Back to photostream

Zwar Himmel und die Erd' vergeht

Photo: Grabstein auf dem Nordfriedhof in Wiesbaden

+++++++++++++++++++++++++++

 

Herr Zebaoth, dein göttlichs Wort

 

1.) Herr Zebaoth, dein göttlichs Wort,

Welch's du uns hast gegeben,

Dass wir danach an allem Ort

Soll'n richten Lehr' und Leben,

Ist worden kund

Aus deinem Mund

Und in der Schrift geschrieben,

Nein, schlecht und recht (a)

Durch deinen Knecht,

Vom Heil'gen Geist getrieben.

 

2.) Dies Wort, das jetzt in Schriften steht,

Ist fest und unbeweglich. (b)

Zwar Himmel und die Erd' vergeht,

Gott's Wort bleibt aber ewig.

Kein Höll', kein Plag,

Noch Jüngster Tag

Wird können er vernichten.

Drum denen soll

Sein ewig wohl,

Die sich danach recht richten.

 

3.) Es ist vollkommen hell und klar,

Ein Richtschnur reiner Lehre.

Es zeigt uns auch ganz offenbar

Gott, seinen Dienst und Ehre

Und wie man soll

Hier leben wohl,

Lieb' Hoffnung, Glauben üben:

Drum fort und fort

Wir dieses Wort

Von Herzen sollen lieben.

 

4.) Im Kreuz gibt's Lust, in Traurigkeit

Zeigt es die Freudenquelle.

Den Sünder, dem die Sünd' ist Leid,

Entführet es der Hölle.

Gibt Trost an Hand,

Macht auch bekannt,

Wie man soll willig sterben

Und wie zugleich

Das Himmelreich

Durch Christum zu ererben.

 

5.) Sieh, solchen Nutz, so große Kraft,

Die nimmer ist zu schätzen,

Des Herrn Wort in uns wirkt und schafft.

Darum wir sollen setzen

Zurück Gold, Geld

Und was die Welt

Sonst herrlich pflegt zu achten

Und jederzeit,

In Lieb' und Leid,

Nach dieser Perle trachten.

 

6.) Nun, Herr, erhalt dein heilig' Wort,

Lass uns sein' Kraft empfinden.

Dein' Feinden steu'r an allem Ort,

Zeuch uns zurück von Sünden.

So wollen wir

Dir für und für

Von ganzem Herzen danken.

Herr, unser Hort,

Lass uns dein Wort

Fest halten und nicht wanken.

 

(a) direkt, unmittelbar

(b) unveränderlich

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Autor: Christian Knorr von Rosenroth

Melodie: Durch Adams Fall ist ganz verderbt

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

gefunden in:

Allgemeines und vollständiges

Evangelisches Gesangbuch

für die königl. preuß. schlesischen Lande

Druck und Verlag Wilhelm Gottl. Korn

Breslau, 1860

Liednummer 729

Thema: Glaube, Kampf und Rechtfertigung

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Christian Knorr von Rosenroth, * im Juli 1636 in Alt-Raudten bei Wohlau (Schlesien); † im Mai 1689 in Sulzbach (Oberpfalz), war ein deutscher Universalgelehrter, Schriftsteller und evangelischer Kirchenlieddichter. Er war schlesischer Pfarrerssohn, besuchte die Lateinschule zu Fraustadt, dann das Pädagogium in Stettin und studierte ab 1655 Theologie, Jura, Geschichte, Philosophie, klassische und moderne Sprachen und schloss die Studien 1660 als Magister mit einer Dissertation ab. In den folgenden Jahren betrieb er Privatstudien, vermutlich in Wittenberg und bereiste 1663–1666 die Niederlande, Frankreich und England. In den Niederlanden fand er Kontakt zu christlichen Gruppierungen. Entscheidend für ihn wurde der Kontakt zu Franciscus Mercurius van Helmont, durch dessen Vermittlung er 1668 Hof- und Kanzleirat des Pfalzgrafen Christian August zu Sulzbach wurde.

Sein Werk enthält Gelegenheitsdichtungen für den Sulzbacher Hof, Übertragungen von Sammlungen naturphilosophischer Werke, die er ausgiebig kommentierte, eine Zusammenstellung von Schriften der jüdischen Mystik unter dem Titel ‚Kabbala Denudata’ mit der Knorr von Rosenroth den einheitlichen Ursprung von christlicher Lehre und Kabbala nachweisen wollte. Von den vielen Liedern, die er für private Familiengelegenheiten dichtete, ist das Lied ‚Morgenglanz der Ewigkeit’ noch heute im kirchlichen Gebrauch.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

2,352 views
5 faves
6 comments
Uploaded on August 4, 2011
Taken on April 11, 2010