filisur

 

- Höhe : 1'246 m

.

.

.

Die Ruinen der Burg Greifenstein liegen oberhalb von Filisur im Albulatal im

schweizerischen Kanton Graubünden.

.

.

.

***************************************************************************************************************

Lage

***************************************************************************************************************

.

.

.

Die Ruine liegt hoch oberhalb des Dorfes und ist vom Geleise der R.hätischen B.ahn

aus über einen W.aldweg in etwa einer Viertelstunde gut zu erreichen. Der oberste Teil

der Anlage kann heute nur noch mit Kletterausrüstung bestiegen werden; der Weg, den

Clavadetscher / Meyer 1.9.8.4 noch erwähnen, ist nicht mehr begehbar.

 

Nicolin Sererhard schrieb um 1.7.4.0: Das alte Schlosz Gryfenstein stehet auf einem sehr

hochen gächen ( steilen ) Büchel.

.

.

.

***************************************************************************************************************

Anlage

***************************************************************************************************************

.

.

.

Die ausgedehnte Anlage war mit grossem Höhenunterschied auf drei Geländestufen ver-

teilt. Die baulichen Zusammenhänge sind nicht mehr klar.

 

Auf der obersten Stufe, einem schwer zugänglichen, auf allen Seiten senkrecht abfallen-

den F.elskopf stand ein turmartiges Gebäude mit unregelmässigem Grundriss. Der Zu-

gang erfolgte über eine in den Fels gehauene Treppe mit drei Kehren.

 

In den Fels geschlagene Löcher lassen auf eine gedeckte Holzgalerie schliessen.

 

Auf der Terrasse der mittleren Stufe lag der die Hauptburg, angelehnt an die senkrecht auf-

steigende O.stwand. Von den ursprünglich drei Stockwerken ist das unterste stark über-

wachsen und mit Schutt aufgefüllt.

 

Reste einer dem Plateaurand folgenden Umfassungsmauer haben sich erhalten. In der

Westwand sind F.enster, ein A.borterker und ein S.chüttstein erhalten. Die Anordnung der

B.alkenlöcher in der S.üdwestwand lässt nur eine Stockwerkhöhe von ca. 1,5 m zu; der

Grund für diese Einteilung ist nicht bekannt.

.

.

Lage und Art der einzelnen Gebäude sind nicht mehr erkennbar. Sicher lagen hier die

Wohngebäude sowie eine an die N.ordwand angelehnte K.apelle, deren in den Fels ge-

schlagene A.psis noch gut erhalten ist.

 

Die 1.9.3.0 von Erwin Poeschel erwähnten M.alereien, braune Bänder sowie ockerfarbene

und hellblaue Dekorationen, sind nicht mehr erhalten. Südlich unterhalb der K.apelle lag

die aus dem Felsen geschlagene Z.isterne, die von einer Mauer abgeschlossen war und

eine schmale Öffnung für die Schöpfvorrichtung freigab. Die Schöpfvorrichtung mit ausge-

hauenen B.alkenlöchern lag oberhalb der Z.isterne. Das Tor zur Anlage lag in der Südwest-

partie, die bis auf wenige Reste abgetragen ist.

.

.

Auf der untersten Stufe lag eine geräumige Terrasse. Der Zugang erfolgte von O.sten her

durch einen schmalen Zugang, von dem sich Mauerreste und ein Kanal eines Sperrbalkens

erhalten haben.

.

.

.

***************************************************************************************************************

Geschichte

***************************************************************************************************************

.

.

.

Urkundliche Nachrichten über den Bau der Burg fehlen, es wird eine Erbauungszeit aus

der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts angenommen. Greifenstein war das Zentrum der

Herrschaft Greifenstein, zu der neben Filisur auch B.ergün, L.antsch und S.tuls gehörten.

 

Die edelfreien Herren von Greifenstein waren nach dem Wappen stammesgleich mit

W.ildenberg - S.agogn und F.rauenberg in R.uschein. 1.2.3.3 wird Rudolf von Greifenstein

erwähnt, der an der Ermordung von Bischof Berthold beteiligt gewesen war und als Busse

auf einen Kreuzzug geschickt wurde; dafür erhielt er Fristverlängerung bis 1.2.3.7.

 

1.2.4.3 sind in einer Vazer Urkunde Heinrich und Albert bezeugt: …Hainricus et Albertus

de Grifinstain.

 

Burg und Herrschaft Greifenstein ging noch vor 1.3.0.0 an die W.ildenberger über; entweder

waren die Greifensteiner ausgestorben oder ein Zweig von ihnen nannte sich wieder nach

W.ildenberg. 1.2.9.7 wird ein Ortolf, Ammann in Greifenstein, als Zeuge in einer Wilden-

berger U.rkunde genannt: Ortolfo ministor in Grifenstein.

 

1.3.2.0 verpfändet Hugo von W.ildenberg und seine Gattin Anna von W.ildenberg die burch

ze Griffenstaein, Bvrguen ( B.ergün ), liute und gueter für 1.1.5.0 Mark an das Hochstift in

C.hur.

 

Nach mehreren Besitzerwechseln - P.lanta aus Z.uoz, Andreas von M.armels, W.erden

berg, von M.atsch, die von Greifenstein aus Bischof Hartmann angriffen - wurde die Burg

1.3.9.4 von den Truppen des Bischofs erobert …und gab ihm Gott das Glükh, daz Sie die

obgenandt drey Vestinen ( R.amosch, S.teinsberg und Greifenstein ) gewannent und sich

dero von Mätsch erwerent und wurde zum bischöflichen Zentrum im Albulatal.

 

Am 2. F.ebruar 1.3.9.6 versprach der Bischof, den Leuten der Herrschaft ihre Rechte zu

belassen und erhielt von ihnen der Treueid …als wir die vesti Griffenstain … in unsern

gewalt habent bracht.

 

Nach weiteren Auseinandersetzungen zwischen den Matsch und dem Bischof entschied

1.4.2.1 als Schiedsrichter Herzog Ernst von Ö.sterreich, dass die Burgen beim Hochstift

verbleiben solle, dafür müsse der Bischof die Matscher und T.oggenburger für R.amosch

und Greifenstein mit 2.5.0.0 Mark entschädigen solle. In einem Streit mit Bischof Ortlieb

( 1.4.5.8 - 1.4.9.1 ) besetzten Gotteshausleute unter anderem auch Greifenstein, wobei

Z.ürich zugunsten des Bischofs intervenierte.

 

Bis zum Auskauf der Herrschaftsrechte durch die Gemeinden 1.5.3.7. diente Greifenstein

den bischöflichen Vögten als Amtssitz, dann wurde sie verlassen und zerfiel rasch. Ulrich

C.ampell erwähnt sie um 1.5.5.0 als zu einem guten Teil zerstört und innen öde. Das Dach

blieb noch bis ins 1.9. Jahrhundert hinein erhalten. Der endgültige Zerfall erfolgte nach

1.8.4.0, als Balken und zugehauene Steine für den Bau des S.chulhauses verwendet

wurden.

.

.

.

.

( BeschriebBurgGreifenstein BeschriebRuineGreifenstein Burg Burgruine Castillo Ruine

AlbumSchweizerSchlösser,BurgenundRuinen Ruin Ruïne Руины Rovina Ruina Mittelalter

AlbumSchweizerSchlösserBurgenundRuinen Geschichte History Wehrbau Burganlage

Festung AlbumBurgruinenGraubünden Graubünden Grischun Grigioni Grisons Bündner

KantonGraubünden AlbumGraubünden Schweiz Suisse Switzerland Svizzera Suissa

Swiss Sveitsi Sviss スイス Zwitserland Sveits Szwajcaria Suíça Suiza )

.

.

.

.

******************************************************************************************************************

.

.

B.urgentour durchs B.ündnerland am Sonntag den 01. November 2009 :

.

.

Mit dem Z.ug von B.ern über Z.ürich - C.hur nach P.reda , die S.tation am N.ordportal des A.lbula T.unnel

.

.

Weiter mit dem F.ahrrad über B.ergün nach F.ilisur , B.esuch der R.uine G.reifenstein

.

.

Weiter mit der r.hätischen B.ahn nach T.husis im D.omleschg

.

.

Besuch von S.chloss O.bertagstein und der R.uine der B.urg O.bertagstein hoch über T.husis

.

.

Rüchfahrt mit dem Z.ug über C.hur - Z.ürich zurück nach B.ern

.

.

******************************************************************************************************************

 

Hurni091101 AlbumZZZZ091101BurgentourFilisurThusis AlbumGraubünden KantonGraubünden KantonGrischun

 

E - Mail : chrigu.hurni@bluemail.ch

 

******************************************************************************************************************

Letzte Aktualisierung - Ergänzung des Textes : 181215

******************************************************************************************************************

 

NIF

Historie

Jährlich erinnert der 8. Mai als "Tag der Befreiung" an die Beendigung des 2. Weltkrieges durch die Alliierten und durch die Rote Armee im Jahr 1945. Die Siegermächte waren nämlich nicht nur die ehemaligen Sowjets, sondern u.a. auch die Staaten: USA, Großbritannien und Frankreich.

