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Dein Haupt der Frevler Hand

Dein Haupt der Frevler Hand

 

1.) Dein Haupt der Frevler Hand

Umwand mit Dorngeflechte,

Es teilten dein Gewand

Die fremden Kriegesknechte,

Ihr Speer' durchbohrt die Seite,

Draus Blut und Wasser floss -

Da wars, dass solchem Leide

Dein Friedensreich entspross.

 

2.) Mag drum dich heute noch

Die Welt mit Dornen krönen,

Mag sie dein süßes Joch

Mit bitterm Spott verhöhnen,

Mag sie in Wut zerreißen

Dein heiliges Gewand -

Du wirst trotz ihr erweisen

Die Wunder deiner Hand.

 

3.) Der Bau, den du bedacht,

Kann kein Zerstörer hindern,

Das Reich, das du gebracht,

Das kann kein Reichsfeind mindern,

Es wächst an Macht im Kriege,

Es stirbt im Tode nicht,

Es geht durch Fall zum Siege,

Zum Leben durch Gericht.

 

4.) Die Erde bebt - sie bebt

Vor deines Zornes Grimme.

Ein Angstruf sich erhebt,

Denn du erhebst die Stimme.

Es kommt die stolzen Geister

Ein heimlich' Zittern an,

Denn du ihr Herr und Meister

Betrittst die Siegesbahn.

 

5.) Drum soll uns kümmern nicht

Der Völker dunkles Toben.

Wir suchen hier nicht Licht, -

Das Licht kommt uns von oben.

Sie mögen hoch auftürmen

Den Bau, der bald zerschellt,

Uns kommt erst recht in Stürmen

Der Bau, der ewig hält.

 

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Autor: Gottlieb Christoph Adolf von Harleß

Melodie: ohne Angaben

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Aus dem Leben in Lied und Spruch

von [Gottlieb Christoph] Adolph von Harleß

Verlag S.G. Liesching

Stuttgart, 1865

Thema: Christuslied

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Gottlieb Christoph Adolf von Harleß (* 21. November 1806 in Nürnberg; † 5. September 1879 in München) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer, Hochschullehrer und Lieddichter. Harleß wurde als Sohn eines Kaufmanns geboren und studierte nach dem Schulbesuch ab 1823 in Erlangen Philosophie und Rechtswissenschaften, worauf er zur Theologie wechselte. Ab dem Jahr 1826 besuchte er die Universität in Halle/Saale, kehrte im Jahr 1828 als Privatdozent für Philosophie nach Erlangen zurück, lehrte ab 1829 Systematische Theologie und wurde im Jahr 1833 zum außerordentlichen Professor für Neues Testament ernannt. Es folgte im Jahr 1836 die Ernennung zum Ordinarius für Systematische Theologie und die Übernahme des Amts eines Universitätspfarrers. Ab dem Jahr 1837 gab Harleß mit anderen die 'Zeitschrift für Protestantismus und Kirche' (ZPK) heraus und veröffentlichte die 'Theologische Encyklopädie und Methodologie'. Zudem vertrat er ab dem Jahr 1839 als Abgeordneter die Universität Erlangen im Münchner Landtag. Seine nachdrücklich ablehnende Haltung gegenüber dem Katholizismus brachte ihm in Bayern viel Ärger und Anfeindungen ein, weswegen er 1845 als Konsistorialrat ins evangelisch-geprägte Bayreuth versetzt werden sollte, was Harleß verhinderte, indem er 1845 einen Ruf an die Universität in Leipzig annahm, wo er zudem seine Schaffenskraft im Kollegium der Leipziger Mission einsetzte und 1847 zusätzlich das Pfarramt an der Kirche St. Nicolai übernahm. Nachdem er 1847 mehrere Predigten in Dresden gehalten hatte wurde Harleß 1850 als Oberhofprediger dorthin berufen, wurde aber zwei Jahre später von König Maximilian II. als Präsident des Oberkonsistoriums nach Bayern zurückgeholt, wo es ihm gelang, Minderheiten in der Landeskirche, die mit Abspaltung drohten, wieder zu integrieren und die Stellung der lutherischen Lehre zu verfestigen. Im Jahr 1853 wurden unter Harleß' Leitung auf der Bayreuther Generalsynode zahlreiche Reformen vorgenommen, welche die erschiedenen Richtungen in der Landeskirche wieder auf eine gemeinsame konfessionelle Grundlage stellte. Im Jahr 1879 wurde Adolf von Harleß emeritiert und verstarb noch im selben Jahr. Im Jahr 1865 veröffentlichte er eine Sammlung von eigenen weltlichen und geistlichen Liedern unter dem Titel 'Aus dem Leben in Lied und Spruch'. Von seinen geistlichen Liedern sind viele überregional bekannt geworden und stehen in Kirchengesangbüchern und Liedanthologien des 19. und 20. Jahrhunderts.

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Uploaded on June 18, 2020
Taken on May 13, 2020