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Gott, wann wirst du dich erbarmen über meine schwere Pein

Ich bin müde mehr zu leben

 

1.) Ich bin müde mehr zu leben,

Nimm mich, liebster Gott, zu dir,

Muss ich doch im Leben hier

Täglich in Betrübnis schweben.

Meine größte Lebenszeit

Läuft dahin in Traurigkeit.

 

2.) Möcht' es dir, mein Gott, gefallen,

Wollt ich herzlich gern ins Grab,

Da mein Leid geschnitten ab,

Da mein schmerzensvolles Wallen (a)

Dieses Lebens ganz verschwindt

Und sein endlich's Ende findt.

 

3.) Ich verschmachte fast vor Sorgen,

Meine milde Tränenflut

Und des Kreuzes heiße Glut

Sind mein Frühstück alle Morgen,

Furcht, Betrübnis, Angst und Not,

Sind mein täglich Speisebrot.

 

4.) Seh ich jene böse Rotten,

Die sich in die Welt verliebt,

Werd' ich innerlich betrübt,

Wann sie meiner höhnisch spotten,

Wenn sie schreien: Seht den Mann,

Dem sein Gott nicht helfen kann.

 

5.) Dann geh ich in meine Kammer,

Fall auf meine matte Knie,

Heul' und winsle je und je

Und beweine meinen Jammer:

Meiner Tränen milder Lauf

Steiget zu den Wolken auf.

 

6.) Gott, wann wirst du dich erbarmen

Über meine schwere Pein?

Wann wirst du mir gnädig sein?

Ach, wann wirst du mich umarmen?

Ach, mein Gott, wie lang, wie lang,

Soll mir doch noch sein so bang?

 

7.) Setze mich doch einmal nieder,

Lass mich kommen doch zur Ruh',

Allerliebster Vater, du,

Tröste mich doch einmal wieder:

Gib mir endlich doch einmal

Herzenslust nach d i e s e r Qual.

 

8.) Doch, wer weiß, wozu es nützet,

Dass du mich so züchtigst?

Dass ich werde so gepresst

Und vor welcher Not es schützet?

Denn, wer in der Welt sich freut,

Kommt oft um die Seligkeit.

 

9.) Darum lass die Straf' ergehen,

Schlage zu und stäupe fort,

Liebster Gott, und schone dort.

Doch, damit ich's kann ausstehen,

So verleihe mir Geduld,

Nach verborgner Vaters-Huld.

 

10.) Und nimm mich nach deinem Willen,

Nach der ausgestandnen Qual

In den großen Freudensaal,

Da sich alle Not wird stillen.

Komme, Gott, wann dir's gefällt

Und reiß mich von dieser Welt.

 

(a) Wandern

 

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Autor: Georg Neumark

Melodie: Ach, was soll ich Sünder machen

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gefunden in:

Neu=vermehrtes Baden=Durlachisches Gesangbuch

aller evangelisch-lutherischen Kirchen

in den markgräflich Badischen Landen

Lied-Nummer 547. Kapitel Kreuz, Anfechtung und Trost

Karlsruhe, 1772.

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Georg Neumark (* 16. März 1621 in Langensalza/Thüringen; † 8. Juli 1681 in Weimar/Thüringen) war ein deutscher Dichter und Komponist von evangelischen Kirchenliedern.

Er war der Sohn von Michael Neumark und dessen Ehefrau Martha. Ab 1630 besuchte Neumark das Gymnasium in Schleusingen und wechselte später an das von Gotha. 1640 begann er an der Universität Königsberg Jura zu studieren. Durch die Kriegswirren bedingt, verschlug es ihn nach Kiel, wo er sich mittels einer Stelle als Hauslehrer über Wasser hielt. Erst 1643 konnte er zurück nach Königsberg, wo er sich neben Jura immer mehr der Musik widmete. Durch Simon Dach wurde er darin bestärkt und gefördert.

Nach erfolgreichem Studienabschluss ging Neumark erst nach Danzig und 1649 nach Thorn. Zwei Jahre später, 1651, kehrte er in seine Heimat Thüringen zurück. Dort vermittelte ihm sein Onkel, der Hofrat Plattner die Bekanntschaft mit Herzog Wilhelm IV. von Sachsen-Weimar.

Letzterer ernannte Neumark zum Kanzleiregistrator und 1652 zum Bibliothekar. Bereits im darauf folgenden Jahr nahm der Herzog Neumark in die Fruchtbringende Gesellschaft auf. 1642 schrieb er das beliebte Lied 'Wer nur den lieben Gott lässt walten', dessen Melodie auch für unzählige andere evangelische Kirchenlieder Verwendung fand.

Der Pegnesische Blumenorden nahm 1679 Neumark als Mitglied auf.

Am 8. Juli 1681 starb Georg Neumark im Alter von 60 Jahren in der Stadt Weimar/Thüringen und wurde dort auf dem Jacobsfriedhof beigesetzt. Der evangelische Gedenktag ist der 9. Juli.

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Georg Neumark (March 16, 1621 in Langensalza - July 8, 1681 in Weimar) was a German poet and composer of hymns.

Neumark was the son of Michael Neumark and his wife Martha. From 1630 he attended the Gymnasium in Schleusingen and later transferred to that of Gotha. In 1640 he began law studies at the University of Königsberg. Fleeing the tumult of war he took a position as tutor in Kiel. In 1643 he was able to return to Königsberg, where he devoted himself more and more to music, in which he was greatly supported by Simon Dach.

After graduating in law Neumark went first to Danzig and in 1649 to Thorn. Two years later, in 1651, he returned to his native Thuringia. There his uncle, councilor Plattner, introduced his to the duke Wilhelm IV of Saxe-Weimar, who appointed him Kanzleiregistrator and in 1652 librarian.

In the following year the duke brought Neumark into the Fruchtbringende Gesellschaft. His famous hymn 'Wer nur den lieben Gott lässt walten' appeared in 1641.

The Pegnesische Blumenorden (a poet's society in Nurnberg named after the river Pegnitz) accepted Neumark a member in 1679.

On July 8 1681 Georg Neumark died at the age of 60 in Weimar, where he was interred in the Jacobsfriedhof. The Evangelical Church marks his memorial on July 9.

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Uploaded on September 16, 2010
Taken on January 16, 2009