In der Roten Armee kämpften einst Soldaten aus 15 Volksgruppen gegen Nazideutschland. Sie kamen u.a. aus Weißrussland, Armenien, Kirgistan, Kasachstan, Tadschikistan, Ukraine, Litauen oder Aserbaidschan. Die meisten dieser Staaten zählen heute zu den Nachfolgestaaten des heutigen Russlands, andere Staaten wie z.B. Litauen haben bereits ihre Unabhängigkeit wieder erlangt. Letztere sind zugleich auch Mitglied der NATO.

Am 7. Mai 1945 wurde bei den Verhandlungen im Hauptquartier der alliierten Streitkräfte (SHAEF) in Reims die bedingungslose Kapitulation aller deutschen Streitkräfte vereinbart und diese dort vertraglich unterzeichnet. Als Zeitpunkt für die Einstellung aller Kampfhandlungen in Europa wurde der 8. Mai, 23:01 Uhr festgelegt.

Da in der Sowjetunion die Kapitulation erst nach diesem Akt bekanntgegeben wurde und bedingt durch die Zeitverschiebung (siehe Moskauer Zeit) das Inkrafttreten der Kapitulation in Moskau auf den 9. Mai fällt, werden im heutigen Russland und in vielen anderen postsowjetischen Staaten bis heute die Feierlichkeiten erst am 9. Mai und als „Tag des Sieges“ begangen.

Als postsowjetische Staaten im politikwissenschaftlichen Sinne werden diejenigen unabhängigen Staaten bezeichnet, die aus dem Zerfall der einstigen Sowjetunion ab 1990 hervorgingen. Die Auflösung des weltgrößten sozialistischen Staates markierte zugleich das Ende des Kalten Krieges. Noch lebende Veteranen werden überall geehrt, doch manch frühere Teilrepublik oder auch sich als Opposition verortete Vereine und Organisationen versuchen sich vom heutigen Russland abzugrenzen.

 

Der Tag des Sieges ohne russische Propaganda, mit Aufklärung und Memorial-Führung im Treptower Park

So auch das exilrussische Bündnis Demokrati-Я, die in diesem Jahr erneut einen Stand -diesmal im Treptower Park- aufgebaut hatten. Schon im letzten Jahr waren sie für 2 Tage -allerdings am Mahnmal im Tiergarten- mit einem Infostand vertreten; Demokrati-Я hält auch fortlaufend Proteste in der Stadt gegen Putin ab.

In ihrer Veranstaltung zum diesjährigen 8. und 9. Mai schrieben sie:

Vor 78 Jahren endete der blutigste Krieg in der Geschichte der Menschheit mit dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition und der Kapitulation Nazideutschlands. Doch heute wütet ein weiterer Krieg wieder mitten in Europa. Diesmal ist es einer eines Landes, das 1945 die Welt von der braunen Pest befreit hat. Wie kann es sein, dass ein Dreivierteljahrhundert nach dem Sieg über den Faschismus das Siegerland Russland alle Anzeichen einer wiederauflebenden faschistischen Diktatur aufweist?

Um diese Frage zu beantworten, ist es wichtig, sich der Geschichte und ihren ungelernten Lektionen zuzuwenden. Das Gedächtnis von den Verzerrungen der Propaganda zu befreien, an die Verbrechen der sowjetischen Diktatur zu erinnern, die lange vertuscht wurden, und die aktuellen Verbrechen des russischen Regimes nicht zu vergessen. Aber unsere Hauptaufgabe für heute ist es, dem neuen Sieg (peremoha) näher zu kommen. Die Aggression muss bekämpft werden.

 

Unsere Aktion ist Teil eines gemeinsamen Projekts von Bürgerinitiativen, die sich im Frühjahr 2022 zusammengeschlossen haben: www.gedenken-gegen-krieg.de/

Dieses Jahr werden wir am 8. und 9. Mai im Treptower Park ein kleines Zeltlager mit Ausstellungsmaterial, einem Performance-Bereich und verschiedenen interaktiven Programmen für zwei volle Tage aufbauen.

Unsere Ziele:

▪️ die historische Bedeutung dieses Datums und dieses Ortes im Kontext der aktuellen Ereignisse (neu) zu reflektieren;

▪️ die Besucher:innen des Denkmals über die Verbrechen des sowjetischen und russischen Regimes und deren Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg in der Ukraine zu informieren;

▪️ die Bundesregierung aufzufordern, die historische Verantwortung Deutschlands gegenüber der Ukraine anzuerkennen und sie noch umfassender in ihrem Befreiungskampf gegen die russische Aggression zu unterstützen.

 

Demokrati-Я hatte für die beiden Tage ein Programm aufgestellt und u.a. Gäste wie Markus Meckel, ehemaliger Außenminister der DDR und Bundestagsabgeordnete, Dmitri Stratievski, Vorsitzender des Osteuropa-Zentrum Berlin, Olga Romanova, Gründerin der Organisation "Russland hinter Gittern", Maria Tunkara, Bloggerin, Anna Narinskaya, Journalistin, Mitglieder der Menschenrechtsorganisation "Memorial" und andere geladen.

Als Künstler traten u.a. auf: der DDR-Dissident Ekkehard Maaß, die Schauspielerin und Performance-Künstlerin Janina Ahh, der Dichter und Sozialaktivist Alexander Delfinov, die Filmemacherin Anya Demidova und andere.

 

Außerdem wurden an beiden Tagen Führungen durch den Denkmalkomplex in Zusammenarbeit mit Memorial Deutschland durchgeführt. Auf der Website "Gedenken gegen Krieg" steht dazu geschrieben:

"Inmitten des pompösen, spätstalinistischen Denkmals sprechen wir über die sowjetische Architektur von Gedenkstätten für die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs, die Merkmale totalitärer Erinnerungskultur, die Ersetzung der Trauer um die Toten durch eine Feier des Triumphs und den sowjetischen Einsatz von Dieser Triumph legitimierte die Versklavung eines großen Teils Europas.

Wir sprechen über die unterschiedliche Wahrnehmung des Treptower Denkmals heute, aber auch darüber, wie sich die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg in Russland verändert hat und wie sie von der russischen Staatspropaganda instrumentalisiert wird, um den Beginn eines neuen Angriffskrieges zu rechtfertigen."

 

Für viele wahrscheinlich nicht wissend: auch acht Zitate des Diktators Josef Stalin sind bis heute am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Treptow in goldenen Lettern verziert. Stalin war ein kommunistischer Diktator der Sowjetunion von 1927 bis 1953. Er war für den Holodomor mit Millionen von Toten verantwortlich.

Von 1932 bis 1933 starben rund 8 Millionen Menschen in der Sowjetunion am Hungertot, davon rund 4 Millionen Menschen in der Ukraine.

Im November 2022 hat der Deutsche Bundestag den "Mord durch Hunger" als Genozid anerkannt.

Die russische Politik wehrt sich bis heute und mit Nachdruck gegen die Einordnung des Holodomor als Völkermord.

In der zweiten Säuberungswelle zu Beginn des Jahres 1948 wurden hauptsächlich Juden in der Sowjetunion hingerichtet, die als „wurzellose Kosmopoliten“ denunziert wurden. Die Kampagne führte zunächst zur Auflösung des Jüdischen Antifaschistischen Komitees und zur Hinrichtung jiddischer Intellektueller, bekannt als Nacht der ermordeten Dichter. Sie erreichte ihren Höhepunkt in der sogenannten Ärzteverschwörung. Siehe dazu auch der Beitrag in der Jüdischen Allgemeinen: "Der König der Juden".

 

In diesem Jahr war das tragen der ukrainischen Flagge erlaubt, während russische- aber auch sowjetische Flaggen sowie das tragen von St. Georgs-Bändern u.ä. verboten waren. Diese könnten „im aktuellen Kontext als Sympathiebekundung für die Kriegsführung verstanden werden“, entschied das Oberveraltungsgericht. Dutzende Menschen verstießen dennoch gegen diese Verbote und drückten somit ihre Unterstützung aus.

Ein Verbot für ukrainische Flaggen hatte das Verwaltungsgericht am Freitag nach einer Eilklage des ukrainischen Verein Vitsche Berlin aufgehoben.

 

Einer der Aktivisten rund um Demokrati-Я war laut t-Online Alexander Sch. Auf seinem T-Shirt war ein stark geschminkter Wladimir Putin abgebildet, ein bekanntes Bild des Widerstands. "Putin hat kein Recht, diesen Sieg für sich zu privatisieren", sagte der Mann aus Lettland. Russland sei mittlerweile selbst zu einem "echten faschistischen Staat" geworden. Er habe Familienmitglieder in Russland, die Putin und seinen Krieg unterstützten. "Seit Kriegsbeginn bezeichne ich die nicht mehr als meine Verwandten. Ich habe sie für immer aus meinem Leben gestrichen."

