El Don Quijote de Viena
Wien, 1. Bezirk, Universität Wien, la Università di Vienna, la Universidad de Viena, l'Université de Vienne, the University of Vienna (Universitätsring), Gehirnschmalz since 1365 (brainpower, capacidad mental, matière grise, capacità intellettiva)
Lange kaum ein Thema
Die Auseinandersetzung mit den in den Regalen und Magazinen der Universitätsbibliotheken lagernden geraubten Büchern blieb lange auf Einzelinitiativen beschränkt, die Thematisierung war lange fast ausschließlich engagierten BibliothekarInnen in Hausarbeiten während ihrer Fachausbildung überlassen. Das änderte sich endgültig, als Anfang des 21. Jahrhunderts nicht nur neue Veröffentlichungen den Bücherraub der NS-Zeit auch an der Universität Wien thematisierten, sondern auch der NS-Kunstraub und überfällige Restitutionen international in aller Munde waren. Mit der Umsetzung des Kunstrückgabegesetzes aus dem Jahr 1998 war die systematische Auseinandersetzung mit Raub und Restitution in Österreichs Bibliotheken angekommen.
Die UB Wien startet Provenienzforschung und Restitutionen
2004 richtete die Universitätsbibliothek Wien als erste Universitätsbibliothek in Österreich ein Projekt zur systematischen Suche und Rückgabe von in der NS-Zeit geraubten Büchern ein. In den folgenden Jahren wurden in der Hauptbibliothek und den über 40 Fachbereichsbibliotheken hunderttausende Bücher händisch auf Hinweise nach VorbesitzerInnen (wie etwa Eintragungen, Stempeln oder Exlibris) untersucht und etwa 60.000 Hinweise für weitere Recherchen dokumentiert. Darüber hinaus wurde Archivmaterial und Fachliteratur studiert, Inventarbücher ausgewertet und Ergebnisse mit anderen Projekten verglichen.
Die Ergebnisse wurden in Falldossiers aufbereitet, über anstehende Rückgaben entschieden und, in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, ErbInnen gesucht und teilweise gefunden. 2009 konnte die erste Restitution durchgeführt werden, seither wurden in über 15 Fällen (Stand: 09/2014) Bücher an die RechtsnachfolgerInnen der ursprünglichen BesitzerInnen zurückgegeben.
Nicht in allen Fällen reichen die Daten, um ErbInnen zu finden oder RechtsnachfolgerInnen zu identifizieren. Immer wieder ist klar geworden, dass bestimmte Bücher in der NS-Zeit geraubt wurden, ohne dass das Opfer der Enteignung bekannt wäre. Solche Fälle werden in der Kunstdatenbank des Nationalfonds veröffentlicht, um möglicherweise weitere Hinweise zu bekommen.
NS-Provenienzforschung: ein öffentlicher und historischer Beitrag
Die NS-Provenienzforschung der Universitätsbibliothek beschränkt sich nicht auf die Abwicklung der Fälle und die interne Dokumentation der Ergebnisse. Diese werden auf allen möglichen Wegen öffentlich gemacht – sei es auf der Website und im Online-Katalog der UB, sei es auf wissenschaftlichen Tagungen und in internationalen Arbeitsgruppen, durch Fachpublikationen oder in Lehrveranstaltungen. Das soll vergleichbare Projekte unterstützen, durch Austausch der Ergebnisse und die Weiterarbeit mit erprobten Methoden. Es soll auch das Bewusstsein der Bibliothek für die Verantwortung für ihre Bestände und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihnen zeigen. Der mittlerweile fix eingerichtete Arbeitsbereich beleuchtet einen lange vernachlässigten Bereich der Bibliotheksgeschichte der Universität Wien, stellt Verbindungen zu zahlreichen Initiativen der Universität her und setzt seine Ergebnisse in konkrete Handlungen um.
Stefan Alker, Markus Stumpf
geschichte.univie.ac.at/de/artikel/ns-provenienzforschung...
