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Komm, Jesu, teurer Schatz

Photo: Grabstein in der evangelischen St.-Johannis-Kirche in Nieblum, Föhr, Schleswig-Holstein

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Komm, Jesu, teurer Schatz

 

- Bußaria -

 

1.) Komm, Jesu, teurer Schatz!

Mein Geist der macht dir Platz.

Hier seufzet dein Erlöster:

Erhöre mich, mein Tröster;

Ach, teure Gnadenkerze,

Bestrahle Seel' und Herze!

 

2.) Erneu'r in mir den Bund,

Da deines Dieners Mund

Mich in dem teuren Bade

Der süßen Jesusgnade

Von Sünden losgezählet

Und dir mich anvermählet.

 

3.) Ich habe zwar, mein Gott,

Durch längst verdienten Tod

Schon oft den Bund gebrochen,

So dass des Herzens Pochen

Mich heißt mit Angst und Schrecken

Vor deinem Zorn verstecken.

 

4.) Ach, aber wo soll mir

Auch wohl ein Ort vor dir

G'nug Schutz und Hilfe geben?

Wer kann dir widerstreben,

Dir, der du Held und Waffen,

Ja alles hast geschaffen?

 

5.) Ich muss vor deiner Macht

In meiner Sündennacht

Erzittern und erbeben;

Mein schwer verschuld'tes Leben

Vergehet im Gedränge

Der großen Sündenmenge.

 

6.) Ach, ach, wo lass ich mich?

Jedoch ich hoff auf dich.

Du sagest, dass vor allen

Dir der wird wohl gefallen,

Den bei zerknirschtem Herzen

Begangne Sünden schmerzen.

 

7.) Nun, Jesu, mein Gewinn,

Nimm Herz und Seele hin.

Du weißt es zu ergründen:

Erforsche, wie die Sünden

Dies mit dem schwersten Drücken

In Reu' und Leid verstricken.

 

8.) Komm, gib mir deinen Geist,

Den, welchen du verheißt

Demselben auszuteilen,

Wer bei bedrängtem Heulen

Mit rechten Herzenszähren (a)

Zu dir sich wird bekehren.

 

9.) Ach, nimm dich meiner an

Auf der verwirrten Bahn;

Führ mich vom Höllenwege

Zu deinem Himmelsstege!

Ich seufze nach Erbarmen,

Nimm mich in deine Armen!

 

10.) Hilf mir die kurze Zeit

Hier in der Eitelkeit, (b)

Stets deines Vaters Willen

In allem recht erfüllen;

Lass mich so leben wollen,

Wie wahre Christen sollen.

 

(a) Tränen

(b) den flüchtigen Freuden der Welt

 

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Autor: Johann Christian Günther

Melodie: Eigene Melodie/ohne Angaben

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Johann Christian Günther (* 8. April 1695 in Striegau/Schlesien; † 15. März 1723 in Jena/Thüringen) war ein bedeutender deutscher Lyriker.

Der Sohn eines Arztes besuchte 1710 bis 1715 das Gymnasium in Schweidnitz, wo sein Jugenddrama 'Die von Theodosio bereute Eifersucht' aufgeführt wurde. Er verlobte sich mit Magdalena Eleonore Jachmann, der 'Leonore' seiner späteren Gedichte.

1715 nahm er, dem Wunsch des Vaters folgend, ein Medizinstudium in Wittenberg auf. Es kam zum Zerwürfnis mit dem Vater, da dieser ihm dessen Absicht, seinen Lebensunterhalt als Dichter zu bestreiten, strikt verwehrte. 1716 ließ sich Günther zum 'Poeta laureatus Caesareus' krönen. Infolge der damit verbundenen finanziellen Aufwendungen landete er 1717 im Schuldgefängnis.

Im gleichen Jahr ging er nach Leipzig, wo er sich an der Universität einschrieb. Er wurde von dem Schriftsteller und Historiker Johann Burckhardt Mencke gefördert, der von seiner bedeutenden Begabung überzeugt war, dem es aber 1719 nicht gelang, ihm eine Stelle als Hofdichter Augusts des Starken in Dresden zu beschaffen. Ein Versuch, sich 1720 als Arzt in Kreuzburg niederzulassen misslang, ebenso die Bemühung um eine Aussöhnung mit dem Vater. In der Folge lebte Johann Christian Günther als Gast bei den Familien verschiedener Studienfreunde. Er kehrte 1723, bereits krank, nach Jena zurück, wo er siebenundzwanzigjährig an Tuberkulose starb.

Günther gilt als bedeutendster deutscher Lyriker des frühen 18. Jahrhunderts. Formal dem Zeitalter des Barocks zuzuordnen, ist er wegen der starken inneren Bewegtheit und ausgesprochener individueller Prägung seiner Literatur als Vorläufer des Sturm und Drang zu bezeichnen. Die Encylopaedia Britannica nennt Günther 'einen der allerwichtigsten deutschen Vers-Dichter zwischen dem Mittelalter und der frühen Goethe-Zeit. Viele seiner Lieder haben starken religiösen Bezug, wobei er oft seiner Trauer Ausdruck gibt, dass die göttliche Vorsehung und die Gnadenerweise ausgerechnet ihn nicht erreichen.

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Johann Christian Günther (April 8, 1695 - March 15, 1723) was a German poet from Striegau in Lower Silesia. After attending the gymnasium at Schweidnitz, he was sent in 1715 by his father, a country doctor, to study medicine at Wittenberg; but he was idle and dissipated, had no taste for the profession chosen for him, and came to a complete rupture with his family. In 1717 he went to Leipzig, where he was befriended by Johann Burkhard Mencke (1674-1732), who recognized his genius; and there he published a poem on the peace of Passarowitz (concluded between the German emperor and the Porte in 1718) which acquired him reputation. A recommendation from Mencke to Frederick Augustus II of Saxony, king of Poland, proved worse than useless, as Günther appeared at the audience drunk. From that time he led an unsettled and dissipated life, sinking ever deeper into the slough of misery, until he died at Jena on March 15, 1723, when only in his 28th year. Goethe pronounces Günther to have been a poet in the fullest sense of the term. His lyric poems as a whole give evidence of deep and lively sensibility, fine imagination, clever wit, and a true ear for melody and rhythm; but an air of cynicism is more or less present in most of them, and dull or vulgar witticisms are not infrequently found side by side with the purest inspirations of his genius.

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Uploaded on May 3, 2013
Taken on July 20, 2009