Gemeinsam mit ein paar Mitstreitern aus Russland und der Ukraine machte Sch. sich auf den Weg nach vorne zur "Mutter Heimat". Sie hatten eine Ukraine-Flagge, die Flagge des russischen Widerstandes (weiß/hellblau/weiß und ohne das Rot, was als Blut bezeichnet wird) und eine EU-Flagge dabei und sangen ukrainische Lieder.

Immer wieder wurden sie auf Russisch oder Deutsch beleidigt. "Fuck Ukraine", "Bandera", "Faschisten" rief ihnen die Menschenmenge zu.

Als sie vorne angekommen waren, bildete sich eine Menschentraube um sie. Polizeikräfte trennten beiden Gruppen. Immer wieder wurde versucht, die Ukraine-Flagge zu entreißen. Dann fingen die Putin-Unterstützer an, den Männern mit den Ukraine-Flaggen "Nazis raus" entgegenzurufen. Sch. und seine Mitstreiter stimmten in diesen Ruf mit ein. Unter Polizeischutz und anhaltenden Beschimpfungen wurden sie von der Soldatenstatue wieder weg geführt.

Sch. und seine Mitstreiter gaben im Anschluss Medienvertretern noch ein Interview, wo sie abermals mehrmals von Putinunterstützern gestört wurden. U.a. rief ein Mann, der eine zeitlang dem Interview mit gelauscht hatte: "Lieber Stalin als Selenskyj" zu. Das sagt dann auch schon sehr viel aus.

 

Messerattacke und Übergriffe auf Medienjournalisten

Entgegen aller Presseberichte gab es am Abend des 9. Mai noch einen versuchten Messerangriff auf diese Aktivisten, der Täter konnte später von der Polizei dingfest und abgeführt werden. Eine russische Aktivistin von "МЫР — My Russian Rights — MRR" (Verein für Menschenrechte), aber auch Martin Lejeune hatte mit einem ausgiebigen Video darüber berichtet. Wie Waffen in diesen Denkmalkomplex kommen konnten, bleibt unklar.

Gezeigt wurde im Video von Lejeune aber auch, wie ein immer größer werdender Mob aus Putin-Anhängern einen ukrainischen Medienaktivisten attackierten, diesen traten und schlugen und als die Polizei kam, wurde dieser -wie erwartet- beschuldigt, die Putin-Anhänger bespuckt zu haben ("weswegen man treten und schlagen durfte").

Fake-News à la Russland. Es ist ein Elend.

 

Ganz vorne im Park hatte erneut die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) am 8. und 9. Mai einen Stand mit Programm -und ohne russische Propaganda- aufgebaut. Die VVN-BdA verteilte an diesen Tagen z.B. rote Nelken mit einem Aufkleber: "Nein zum Krieg", die auch direkt an der "Mutter Heimat" in das Denkmal gesteckt wurden. Interessant zu beobachten war, das Putinfreunde nur Nelken ansteckten, die ohne den Aufkleber "Nein zum Krieg" auskamen. Im letzten Jahr wurden die VVN-BdA im Treptower Park laut taz mit Worten wie: "Ihr seid gegen Russland, also seid ihr Nazis." beschimpft.

 

hinzugezogene Quellen

www.flickr.com/photos/tags/demokratija

www.flickr.com/photos/sozialfotografie/albums/72177720308...

www.facebook.com/events/639991311331587/

www.gedenken-gegen-krieg.de/en/events/

www.tagesspiegel.de/berlin/ovg-folgt-beschwerde-der-berli...

www.stern.de/politik/geschichte/berliner-denkmaeler-ueber...

de.wikipedia.org/wiki/Josef_Stalin

de.wikipedia.org/wiki/Holodomor

osteuropa.lpb-bw.de/simon-holodomor-als-voelkerm

www.dw.com/de/was-ist-der-holodomor-hungersnot-ukraine-v%...

www.juedische-allgemeine.de/kultur/der-koenig-der-juden/ (archive.fo/R6vkA)

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02J4NpRn5kqSs3SV...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02Jjh9fyRitSiVmA...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02n29V5Pty86Gpzi...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0veDoqsNFQ7SeNnW...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid02tAcHz8zTAQD6Bx...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0kAuQ4qHYjfKPqAi...

www.facebook.com/dasha.dudley/posts/pfbid0nNgPwxKrvnYwMhM...

www.t-online.de/region/berlin/id_100173060/putin-fans-fei...

www.dw.com/ru/akcia-s-krovavoj-kukloj-v-berline-vojna-eto...

www.facebook.com/Ooo.Romanova/videos/192582193712995

www.youtube.com/watch?v=p5NmadEpZuE

neuntermai.vvn-bda.de/wp-content/uploads/sites/4/2022/05/...

taz.de/Gedenken-zum-9-Mai-in-Berlin/!5850611/

 

--------------------------------------------------------------------------------------------------

 

© Streichphotography

 

Die Bilder sind in druckbarer Qualität und Original vorhanden.

 

Rechtlicher Hinweis:

Copyright:

Denken Sie bitte daran, alle hier abrufbaren Medien sind durch das Urheberrecht (§ 2 Abs. 2 UrhG) geschützt und sind Eigentum des Urhebers.

Nutzungsrecht:

Wenn Sie ein Foto für gewerbliche Zwecke verwenden möchten, kontaktieren Sie mich bitte per E-Mail.

Denken Sie bitte daran, dass auch wenn Ihnen ein Nutzungsrecht gewährt wurde, dass die Werke Eigentum des Urhebers bleiben. Eine Weitergabe bzw. Übertragung des überlassenen Materials an Dritte, ist ohne schriftliche Genehmigung des Urhebers nicht gestattet!

Alle Verstöße werden geahndet und rechtlich verfolgt!

 

Vielen Dank!

Stand: Mai 2023

s0732 Leuchtgas 4486 MeyA4B10 Konversationslexikon Verlag des Bibliographischen Instituts Leipzig und Wien Vierte Auflage 1888.

 

Fig. 1. Retortenofen, Vorderansicht.

Fig. 2. Retortenofen, Längsschnitt.

Fig. 3. Kondensator.

Fig. 4. Skrubber.

Fig. 5, 6. Reinigungskasten.

Fig. 6. Querschnitt.

Fig. 7. Gasometer, Durchschnitt.

Fig. 8. Regulator.

 

Leuchtgas (hierzu Tafel "Leuchtgas"), ein mit leuchtender Flamme brennendes Gasgemisch, welches aus Steinkohlen und Holz, seltener aus Torf, Braunkohlen, Öl, Harz, Fettabfällen, Pech, Schieferöl, Petroleum und Petroleumrückständen, Teer, Melasse, Knochen und allerlei Abfällen, Erdöl etc. durch Erhitzen bei Luftabschluß gewonnen wird. Die genannten Rohmaterialien bestehen aus Kohlenstoff, Wasserstoff und (bis auf das Erdöl) Sauerstoff und liefern beim Erhitzen unter Abschluß der Luft zahlreiche flüchtige Produkte, die sich teils durch Abkühlung zu Flüssigkeiten verdichten lassen (Teer, Wasser), teils gasförmig bleiben. Diese gasförmigen Zersetzungsprodukte, von störenden Beimengungen befreit, bilden das L. An manchen Orten (Fredonia in New York, Erie in Pennsylvanien, Szlatinaer Steinsalzgrube im Marmaroser Komitat, China, Baku, Kurdistan, Arbela in Mesopotamien, Tschittagong in Bengalen) entströmen dem Erdboden Gase von ähnlicher Beschaffenheit wie unser L., welche zum Teil technisch benutzt werden. Weitaus am häufigsten wird L. aus Steinkohlen dargestellt. Man benutzt backende, wasserstoffreiche Kohlen, welche wenig Schwefel und Asche enthalten. Die beste Gaskohle ist die Kannelkohle, meist aus Newcastle, welche auch in Norddeutschland viel verarbeitet wird; der schottische Bogheadschiefer gibt L., welches oft die doppelte Leuchtkraft desjenigen aus bester schlesischer Kohle besitzt. In Deutschland verarbeitet man westfälische, Saarbrücker, schlesische und sächsische Kohlen, von welchen erstere das beste, letztere das geringwertigste Gas liefern. Die besten deutschen Gaskohlen gleichen etwa den geringern englischen an Güte. Zum Erhitzen der Kohlen bei Luftabschluß dienen liegende Schamotteretorten, gerade, am hintern, im Ofen liegenden Ende verschlossene Röhren von 2-3 m Länge, 43-45 und 54 cm Durchmesser und von elliptischem oder ^ -förmigem Querschnitt. Bisweilen benutzt man auch aus feuerfesten Dinassteinen gemauerte Retorten. Jede Retorte besitzt einen gußeisernen, mit eisernem Deckel verschließbaren Retortenhals, welcher aus dem Ofen hervorragt, und von diesem Hals geht die Aufsteigröhre ab, welche 30-60 cm tief in den Teer der über der Ofenbrust angebrachten liegenden Vorlage oder Hydraulik eintaucht. Man hat Retortenöfen mit 1-12 Retorten, und sehr beliebt sind Öfen mit 6 Retorten, von welchen Fig. 1 der Tafel "Leuchtgas" die vordere Ansicht, Fig. 2 den Längendurchschnitt mit Aufsteigröhre a und Vorlage b gibt; cc sind die Retorten, und d ist die Feuerthür. Diese Retorten werden durch Koks-, seltener durch Steinkohlen-, Teer- und in neuerer Zeit durch Gasfeuerung hellrot-, beinahe weißglühend gemacht, mit ca. 100 kg in faustgroße Stücke zerschlagener Steinkohle geladen (chargiert),

Leuchtgas (Darstellung des Steinkohlengases).

