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Der 13.05.2026 zeigte sich in der Gemeinde Skútustaðahreppur am See Mývatn mit einem unbeständigen, frischen Wetterprofil. Bei Temperaturen um exakt 4 Grad Celsius peitschte ein rauer, kalter Wind über die weiten Wasserflächen, während die Wolkendecke immer wieder aufriss und die bizarren, dunklen Lavafelder in ein klares Frühlingslicht tauchte. Der intensive, allgegenwärtige Geruch nach Schwefel kündigte die enorme geothermische Aktivität dieser Region bereits aus der Ferne an.

 

Die historische Entwicklung der Region um den See Mývatn und die Gemeinde Skútustaðahreppur ist ein faszinierendes Dokument der menschlichen Anpassungsfähigkeit an ständige, existenzielle vulkanische Bedrohungen. Seit der Landnahmezeit im 9. Jahrhundert nutzten die Siedler die fruchtbaren, durch vulkanische Asche angereicherten Böden an den Ufern des Sees, standen jedoch immer im Schatten der hochaktiven Krafla-Spaltensysteme. Ein absolut prägendes, historisches Kapitel dieser Region ist der kommerzielle Schwefelabbau am Geothermalgebiet Námafjall. Bereits im 16. Jahrhundert erkannte die dänische Krone den immensen strategischen Wert der reinen Schwefelkristalle, die an den zischenden Fumarolen auskristallisierten. Der isländische Schwefel wurde über Jahrhunderte hinweg unter extremsten, gesundheitsschädigenden Bedingungen von lokalen Arbeitern abgebaut und nach Europa exportiert, wo er einen elementaren Bestandteil für die massenhafte Produktion von Schwarzpulver bildete. Diese königliche Monopolwirtschaft brachte der dänischen Krone enormen Reichtum, während die isländischen Arbeiter in Armut verblieben und den giftigen Gasen schutzlos ausgeliefert waren. Eine drastische historische Zäsur stellten die sogenannten Mývatn-Feuer, isländisch Mývatnseldar, in den Jahren 1724 bis 1729 dar. Eine gewaltige Eruptionsserie öffnete kilometerlange Vulkanspalten, aus denen gigantische Lavaströme direkt in Richtung der landwirtschaftlichen Siedlungen flossen. Historische Aufzeichnungen dokumentieren, wie die rotglühende Lava gleich drei bedeutende Bauernhöfe am Seeufer vollständig vernichtete. Legendär ist die historische Überlieferung der Kirche von Reykjahlíð: Während die Lavamassen das gesamte Dorf auslöschten, spaltete sich der fließende Gesteinsstrom den Berichten zufolge kurz vor dem sakralen Gebäude in zwei separate Arme auf und ließ die Kirche unversehrt auf einer Insel aus erkaltendem Gestein stehen. Dieses Ereignis wurde von der damaligen Bevölkerung als unumstößliches göttliches Wunder interpretiert. Die raue Vulkanlandschaft lieferte jedoch auch den Nährboden für tiefgreifende Mythen und Sagen. Das dunkle, labyrinthische Lavafeld Dimmuborgir, was übersetzt dunkle Burgen bedeutet, galt in der isländischen Folklore über Jahrhunderte als das unbestrittene Tor zur Unterwelt. Der Legende nach ist dieses bizarre Gebiet der Wohnort der grausamen Halbtrollin Grýla, ihres Ehemanns Leppalúði und ihrer 13 Söhne, der isländischen Weihnachtskerle oder Jólasveinar. Diese Mythen dienten historisch dazu, Kinder von den extrem gefährlichen, von tiefen Spalten durchzogenen Lavafeldern fernzuhalten. Eine markante Formation innerhalb von Dimmuborgir ist die Kirkja, eine natürliche, massive Lavahöhle, die in ihrer gotischen Bogenstruktur frappierend an ein Kirchenschiff erinnert. In der harten Realität des subarktischen Winters boten solche robusten natürlichen Höhlensysteme verirrten Reisenden und Schafen oftmals lebensrettenden Schutz vor gnadenlosen Schneestürmen. Auch in Form von archaischen Felsformationen wie der sogenannten Elephant cave, einem durch Winderosion zu einem Elefantenkopf geformten Basaltfelsen, manifestierte sich die Neigung der Menschen, der toten, unbarmherzigen Steinwüste vertraute, irdische Gesichter zu geben. Abseits der Geologie basierte das historische Überleben in Skútustaðahreppur primär auf der nachhaltigen, Jahrhunderte alten Nutzung des fischreichen Mývatn. Das systematische Fangen von Arktischen Saiblingen sowie das extrem reglementierte Sammeln von Enteneiern an Orten wie der Halbinsel Kálfaströnd und Skútustaðir sicherten das Überleben der Bauern über lange, entbehrungsreiche Wintermonate. Die Daunen der Eiderente, die aus verlassenen Nestern gesammelt wurden, bildeten zudem ein wertvolles Handelsgut für den Export. Diese tief verwurzelte Tradition des ökologischen Gleichgewichts wird von den Landwirten der Region bis in die Gegenwart respektiert und fortgeführt.

