AUCH EIN LOB DES HERKOMMENS

 

'Zwei Kräfte herrschen über das Weltall: Licht und Schwere.'

SIMONE WEIL

 

'Es ist des Menschen Jammer,

dass er nicht fertig wird mit dem,

was der Schöpfer vollbrachte.'

ELAZAR BENYOËTZ

 

Meine Bildergallerie zeigt eine Auswahl von Landschaftsaufnahmen, welche ich seit den 1980er Jahren vorwiegend im mainfränkischen Raum angefertigt habe.

 

Im Fokus stehen weniger die dem Auge unmittelbar genehmen Naturidyllen, welche freilich nicht ganz fehlen, sondern jene ausgeformten und dem ersten Blicke öde erscheinenden Gebrauchslandschaften, in die sich die aufeinanderfolgenden Generationen der Menschen hineingegraben und vergegenständlicht haben, um ihr Leben fristen und weitergeben zu können.

 

Auch wenn meine Bilder menschenleer sind, wollen sie von dieser jahrhundertealten Last und jenen Menschen künden, die, ohne dies zu intendieren, eine Bühne für das große und immerwährende Schauspiel des Lichtes geschaffen haben.

 

Das innere Thema dieses Schauspiels, um welches es schweigend zu kreisen scheint, versucht der Begriff des "nunc stans", des "stehenden Jetzt", zu erfassen, mit welchem die christlichen Metaphysiker und Mystiker die Ewigkeit, die "semper praesentis aeternitatis" (Hl. Augustinus), zu umschreiben pflegten, für die gilt: "Semper enim est, quoniam 'semper' praesentis est in eo temporis" - Ewig ist sie, weil in ihr das "Immer" der Gegenwart ist (Boethius).

 

AETERNITAS NON EST TEMPORIS SINE FINE SUCCESSIO, SED NUNC STANS

 

Mein programmatisches Ansinnen, sofern denn die Photographie, welche ja stets auf ein Vorfindliches und Vorgegebenes angewiesen und beschränkt bleibt, einem solchen zu folgen vermag, sucht jene Momente festzuhalten, in denen eine kalte und nüchterne Sonne, welche nichts Neues kennen will, diese Ewigkeit aufscheinen läßt: "Alles schon immer. Nie was anderes" (Samuel Beckett). Doch zugleich wollen meine Bilder, indem sie die Spuren der Bearbeitung fokussieren, die das mühselige Leid und die duldsam abgeleistete Plagerei in diesem ewigen Karsamstag hinterlassen haben, eingedenken, dass dieser Ewigkeit ein Unabgeschlossenes eignet, welches sich in dem trotzigen Satz Charlie Browns geltend macht: "Ich hoffe immer noch, dass das Gestern besser wird".

  

Einige programmatische Maximen mögen meine Intentionen noch näher umreißen:

 

Das Schöne ist wie ein Riss in der Wirklichkeit, durch den das Licht einer anderen Welt dringt.

 

Alles Schöne ist dem allgemeinen Verhängnis entronnen, dessen Schattenwurf es noch trägt.

 

Die gelungene Schwarzweißphotographie hält jene eigentümliche Stille fest, die dann eintritt, sobald die Dinge der Dinge harren.

 

Kunst, durch deren Schönheit nicht die Ödnis, das Verhängnis und Grauen dieser Welt zumindest gebrochen hindurchscheinen ist entweder Ideologie oder Kitsch, oder aber beides.

Das Kunstwerk muss mit seinen Wundmalen seine Wahrheit bezeugen.

 

Das Schöne stellt in dieser Welt lediglich eine Marginalie dar, die aber den Haupttext erst erträglich macht.

 

Gelungene Schwarzweißphotographien vermögen es, das milde und gnädige Licht aufzuzeichnen, welches über der öden Gottesfinsternis dieser Welt erstrahlt. Sie wirken wie Illustrationen eines Romans von Graham Greene.

 

Gute Schwarzweißphotografie vermag es, dass auf ihrer Oberfläche verborgene Wesen der Dinge sichtbar zu machen.

 

Kunst ist eine ambiguente Form der negativen Theologie. Indem sie das Geschwätz flieht und statt dessen das Schweigen umkreist, bringt sie Erfahrungen zum Ausdruck, die sich dem Begriff veweigern und ihn zugleich locken.

 

Kunst ist die Fortsetzung der Religion mit anderen Mitteln.

 

Das Schöne hat gleichsam die Stelle des Wächters inne, der dem beschädigten Leben verkündet:

"Der Morgen kommt, doch noch ist es Nacht" (Jesaja 21,12).

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  • JoinedJanuary 2025
  • OccupationApperzeptionist (esse est percipere)
  • Current citySchweinfurt
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