 

so daß sie etwa zur Hälfte gefüllt sind, und dann schnell mit dem mit Lehmkitt bestrichenen Deckel geschlossen. Die sofort sich entwickelnden Dämpfe und Gase entweichen durch die Ableitungsröhre, und nach 4-6 Stunden ist die Destillation beendigt. Als Rückstand finden sich dann in der Retorte die Gaskoks, nach deren Entfernung die Retorte von neuem beschickt wird. Die Koks löscht man gewöhnlich mit Wasser ab, und etwa ein Drittel derselben verbraucht die Gasanstalt selbst zum Heizen der Retortenöfen. Man braucht bei gewöhnlicher Feuerung auf 100 kg zu entgasender Kohle 23 kg Koks, bei Gasfeuerung nur 12-16 kg. Die Ausbeute an Gas schwankt bedeutend, je nach der chemischen Beschaffenheit der Kohle; außerdem gibt trockne Kohle mehr oder besseres Gas als feuchte. Bei niedriger Temperatur entsteht viel Teer auf Kosten der Gasausbeute; bei zu hoher Temperatur zersetzen sich die wertvollsten Leuchtgasbestandteile, die kohlenstoffreichen Kohlenwasserstoffe zerfallen in Kohlenstoff, welcher sich als Retortengraphit ablagert, und kohlenstoffärmeres Gas (Methan), welches mit wenig leuchtender Flamme brennt. Der Zentner bester englischer Kohle gibt bis 22 cbm, die deutschen Kohlen geben 12-17 cbm Gas, dazu 50-70 Proz. Koks, 4,5-6 Proz. Teer und 8-12 Proz. ammoniakalisches Wasser (Ammoniakwasser, Gaswasser).

 

Die in die Vorlage tretenden Gase und Dämpfe werden hier abgekühlt und zum Teil schon verdichtet; eine vollständigere Verdichtung der Dämpfe erfolgt durch den Kondensator (Fig. 3), welcher aus einem System auf- und absteigender eiserner Röhren besteht, die auf einem mit Scheidewänden versehenen Untersatz angebracht sind und durch die freie Luft oder durch Wasser gekühlt werden. Das Gas tritt durch den einen Seitenstutzen ein und durchströmt eine Röhre nach der andern, während sich Teer und Wasser in dem Untersatz sammeln und von da in die Teerzisterne fließen. Zur weitern Kondensation leitet man das Gas aus dem Kondensator in den Skrubber (Fig. 4), einen stehenden eisernen Cylinder, der mit Koks gefüllt ist, über welchen beständig kaltes Wasser herabrieselt. Das L. tritt bei a in den Apparat ein, strömt dem durch c zugeleiteten herabfließenden Wasser in feiner Verteilung entgegen und verläßt den Apparat bei b. Unter dem Siebboden e sammelt sich Wasser und Teer, zu dessen Ableitung die Röhre d dient. Größere Gaswerke benutzen außerdem noch Wascher, d. h. Apparate, in welchen ein feiner Sprühregen von Wasser erzeugt wird, der sehr viele Verunreinigungen aus dem Gas fortnimmt.

 

Eine genügende Reinigung des Gases ist durch die Abkühlung allein nicht zu erzielen, und man wendet daher zur Beseitigung von Kohlensäure, Schwefelwasserstoff, Cyan- und Schwefelammonium, kohlensaurem Ammoniak und organischen Basen verschiedene Chemikalien an. Die dazu dienenden Reiniger zeigen Fig. 5 u. 6. Sie bilden niedrige Kasten, deren Deckel mit hydraulischem Verschluß A versehen sind und durch ein Hebewerk B gehoben werden können. In den Kasten liegen in kleinen Abständen übereinander aus Weiden oder Rohr geflochtene Horden, welche das Reinigungsmaterial aufnehmen. Man läßt das Gas drei oder vier derartige Kasten durchströmen, wobei es zuerst auf fast schon gesättigtes, zuletzt aber auf ganz frisches Reinigungsmaterial trifft. Zur Ausschaltung erschöpfter Reiniger sind, wie für alle übrigen Apparate der Gasanstalten, hydraulische Wechsler oder Schieberventile vorhanden, und mit deren Hilfe kann man mit jedem Apparat beliebig manipulieren. Der Weg, den das Gas durch den Apparat macht, ist in Fig. 6 durch Pfeile angezeigt. Es durchdringt hierbei das Reinigungsmaterial und gibt an dasselbe die genannten Verunreinigungen ab. Die Kalkreiniger enthalten frisch zu Pulver gelöschten Kalk, welcher zur Erzielung größerer Lockerheit mit Sägemehl, Häcksel, Gerberlohe etc. gemischt wird. Er absorbiert Kohlensäure und Schwefelwasserstoff, aber nicht das der Kondensation und Waschung entgangene Ammoniak. Vollständiger wirkt die Lamingsche Masse, welche aus Eisenvitriol, gebranntem Kalk, Wasser und Sägemehl bereitet wird und nach gegenseitiger Einwirkung dieser Bestandteile aufeinander aus Eisenhydroxyd, Gips und überschüssigem Ätzkalk besteht und unter Bildung von kohlensaurem Kalk, schwefelsaurem Ammoniak und Schwefeleisen Kohlensäure, Ammoniak und Schwefelwasserstoff absorbiert. Gegenwärtig werden statt der Lamingschen Masse fast nur noch künstlich bereitetes Eisenoxyd (Abfall aus Anilinfabriken u. Kiesabbrände) oder gewisse Eisenerze (Raseneisenstein, manganhaltiger Brauneisenstein etc.) angewendet. Auch hier bildet sich wie bei der Lamingschen Masse Schwefeleisen, welches sich an der Luft unter Abscheidung von Schwefel wieder zu schwefelsaurem Eisenoxydul oxydiert. Letzteres zersetzt sich mit kohlensaurem Kalk zu schwefelsaurem Kalk und kohlensaurem Eisenoxydul, und dieses oxydiert sich zu Eisenhydroxyd. Die eisenhaltige Reinigungsmasse kann also nach völliger Sättigung an der Luft regeneriert werden und zwar so oft, bis sie zu stark mit Schwefel, Teer, schwefelsaurem Ammoniak etc. verunreinigt ist, wo sie dann auf verschiedene Produkte verarbeitet wird. Neben der Eisenreinigung wendet man noch Kalkreinigung an, um die Kohlensäure vollständiger zu absorbieren.

 

