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Von Herzen ich recht fröhlich bin

Bild: Rose (nachbearbeitetes Photo)

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Von Herzen ich recht fröhlich bin

 

- Am Fest Mariä Heimsuchung - (a)

 

1.) Von Herzen ich recht fröhlich bin,

Ich will von Herzen singen,

Wenn ich seh auf den Bergen ziehn

Und gute Botschaft bringen

Die selig-auserwählte Magd,

Der selbst der Engel hat gesagt

Von Wunder-Wunderdingen.

 

2.) Dass sie sollt eine Jungfrau sein,

Doch einen Sohn gebären.

Wie das herginge, wüsst allein,

Der das konnt' ihr gewähren:

Der Heilige Geist würd' über sie

Nach seiner Aussag', kommen hie,

Der niemand kann gefähren. (b)

 

3.) Dies wollte dieses zarte Blut

Der liebsten Freundin melden,

Und was noch mehr in stiller Hut

Sie hätte von dem Helden,

Der längst zuvor versprochen war,

Nun aber sich macht offenbar

Zum Trost den Auserwählten.

 

4.) Sieh aber! Als noch kaum ihr Gruß

Vom Mund war ausgegangen,

Die Freundin ihre Freundin muss

Mit höchster Freud empfangen.

Sie sagt: Wo kommt mir dieses her,

Dass die mit meinem Herren schwer

Geht, muss bei mir anlangen?

 

5.) Das hat des Herren Geist getan,

Der kann die Herzen kehren,

Was niemand noch gemeldet an,

Das kann er heimlich lehren.

Was Gott will halten in der Still,

Und was er offenbaren will,

Das kann ihm niemand wehren. (c)

 

6.) Und dass die Freude größer sei

Bei diesem frommen Weibe,

Erweist sich ihre Frucht dabei

Und hüpft in ihrem Leibe.

Ach Gott, was Wunder gehn da für!

Ach, gib das alles nach Gebühr

In unserm Hause bleibe.

 

7.) Zu singen lass ich noch nicht ab

Von ihrem lieben Reden,

Die durch des Heilgen Geistes Gab

Ausgehn von ihnen beden. (d)

Die eine rühmt, wie sie sich freu,

Die andre, wie sie nunmehr sei

Beseligt von den Fehden. (e)

 

8.) Sie hebt es hoch an ihren Teil

Mit Seel' und Geist und Sinnen,

Dass, wie der Herr ihr Trost und Heil

Sei worden, sie werd inne:

Wenn er ihr Elend angeschaut,

Und ihr den Wundersohn vertraut,

Durch seiner Kraft Beginnen.

 

9.) Sie rühmet seine große Macht,

Sein Heiligkeit daneben,

Die sie vor allen hochgebracht,

Die auf der Erden leben.

Sagt, wiederum dem Stolzen an,

Dass Gott, was hoch ist stürzen kann,

Was niedrig ist, erheben.

 

10.) Vertröstet die, die hungrig sein,

Mit seiner Gnadenfülle,

Dass Gott sie schenke reichlich ein,

Wenn es bestimmt sein Wille.

Lobt seiner Wahrheit alte Treu,

Die er dem Nachvolk (f) mache neu,

Das ihm traut in der Stille.

 

11.) Du liebe Seel', dies Lied betracht,

So oft es wird gesungen,

Nimm alle Wort' mit Fleiß in acht,

Sing nicht nur mit der Zungen,

Was Gottes Güt' und Macht getan,

Zeigt überschön dies Lied dir an,

Und ist doch nichts gezwungen.

 

(a) Am Fest Mariä Heimsuchung (lateinisch: Visitatio Mariae) am 2. Juli gedenken die römisch-katholische und die altkatholische Kirche sowie teilweise die anglikanischen und die lutherischen Kirchen der Episode, die im Evangelium des Lukas (1. Kapitel, Vers 39) im Anschluss an die Verkündigungsszene erzählt wird: Maria macht sich auf den Weg, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen (daher 'Heimsuchung') und die Freude mit ihr zu teilen. Elisabeth, selbst im sechsten Monat schwanger (mit Johannes dem Täufer), grüßt sie mit den Worten: 'Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.' Maria antwortet mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnificat.

(b) widerstehen

(c) verwehren

(d) beiden

(e) aus dem Wirken der Welt herausgehoben sei

(f) den Nachkommen

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Autor: Johannes Vogel

Melodie: Nun freut euch, lieben Christengmein

oder: Such, wer da will ein ander Ziel

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Andacht-Übung aus den Sonn-, Fest- und Feyr-täglichen

Evangelien zu Erweckung und Fortsetzung gottseeliger Sabbat-Gedancken

von Johann Vogel

Druck Wolff Eberhard Felßecker,

Nürnberg 1661

Thema: Mariä Heimsuchung

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Johannes Vogel (* 5. September 1589 in Nürnberg; † 8. März 1663 ebenda) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und Lieddichter. Vogel wurde als Sohn eines Waffenschmiedes geboren und besuchte nach dem Abschluss seiner Schulausbildung die Universitäten in Altdorf und Wittenberg. Im Anschluss unternahm er, den Sitten der damaligen Zeit entsprechend, eine Bildungsreise, die ihn auch nach Polen und Ungarn führte, wobei er christliche Splittergruppen besuchte, deren Lehren er in dieser Zeit anhing. Nachdem er diese Haltung widerrufen hatte, erhielt er im Jahr 1621 ein Pfarramt an der Kirche St. Egidien und zugleich das Rektorenamt an einer Schule seiner Vaterstadt; im Jahr 1634 wechselte er an die Kirche St. Sebald. Im Jahr 1638 veröffentlichte Vogel 'Die Psalmen Davids', die überarbeitet 1653 unter dem Titel 'Psalmen, geistliche Lieder und Hausgesänge' in Nürnberg erschienen. Im Jahr 1661 wurde eine Sammlung von Vogels Liedern unter dem Titel 'Andacht-Übung aus dem Sonn-, Fest- und Feyrtäglichen Evangelien' gedruckt. Im Nürnberger Gesangbuch von 1677 finden sich fünf seiner fast 200 Lieder. Das von dem Pfarrer und Hymnologen Albert Friedrich Wilhelm Fischer (1829-1896) initiierte und nach seinem Tod ab 1904 in Gütersloh von Wilhelm Christian Ludwig Tümpel herausgegebene mehrbändige Werk 'Das deutsche evangelische Kirchenlied' enthält 20 Lieder von Vogel. Sein bekanntestes Lied ist ein Abendmahlslied mit vier Strophen und heißt 'Ich preise dich von Herzen, o du mein Heiland'.

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Uploaded on July 3, 2020
Taken on May 26, 2020