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Weh mir, mein sterbend Herz
Weh mir, mein sterbend Herz
1.) Weh mir, mein sterbend Herz,
Vergeht in heißem Schmerz
Die scharfe Gift der Sünden,
Greift schon die Geister an,
Wer ist der retten kan?
Ich muss in Angst verschwinden.
2.) Der angesteckte Mut
Schmacht in der Laster-Glut
Die Kräfte sind zerronnen.
Wie auf der Gipfel Höh,
Der aufgetaute Schnee
Schmelzt in dem Strahl der Sonnen.
3.) Es ist um mich geschehn
Ich muss den Abgrund sehn
Und in die Gruft versinken!
Doch kannst du höchster Gott
Abwenden meine Not
Nur durch ein einig Winken.
4.) Ach Vater, schaff in mir
Ein Herz das einig dir
Mög unbefleckt gefallen
Das rein von Missetat
Sich müh' nach deinem Rat
Auf rechter Bahn zu wallen.
5.) Lass den gewissen Geist,
Der Gott und Lehrer heißt
Die Seele ganz erneuen:
Dass ich mich mög in dir,
Weil dieser Trost in mir
Nach höchster Angst erfreuen.
6.) Stoß Vater, stoß mich nicht
Von deinem Angesicht.
Ach heiß von mir nicht scheiden
Die mehr denn heil'ge Kraft,
Die Schutz und Stärke schafft
Auch in dem grimmsten Leiden!
7.) Hier sitz ich sonder Rat
Versetzt durch Missetat
In grause Bangigkeiten.
Kein Freund fragt mehr nach mir
Mein Heiland, ach, ich spür
Des Todes Bitterkeiten.
8.) Der Feind höhnt und verlacht
Mich, nun ich ohne Macht
Ganz hilflos untergehe.
Hier biet' mir niemand Hand
Weil ich in Kett' und Band
Durchaus verlassen stehe.
9.) Mein Vater schau mich an,
Du bist, der trösten kan,
Wenn aller Trost verschwunden.
Ich hab in höchster Not,
Ja, mitten in dem Tod
Stets hilfreich dich befunden.
10.) Dein freudenreicher Geist
Der uns nicht zagen heißt
Der Sinn und Kraft erwecket
Durch den man herrlich siegt
Wenn uns die Welt bekriegt
Und Höll' und Teufel schrecket.
11.) Der Geist der Brunn der Güt',
Der stärke mein Gemüt
Und leite meine Sinnen,
Durch Ihn will ich die Kron'
Den höchsten Gnadenlohn
In jener Welt gewinnen.
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Text: Andreas Gryphius
Melodie: ohne Angaben
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gefunden in:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der
deutschsprachigen Werke.
Band 3, Tübingen 1963
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Andreas Gryphius (eigentlich von Greif), geb. am 2. Oktober 1616 in Glogau (Schlesien), war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barock. Er war der bedeutendste deutsche Sonettdichter des 17. Jahrhunderts.
Er absolvierte nach schwerer Jugend in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges Studien in Danzig und Leiden (Niederlande), bereiste Frankreich und Italien und war ab 1650 Syndikus der Landstände des Fürstentums Glogau. Er war sprachmächtiger und gedankentiefer Dichter des deutschen Barock, der die Erfahrung der Vergänglichkeit mit christlicher Hoffnung verbindet und bedeutender Dramatiker mit Trauer- und Lustspielen, Lyriker mit Sammlungen meisterhafter Sonette. Gestorben am 16. Juli 1664 in Glogau.
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Andreas Gryphius (11 October 1616 - 16 July 1664) was a German lyric poet and dramatist.
Gryphius was born as Andreas Greif in Glogów (Großglogau) in Silesia, where his father was a clergyman. The family name was Greif, latinized, according to the prevailing fashion, as Gryphius. Left early an orphan and driven from his native town by the troubles of the Thirty Years' War, he received his schooling in various places, but notably at Wschowa (Fraustadt) where he enjoyed an excellent classical education.
In 1634 he went to Danzig (Gdansk Poland) where he met professors Peter Crüger and Johann Mochinger at the Danzig Gymnasium, who introduced Gryphius to the new German language poetry. Crüger had for years close contacts to Martin Opitz, who became known as 'father of German poetry'. Greatly influenced by Crüger, he is the only one Gryphius dedicated poems to. Gryphius wrote Latin language poetry as well as German poems and a number of Sonetten.
Gryphius grew up during the Thirty Years War and witnessed the destruction of large parts of Germany, which had lasting effects for centuries. No German dramatic writer before him had risen to so high a level, nor had he worthy successors until about the middle of the 18th century.
