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Sie sind vorbei, die reichen, frohen Zeiten

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Photo: Hauseingang in Frankfurt am Main-Sachsenhausen

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Sie sind vorbei, die reichen, frohen Zeiten

 

1.) Sie sind vorbei, die reichen, frohen Zeiten,

Da süße Früchte glänzten an den Bäumen,

Und nimmer malt der Sonne spätes Scheiden

Sich golden ab in grünen Waldessäumen.

Ach, all die bunten Jahresherrlichkeiten

Umgaukeln fern uns nur mehr wie in Träumen.

Es ruht der Freuden Spenderin und schweiget,

Zum Schlummer hat sie müde sich geneiget.

 

2.) Doch wie unsichtbar in der Berge Tiefen

Die Tropfen sammeln sich zur frischen Quelle.

Wie aus der Nacht, indes die Menschen schliefen,

Der Tag hervorbricht in siegreicher Helle,

Als wären's Zauberkräfte, welche riefen

Aus nichts die Quelle wie der Tag zur Stelle.

So im Verborgnen will sich vorbereiten

Das Heil der Welt, der Segen aller Zeiten.

 

3.) Jawohl! Es kommt der Erde größter Segen,

Das Heil, es naht sich mit geheimen Tritten.

Gleich wie aus Wolkendrohen (a) bald der Regen

Kommt über dürres Erdreich hingeschritten,

Und, die sie in die dunkle Kammer legen,

Bald gehn hervor aus ihrer Gräber Mitten.

So ist's bestimmt den ärmsten, düstern Tagen,

Verschlossen in sich Heiles Füll' zu tragen.

 

4.) Arm ist die Erde! So mag sie empfangen,

Den, der sie reich macht vor viel tausend Welten.

Mag sie als Tropfen auch am Eimer hangen, (b)

Der Tropfen soll bald mehr als Meere gelten,

Und herrlicher wird bald die Arme prangen, (c)

Als je auszog der stattlichste der Helden:

Denn der errettet, was da war verloren,

Der hat die Menschheit sich zur Braut (c) erkoren.

 

5.) Drum Seele, rüste dich, ihn zu begrüßen,

Mach hoch die Tore, öffne weit die Pforten!

Lausch' hoher Predigt, jener wundersüßen,

Die jetzt sich vorbereitet aller Orten:

Denn mit der Engel Chöre frohen Grüßen

Kommt Botschaft jetzt zu dir mit diesen Worten:

'Mensch, geh hervor: Dein König kommt gegangen,

Und von dir selber will Er sein empfangen.'

 

(a) Drohung

(b) mag sie selbst auch unbedeutend sein

(c) leuchten

(d) Ein Bild für die christliche Kirche ist Jesus Christus als Bräutigam und die Gläubigen in ihrer Gesamtheit als Braut.

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Autor: Rudolph Reither

Melodie: ohne Angaben

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Ein Jahr, Poesieen-Cyklus auf eine Jahresfolge

von Rudolf Reither

[d. i. Rudolf Schreiber]

Druck und Verlag der C.H. Beckschen Buchhandlung

Nördlingen, 1846

Thema: Advent

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Rudolph Reither, eig. Schreiber, auch Rudolf (* 14. April 1818 in Nördlingen; † 14. März 1905 in Augsburg) war ein deutscher Gymnasiallehrer und Schriftsteller evangelisch-lutherischer Konfession. Reither studierte Theologie und Philosophie und fand im Jahr 1847 als Studienlehrer am königlichen Gymnasium in Ansbach eine Anstellung. Im Jahr 1856 stieg er zum Professor auf und wurde 1870 zum Kreisscholarchen (Schulinspektor) von Mittelfranken ernannt. An Ostern 1873 nahm er eine Stelle als Gymnasialprofessor an der Studienanstalt St. Anna in Augsburg an, wo er zugleich Direktor des protestantischen Kollegiums wurde. Er trat Ende 1884 in den Ruhestand. Im Jahr 1846 erschien eine Sammlung eigener Lieder unter dem Titel 'Das Jahr, ein Cyclus von Liedern auf die 12 Monate', die auch seine geistlichen Gedichte enthält, von denen der Pfarrer Johann Jakob Schneider (1797-1859) drei in seine im Jahr 1847 in Basel herausgegebene Sammlung 'Die christlichen Sänger des 19. Jahrhunderts' aufgenommen hat. Ein Palmsonntagslied von Reither steht auch im 'Evangelischem Hausschatz in Gebeten und Liedern', der im Jahr 1852 in Zürich erschienen ist.

 

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Aus dem Buch: Bald wird der Himmel purpur glühen. Geistliche Adventslieder aus 5 Jahrhunderten. ISBN: 9783751952606, 19,90 €

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Uploaded on December 20, 2020
Taken on April 3, 2018