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Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch
Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch
Das beste Andenken
1.) Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch, die Hand voll Kot
Dass du ihm unverdient so holde Liebe schenkest?
Was treibt dich, großer Gott,
Dass du so väterlich an Adams Erben denkest?
2.) Auf Erden ruht dein Fuß, im Himmel ist dein Thron,
Du bist der Heilige, der Starke, der Gerechte,
Der Mensch ist spröder Ton,
Befleckt, ohnmächtig, krank, ein sündliches Geschlechte.
3.) Doch hältst du über ihm genädig Aug' und Hand,
Es wallet gegen ihm dein brennendes Gemüte,
Dein Sohn ist selbst das Pfand
Der ungefärbten Huld, ein Zeuge deiner Güte.
4.) Wie aber denkt, o Gott! der schnöde Mensch an dich,
Hier ist nur Undank und Vergessenheit zu finden,
Erforsch ich selber mich,
So seh ich alle Spur der Dankbarkeit verschwinden.
5.) Ich denk am meisten, wie mir's zeitlich gehe wohl,
Und lasse hin und her zerstreute Sinnen wanken.
Was ich bedenken soll,
Drauf richt ich oftermals nur flüchtige Gedanken.
6.) Ich bin mir wenig Lieb und Treu zu dir bewusst,
Drum muss mich schwarze Reu' und bange Furcht bekränken,
Es kocht in meiner Brust
Gehäufter Sünden Schuld, betrübtes Angedenken.
7.) Ich leider! bin's, der dich, o Heiland, band und schlug,
Der dein geängstes Haupt mit Sündendornen ritzte,
Dir Holz zum Kreuze trug,
Und selbst für Hand und Fuß die scharfen Nägel spitzte.
8.) Ach Herr, gedenke nicht die Schulden junger Zeit,
Noch wie ich war bedacht das Sündenmaß zu füllen,
Denk in Barmherzigkeit
An mich und deinen Sohn, um deiner Güte willen.
9.) Denkst du in Gnaden mein, so bin ich wohl bedacht,
Mein Frevel aber bleibt in Ewigkeit vergessen.
Nun Erde, gute Nacht!
Ich denke nur an den, des Liebe nicht zu messen.
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Autor: Hans Abschatz von Assmann
Melodie: ohne Angaben
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Blumen und Himmel-Schlüssel oder geistliche Gedichte
von Hans Abschatz von Assmann
Herausgeber: Christian Gryphius
Leipzig und Breslau, ab 1704
Thema: Glaube, Kampf und Rechtfertigung
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Freiherr Hans Abschatz von Assmann, eigentlich Johann Erasmus Freiherr von Abschatz, Pseudonym Hans Erasmus Aßmann (* 4. Februar 1646 in Breslau; † 22. April 1699 in Liegnitz/Niederschlesien) war ein deutscher Lyriker und Übersetzer des Barocks, sowie evangelischer Kirchenlieddichter. Er gilt als bedeutender Vertreter der literarischen Zweiten Schlesischen Schule. Assmann wurde als Sohn eines Beamten im damals piastischen Herzogtum Liegnitz geboren, erkrankte mit vier Jahren an Blattern und verlor im selben Jahr den Vater, mit 13 Jahre seine Mutter. Von 1658 bis 1664 besuchte Abschatz das Gymnasium in Liegnitz und studierte anschließend in Straßburg und Leiden Rechtswissenschaften. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch Holland, Frankreich und Italien. Nach der Rückkehr 1669 widmete er sich der Bewirtschaftung der geerbten Güter und heiratete im selben Jahr Anna, eine Tochter des Landesältesten des Fürstentums Liegnitz. Nachdem das Herzogtum Liegnitz 1675 infolge des Todes von Herzog Georg Wilhelm als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen zurückgefallen war, wurde Abschatz 1679 Landesbestellter des Erbfürstentums Liegnitz und als Abgeordneter der Liegnitzer Stände zu den Schlesischen Fürstentagen entsandt, wo er sich hohes Ansehen erwarb, da er als standhafter und erfolgreicher Vertreter der Rechte der schlesischen Protestanten auftrat. Für seine Verdienste wurde er 1695 von Kaiser Leopold I. in den Freiherrnstand erhoben. Bei seinem Tod 1699 hinterließ er vier Söhne und zwei Töchter. Abschatz' Lieder sind in schlichtem und volkstümlichem Ton gehalten und fanden sich verstreut in Lyrikanthologien. Christian Gryphius sammelte die Gedichte und veröffentlichte sie zusammen mit einem ausführlichen Vorwort. In dieser Sammlung sind auch 59 religiöse Gedichte unter der Überschrift 'Himmelschlüssel oder Geistliche Gedichte' zu finden, die schnell Aufnahme in evangelische Gesangbücher fanden. Abschatz' Gedicht 'Betrachtung funffzig-jährigen Lebens-Lauffs' kann wegen der darin enthaltenen realistischen Schilderungen als authentische Autobiographie von großem geschichtlichen Wert gelten. Sein bekanntestes Lied ist ein Ewigkeitslied mit acht Strophen und heißt 'Nun hab ich überwunden durch Christi teures Blut'.