Weh mir, mein sterbend Herz
Weh mir, mein sterbend Herz
1.) Weh mir, mein sterbend Herz,
Vergeht in heißem Schmerz
Die scharfe Gift der Sünden,
Greift schon die Geister an,
Wer ist der retten kan?
Ich muss in Angst verschwinden.
2.) Der angesteckte Mut
Schmacht in der Laster-Glut
Die Kräfte sind zerronnen.
Wie auf der Gipfel Höh,
Der aufgetaute Schnee
Schmelzt in dem Strahl der Sonnen.
3.) Es ist um mich geschehn
Ich muss den Abgrund sehn
Und in die Gruft versinken!
Doch kannst du höchster Gott
Abwenden meine Not
Nur durch ein einig Winken.
4.) Ach Vater, schaff in mir
Ein Herz das einig dir
Mög unbefleckt gefallen
Das rein von Missetat
Sich müh' nach deinem Rat
Auf rechter Bahn zu wallen.
5.) Lass den gewissen Geist,
Der Gott und Lehrer heißt
Die Seele ganz erneuen:
Dass ich mich mög in dir,
Weil dieser Trost in mir
Nach höchster Angst erfreuen.
6.) Stoß Vater, stoß mich nicht
Von deinem Angesicht.
Ach heiß von mir nicht scheiden
Die mehr denn heil'ge Kraft,
Die Schutz und Stärke schafft
Auch in dem grimmsten Leiden!
7.) Hier sitz ich sonder Rat
Versetzt durch Missetat
In grause Bangigkeiten.
Kein Freund fragt mehr nach mir
Mein Heiland, ach, ich spür
Des Todes Bitterkeiten.
8.) Der Feind höhnt und verlacht
Mich, nun ich ohne Macht
Ganz hilflos untergehe.
Hier biet' mir niemand Hand
Weil ich in Kett' und Band
Durchaus verlassen stehe.
9.) Mein Vater schau mich an,
Du bist, der trösten kan,
Wenn aller Trost verschwunden.
Ich hab in höchster Not,
Ja, mitten in dem Tod
Stets hilfreich dich befunden.
10.) Dein freudenreicher Geist
Der uns nicht zagen heißt
Der Sinn und Kraft erwecket
Durch den man herrlich siegt
Wenn uns die Welt bekriegt
Und Höll' und Teufel schrecket.
11.) Der Geist der Brunn der Güt',
Der stärke mein Gemüt
Und leite meine Sinnen,
Durch Ihn will ich die Kron'
Den höchsten Gnadenlohn
In jener Welt gewinnen.
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Text: Andreas Gryphius
Melodie: ohne Angaben
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gefunden in:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der
deutschsprachigen Werke.
Band 3, Tübingen 1963
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Andreas Gryphius (eigentlich von Greif), geb. am 2. Oktober 1616 in Glogau (Schlesien), war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barock. Er war der bedeutendste deutsche Sonettdichter des 17. Jahrhunderts.
Er absolvierte nach schwerer Jugend in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges Studien in Danzig und Leiden (Niederlande), bereiste Frankreich und Italien und war ab 1650 Syndikus der Landstände des Fürstentums Glogau. Er war sprachmächtiger und gedankentiefer Dichter des deutschen Barock, der die Erfahrung der Vergänglichkeit mit christlicher Hoffnung verbindet und bedeutender Dramatiker mit Trauer- und Lustspielen, Lyriker mit Sammlungen meisterhafter Sonette. Gestorben am 16. Juli 1664 in Glogau.
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Andreas Gryphius (11 October 1616 - 16 July 1664) was a German lyric poet and dramatist.
Gryphius was born as Andreas Greif in Glogów (Großglogau) in Silesia, where his father was a clergyman. The family name was Greif, latinized, according to the prevailing fashion, as Gryphius. Left early an orphan and driven from his native town by the troubles of the Thirty Years' War, he received his schooling in various places, but notably at Wschowa (Fraustadt) where he enjoyed an excellent classical education.
In 1634 he went to Danzig (Gdansk Poland) where he met professors Peter Crüger and Johann Mochinger at the Danzig Gymnasium, who introduced Gryphius to the new German language poetry. Crüger had for years close contacts to Martin Opitz, who became known as 'father of German poetry'. Greatly influenced by Crüger, he is the only one Gryphius dedicated poems to. Gryphius wrote Latin language poetry as well as German poems and a number of Sonetten.
Gryphius grew up during the Thirty Years War and witnessed the destruction of large parts of Germany, which had lasting effects for centuries. No German dramatic writer before him had risen to so high a level, nor had he worthy successors until about the middle of the 18th century.