Das gereinigte Gas tritt in den Exhaustor, einen saugend wirkenden Apparat, welcher den Gasdruck in den Retorten und in der Hydraulik vermindern oder ganz aufheben und dadurch den Absatz von Retortengraphit und das Entweichen von Gas verhindern soll. Die Exhaustoren wirken nach Art der Luftpumpen und rotierenden Pumpen, der Ventilatoren, Aspiratoren oder Dampfstrahlgebläse; sie bedürfen, mit Ausnahme der letztern, zum Betrieb einer Dampf- oder Gaskraftmaschine und eignen sich deshalb wenig für kleinere Gaswerke. Aus dem Exhaustor gelangt das L. in die Fabrikationsgasuhr (Stationsgasmesser), welche ermöglicht, das fabrizierte Gasquantum auf mit Zeigern versehenen Zifferblättern abzulesen, und im wesentlichen dieselbe Einrichtung besitzt wie die kleinen, in den Häusern der Gaskonsumenten aufgestellten Gasuhren. Das gemessene Gas sammelt sich in dem Gasometer, einem glockenförmigen, sehr umfangreichen, aus Eisenblech zusammengenieteten und in den Fugen durch Teer gedichteten Gefäß, welches in einem gemauerten, mit Wasser gefüllten Bassin steht und beim niedrigsten Stand mit der Decke dem Wasser sehr nahe kommt. Leitet man nun das Gas unter die Glocke, so hebt sich diese und wird dabei von Leitrollen geführt, welche zwischen der Gasometerwand und den neben der letztern stehenden Pfeilern laufen. Um mit einem weniger tiefen Bassin auszureichen, benutzt man Teleskopgasometer, die oft bis über 30,000 cbm L. fassen und aus zwei oder drei ineinander geschachtelten und ineinander verschiebbaren Blechcylindern ohne Boden bestehen. Die innere Trommel hat jedesmal einen nach außen umgebogenen Rand, welcher eine Rinne bildet, die mit Wasser gefüllt ist und beim Aufsteigen den in gleicher Weise nach innen umgebogenen Rand der äußern Trommel unter hydraulischem Verschluß aufnimmt (Fig. 7). Man rechnet, daß der kubische Inhalt der Glocke dem 2-2,5fachen Betrag des täglichen Mittels aus dem Jahreskonsum entsprechen muß. Ist das Gasometer gefüllt, d. h. steht die Glocke so hoch, daß ihr unterer Rand nur noch etwa 20 cm tief in das Wasser taucht, und schließt man dann die Zuleitungsröhre, so strömt das L. durch die geöffnete Ableitungsröhre unter einem Druck aus, welcher dem Gewicht der Glocke entspricht. Da aber dieser Druck in der Regel stärker ist als erforderlich, so leitet man das Gas zuletzt noch durch einen Druckregulator, welcher den durch ein Manometer angezeigten Druck entsprechend herabmindern soll. Ein häufig benutzter Apparat dieser Art besteht aus einem teilweise mit Wasser gefüllten Gefäß aa (Fig. 8), in welchem die Blechglocke b, an Rollen beweglich, hängt; sie ist unten mit einem hohlen Schwimmer c versehen und senkt sich durch Auflegen von Gewichten d. Im Innern der Glocke hängt der Kegel e, welcher, wenn die Glocke nicht beschwert ist, so hoch steht, daß er die Öffnung ii in der Röhre ff vollständig schließt und damit den Austritt des Gases in die Röhren g und h völlig hindert. Je nach der Belastung der Glocke entfernt er sich mehr oder weniger aus der Öffnung l und läßt einen breitern oder schmälern Ring offen. Nach Maßgabe lokaler Verhältnisse gibt man in den Gasanstalten einen Druck von 2,5-5 cm Wassersäule und reguliert denselben nach dem im Lauf des Tags schwankenden Konsum. Abhängig ist der zu gebende Druck aber auch von der Beschaffenheit der Röhrenleitung. Jede Steigung derselben um 3 m entspricht einer Druckzunahme von 2,5 mm Wassersäule und umgekehrt, und weitere Hauptröhren machen einen geringern Druck erforderlich als engere.

 

Zur Leitung benutzt man gußeiserne Röhren, seltener solche aus geteerter Pappe, Zement-, Thon-, Glas-, Asphaltröhren. Zur Dichtung der Röhrenverbindungen dienen geschmolzenes Blei oder Gummiringe. Im allgemeinen gibt man den Röhren eine Steigung von 0,5-1:100; wo man aber des Terrains halber von dieser Regel abweichen muß, bringt man an der tiefsten Stelle jedes abfallenden Röhrenstranges zur Ansammlung der sich durch nachträgliche Kondensation im Innern der Röhren noch bildenden Flüssigkeiten (meist Wasser) einen Syphon oder Wassertopf an, aus welchem man die Flüssigkeit von Zeit zu Zeit auspumpt. Der Gesamtdruckverlust, welchen das Gas von der Anstalt bis zu den Brennern der Konsumenten erleidet, beträgt im günstigsten Fall 5-8 mm Wassersäule. Da das Gas leichter ist als atmosphärische Luft, so hat es das Bestreben, aufzusteigen; man legt deshalb die Gasanstalten gern am niedrigsten Punkte des Terrains an und beobachtet, daß die Flammen in den höher gelegenen Stadtteilen besser brennen als in den niedrigern Lagen. Der Gasverlust durch Leckage beträgt auch bei gut ausgeführter Leitung etwa 5-7 Proz. der Jahresproduktion und erreicht bisweilen 15 Proz. und mehr.

 

Holz liefert bei der Verkohlungstemperatur wesentlich nur Kohlenoxyd, Kohlensäure und Methan; um nun ein mit leuchtender Flamme verbrennendes Gas zu erhalten, muß man die aus dem Holz sich entwickelnden Teerdämpfe stärker erhitzen, damit sie in Gase zerlegt werden, welche mit leuchtender Flamme brennen. Man destilliert deshalb Holz aus sehr weiten Retorten mit kleiner Beschickung, so daß die heißen Retortenwände in der angedeuteten Weise wirken können. Die Destillationstemperatur liegt zwischen 700 und 850°. Die Ausbeute schwankt zwischen verschiedenen Hölzern ebenso sehr wie bei derselben Holzart. Feuchtigkeit vermehrt durch Einwirkung des Wasserdampfes auf die glühenden Kohlen den Gehalt des Gases an Kohlenoxyd und Wasserstoff, und das Holz muß daher vor dem Gebrauch gut getrocknet werden. 1 Zentner trocknes Holz liefert in 1,5-2 Stunden 18-21 cbm Gas, 8-10 kg Kohlen, 1 kg Teer und 10-13,5 kg Holzessig. Das Gas ist frei von Ammoniak und Schwefelverbindungen, aber sehr reich an Kohlensäure und bedarf daher zur Reinigung viel Kalk; es ist schwerer als Steinkohlengas. Torfgas wird ähnlich wie Holzgas dargestellt; 1 Ztr. Torf gibt 11-15 cbm Gas, 12,5-15 kg Kohle, 1,5 bis 2,5 kg Teer und 8-14 kg Ammoniakwasser. Das rohe Gas ist ungemein reich an Kohlensäure und enthält auch Schwefelwasserstoff und Ammoniak. Braunkohlen liefern geringwertiges Gas. Aus Öl und starren Fetten erhält man große Mengen vortrefflichen Gases, welches keiner Reinigung bedarf und stärkere Leuchtkraft besitzt als Kohlengas. 1 Ztr. Samenöl liefert 70-80 cbm Gas. Die Ölgasfabrikation eignet sich trefflich für kleine Anlagen, wird aber ihrer Kostspieligkeit halber nur für bestimmte Zwecke ausgeführt. Dagegen verarbeitet man häufiger Fettabfälle aus Schlachthäusern und die seifehaltigen Waschwässer der Streich- und Kammgarnfabriken und der Seidenentschälung auf L., indem man sie mit Kalkmilch mischt, den Bodensatz (suinter) sammelt, in Ziegel streicht, trocknet und in Retorten vergast. 1 kg Suinter gibt 210 Lit. Gas. Das Gas braucht nicht gereinigt zu werden und besitzt eine dreimal stärkere Leuchtkraft als Steinkohlengas. Man benutzt Ölgas im komprimierten Zustand zur Beleuchtung von Eisen- und Pferdebahnwagen, Seezeichen etc. Schieferöl, Petroleum und die Rückstände von der Rektifikation des Petroleums, in Paraffin- und Mineralölfabriken abfallendes Paraffinöl liefern vortreffliches Gas. Das Paraffinöl liefert 30 cbm, Petroleum 49 cbm aus 1 Ztr. Aus Petroleumrückständen erhält man namentlich ein sehr leuchtkräftiges Gas, welches in einem höchst kompendiösen Apparat leicht für einzelne Häuser oder Etablissements dargestellt werden kann. Wassergas wird dargestellt, indem man eiserne oder thönerne Retorten mit Holzkohle oder Koks füllt und über diese glühenden Materialien Wasserdampf leitet. Hierbei entsteht ein Gasgemisch aus Kohlenoxyd, Wasserstoff, Kohlensäure und wenig Methan. Dasselbe brennt nach Beseitigung der Kohlensäure mit wenig leuchtender Flamme; doch wird letztere stark leuchtend, wenn man z. B. den Argandbrenner mit einem Netzwerk von mäßig feinem Platindraht umgibt, welcher in der Flamme weißglühend wird (Platingas). Bei dem Auerschen Gasglühlicht wird die Flamme von Wassergas oder von mit Luft gemischtem L. (Bunsenscher Brenner, s. Heizung, S. 339) auf ein engmaschiges Netz von Fäden geleitet, die wesentlich aus den Oxyden von Cer, Lanthan, Didym etc. bestehen. Man erhält das Netz durch Veraschen eines mit den Nitraten der genannten Metalle getränkten Baumwolldochtes und hängt es mittels eines Platindrahts über der Gasflamme auf. Das weißglühende Netz strahlt ein Licht aus, welches an Farbe und Glanz dem elektrischen ähnlich ist, der Gaskonsum ist geringer als bei gewöhnlichem Brenner; aber das Netz ist gegen Staub empfindlich, und der Gasdruck muß größer sein als gewöhnlich.