 

Das naturräumliche und geomorphologische Erscheinungsbild des Mývatn-Gebietes gehört zu den komplexesten und dynamischsten vulkanischen Ökosystemen der gesamten Erde. Das hydrologische Herzstück ist der See Mývatn selbst. Mit einer extrem geringen Durchschnittstiefe von lediglich knapp zweieinhalb Metern handelt es sich um einen der produktivsten und nährstoffreichsten Seen der subarktischen Zone. Das Gewässer wird nicht durch oberirdische Flüsse, sondern nahezu ausschließlich durch unterirdische, extrem mineralstoffreiche Quellen gespeist, die tief durch das poröse Lavagestein filtriert werden. Der Name des Sees, der übersetzt Mückensee bedeutet, verweist auf das absolute biologische Fundament dieser Region: The Fly Lands. In den warmen Sommermonaten schlüpfen aus den flachen Gewässern unfassbare Milliarden von Zuckmücken und Kriebelmücken. Diese massiven Schwärme steigen wie dichte, schwarze Rauchsäulen in den Himmel auf und bilden die essenzielle Nahrungsgrundlage für eine extrem reiche Fauna. Durch diesen enormen Nahrungsreichtum verzeichnet das Gebiet die höchste Diversität an brütenden Entenarten in ganz Europa, darunter die seltene Spatelente und die farbenprächtige Kragenente. Die Geologie an den Ufern des Sees ist nicht minder spektakulär. Die Halbinsel Skútustaðir ist berühmt für die Skútustaðagígar, eine Ansammlung sogenannter Pseudokrater. Diese perfekten, kraterförmigen Erhebungen sind geologisch betrachtet keine echten Vulkane, da sie über absolut keinen direkten Schlot zu einer unterirdischen Magmakammer verfügen. Sie entstanden vor etwa 2300 Jahren, als über 1000 Grad heiße, flüssige Basaltlava über das sumpfige, feuchte Feuchtgebiet des Sees floss. Das eingeschlossene Wasser verdampfte schlagartig, was zu gigantischen hydrovulkanischen Dampfexplosionen führte, die die abkühlende Lavadecke durchschlugen und diese markanten Kraterkegel aufwarfen. Ein echtes, gewaltiges Relikt explosiven Vulkanismus ist hingegen der mächtige Hverfjall. Dieser gigantische Tuffring, dessen fast symmetrischer Krater einen Durchmesser von über einem Kilometer misst, entstand vor etwa 2500 Jahren durch eine einzige, katastrophale phreatomagmatische Eruption. Basaltisches Magma traf dicht unter der Erdoberfläche auf massives Grundwasser, was eine ohrenbetäubende Explosion auslöste, die gewaltige Mengen an feiner Asche und Bimsstein in die Atmosphäre schleuderte und den kegelförmigen Berg formte. Unmittelbar südlich davon erstreckt sich das faszinierende Lavafeld Dimmuborgir. Diese surreale Landschaft aus massiven, schwarzen Gesteinssäulen und Höhlen wie der Kirkja entstand aus einem riesigen Lavasee. Die glühende Lava staute sich in einer natürlichen Senke über einem feuchten Sumpfgebiet auf. Die Oberfläche dieses Sees kühlte an der Luft ab und bildete eine massive Kruste, während die Hitze des darunter liegenden Bodens Dampfsäulen erzeugte, die durch die flüssige Lava nach oben stiegen und diese partiell abkühlten. Als der Damm des Lavasees brach und die restliche flüssige Magma abfloss, blieben diese erstarrten Dampfschlote als gewaltige Felstürme stehen. Ähnlich bizarre Formationen finden sich bei Kálfaströnd, wo schroffe Lavasäulen, die sogenannten Strýtur, direkt aus dem flachen Wasser des Sees ragen. Völlig gegensätzlich präsentiert sich das hochaktive Geothermalgebiet Námafjall an der Ostseite der Berge. Hier, im Gebiet Hverir, tritt die immense Hitze der unterirdischen Magmakammern direkt zutage. Brodelnde, blaugraue Schlammtöpfe, extrem heiße Fumarolen und tief zischende Dampfquellen prägen diese vollkommen sterile Landschaft. Die aufsteigenden Gase, primär Schwefelwasserstoff, zersetzen das harte Gestein chemisch zu weichem, extrem saurem Ton und färben den Boden durch mineralische Ausfällungen in intensiven, leuchtenden Rot-, Gelb- und Weißtönen. Bakterien, sogenannte Extremophile, sind die einzigen Lebewesen, die in dieser kochend heißen, toxischen Umgebung überleben können. Eine weitere geothermische Besonderheit der Region sind Gewässer wie der Blue Lake. Diese Thermalbäder oder Seen, die durch das aufsteigende geothermische Wasser gespeist werden, erhalten ihre charakteristische, leuchtend milchig-blaue Färbung durch extrem hohe Konzentrationen an gelöster Kieselsäure. Wenn das heiße, mineralreiche Wasser an die Oberfläche tritt und abkühlt, fällen diese Silikate aus und streuen das einfallende Sonnenlicht, was dieses unwirkliche, fluoreszierende Blau erzeugt, das einen extremen optischen Kontrast zu den pechschwarzen, kargen Lavafeldern der weiten Umgebung bildet.

 

Die vulkanischen Stätten rund um den See Mývatn bilden das zentrale naturkundliche Zentrum im Norden Islands. Das Gebiet bietet Besuchern entlang der Route konzentrierte und leicht zugängliche Einblicke in Geologie und subarktische Ökosysteme.

 

de.wikipedia.org/wiki/Sk%C3%BAtusta%C3%B0ahreppur

 

Kamera und Objektiv:

Sony ILCE-7CR und Sony SEL24240

 

Bildinformation:

12MP - 3465 x 3465 px - ca. 12MB

 

Bildbearbeitung: Adobe Photoshop Express

 

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jimmy and krust

@ Anamariya Gratzer Photography

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