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I have just won the 'Reader Showcase' in the Sept, 2012 Digital SLR (Malaysia Version) with this picture.
Barter Books (former Alnwick Train Station), Alnwick, Northumbria. April 2017. Lomo LC-A with Lomography Lady Grey 400 ISO B&W. Processed and scanned by AG Photolab
taken at home whilst checking out my latest photo book... Cape Light by Joel Meyerowtiz via 500px ift.tt/1TylHn7
HKD
Reader
They adore Edgar Allen Poe :-))
Searching for the Wisdom of the Past
HKD
Nightwish
oder
Die Erscheinung des Wesentlichen
Ich hatte gerade ein paar Zeilen für meine nächste Arbeit in mein Notebook getippt, als ein älterer, untersetzter Herr mit dicken Brillengläsern die Tür zum Abteil öffnete.
Große Zähne mit Lücken lächelten mich an und eine sonore Raucherstimme fragte, ob hier noch Platz sei. Da ich allein im Abteil saß, war meine Antwort eine freundliche Handgeste und ein „Wo immer Sie wollen.“
Nachdem er seine dunkle ausladende Ledertasche verstaut hatte, nahm er mir gegenüber am Fenster Platz, zog das Haargummi an seinem kleinen Pferdeschwanz zurecht, kramte ein dünnes Manuskript unter seiner Jacke hervor, schlug ein Bein über das andere und zückte einen Stift. Ohne mich in irgendeiner Weise wahrzunehmen, vergrub er sich sofort in seine dutzend Seiten und ging das Geschriebene Zeile für Zeile durch.
Es ging um alte Schriften, wie ich später erfuhr. Nach einer halben Stunde war er fertig und betrachtete mich stumm, ohne mich zu sehen. Ich spürte, dass er tief in Gedanken war. Nach einer Weile aber kam er im Zugabteil und direkt bei mir wieder an. Seine Augen nahmen mich wahr und er lächelte mich an, als ich freundlich nickte.
„Entschuldigen Sie“, sagte er. „Ich war bei meinem Kollegen in Benares. Er hat mir das Manuskript hier per E-Mail geschickt. Das Wesentliche ist einmalig. Alles Unwesentliche erscheint doppelt. Dualität ist die Erscheinung des Wesentlichen. Ich spiele noch mit Übersetzungen, nichts Wesentliches…“ Er lachte.
Ich erfuhr, dass er ein jobloser Indologe sei, denn er habe seine Immunität gegen den Hochschulstress verloren, nachdem ein Sadhu, ein heiliger Mann in Indien, ihm für ein paar Sekunden die Augen und das Herz geöffnet habe.
„Ich habe nach dem Besuch der Kumbh Mela fast drei Tage lang geschlafen, mit winzigen Unterbrechungen.“
Ich selbst war zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben an Palmblattsammlungen interessiert, jenen uralten Skripten, die Lebensabläufe vorhersagen können.
„Ja“, sagte er. „diese Orakel sind zuweilen sehr präzise. Für jeden Sucher ist eine Botschaft darin enthalten. Für mich ebenfalls. Demnach werde ich in absehbarer Zeit meinen Körper verlassen und ein neues Leben auf der nächsten Ebene beginnen.“
Ich verzog nur ganz leicht meine Augenbrauen, da sagte er auch schon: „Ich bin ganz gelassen damit. Ich weiß ja, dass ich nichts verliere, da nichts jemals bestanden hat. Was verloren geht ist der Traum. Doch der kommt wieder mit der nächsten Geburt.“ Er lächelte. „Wie Sie sehen, habe ich die indische Weltsicht auch bezüglich der Reinkarnation assimiliert. Oder umgekehrt, was auf dasselbe heraus kommt.“
Unser Gespräch vertiefte sich noch, denn wir blieben für eine knappe Stunde ungestört. Erst als er den Zug verlassen hatte, kamen zwei Jugendliche in mein Abteil, die sich mit Ohrstöpsel und Musik in die Polster hängten. Das Kontrastprogramm hätte nicht klassischer sein können.
Und doch gab es eine bemerkenswerte Gemeinsamkeit zwischen dem ganz in schwarz gekleideten Indologen mit Halbglatze und Haargummi und den ebenfalls dunkel gekleideten Jungs. Die Liebe zu „Nightwish“, einer Rockgruppe.
„Musikalische Weisheiten aus der Unterwelt“, hatte er gesagt. „Die Weisheit der Raben… Aber da sind wir schon bei der indogermanischen Mythologie…“
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