Back to photostream

Unter allen großen Gütern

Bild: Rose (nachbearbeitetes Photo)

+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Unter allen großen Gütern

 

1.) Unter allen großen Gütern,

Die uns Christus zugeteilt,

Ist die Lieb' in den Gemütern

Wie ein Balsam, der sie heilt,

Wie ein Stern, der herrlich blinket,

Wie ein Kleinod, dessen Preis

Niemand zu benennen weiß.

Wie die Schönheit, die uns winket,

Und die Lust, die jedermann

Zwingen und vergnügen kann.

 

2.) Liebe kann uns alles geben,

Was auf ewig nützt und ziert,

Und zum höchsten Stand erheben,

Der die Seelen aufwärts führt.

Menschen- oder Engelszungen,

Wo sich keine Liebe find,

Wie beherzt sie angedrungen,

Sind ein flüchtiger Gesang,

Sind ein Erz- und Schellenklang.

 

3.) Was ich von der Weisheit höre,

Der Erkenntnis tiefer Blick,

Die geheimnisvolle Lehre

Und des Glaubens Meisterstück,

Die der Berge Grund versetzet,

Was sich sonst in uns verklärt:

Das verlieret seinen Wert,

Alles wird für nichts geschätzet,

Wenn sich nicht dabei der Geist,

Der die Liebe wirkt, erweist.

 

4.) Hätt' ich alle meine Habe

Mild den Armen zugewandt,

Opfert' ich mich selbst dem Grabe,

Scheut ich nicht der Flammen Brand,

Gäb ich meinen Leib auf Erden

Ihnen zu verzehren hin

Und behielte meinen Sinn:

Würd ich doch nicht besser werden,

Bis mich wahre Lieb' erfüllt.

Die aus Gottes Herzen quillt.

 

5.) Glaubenssieg und Hoffnungsblüte

Stärken uns in dieser Welt,

Bis das irdische Gebiete

Und der Schöpfungsbau zerfällt.

Nur der Liebe weite Grenzen

Strecken sich in Ewigkeit.

Alle, welche sie bekleidt,

Werden unaufhörlich glänzen.

Glaub' und Hoffnung bleiben hier,

Liebe währet für und für.

 

6.) O du Geist der reinen Liebe,

Der von Gott du gehest aus,

Lass mich spüren deine Triebe,

Komm in meines Herzens Haus!

Alles, was sich selbst nur suchet,

Es nicht gut mit andern meint,

Sei es Feinde oder Freund':

Lass mich halten als verfluchet.

Lenke meinen ganzen Sinn,

Geist der Lieb', zur Liebe hin.

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Autor: Ernst Lange

Melodie: Sollt ich meinem Gott nicht singen

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Evangelisches Gesangbuch zur Einführung in der Provinz Brandenburg

Verlag von Trowitzsch und Sohn

Berlin, 1909

Liednummer 415

Thema: Christliches Leben, Nächstenliebe

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Ernst Lange (* 3. Januar 1650 in Danzig; † 20. August 1727 ebenda) war Danziger Ratsherr und geistlicher Lieddichter. Ernst Lange war evangelisch-lutherischer Konfession und besuchte ein Gymnasium seiner Vaterstadt. Anschließend war er Sekretär und wechselte anschließend an den polnischen Hof in Warschau. Im Jahr 1691 nach Danzig zurückgekehrt, übernahm er das Amt eines ehrenamtlichen Richters und wurde drei Jahre später zum Ratsherrn berufen. Im Jahr 1696 heiratete er eine Tochter des Astronomen Johannes Hevelius (1611-1687). Im Jahr 1698 reiste Lange in die Niederlande und wandte sich nach seiner Rückkehr den Mennoniten und Pietisten zu, was zu Verwerfungen mit der lutherischen Geistlichkeit seiner Heimatstadt führte. Schon seit früher Jugend dichtete Lange, veröffentlichte seine Werke aber erst in bereits fortgeschrittenem Lebensalter. Im Jahr 1708 gab er zudem Überarbeitungen der Lieder Luthers heraus und veröffentlichte drei Jahre später 61 eigene geistliche Lieder, von denen einige Aufnahme in evangelische Kirchengesangbücher fanden. Weitere in Verse gebrachten Psalmen veröffentlichte er 1713, wobei er Melodien aus hugenottischen Psaltern übernahm, die er 1720 dann durch Melodien aus lutherischen Kirchengesangbüchern ersetzte, einige von diesen fanden Aufnahme in den zweiten Teil des Freylinghausenschen Geistreichen Gesangbuchs, das im Jahr 1714 erschien. Albert Knapp nahm in seinen Liederschatz von 1850 zehn Lieder Langes auf. Als bekanntestes Lied gilt 'Unter den großen Gütern, die uns Christus zugeteilt' mit sechs Strophen.

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

703 views
7 faves
0 comments
Uploaded on July 26, 2021