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Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch
Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch
Das beste Andenken
1.) Was ist, o Himmelsfürst, der Mensch, die Hand voll Kot
Dass du ihm unverdient so holde Liebe schenkest?
Was treibt dich, großer Gott,
Dass du so väterlich an Adams Erben denkest?
2.) Auf Erden ruht dein Fuß, im Himmel ist dein Thron,
Du bist der Heilige, der Starke, der Gerechte,
Der Mensch ist spröder Ton,
Befleckt, ohnmächtig, krank, ein sündliches Geschlechte.
3.) Doch hältst du über ihm genädig Aug' und Hand,
Es wallet gegen ihm dein brennendes Gemüte,
Dein Sohn ist selbst das Pfand
Der ungefärbten Huld, ein Zeuge deiner Güte.
4.) Wie aber denkt, o Gott! der schnöde Mensch an dich,
Hier ist nur Undank und Vergessenheit zu finden,
Erforsch ich selber mich,
So seh ich alle Spur der Dankbarkeit verschwinden.
5.) Ich denk am meisten, wie mir's zeitlich gehe wohl,
Und lasse hin und her zerstreute Sinnen wanken.
Was ich bedenken soll,
Drauf richt ich oftermals nur flüchtige Gedanken.
6.) Ich bin mir wenig Lieb und Treu zu dir bewusst,
Drum muss mich schwarze Reu' und bange Furcht bekränken,
Es kocht in meiner Brust
Gehäufter Sünden Schuld, betrübtes Angedenken.
7.) Ich leider! bin's, der dich, o Heiland, band und schlug,
Der dein geängstes Haupt mit Sündendornen ritzte,
Dir Holz zum Kreuze trug,
Und selbst für Hand und Fuß die scharfen Nägel spitzte.
8.) Ach Herr, gedenke nicht die Schulden junger Zeit,
Noch wie ich war bedacht das Sündenmaß zu füllen,
Denk in Barmherzigkeit
An mich und deinen Sohn, um deiner Güte willen.
9.) Denkst du in Gnaden mein, so bin ich wohl bedacht,
Mein Frevel aber bleibt in Ewigkeit vergessen.
Nun Erde, gute Nacht!
Ich denke nur an den, des Liebe nicht zu messen.
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Autor: Hans Abschatz von Assmann
Melodie: ohne Angaben
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Blumen und Himmel-Schlüssel oder geistliche Gedichte
von Hans Abschatz von Assmann
Herausgeber: Christian Gryphius
Leipzig und Breslau, ab 1704
Thema: Glaube, Kampf und Rechtfertigung
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Freiherr Hans Abschatz von Assmann, eigentlich Johann Erasmus Freiherr von Abschatz, Pseudonym Hans Erasmus Aßmann (* 4. Februar 1646 in Breslau; † 22. April 1699 in Liegnitz/Niederschlesien) war ein deutscher Lyriker und Übersetzer des Barocks, sowie evangelischer Kirchenlieddichter. Er gilt als bedeutender Vertreter der literarischen Zweiten Schlesischen Schule. Assmann wurde als Sohn eines Beamten im damals piastischen Herzogtum Liegnitz geboren, erkrankte mit vier Jahren an Blattern und verlor im selben Jahr den Vater, mit 13 Jahre seine Mutter. Von 1658 bis 1664 besuchte Abschatz das Gymnasium in Liegnitz und studierte anschließend in Straßburg und Leiden Rechtswissenschaften. Anschließend unternahm er eine Studienreise durch Holland, Frankreich und Italien. Nach der Rückkehr 1669 widmete er sich der Bewirtschaftung der geerbten Güter und heiratete im selben Jahr Anna, eine Tochter des Landesältesten des Fürstentums Liegnitz. Nachdem das Herzogtum Liegnitz 1675 infolge des Todes von Herzog Georg Wilhelm als erledigtes Lehen an die Krone Böhmen zurückgefallen war, wurde Abschatz 1679 Landesbestellter des Erbfürstentums Liegnitz und als Abgeordneter der Liegnitzer Stände zu den Schlesischen Fürstentagen entsandt, wo er sich hohes Ansehen erwarb, da er als standhafter und erfolgreicher Vertreter der Rechte der schlesischen Protestanten auftrat. Für seine Verdienste wurde er 1695 von Kaiser Leopold I. in den Freiherrnstand erhoben. Bei seinem Tod 1699 hinterließ er vier Söhne und zwei Töchter. Abschatz' Lieder sind in schlichtem und volkstümlichem Ton gehalten und fanden sich verstreut in Lyrikanthologien. Christian Gryphius sammelte die Gedichte und veröffentlichte sie zusammen mit einem ausführlichen Vorwort. In dieser Sammlung sind auch 59 religiöse Gedichte unter der Überschrift 'Himmelschlüssel oder Geistliche Gedichte' zu finden, die schnell Aufnahme in evangelische Gesangbücher fanden. Abschatz' Gedicht 'Betrachtung funffzig-jährigen Lebens-Lauffs' kann wegen der darin enthaltenen realistischen Schilderungen als authentische Autobiographie von großem geschichtlichen Wert gelten. Sein bekanntestes Lied ist ein Ewigkeitslied mit acht Strophen und heißt 'Nun hab ich überwunden durch Christi teures Blut'.
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