Beim Fanejelmbrenner strömt die Wassergasflamme auf porzellanhart gebrannte Magnesiacylinder. Eine nicht leuchtende Gasflamme wird auch leuchtend, wenn man das Gas mit Dämpfen sehr flüchtiger Kohlenwasserstoffe imprägniert. Schwach leuchtendes Kohlengas kann durch solche Karburation (Karbonisation) wesentlich verbessert werden. Dies geschieht in verschiedener Weise. Man leitet z. B. bei dem Whiteschen oder Hydrokarbonprozeß Wassergas mit Wasserdampf durch eine Retorte, in welcher aus Kannel- oder Bogheadkohle ein sehr leuchtkräftiges Gas dargestellt wird. Das Wassergas führt hierbei die leuchtenden schweren Kohlenwasserstoffe schnell aus der Glühhitze fort, so daß sie sich weniger zersetzen, und der Wasserdampf gibt zur Bildung von Wasserstoff Veranlassung, welcher die Temperatur und damit die Leuchtkraft der Flamme erhöht. Man kann auch das Gas am Konsumtionsort durch ein Gefäß leiten, welches sehr flüchtiges Mineralöl (Benzin, Ligroin) oder erwärmtes Naphthalin (Albokarbonlampe) enthält. Das Gas reißt von diesen Körpern so viel Dampf mit fort, daß es mit leuchtender Flamme verbrennt. Selbst atmosphärische Luft kann man mit Dämpfen flüchtigster Öle imprägnieren und derartiges Luftgas sogar in eigentümlich konstruierten Lampen direkt für den Gebrauch bereiten. Bei geringwertigem L. kann die Leuchtkraft durch Karburation auf das Dreifache gesteigert werden. Es ist aber nicht gelungen, die Karburation im großen auszuführen, weil sich die von dem Gas aufgenommenen Dämpfe in der Röhrenleitung stets wieder kondensieren. Das karburierte Gas hat man zur Erzielung größerer Leuchtkraft mit reinem Sauerstoffgas verbrannt (Sauerstoffbeleuchtung, Karboxygenlicht); doch führten die Versuche nicht zu ökonomisch günstigen Resultaten. Philipps hat eine Lampe konstruiert, auf welcher die Sauerstoffbeleuchtung mit Dämpfen aus einer kohlenstoffreichen Flüssigkeit (Lösung von Naphthalin in Petroleum) billiger u. bequemer ausgeführt werden kann.

 

Steinkohlengas ist farblos, von eigentümlichem Geruch; spez. Gew. 0,44-0,62, je nach der Beschaffenheit der Kohle und der Temperatur, bei welcher es dargestellt wurde. Es besteht aus gas- und dampfförmigen schweren Kohlenwasserstoffen (hauptsächlich Äthylen), welche mit den Dämpfen flüssiger Kohlenwasserstoffe, wie Benzol, die Leuchtkraft der Flamme bedingen, leichten Kohlenwasserstoffen (Methan), Kohlenoxyd und Wasserstoff, welch letztere drei Gase mit nicht leuchtender Flamme brennen. Als Verunreinigungen finden sich Kohlensäure, Ammoniak, Schwefelwasserstoff, Schwefelkohlenstoff, Stickstoff, Sauerstoff, Wasserdampf etc. Der eigentümliche Geruch rührt von Phenylsenföl her. Quantitative Zusammensetzung verschiedener Leuchtgase:

 

Gasarten Kohlenwasserstoffgas schweres Kohlenwasserstoffgas leichtes Kohlenoxyd Wasserstoff Kohlensäure Stickstoff

Holzgas, rohes 7,9325,3228,2113,5325,01-

Holzgas, gereinigtes 10,5733,7637,6218,05--

Torfgas 9,5242,6520,3327,50--

L. aus Newcastlekohle 9,6841,3815,6433,30--

Heidelberg. Kohlengas 7,2738,405,7344,000,374,23

Bonner Kohlengas 4,7543,124,6639,803,024,65

Chemnitzer Kohlengas 4,9136,454,1551,291,081,41

Lesmahagow 16,3142,0114,1826,840,66-

Boghead 24,5058,386,5810,54--

Petroleumgas 31,6045,70-32,70--

Paraffinölgas 28,2954,928,945,650,82-

 

L. erfordert zur Entzündung nur helle Rotglut, eine viel niedrigere Temperatur als Grubengas, weshalb die Sicherheitslampe, um in L. sicher zu sein, mit einem sehr dichten Drahtnetz versehen werden muß. Die Explosionsfähigkeit des Leuchtgases beginnt bei einer Mischung von 1 Volumen Gas auf 13-16 Vol. Luft, hört auf bei 4 Vol. Luft auf 1 Vol. Gas und ist am stärksten bei 1 Vol. auf 10 bis 12 Vol. Luft. Ein Gemisch von 1 Vol. L. und 4 Vol. Luft verbrennt ruhig, mit 5 Vol. Luft schnell, aber ohne Knall, mit 6-10 Vol. Luft bereits mit starker Detonation. Eine Beimischung von wenig Luft zum L. zerstört die Leuchtkraft desselben. Das lufthaltige Gas brennt mit blauer, nicht rußender Flamme wie Spiritus. L. wirkt unter Umständen giftig auf Pflanzen und Tiere, wozu wohl in erster Linie das Kohlenoxyd und die Dämpfe der Teerbestandteile beitragen. Eine Beimischung von 3 Proz. L. zur Zimmerluft soll einen Menschen töten können, doch ist schon 1/10,000 durch den Geruch erkennbar. Im Boden wirken die im L. enthaltenen Dämpfe schädlich auf die Wurzeln, namentlich im Winter, wo das Gas schwieriger aus dem Boden entweichen und weniger Sauerstoff zutreten kann; nach andern Erfahrungen besonders in der Wachstumsperiode. Eine Ausströmung von nur 0,772 cbm pro Tag, auf 17,8 qm Boden verteilt, tötet die Wurzelspitzen der Bäume jeder Art in kurzer Zeit. Reines L. verbrennt zu Kohlensäure und Wasser, enthält es aber Schwefelwasserstoff (färbt es Bleizuckerpapier braun), so verbrennt dieser zu schwefliger Säure, ein Ammoniakgehalt (erkennbar durch die Nebel, welche derselbe an einem mit verdünnter Salzsäure befeuchteten Glasstab hervorbringt) liefert salpetrige Säure, und deshalb ist die sorgfältigste Reinigung des Leuchtgases erforderlich, wenn es in geschlossenen Räumen nicht schädlich wirken soll.

 

Am Konsumtionsort wird das dem Konsumenten zugeführte Gas durch die Gasuhr (Gasmesser) gemessen. Die trocknen Gasuhren beruhen im wesentlichen auf der von Defries angegebenen Konstruktion, bei welcher sich zwei Lederbälge abwechselnd füllen und entleeren und die dadurch hervorgebrachte Bewegung auf ein Zählwerk übertragen wird, welches die Menge des hindurchgegangenen Gases nachweist. Diese Apparate, welche z. B. in Amerika ganz allgemein, auch in England häufig angewendet werden, haben mit großen Schwierigkeiten hinsichtlich eines geeigneten Materials für die Meßkammern zu kämpfen, während sie im übrigen den nassen Gasuhren vorzuziehen sind. Letztere bestehen aus einem cylindrischen Gehäuse, in welchem eine auf einer Welle befestige ^[richtig: befestigte] vierkammerige Trommel, die reichlich bis zur Hälfte im Wasser (um das Einfrieren zu verhüten, mit Glycerin oder Spiritus vermischt) liegt, unter dem Druck des Gases und der durch denselben zu gleicher Zeit bedingten ungleichen Wasserstände der Gas aufnehmenden und Gas abgebenden Trommelabteilungen sich dreht, wobei die Achse der Trommel eine Zählvorrichtung in Bewegung setzt, um die Zahl der Trommelumgänge, somit das durchgegangene Gas nach Kubikfuß zu zählen. Der richtige Gang der Gasuhr hängt zunächst von der richtigen Normierung des Wasserstandes ab, und diesen überwachen besondere Vorrichtungen, die beim starken Sinken sowohl als beim Steigen des Wassers infolge des Verdunstens, resp. Eintretens von Kondensationswasser aus der Leitung die Ausströmungsöffnung verschließen. Da aber außerdem durch mancherlei Zufälligkeiten Störungen im Gang der Gasuhr eintreten können, welche dem Gaswerk nachteilig werden, so bleibt diesem nichts übrig, als die Gasuhren genau beaufsichtigen zu lassen.

