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Mein Gott, erbärmlich lieg ich hier

Photo: Letzter Schnee

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Mein Gott, erbärmlich lieg ich hier

 

Andächtiges Lied

Eines Kranken, in welchem Gott herzlich wird angerufen, dass er nach seinem gnädigen Willen die verlorne Gesundheit wolle wieder geben

 

1.) Mein Gott, erbärmlich lieg ich hier,

Mit Krankheit schwer beladen.

Mein Herz, das bebet für und für,

Es fühlet hart den Schaden,

Der mich im Bette hält so fest,

Ja weder Macht noch Ruhe lässt.

Wann wirst du mich begnaden?

 

2.) Mir ist vergangen Mut und Kraft,

Die Stärk' hat mich verlassen.

Es mangelt mir des Lebens Saft,

Mein Antlitz muss verblassen.

Mein' Herzens-Angst ist gar zu groß,

Mir liegen fast die Knochen bloß,

Kein' Hilfe kann ich fassen.

 

3.) Dem Arzt, Herr, bin ich in die Hand

Durch meine Sünden kommen,

Die mich gebracht in diesen Stand,

Worin mir ist benommen

Gesundheit und ein freier Mut.

Mein Gott, was konnte dieses Gut

Mir vormals trefflich frommen!

 

4.) Ach aber, Jesu, Davids Sohn,

Hilf mir in diesen Nöten.

Zwar, sollt ich fordern meinen Lohn,

Müsst ich für Scham erröten:

Doch schaue meinen Jammer an,

Komm' einmal als ein Mittelsmann,

Lass mich die Pein nicht töten.

 

5.) Wirf meine Fehler hinter dich

Und hindre das Verderben,

Mit Gnad' und Segen kröne mich,

Lass mich dein' Huld erwerben.

Mein Artz und Meister sei bereit,

Du bist ja, der zur rechten Zeit

Uns retten kann vom Sterben.

 

6.) Herr, wenn du willst, so kannst du leicht

Mich dergestalt erquicken,

Dass alle Krankheit von mir weicht

Und mich hinfort nicht drücken

Die Schmerzen, die mir Mark und Bein

Schon aufgezehrt. Du kannst allein

Mir Hilf und Lindrung schicken.

 

7.) Doch will ich auch die letzte Not,

O treuer Gott, nicht scheuen,

Demnach ein selig-sanfter Tod

Uns ewig kann erfreuen,

Als welches Tag zur jeden Frist

Viel besser als des Lebens ist,

Drin wir so kläglich schreien.

 

8.) Ei, sterb' ich denn, so sterb' ich Gott,

Mein Leiden kommt zum Ende.

Ich werd auch nimmermehr zu Spott,

Im Fall' ich mich nur wende

Zu dir, Herr Jesu, meine Lust,

Und ruhe sanft an deiner Brust:

Drauf nimm mich in dein' Hände.

 

9.) Mein Heiland, es ist mein Begier,

Nur selig abzuscheiden,

Im Paradies zu stehn für dir,

Wo weder Kreuz noch Leiden.

Doch mach' es, Herr, wie dir's gefällt:

Soll ich noch leben in der Welt,

So kröne mich mit Freuden.

 

10.) Dein teures Wort, das kann uns bald

Gesundheit wiedrum bringen:

Es machet schön, was ungestalt,

Ja wohl die Lahmen springen.

Herr, hilf, dass ich, aus Not befreit,

Allhier und in der Ewigkeit

Dir mög ein Danklied singen.

 

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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Text: Johann Rist

Melodie: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

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gefunden in:

A. Fischer / W. Tümpel:

Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts,

Band 2, Hildesheim 1964.

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Johannes Rist (* 8. März 1607 in Ottensen (heute Stadtteil von Hamburg); † 31. August 1667 in Wedel (Holstein)) war ein deutscher Dichter, Kirchenlieddichter und evangelisch-lutherischer Prediger.

Rist war der Sohn des aus Nördlingen stammenden evangelischen Pastors in Ottensen Caspar Rist und seiner Ehefrau Margarethe Ringemuth. Nach erstem Unterricht durch den Vater besuchte Rist das Johanneum in Hamburg; später dann das Gymnasium in Bremen.

