Passport Party
Reisebericht Irak (2) - Touristische Infrastruktur
(EN) Kebab saloon in Sulaymaniyah, Iraqi Kurdistan. (DE) Kebabsalon in Sulaymania, irakisch Kurdistan.
Entsprechend ist die touristische Infrastruktur noch kaum vorhanden. Anstelle von öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es nur Sammeltaxis, und auch diese nicht auf allen Strecken. Auf diese ist man angewiesen, wenn man riskante Busfahrten durch Mosul und Kirkuk vermeiden will - ohnehin ein spezielles Gefühl beim Reisen, gewisse Städte explizit zu meiden, da sie sogar die Einheimischen für gefährlich halten. Die Sammeltaxis sind nicht sehr teuer (z.B. ca 15'000 Dinar / 10 Euro von Erbil nach Sulaymania mit Umsteigen in Koya), das Benzin ohnehin staatlich subventioniert.
Das Preis/Leistungsverhältnis der Hotels ist generell sehr schlecht: Einerseits gibt es sehr teure und massiv bewachte Hotels mit einem gewissen Komfort, in denen sich westliche Journalisten, Hilfswerks-Arbeiter und Geschäftsleute aufhalten, andererseits die von Irakern benutzten Absteigen, meist in der Umgebung der Märkte. Auch in diesen kostet eine Übernachtung pro Person in der Regel etwa 30'000 irakische Dinar (20 Euro), es handelt sich jeweils um unansehnliche Löcher. In Sulaymania etwa stand in unserem Zimmer die WC-Tür samt Türrahmen unter Strom, in Erbil bescherte uns sehr laut scheppernde Musik eines Händlers direkt unter dem Fenster bis weit nach Mitternacht und danach ein Notstromaggregat eine Nacht fast ohne Schlaf.
Kulinarisch gibt der Irak leider wenig her. Restaurants servieren in der Regel nur Kebab (Hackfleischspiesse, ähnlich dem türkischen Adana Kebab), Pouletspiesse und Poulet mit Reis und dazu etwas Salat, Suppe, Bohnen und Oliven. Es schmeckt überall etwa gleich, was die Auswahl zwischen den Restaurants erleichtert. Hinzu kommen einige chinesische und türkische Restaurants sowie in Erbil der "Deutsche Hof", der authentisch Bratwurst mit Sauerkraut, Braten, eine gute Auswahl deutscher Biere und dergleichen serviert. Bier (in Form von Efes und Tuborg) ist übrigens recht einfach erhältlich: In jeder Stadt gibt es auf Alkohol spezialisierte Geschäfte und einzelne Restaurants und Bars, die Bier ausschenken. Jene in Dohuk haben aber getönte Scheiben und sehen wie zwielichtige Etablissements aus. Die Iraker selbst trinken offensichtlich am liebsten Tee, den es an jeder Ecke gibt. Auch die Fruchtsäfte sind sehr gut.
Grundsätzlich ist das Preisniveau im Irak ziemlich hoch und fast auf mitteleuropäischem Niveau. Dies liegt daran, dass fast alle Produkte des täglichen Bedarfs - auch landwirtschaftliche - aus den Nachbarländern, insbesondere aus der Türkei, importiert werden. Im Irak selber gibt es kaum mehr funktionierende Industrie. Die irakische Währung ist sehr stabil, es gibt nur Banknoten. Der kleinste Wert ist mit 250 Dinar (ca. 20 Rappen) doch recht hoch, ausserdem gibt es Noten zu 500 (selten), 1'000, 5'000, 10'000 und 25'000 Dinar.
Anders als in anderen arabischen Staaten wird man in irakisch Kurdistan überhaupt nicht von einheimischen Verkäufern, Kellnern und anderen Leuten, die einem etwas andrehen wollen belästigt - die Einheimischen sind vielmehr ruhig, respektvoll und bei Bedarf auch sehr hilfsbereit. Nur haben sie ein etwas eigenes Verhältnis zum Thema Krieg: Spielzeug-Maschinengewehre für Kinder erfreuen sich grosser Beliebtheit, und in Sulaymania haben wir sogar Werbung für ein Paintball-Feld namens "War Zone" gesehen - wo doch die südliche Nachbarstadt Kirkuk einer solchen gleicht…
Reisebericht Irak 2012
Teil 2: Touristische Infrastruktur
Teil 3: Sprache und Bevölkerung
Teil 4: Städte und Sehenswürdigkeiten
Ten highlights of a trip to Iraq
Andere Reiseberichte / Other travel reports:
2011 Ägypten während der Revolution / Egypt during Revolution
Reisebericht Irak (2) - Touristische Infrastruktur
(EN) Kebab saloon in Sulaymaniyah, Iraqi Kurdistan. (DE) Kebabsalon in Sulaymania, irakisch Kurdistan.
