AUCH EIN LOB DES HERKOMMENS

 

"Zwei Kräfte herrschen über das Weltall: Licht und Schwere."

SIMONE WEIL

 

"Nicht was wir sehen, sondern wie wir sehen, bestimmt den Wert des Gesehenen."

BLAISE PASCAL

 

"Die Aura einer Erscheinung erfahren, heißt sie mit dem Vermögen belehnen, den Blick aufzuschlagen."

WALTER BENJAMIN

  

Meine Bildergallerie zeigt eine Auswahl von Landschaftsaufnahmen, welche ich seit den 1980er Jahren vorwiegend im mainfränkischen Raum angefertigt habe.

 

Im Fokus stehen weniger die dem Auge unmittelbar genehmen Naturidyllen, welche freilich nicht ganz fehlen, sondern jene ausgeformten und dem ersten Blicke öde erscheinenden Gebrauchslandschaften, in die sich die aufeinanderfolgenden Generationen der Menschen hineingegraben und vergegenständlicht haben, um ihr Leben fristen und weitergeben zu können.

 

Auch wenn meine Bilder menschenleer sind, wollen sie von dieser jahrhundertealten Last und jenen Menschen künden, die, ohne dies zu intendieren, eine Bühne für das große und immerwährende Schauspiel des Lichtes geschaffen haben.

 

Das innere Thema dieses Schauspiels, um welches es schweigend zu kreisen scheint, versucht der Begriff des "nunc stans", des "stehenden Jetzt", zu erfassen, mit welchem die christlichen Metaphysiker und Mystiker die Ewigkeit zu umschreiben pflegten.

 

AETERNITAS NON EST TEMPORIS SINE FINE SUCCESSIO, SED NUNC STANS

 

Mein ästhetisches Programm, sofern denn die Photographie, welche ja stets auf ein Vorfindliches und Vorgegebenes angewiesen und beschränkt bleibt, einem solchen zu folgen vermag, zielt daher auch immer auf jene Momente, in denen die Ewigkeit und alles, was in sie eingegangen ist, sich für eine kurze Dauer zu zeigen scheint - und mitunter mag dies sogar gelungen sein.

  

Einige programmatische Maximen mögen meine Intentionen noch näher umreißen:

 

Das Schöne ist wie ein Riss in der Wirklichkeit, durch den das Licht einer anderen Welt dringt.

 

Alles Schöne ist dem allgemeinen Verhängnis entronnen, dessen Schattenwurf es noch trägt.

 

Die gelungene Schwarzweißphotographie hält jene eigentümliche Stille fest, die dann eintritt, sobald die Dinge der Dinge harren.

 

Kunst, durch deren Schönheit nicht die Ödnis, das Verhängnis und Grauen dieser Welt zumindest gebrochen hindurchscheinen ist entweder Ideologie oder Kitsch, oder aber beides.

Das Kunstwerk muss mit seinen Wundmalen seine Wahrheit bezeugen.

 

Das Schöne stellt in dieser Welt lediglich eine Marginalie dar, die aber den Haupttext erst erträglich macht.

 

Gelungene Schwarzweißphotographien vermögen es, das milde und gnädige Licht aufzuzeichnen, welches über der öden Gottesfinsternis dieser Welt erstrahlt. Sie wirken wie Illustrationen eines Romans von Graham Greene.

 

Kunst ist die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln.

 

Das Schöne hat gleichsam die Stelle des Wächters inne, der dem beschädigten Leben verkündet:

"Der Morgen kommt, doch noch ist es Nacht" (Jesaja 21,12).

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  • JoinedJanuary 2025
  • OccupationApperzeptionist (esse est percipere)
  • Current citySchweinfurt
  • CountryDeutschland

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