 

Die Leuchtkraft der Gasflamme ist in erster Linie abhängig von der Gegenwart der schweren Kohlenwasserstoffe, welche, wie man annimmt, bei der hohen Temperatur der Flamme sich zersetzen, wobei Kohlenstoff in feiner Verteilung ausgeschieden u. weißglühend wird. Die Leuchtkraft ist ferner abhängig von dem Verhältnis der mit nichtleuchtender Flamme verbrennenden Gase, von denen namentlich Wasserstoff und Methan mit sehr hohem Wärmeeffekt verbrennen, also den Kohlenstoff in stärkstes Glühen versetzen. Die Leuchtkraft ist endlich (abgesehen von den Verunreinigungen, welche teils verdünnend, teils direkt Leuchtkraft vernichtend wirken) abhängig von angemessener Zuführung von Luft zur Flamme. Bei mangelndem Luftzutritt entweichen halbverbrannte Kohlenwasserstoffe, gemischt mit Ruß, während es bei Überschuß von Luft gar nicht zur Ausscheidung des Kohlenstoffs kommt. Die Menge des aus einem Brenner ausströmenden Gases hängt ab von der Größe der Ausströmungsöffnung, dem spezifischen Gewicht des Gases und dem Druck, unter welchem es steht. Das spezifische Gewicht des Gases pflegt nur in engen Grenzen zu schwanken, aber der Druck kann in den einzelnen Stadtteilen sehr verschieden ausfallen. Nun wächst mit dem Druck die Geschwindigkeit des ausströmenden Gases, und infolge davon wird der Flamme reichlicher und zu reichlich Luft zugeführt. Um letzteres zu vermeiden, zieht man im allgemeinen weite Brenneröffnungen und schwachen Druck von 11-13 mm Wassersäule vor und sucht die Druckschwankungen durch zweckmäßiges weiteres oder geringeres Öffnen des Haupthahns auszugleichen; vorteilhafter aber bringt man hinter der Gasuhr kleine Regulatoren an, welche das Gas auf konstanter Druckhöhe erhalten. Bisweilen benutzt man zur Erreichung desselben Zweckes an Loch- und Schnittbrennern auch Vorkehrungen (Sparbrenner), welche den Gasdruck vermindern und das Gas mit verminderter Geschwindigkeit an der Austrittsöffnung zur Verbrennung bringen. Diese Vorrichtungen sind für höhern und ungleichen Druck und namentlich dann empfehlenswert, wenn man, wie in Fabriken, nicht gut jeder einzelnen Person die Regulierung einer Flamme überlassen kann. Sie bestehen vielfach aus einer Vorkammer, in welche das Gas aus einer engern als der Brenneröffnung zunächst eintritt, oder welche man mit Baumwolle, Schrot, zusammengewickeltem Eisendraht etc. gefüllt hat. Übrigens wird mit diesen Sparbrennern hinsichtlich der zu erreichenden Ersparnis viel Charlatanerie getrieben. Die Brenner, aus Eisen, Porzellan oder Speckstein gefertigt, haben den Zweck, der Flamme eine bestimmte Form zu geben, weil das in kompaktem Strom aus einer gewöhnlichen Röhrenmündung ausströmende Gas bei seiner Verbrennung nicht genügende Luftzufuhr erhalten und daher eine trübe, rußende Flamme geben würde. Auch der einfachste Brenner, mit nur einer 0,65-0,87 mm weiten Öffnung in der Kopfplatte (Einloch- oder Strahlbrenner), liefert in seiner strahlförmigen Flamme ebensowenig den höchsten Effekt wie der Dreilochbrenner mit drei in divergierenden Richtungen gebohrten Löchern. Der Fledermaus-, Schnitt- oder Schlitzbrenner, bei welchem das Gas aus einem feinen, senkrechten Schlitz von etwa 0,5 mm Dicke ausströmt, gibt eine flache, mehr breite als hohe, abgeplattete Flamme, welche bei gleichem Inhalt mit der vorigen eine weit größere Oberfläche hat. Hierher gehört der Hohlkopfbrenner mit beinahe kreisrunder Flamme und bei gleichem Konsum bedeutend höherm Lichteffekt. Eine vorteilhafte Kombination von zwei Schnittbrennern mit engern Schnitten als gewöhnlich und unter einem Winkel gegeneinander tretenden Flammen bildet der Zwillingsbrenner. Der Fischschwanz-, Zweiloch-, Loch-, Manchester-Brenner besitzt zwei unter einem Winkel von 90-100° gegeneinander geneigte Öffnungen, so daß die aus beiden ausströmenden Gasstrahlen eine einzige flache, fischschwanzähnliche Flamme geben, deren Ebene senkrecht auf der Ebene der Öffnungen steht. Die Rund- oder Argand-Brenner enthalten auf der ringförmigen Deckplatte eines gewöhnlichen Argand-Brenners 15-40 Löcher so nahe nebeneinander, daß die aus den einzelnen Öffnungen hervortretenden Flammenstrahlen zu einer einzigen röhrenförmigen Flamme, bei Websters Brenner zu einer pilzförmigen Flamme sich vereinigen. Dumas' Brenner besitzt statt der Löcher einen feinen ringförmigen Schlitz und kann deshalb leichter auseinander genommen und gereinigt werden. Alle andern Brenner können ohne Zugglas benutzt werden; nur beim Argand-Brenner ist dies unentbehrlich, damit hinreichend Luft in die innere Flammenröhre gelangt. Für Straßenbeleuchtung benutzt man am besten Fledermausbrenner, welche bei 0,139-0,17 cbm Konsum pro Stunde und 11,77 bis 13,78 mm Druck den größten Nutzeffekt geben. Für Privatbeleuchtung dienen Fischschwanzbrenner mit einem Konsum von 0,108-0,139 cbm pro Stunde bei 12,42-13,73 mm Druck und Argand-Brenner mit 12-16 Löchern von 0,81 mm Weite bei 4,36 mm gegenseitiger Entfernung mit einem Verbrauch von 0,124-0,154 cbm und 7,84 bis 20,92 mm Druck. Brenner mit 20-32 Löchern konsumieren stündlich bis 0,247 cbm.

 

Die Leuchtkraft der Leuchtgasflamme wird bedeutend erhöht, wenn man die zuströmende Luft erwärmt. Dies kann durch Anbringung eines zweiten Cylinders geschehen, der bis unter den Brenner hinabreicht. Die zwischen beiden Cylindern abwärts strömende und stark erhitzte Luft wird dem Brenner zugeführt, kann aber auch zuvor noch das Gasleitungsrohr erwärmen. Unter solchen Umständen erhält man aus einem bestimmten Gasquantum 50-60 Proz. mehr Licht als bei gewöhnlichen Brennern. Besonders ausgebildet ist die Vorwärmung von Gas und Luft in dem Siemensschen Regenerativgasbrenner, welcher eine Lichtstärke von 800-900 Kerzen entwickelt und ein so weißes Licht gibt, daß die gewöhnlichen Leuchtgasflammen neben ihm trübe und rötlich erscheinen. Er verbraucht 1440 Lit. Gas pro Stunde und gibt ohne Regeneration denselben Effekt, als wenn das Gas in einem gewöhnlichen Brenner verbrannt würde. Bei Einfügung der Regeneration (Erhitzung von Luft und Gas) steigert sich die Lichtstärke ohne Zunahme des Gasverbrauchs sehr schnell auf das Dreifache. Siemens' Automatbrenner, welcher das Licht unmittelbar nach unten wirft und bei einem Verbrauch von 600 Lit. pro Stunde eine Lichtstärke von 120 Kerzen entwickelt, besitzt folgende Einrichtung (s. obige Figur). Das Gas tritt aus den Leitungsröhren von obenher in die flache Gaskammer G, aus deren innerm obern Rand es durch eine Reihe im Kreis angeordneter feiner Löcher ausströmt. Die Flamme bildet einen Kranz von feinen Strahlen, die unterhalb des in seinem obern Teil kegelförmigen Porzellankörpers P nach oben und innen konvergieren und um dessen obere Mündung herumbiegen. Die Verbrennungsgase streichen von da erst abwärts, biegen dann nach oben um und entweichen durch das Abzugsrohr R. Auf diesem Weg erhitzen sie das Gehäuse G' und die Gaskammer sehr bedeutend und folglich auch die zwischen G und G' sowie unterhalb G zuströmende Verbrennungsluft. Durch den Porzellankegel und die unterseits weiß gestrichene Gaskammer wird das Licht nach unten reflektiert. Zu den Regenerativlampen gehört auch die Wenham-Lampe, welche auf je 100 Lit. stündlichen Gaskonsum eine Lichtstärke von 31-35 Kerzen entwickeln soll.