Entsprechend ist die touristische Infrastruktur noch kaum vorhanden. Anstelle von öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es nur Sammeltaxis, und auch diese nicht auf allen Strecken. Auf diese ist man angewiesen, wenn man riskante Busfahrten durch Mosul und Kirkuk vermeiden will - ohnehin ein spezielles Gefühl beim Reisen, gewisse Städte explizit zu meiden, da sie sogar die Einheimischen für gefährlich halten. Die Sammeltaxis sind nicht sehr teuer (z.B. ca 15'000 Dinar / 10 Euro von Erbil nach Sulaymania mit Umsteigen in Koya), das Benzin ohnehin staatlich subventioniert.
Das Preis/Leistungsverhältnis der Hotels ist generell sehr schlecht: Einerseits gibt es sehr teure und massiv bewachte Hotels mit einem gewissen Komfort, in denen sich westliche Journalisten, Hilfswerks-Arbeiter und Geschäftsleute aufhalten, andererseits die von Irakern benutzten Absteigen, meist in der Umgebung der Märkte. Auch in diesen kostet eine Übernachtung pro Person in der Regel etwa 30'000 irakische Dinar (20 Euro), es handelt sich jeweils um unansehnliche Löcher. In Sulaymania etwa stand in unserem Zimmer die WC-Tür samt Türrahmen unter Strom, in Erbil bescherte uns sehr laut scheppernde Musik eines Händlers direkt unter dem Fenster bis weit nach Mitternacht und danach ein Notstromaggregat eine Nacht fast ohne Schlaf.
Kulinarisch gibt der Irak leider wenig her. Restaurants servieren in der Regel nur Kebab (Hackfleischspiesse, ähnlich dem türkischen Adana Kebab), Pouletspiesse und Poulet mit Reis und dazu etwas Salat, Suppe, Bohnen und Oliven. Es schmeckt überall etwa gleich, was die Auswahl zwischen den Restaurants erleichtert. Hinzu kommen einige chinesische und türkische Restaurants sowie in Erbil der "Deutsche Hof", der authentisch Bratwurst mit Sauerkraut, Braten, eine gute Auswahl deutscher Biere und dergleichen serviert. Bier (in Form von Efes und Tuborg) ist übrigens recht einfach erhältlich: In jeder Stadt gibt es auf Alkohol spezialisierte Geschäfte und einzelne Restaurants und Bars, die Bier ausschenken. Jene in Dohuk haben aber getönte Scheiben und sehen wie zwielichtige Etablissements aus. Die Iraker selbst trinken offensichtlich am liebsten Tee, den es an jeder Ecke gibt. Auch die Fruchtsäfte sind sehr gut.
Grundsätzlich ist das Preisniveau im Irak ziemlich hoch und fast auf mitteleuropäischem Niveau. Dies liegt daran, dass fast alle Produkte des täglichen Bedarfs - auch landwirtschaftliche - aus den Nachbarländern, insbesondere aus der Türkei, importiert werden. Im Irak selber gibt es kaum mehr funktionierende Industrie. Die irakische Währung ist sehr stabil, es gibt nur Banknoten. Der kleinste Wert ist mit 250 Dinar (ca. 20 Rappen) doch recht hoch, ausserdem gibt es Noten zu 500 (selten), 1'000, 5'000, 10'000 und 25'000 Dinar.
Anders als in anderen arabischen Staaten wird man in irakisch Kurdistan überhaupt nicht von einheimischen Verkäufern, Kellnern und anderen Leuten, die einem etwas andrehen wollen belästigt - die Einheimischen sind vielmehr ruhig, respektvoll und bei Bedarf auch sehr hilfsbereit. Nur haben sie ein etwas eigenes Verhältnis zum Thema Krieg: Spielzeug-Maschinengewehre für Kinder erfreuen sich grosser Beliebtheit, und in Sulaymania haben wir sogar Werbung für ein Paintball-Feld namens "War Zone" gesehen - wo doch die südliche Nachbarstadt Kirkuk einer solchen gleicht…
Reisebericht Irak 2012
Teil 2: Touristische Infrastruktur
Teil 3: Sprache und Bevölkerung
Teil 4: Städte und Sehenswürdigkeiten
Ten highlights of a trip to Iraq
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