An der Universität Rinteln studierte Rist Theologie u.a. bei Johannes Gisenius und Josua Stegmann. Um 1626 wechselte er an die Universität Rostock. Nach dem Studium ging Rist nach Hamburg zu seinem Rostocker Kommilitonen Ernst Stapel. Mit diesem schrieb und publizierte er Theaterstücke und trat auch selbst als Darsteller auf.

1633 wurde Rist Hauslehrer beim Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Elisabeth Stapel, der Schwester des früh verstorbenen Freundes Ernst Stapel und des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel. Durch Hilfe des letzteren wurde er im Frühjahr 1635 zum Pastor im damals dänischen Wedel an der Unterelbe nahe Hamburg berufen. Kurz nach seinem Amtsantritt heiratete Rist seine Verlobte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei früh verstarben.

Beim Einfall der Schweden unter General Lennart Torstensson im Torstenssonkrieg, während des Dreißigjährigen Krieges, verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek. Im Zweiten Nordischen Krieg verlor Rist 1658 noch einmal alles Hab und Gut und musste mit seiner Familie nach Hamburg flüchten. Nachdem 1662 seine Frau Elisabeth gestorben war, heiratete Rist zwei Jahre später Anna Hagedorn, geb. Badenhop, die Witwe seines 1660 verstorbenen Freundes Johann Philipp Hagedorn; sie starb 1680.

Ab 1663 veröffentlichte Rist in lockerer Folge sechs Monatsgespräche, Dialoge über jeweils ein spezielles Thema: Januar – die Tinte; Februar – das Landleben, März – der Stein der Weisen, April – die Malerei, Mai – Lese- und Schreibkunst, Juni – die Todesbetrachtung. Nach Rists Tod wurden die restlichen sechs Monatsgespräche durch Erasmus Finx ergänzt. Johann Rist starb hochgeachtet am 31. August 1667 im Alter von 60 Jahren in Wedel.

Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts.

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Johannes Rist (1607-1667) was a German poet and dramatist best known for the hymns he wrote. He was born at Ottensen in Holstein (today Hamburg) on 8 March 1607; the son of the Lutheran pastor of that place, Caspar Rist. He received his early training at the Johanneum in Hamburg and the Gymnasium Illustre in Bremen; he then studied theology at the University of Rinteln. Under the influence of Josua Stegman there, his interest in hymn writing began. On leaving Rinteln, he tutored the sons of a Hamburg merchant, accompanying them to the University of Rostock, where he himself studied Hebrew, mathematics, and medicine. During his time at Rostock, the Thirty Years War almost emptied the University, and Rist himself lay there for several weeks, suffering from pestilence.

In 1633 he became tutor in the house of Landschreiber Heinrich Sager at Heide, in Holstein. Two years later (1635) he was appointed pastor of the village of Wedel on the Elbe. The same year he married Elisabeth Stapel, sister of Franz Stapel, bailiff of nearby Pinneberg. They had 5 children, of whom 2 died early; Elisabeth died 1662. In 1664 he married Anna Hagedorn, born Badenhop, widow of his friend Phillipp Hagedorn. He died in Wedel on 31 August 1667.

Rist first made his name known to the literary world by a drama, Perseus (1634), which he wrote while at Heide, and in the next succeeding years he produced a number of dramatic works of which the allegory Das friedewünschende Teutschland (1647) and Das friedejauchzende Teutschland (1653) (new ed. of both by H. M. Schletterer, 1864) are the most interesting. Rist soon became the central figure in a school of minor poets. The emperor Ferdinand III crowned him laureate in 1644, ennobled him in 1653, and invested him with the dignity of a Count Palatine, an honor which enabled him to crown, and to gain numerous poets for the Elbschwanen order ("Elbe Swan Order"), a literary and poetical society which he founded in 1660. He had already, in 1645, been admitted, under the name Daphnis aus Cimbrien, to the literary order of Pegnitz, and in 1647 he became, as Der Rüstige, a member of the Fruchtbringende Gesellschaft ("Fruitbearing Society").

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Uploaded on February 14, 2011
Taken on February 6, 2010