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Christum lieben ist besser denn alles Wissen
Photo: Mainzer Dom, Mainz
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Christum lieben ist besser denn alles Wissen
1.) Ohn Eins ist alles nichts, was etwas ist und heißt,
So viel der Sternenzelt in seinem Zirk' umschleußt.
Dies Eins ist überall, in allem doch beschlossen.
Stets seine, ganz und frei, in alles doch gegossen,
2.) Ein lebensvoller Geist, sein Absein ist der Tod.
Wer ohne dieses ist, ist niemals ohne Not.
Was bin ich doch bemüht um alles zu erlernen,
Was nahe bei uns ist und was uns kömmt von fernen?
3.) Was hier und da und dort und überall geschieht,
Danach ein geizigs Aug' aus Herzenshunger sieht?
Könnt' ich ein' jede Kunst, wär' aller Reichtum meine,
Hätt' ich der Ehren Thron zu eigen ganz alleine,
4.) Ging' alles mir nach Lust und wüsst' ich keine Zeit,
Die mich von Jugend auf nicht herzlich hätt' erfreut,
Ja wüsst ich, (welches doch noch keinem ist gegeben,)
Dass ich auch keinen Tod auf Erden sollt' erleben,
5.) Mein Name reichte hin bis in die neue Welt,
An mir wär' alles das, was man für Alles hält,
Ganz alles hätt' ich ganz: was wäre dieses Alles?
Ein Alles auf den Schein, ein Konterfei des Schalles,
6.) Des Schatten leiblichs Bild, Verblendung des Gesichts,
Ein Schlauch an Leere voll, mit einem Worte: nichts.
O alles über All! O mehr als alles alles,
Vor allem allzeit da, ein Aufstand alles Falles,
7.) Nach allem stets wie vor, ein Einzler an der Zahl,
Doch über alle Zahl und Zeiten allzumal,
Für dem der schärfste Witz ist Aberwitz zu nennen,
Du aller Schätze Schatz, den nur die Seelen kennen,
8.) Für dem die Ehre Schmach, die Wollust Unlust heißt,
Ein geistgestalter Mensch, ein menschgestalter Geist,
O Menschgott, Heiland, Heil, dem alle Dinge geben
In allem allen Preis, du alles Lebens Leben
9.) Und alles Todes Tod, du bist es, Jesu, du,
Ohn dem nichts alles ist und minder noch dazu.
Ach alles, lass mein Nichts dir darum doch gefallen,
Dieweil es nichts will ein in andern Sachen allen,
Gib, alles, mir, dem nichts, in allem Rat und Tat,
So hab' und kann ich mehr, als alles kann und hat!
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Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.
Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.
Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.
Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.
In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.
David Pohle (1624-1695) vertonte 12 Arien auf Texte aus Flemings 5. Odenbuch.
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Paul Fleming (October 5, 1609 – April 2, 1640) was a German poet. He was born Hartenstein, in Vogtland, Saxony, and received first medical training at the University of Leipzig and his medical doctorate at Hamburg.
Fleming was engaged with Adam Olearius in embassies in Russia and Persia. He settled in Hamburg in 1639, but died the following year. As a lyricist he stood in the front rank of German poets.
Christum lieben ist besser denn alles Wissen
Photo: Mainzer Dom, Mainz
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Christum lieben ist besser denn alles Wissen
1.) Ohn Eins ist alles nichts, was etwas ist und heißt,
So viel der Sternenzelt in seinem Zirk' umschleußt.
Dies Eins ist überall, in allem doch beschlossen.
Stets seine, ganz und frei, in alles doch gegossen,
2.) Ein lebensvoller Geist, sein Absein ist der Tod.
Wer ohne dieses ist, ist niemals ohne Not.
Was bin ich doch bemüht um alles zu erlernen,
Was nahe bei uns ist und was uns kömmt von fernen?
3.) Was hier und da und dort und überall geschieht,
Danach ein geizigs Aug' aus Herzenshunger sieht?
Könnt' ich ein' jede Kunst, wär' aller Reichtum meine,
Hätt' ich der Ehren Thron zu eigen ganz alleine,
4.) Ging' alles mir nach Lust und wüsst' ich keine Zeit,
Die mich von Jugend auf nicht herzlich hätt' erfreut,
Ja wüsst ich, (welches doch noch keinem ist gegeben,)
Dass ich auch keinen Tod auf Erden sollt' erleben,
5.) Mein Name reichte hin bis in die neue Welt,
An mir wär' alles das, was man für Alles hält,
Ganz alles hätt' ich ganz: was wäre dieses Alles?
Ein Alles auf den Schein, ein Konterfei des Schalles,
6.) Des Schatten leiblichs Bild, Verblendung des Gesichts,
Ein Schlauch an Leere voll, mit einem Worte: nichts.
O alles über All! O mehr als alles alles,
Vor allem allzeit da, ein Aufstand alles Falles,
7.) Nach allem stets wie vor, ein Einzler an der Zahl,
Doch über alle Zahl und Zeiten allzumal,
Für dem der schärfste Witz ist Aberwitz zu nennen,
Du aller Schätze Schatz, den nur die Seelen kennen,
8.) Für dem die Ehre Schmach, die Wollust Unlust heißt,
Ein geistgestalter Mensch, ein menschgestalter Geist,
O Menschgott, Heiland, Heil, dem alle Dinge geben
In allem allen Preis, du alles Lebens Leben
9.) Und alles Todes Tod, du bist es, Jesu, du,
Ohn dem nichts alles ist und minder noch dazu.
Ach alles, lass mein Nichts dir darum doch gefallen,
Dieweil es nichts will ein in andern Sachen allen,
Gib, alles, mir, dem nichts, in allem Rat und Tat,
So hab' und kann ich mehr, als alles kann und hat!
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Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.
Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.
Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.
Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.
In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.
David Pohle (1624-1695) vertonte 12 Arien auf Texte aus Flemings 5. Odenbuch.
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Paul Fleming (October 5, 1609 – April 2, 1640) was a German poet. He was born Hartenstein, in Vogtland, Saxony, and received first medical training at the University of Leipzig and his medical doctorate at Hamburg.
Fleming was engaged with Adam Olearius in embassies in Russia and Persia. He settled in Hamburg in 1639, but died the following year. As a lyricist he stood in the front rank of German poets.