 

Zur Erleichterung des Anzündens vieler Gasflammen verbindet man die Brenner durch Schießbaumwollfäden, oder man bringt an den einzelnen Brennern hydrostatisch-galvanische Apparate an, welche so eingerichtet sind, daß durch den abends in der Röhrenleitung wachsenden Gasdruck eine erregende Flüssigkeit in ein kleines Kohlenzinkelement getrieben wird und infolgedessen ein über der Brenneröffnung angebrachter Platindraht ins Glühen gerät und das Gas entzündet. Einen ähnlichen Handzünder muß man beim Gebrauch neigen, damit die Flüssigkeit ins Element tritt, und bei der Gaszündmaschine für Kontore etc. wird durch den Druck auf einen Knopf ein Zinkblock in die erregende Flüssigkeit eingetaucht, in welcher sich beständig eine Kohlenplatte befindet. Alle diese Apparate bedürfen noch der Vereinfachung in der Konstruktion, um in allgemeinen Gebrauch genommen werden zu können. Häufig benutzt man zum Anzünden kleinere, beständig brennende Nebenflammen, welche zur bestimmten Zeit durch Öffnen eines mit einem Uhrwerk verbundenen Hahns vergrößert werden unter Benutzung der Differenz zwischen Tag- und Nachtdruck. - Das L. wird in großem Maßstab auch zur Heizung, ferner in der Gaskraftmaschine (s. d.) als Motor, zum Füllen des Luftballons, zur Darstellung von Drummondschem Licht, Knallgasgebläse, chemischen Präparaten etc. benutzt. Man hat auch vorgeschlagen, dem L. das Äthylen zu entziehen und dieses in Spiritus zu verwandeln oder die Benzoldämpfe des Gases zu kondensieren, um das Benzol für die Anilinindustrie zu verwerten und die durch diese Operation geschwächte Leuchtkraft des Gases durch Einführung von Petroleumätherdämpfen wieder zu heben. - Eine sehr große Bedeutung besitzen die Nebenprodukte der Gasanstalten, von denen der Teer die mannigfachsten Produkte liefert und das Rohmaterial für viele Industriezweige bildet. Aus dem Ammoniakwasser gewinnt man Ammoniak und Ammoniaksalze (20 hl liefern mindestens 100 kg schwefelsaures Ammoniak), die Koks bilden ein wichtiges Brennmaterial, den Retortengraphit benutzt man zu galvanischen Apparaten, und selbst der Kalk und die Lamingsche Masse aus den Reinigungsapparaten, letztere nach oft wiederholter Regeneration, werden verwertet.

 

Geschichtliches.

 

Die Erfindung der Gasbeleuchtung ist jüngsten Datums. Zwar hatte schon Becher im 17. Jahrh. Steinkohlen der trocknen Destillation unterworfen und das dabei sich entwickelnde Gas entzündet (philosophisches Licht); aber die Sache blieb ohne praktische Bedeutung, auch noch als Lord Dundonald 1786 das aus Koksöfen entweichende Gas zur Beleuchtung seines Landhauses benutzte und Professor Pickel in Würzburg in demselben Jahr sein Laboratorium mit aus Knochenfett erhaltenem Gas beleuchtete. Lebon verkohlte seit 1786 Holz in verschlossenen Gefäßen und benutzte seinen Apparat, den er Thermolampe nannte, zur Heizung und Beleuchtung. Er scheiterte an der übertriebenen Vielseitigkeit seiner Projekte, während Murdoch 1792 sein Haus und seine Werkstätte zu Redruth in Cornwall mit Steinkohlengas beleuchtete, das Gas 1798 in den Fabrikgebäuden von Boulton u. Watt in Soho einführte und 1804 und 1805 auch die Errichtung eines Apparats, welcher 3000 Lichtflammen ersetzen sollte, in einer Baumwollspinnerei in Manchester leitete. Ein Amerikaner, Henfrey, hatte schon 1801 einen großen Saal in Baltimore mit Gas aus Lignit beleuchtet, und in der Folge verbreitete sich die Gasbeleuchtung in Amerika viel schneller als in Europa. Hier gewann dieselbe erst größern Aufschwung durch Winzer aus Znaim in Mähren, welcher in England eine Aktiengesellschaft gründete, dieser 1810 vom Parlament ein Privilegium verschaffte, Murdochs Schüler, Samuel Clegg, der für die Entwickelung der Gasindustrie in der Folge Außerordentliches leistete, für seine Projekte gewann und 1814 die Straßenbeleuchtung in London eröffnete. Auch in Frankreich gab Winzer die Anregung zur Einführung des Leuchtgases. In Deutschland erleuchtete Lampadius 1811 einen Teil von Freiberg, 1816 die dortigen Amalgamierwerke mit Gas; Prechtl machte ähnliche Versuche 1817 u. 1818 in Wien, allein ohne dauernden Erfolg. Dauernd wurde die Straßenbeleuchtung durch die Imperial-Continental-Gas-Association 1825 in Hannover und 1826 in Berlin eingeführt. Zwei Jahre später folgten Dresden und Frankfurt a. M., 1838 Leipzig. Alle diese Anstalten benutzten als Rohmaterial Steinkohle, welche noch jetzt vorherrschend angewandt wird. 1848 lehrte Pettenkofer die Darstellung des Holzgases. Die zur Leuchtgasfabrikation benutzten Apparate wurden großenteils von Clegg angegeben; er führte 1806 die Kalkreinigung ein und konstruirte 1815 die Gasuhr. 1835 empfahl Houzeau-Muiron die Reinigung mit Eisenvitriol und Philipps die Anwendung des Eisenoxyds, 1847 Laming die nach ihm benannte Mischung. 1862 wurden in Deutschland nahezu 300 Gasanstalten nachgewiesen, 1868 war die Zahl der deutschen Gasstädte auf 530 angewachsen, und man zählte außerdem 31 deutsch-österreichische, 37 schweizerische und 14 andre ausländische, mit deutschem Kapital gegründete Anstalten, von welchen 581 Steinkohle verarbeiteten. Für einzelne Bahnhöfe, Fabriken etc. waren 150 Gasanstalten im Betrieb. Die deutschen und die 31 deutsch-österreichischen Anstalten verarbeiteten ca. 16 Mill. Ztr. Rohmaterial und erzeugten 7380 Mill. Kubikfuß Gas, welches etwa 2,166,000 Privat- und 129,500 öffentliche Flammen speiste. Die Röhrenleitung, exkl. der Ableitungen nach den Häusern, war 22 Mill. Fuß lang. London allein verarbeitete 1870 in seinen 13 Gasanstalten über 24½ Mill. Ztr. Kohlen, und der Gaskonsum betrug ca. 10,622 Mill. Kubikfuß (Paris etwa die Hälfte, Berlin 1201 Mill. Kubikfuß). 1885 besaß Deutschland 1257 Gasanstalten (Preußen 742, Bayern 117, Sachsen 139, Württemberg 61, Baden 39, Elsaß-Lothringen 38, Hessen und Mecklenburg-Schwerin je 22, Braunschweig 12) und zwar 338 Kommunalanstalten, 329 Privatanstalten für Kommunen und 590 Privatanstalten für gewerbliche und andre Unternehmungen. 279 Kommunalanstalten produzierten 325 Mill., 287 Privatanstalten für Kommunen 152,4 Mill. von 285 Kommunalanstalten verwendeten 154 nur deutsche, 41 nur englische, 79 deutsche und fremde Kohle, von 296 Privatanstalten für Kommunen 203 nur deutsche, 22 nur englische, 48 deutsche und fremde Kohle. Vgl. Schilling, Handbuch für Steinkohlengasbeleuchtung (3. Aufl., Münch. 1878); Jahn, Die Gasbeleuchtung (Leipz. 1862); Tieftrunk, Die Gasbeleuchtung (Stuttg. 1874); Ilgen, Gasindustrie der Gegenwart (Leipz. 1873); Reissig, Handbuch der Holz- und Torfgasbeleuchtung (Münch. 1863); Salomons, Praktische Winke für Gaskonsumenten (3. Aufl., Mainz 1885); Muchall, ABC der Gaskonsumenten (3. Aufl., Wiesb. 1886); Winkler, Apparat zur technisch-chemischen Gasanalyse (Leipz. 1872); Derselbe, Anleitung zur chemischen Untersuchung der Industriegase (Freiberg 1876); Derselbe, Lehrbuch der technischen Gasanalyse (das. 1884); Schaar, Fortschritte in der Konstruktion der Apparate für die Gasfabrikation (Halle 1884); Schilling, Statistische Mitteilungen über die Gasanstalten Deutschlands etc. (4. Aufl. von Diehl, Münch. 1886); "Journal für Gasbeleuchtung", herausgegeben von Schilling (das., seit 1858); "Journal d'Éclairage" und "Gaz" (Par.); "Journal of Gaslighting" (Lond.); Schreiber, Das Heizen und Kochen mit Gas (2. Aufl., Weim. 1861); Wobbe, Verwendung des Gases zum Kochen, Heizen und in der Industrie (Münch. 1885); Ramdohr, Das L. als Heizstoff in Küche und Haus (Halle 1887).

 

1 2 ••• 74 75 77 79 80