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Nun, Kindlein bleibt, bleibt, bleibt an Jesu kleben

Photo: Verzierung am Eingang zur Evangelischen Marktkirche, Wiesbaden, Hessen

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Nun, Kindlein bleibt, bleibt, bleibt an Jesu kleben

 

1.) Nun, Kindlein bleibt, bleibt, bleibt an Jesu kleben,

Ach, bleibt bei ihm, dem wahren Seelenheil!

Umfasset recht dies euer ewig' Leben,

Den Herzensschatz, das allerbeste Teil!

Seht, wie das teure Lamm

Die Glut der Liebe treibt

Zum Tod am Kreuzesstamm!

Nun Kindlein, bleibt.

 

2.) Nun Kindlein, bleibt an Jesu Mutterherzen,

Ach, drückt euch fest an diese zarte Brust,

Die gibet Ruh' in Seel'- und Liebesschmerzen,

Sie stillet euch mit reiner Himmelslust.

Rückt nur getrost herbei,

Die ihr an Jesum gläubt,

Er macht von Kummer frei.

Nun Kindlein, bleibt.

 

3.) Nun Kindlein, bleibt bei ihm, er bleibt euch stehen,

Wenn aller Trost der Kreatur zerrinnt,

Wenn Himmel, Erd' wie Rauch und Dampf, zergehen

Und alle Welt mit ihrer Lust verschwindt,

Wenn Gott die leichte Spreu,

Das Götzenvolk zerstäubt.

So steht euch Jesus bei.

Nun Kindlein, bleibt.

 

4.) Nun Kindlein, bleibt. Wo könnt ihr's besser finden,

Als eben hier bei dieser Lebensquell?

Die tränket euch, und säubert euch von Sünden.

Erfreut euch am Geiste, Leib und Seel'.

Hier ist das Lebensbrot,

Das Hungersnot vertreibt,

Ja, es erhält im Tod,

Nun Kindlein, bleibt.

 

5.) Nun Kindlein, bleibt bei ihm, der euch geschmücket

Mit reiner Seiden der Gerechtigkeit.

Der euch bereits das Siegel aufgedrücket,

Dass er euch kennt, und ihr die Seinen seid,

Den'n er mit eignem Blut

Sein treues Herz verschreibt.

O, unerhörtes Gut!

Nun Kindlein, bleibt.

 

6.) Nun Kindlein, bleibt an Jesu süßer Liebe,

Bis euch der Balsam gar durchdrungen hat.

Ach, lasst hinfort dem, was vom Sündentriebe

Noch in euch ist, nicht die geringste statt.

Wem Jesus sich vermählt

Und gänzlich einverleibt,

Hat's beste Teil erwählt.

Nun Kindlein, bleibt.

 

7.) Nun Kindlein, bleibt bei ihm in Kreuz und Leiden.

Der liebste Sohn ging selbst den Dornenpfad.

Drum will er euch das Reich also bescheiden. (a)

Wie es der Vater ihm beschieden hat.

wer nun bei Schmach und Hohn,

Den Sündeleib betäubt,

Läuft richtig nach der Kron'.

Nun Kindlein, bleibt.

 

8.) Nun Kindlein, bleibt mit Wachen, Flehn und Beten

An eurem allerbesten Seelenfreund,

So könnt ihr denn mit Freuden vor ihn treten,

Wenn er in seiner Herrlichkeit erscheint.

Wenn er die sichre Welt

Gar ferne von sich treibt.

Bleibt ihr ihm zugesellt.

Nun Kindlein, bleibt.

 

9.) Nun Kindlein, bleibt bei ihm mit stillem Herzen.

So nimmt der innre Mensch beständig zu.

Der Flattergeist gebieret lauter Schmerzen

Und lässt die arme Seele nicht zur Ruh'.

Wer aber seine Zeit

Im stillen Geist vertreibt,

Genießet Fried' und Freud'.

Nun Kindlein, bleibt.

 

10.) Nun Kindlein, bleibt in Jesu Seitenhöhle,

Dies Örtchen fasset wohl beim letzten Stoß. (b)

Da, da hinein senkt eure teure Seele,

So finden wir uns dort in's Vaters Schoß.

Herr Jesu, höre du,

Was dieser Schwache schreibt,

Ruf selbst den Deinen zu:

Nun Kindlein, bleibt.

 

(a) verordnen

(b) Atemzug

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Autor: Johann Ludwig Konrad Allendorf

Melodie: Gott ist getreu, der über meine Kräfte

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gefunden im Buch

Die Cöthnischen Lieder

Zum Lobe des dreieinigen Gottes

Druck: Obern-Druckerei Emanuel Hortinus

Bern, 1748

Liednummer 149

Thema: Christuslied

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Johann Ludwig Konrad Allendorf (* 9. Februar 1693 in Josbach, Oberhessen; † 3. Juni 1773 in Halle/Saale) war ein deutscher Pädagoge, lutherischer Pfarrer und Kirchenliederdichter.

Allendorf war Sohn eines lutherischen Pfarrers. Er studierte seit 1711 in Gießen und ab 1713 bei August Hermann Francke in Halle/Saale. 1717 akzeptierte er eine Hofmeisterstelle bei Graf Henkel in Odersberg am Westerwald. Ab 1723 war er Erzieher bei Reichsgraf Erdmann II. von Promnitz in Sorau in der Niederlausitz.

Als eine der lutherisch erzogenen Promnitz-Töchter 1624 den reformierten Fürsten August Ludwig von Anhalt-Köthen heiratete, begleitete er sie als ihr persönlicher Seelsorger nach Köthen. In den zwei Jahrzehnten seiner dortigen Tätigkeit verfasste er mehrere Kirchenliederbücher, darunter ab 1736 die pietistischen Cöthnischen Lieder. Nach dem Ableben der Fürstin ging er 1750 als Pfarrer nach Wernigerode und von hier 1755 ins benachbarte Nöschenrode. Seit Ende 1759 wirkte er als Pfarrer an St. Ulrich in Halle/Saale, wo er gleichzeitig auch am lutherischen Gymnasium unterrichtete.

Allendorf dichtete insgesamt 132 Kirchenlieder, sein bekanntestes Werk ist das Epiphaniaslied 'Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude', das im gegenwärtig aktuellen Evangelischen Gesangbuch (EG) unter der Nummer 66 steht.

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Uploaded on June 20, 2013
Taken on February 18, 2011