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Dass in deinem kleinen Stalle kann der ganze Himmel stehn

Stallanbauten in der Provence, Framkreich

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Ihr Gestirn, ihr hohen Lüfte

 

1.) Ihr Gestirn, ihr hohen Lüfte

Und du lichtes Firmament,

Tiefes Rund, ihr dunklen Klüfte,

Die der Widerschall zertrennt,

Jauchzet fröhlich, lasst das Singen

Jetzt bis durch die Wolken dringen.

 

2.) Aber du, o Mensch, vor allen

Hebe deine Stimm' empor,

Lass ein Freudenlied erschallen

Dort mit jenem Engels-Chor,

Das den Hirten auf der Weide

Heut verkündigt große Freude.

 

3.) Freude, Freud in hohen Höhen,

Freude, Freud im tiefen Tal.

Freud und Wonne, wo wir gehen,

Freud und Lachen ohne Zahl.

Freude, Freud in unsern Toren,

Gott ist heut ein Mensch geboren.

 

4.) Bist willkommen, Heil der Erden,

Sei willkommen, Jesulein!

Dass wir möchten Herren werden,

Stellst du als ein Knecht dich ein.

Du verlässt die hohen Thronen

Und willst nun hier unten wohnen.

 

5.) Bethlehem, uns wundert alle,

Wie es immer zu mag gehn,

Dass in deinem kleinen Stalle

Kann der ganze Himmel stehn.

Hat denn nun der Sterne Menge

Raum in einer solchen Enge?

 

6.) Den die Welt nicht kann umschließen,

Der die Winde hält in Zaum,

Der muss hier den Stall begrüßen

Und hat in der Krippen Raum,

Der dies ganze Rund erfüllet

Liegt in Windeln eingehüllet.

 

7.) Weil du denn die schlechten Hütten,

Jesu, nie verschmähet hast,

Ei, so lass dich doch erbitten

Komm doch, komm, du edler Gast!

Komm doch in mein Herz hinein,

Lass es deine Krippen sein.

 

8.) Komm, ich habe dir zur Wiegen

Schon ein Räumlein ausgesucht,

Drinnen sollst du sanfter liegen

Als in jener harten Bucht.

Komm, mein Herz, das soll zum besten,

So viel möglich, dich begästen.

 

9.) Zwar ist solche Herzensstube

Wohl kein schöner Fürstensaal,

Sondern eine finstre Grube.

Doch sobald dein Gnadenstrahl

In denselben nur wird blinken

Wird es voller Sonnen dünken.

 

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Text: Ludwig Andreas Gotter

mögl. Melodie: Tut mir auf die schöne Pforte

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Johann Franck, auch Frank, (* 1. Juni 1618 in Guben; † 18. Juni 1677 ebenda) war ein deutscher Jurist und Dichter bekannter Kirchenlieder, aber auch weltlicher Gedichte.

Johann Franck war der Sohn eines Advokaten, der schon 1620 starb. Sein Onkel, der Stadtrichter Adam Tielckau, nahm sich seiner an. Nach dem Besuch der Lateinschule in Guben besuchte er die Schulen in Cottbus und Stettin sowie das Gymnasium in Thorn. Ab dem 28. Juni 1638 studierte er die Rechte in Königsberg. Dort wurde er von dem volkstümlichen Liederdichter Simon Dach beeinflusst. Auf Wunsch seiner Mutter kehrte er Ostern 1640 nach Guben zurück, das damals im Dreißigjährigen Krieg stark unter schwedischen Truppen zu leiden hatte. Nach der Rückkehr von einer Reise nach Prag im Mai 1645 war er als Advokat tätig. 1648 wurde er Ratsherr und 1661 Bürgermeister in Guben. Seit 1671 vertrat er als Landesältester seine Heimatstadt im Landtag der Niederlausitz.

Johann Franck schuf 110, vor allem geistliche Lieder, die in die meisten evangelischen deutschen Kirchengesangbücher aufgenommen wurden (siehe: Geschichte des geistlichen Liedes auf dem europäischen Kontinent). Die meisten seiner Werke haben an Bedeutung verloren; im Evangelischen Gesangbuch finden sich nur noch zwei seiner Lieder. Auch in den aktuellen Kirchengesangbüchern Schwedens und des schwedischsprachigen Finnland sind mindestens 4 seiner Lieder enthalten. Zu seinen besten Liedern gehören zum Beispiel Schmücke dich, o liebe Seele, Jesu, meine Freude, Du, o schönes Weltgebäude und andere, von denen einige auch von Johann Crüger vertont wurden. In seinem Werk zeigt er Verwandtschaft mit Paul Gerhardt. Seine weltlichen Gedichte sind zumeist Gelegenheitsdichtungen, aber auch Liebesgedichte und natur- und heimatbezogene Verse.

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Uploaded on December 23, 2010
Taken on April 5, 2009