Wien, 1. Bezirk, Universität Wien, la Università di Vienna, la Universidad de Viena, l'Université de Vienne, the University of Vienna (Universitätsring), Gehirnschmalz since 1365 (brainpower, capacidad mental, matière grise, capacità intellettiva)
Lange kaum ein Thema
Die Auseinandersetzung mit den in den Regalen und Magazinen der Universitätsbibliotheken lagernden geraubten Büchern blieb lange auf Einzelinitiativen beschränkt, die Thematisierung war lange fast ausschließlich engagierten BibliothekarInnen in Hausarbeiten während ihrer Fachausbildung überlassen. Das änderte sich endgültig, als Anfang des 21. Jahrhunderts nicht nur neue Veröffentlichungen den Bücherraub der NS-Zeit auch an der Universität Wien thematisierten, sondern auch der NS-Kunstraub und überfällige Restitutionen international in aller Munde waren. Mit der Umsetzung des Kunstrückgabegesetzes aus dem Jahr 1998 war die systematische Auseinandersetzung mit Raub und Restitution in Österreichs Bibliotheken angekommen.
Die UB Wien startet Provenienzforschung und Restitutionen
2004 richtete die Universitätsbibliothek Wien als erste Universitätsbibliothek in Österreich ein Projekt zur systematischen Suche und Rückgabe von in der NS-Zeit geraubten Büchern ein. In den folgenden Jahren wurden in der Hauptbibliothek und den über 40 Fachbereichsbibliotheken hunderttausende Bücher händisch auf Hinweise nach VorbesitzerInnen (wie etwa Eintragungen, Stempeln oder Exlibris) untersucht und etwa 60.000 Hinweise für weitere Recherchen dokumentiert. Darüber hinaus wurde Archivmaterial und Fachliteratur studiert, Inventarbücher ausgewertet und Ergebnisse mit anderen Projekten verglichen.
Die Ergebnisse wurden in Falldossiers aufbereitet, über anstehende Rückgaben entschieden und, in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde Wien und dem Nationalfonds der Republik Österreich für die Opfer des Nationalsozialismus, ErbInnen gesucht und teilweise gefunden. 2009 konnte die erste Restitution durchgeführt werden, seither wurden in über 15 Fällen (Stand: 09/2014) Bücher an die RechtsnachfolgerInnen der ursprünglichen BesitzerInnen zurückgegeben.
Nicht in allen Fällen reichen die Daten, um ErbInnen zu finden oder RechtsnachfolgerInnen zu identifizieren. Immer wieder ist klar geworden, dass bestimmte Bücher in der NS-Zeit geraubt wurden, ohne dass das Opfer der Enteignung bekannt wäre. Solche Fälle werden in der Kunstdatenbank des Nationalfonds veröffentlicht, um möglicherweise weitere Hinweise zu bekommen.
NS-Provenienzforschung: ein öffentlicher und historischer Beitrag
Die NS-Provenienzforschung der Universitätsbibliothek beschränkt sich nicht auf die Abwicklung der Fälle und die interne Dokumentation der Ergebnisse. Diese werden auf allen möglichen Wegen öffentlich gemacht – sei es auf der Website und im Online-Katalog der UB, sei es auf wissenschaftlichen Tagungen und in internationalen Arbeitsgruppen, durch Fachpublikationen oder in Lehrveranstaltungen. Das soll vergleichbare Projekte unterstützen, durch Austausch der Ergebnisse und die Weiterarbeit mit erprobten Methoden. Es soll auch das Bewusstsein der Bibliothek für die Verantwortung für ihre Bestände und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihnen zeigen. Der mittlerweile fix eingerichtete Arbeitsbereich beleuchtet einen lange vernachlässigten Bereich der Bibliotheksgeschichte der Universität Wien, stellt Verbindungen zu zahlreichen Initiativen der Universität her und setzt seine Ergebnisse in konkrete Handlungen um.
Stefan Alker, Markus Stumpf
geschichte.univie.ac.at/de/artikel/ns-provenienzforschung...