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Billig ist's, dass wir uns freuen

Photo: Darstellung Gustav II. Adolfs von Schweden an der evangelischen Ringkirche in Wiesbaden

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Billig ist's, dass wir uns freuen

 

Flemmings Dankode nach der Schlacht bei Lützen im November 1632, in welcher der Heerführer Gustav II. Adolf von Schweden fiel, der evangelische Bund aber den Sieg davontrug

 

1.) Billig ist's, dass wir uns freuen

Und mit lautem Jauchzen schreien:

Lob sei Gott und seiner Macht!

Der die stolzen Feinde beuget,

Und mit seiner Allmacht zeiget,

Dass er immer für uns wacht.

 

2.) Zweimal kamen sie gezogen.

Zweimal sind sie auch zerflogen,

Nicht ohn' mächtigen Verlust.

Schreit, ihr Jungen! Ruft, ihr Alten!

Zweimal hat, das Feld behalten,

Gott, und unser Held August. (a)

 

3.) Held August (a), du kühner Krieger!

Du bist der beglückte Sieger,

Vor, und in, und nach dem Fall.

Auf was Arten, auf was Weisen,

Soll man deine Taten preisen

Hier und da, und überall?

 

4.) Held! du kamest her von weiten,

Dass du für uns möchtest streiten.

Held, du kamest, Held, du strittst,

Held, du siegtest auch im Sterben.

Held, wie können wir verderben,

Weil du jetzt noch vor uns trittst?

 

5.) Deine Rute, deine Werke,

Deine ritterliche Stärke,

Ruft aus, was nur rufen kann.

Die bezwung'nen Ströme brausen,

Die verbund'nen Lüfte sausen

Was du, Helfer, hast getan.

 

6.) Elbe! Fürstin unsrer Flüsse,

Mach dich auf die nassen Füße,

Eile, laufe Nacht und Tag!

Meld es mit bered'ten Wellen,

Dass die Ufer wiederschällen,

Wie der Feind vor dir erschrak.

 

7.) Die erblasseten Illyrer (b)

Wichen mit samt ihrem Führer

Hinter sich, und fielen ihn:

Wie vor Jovens (c) Donnerkeilen,

Wie vor Herkuls heilgen Säulen,

Die man nicht soll überziehn.

 

8.) Schöne Stadt, der fromme Himmel,

Der verschauf ein solch Getümmel,

Ein solch Schrecken in den Feind

Dass der schändlich musste fliehen,

Der dich grimmig auszuziehen

Und zu plündern war gemeint.

 

9.) Seid nun froh, ihr frommen Bürger!

Er ist tot, der wilde Würger!

Er ist tot, und ihr seid frei!

Ihr und wir, und alle sagen,

Dass sich Gott für uns geschlagen,

Dass die Ehre seine sei.

 

10.) Ist schon unser Heiland (d) blieben:

Gott hat einen schon verschrieben,

Der ihn rächen kann und soll.

Ihn, und uns, und alle Frommen.

Kommt er? Ja, er ist schon kommen.

Gläubige, gehabt euch wohl!

 

(a) deutscher Beiname Gustav Adolphs von Schweden

(b) mit diesem Namen benennt Fleming die kaiserlichen Truppen, die - wie die Illyrer - zum Teil aus dem Süden (vom Balkan und Norditalien) kamen

(c) In der Mythologie die Waffe des Thor, Zeus oder - wie hier - des Jupiters (Joven)

(d) Gustav Adolph wird hier mit dem dem Ehrentitel Heiland geehrt, der in seiner Bedeutung als Retter auf den Ausgang der Schlacht und auf die Rettung des Protestantismus in Deutschland hinweist.

 

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Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.

Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.

Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.

Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.

In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.

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Paul Fleming (October 5, 1609 – April 2, 1640) was a German poet. He was born Hartenstein, in Vogtland, Saxony, and received first medical training at the University of Leipzig and his medical doctorate at Hamburg.

Fleming was engaged with Adam Olearius in embassies in Russia and Persia. He settled in Hamburg in 1639, but died the following year. As a lyricist he stood in the front rank of German poets.

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Uploaded on August 12, 2011
Taken on April 8, 2010