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Es ist vollbracht!' muss noch erschallen

Photo: Kreuzdarstellung auf einem Grabmal auf dem Dotzheimer Friedhof, Wiesbaden

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Es ist vollbracht!' muss noch erschallen

 

1.) 'Es ist vollbracht!' muss noch erschallen

Durch meines Jesu blassen Mund.

Ach, dringe doch, du mattes Lallen,

In meiner Seelen tiefsten Grund.

Ja, kommt dir finstre Todesnacht,

Sei dies mein Licht: 'Es ist vollbracht!'

 

2.) Was ist vollbracht? - Die ganze Fülle

Von Jesu Welt- und Höllennot,

Was Gottes treuer Gnadenwille

Von unserm Heil durch Christi Tod

In seinem ew'gen Rat erdacht,

Davon spricht er: 'Es ist vollbracht!'

 

3.) Was uns des Geistes Lehren sagen,

Durch heiliger Propheten Mund,

Um unsre Schuld ist er geschlagen,

Um unsre Missetat verwundt'.

Er ist verfolgt, betrübt, veracht',

Davon erschallt: 'Es ist vollbracht!'

 

4.) Vollbracht des herben Kelches-Trinken,

Den bittre Leiden angefüllt,

Vollbracht der müden Knie Sinken,

Wenn Blutschweiß aus dem Körper quillt.

Von aller Sünd- und Höllennacht

Spricht Jesu Mund: 'Es ist vollbracht!'

 

5.) Geht nun das Licht der Heiden unter,

So hemmt sein Licht der Sonnen Lauf,

Die Toten selber werden munter,

Es schließen sich die Gräber auf,

Der Fels erbebet, springt und kracht,

Dies alles ruft: 'Es ist vollbracht!'

 

6.) Es sprechen, Jesu, deine Wunden,

Es spreche dein vergossnes Blut,

Und alle Pein, die du empfunden,

Da deiner Feinde wilde Wut

Dich, Gottes Lämmlein, abgeschlacht',

Durch Kraft an mir: 'Es ist vollbracht!'

 

7.) Ihr Freudentränen netzt die Wangen!

Der Glaube siehet offenbar

Die Handschrift an dem Kreuze hangen,

Die wider meine Seele war.

Wer ist, der nicht vor Wonne lacht?

Da so erschallt: 'Es ist vollbracht!'

 

8.) Es führe mich, von allen Orten,

Wo dieser Erden Wollust blüht,

Den Mund von allen bösen Worten,

Von argem Dichten (a) das Gemüt.

Das Herz von aller eitlen Pracht,

Dies Wort am Kreuz: 'Es ist vollbracht!'

 

9.) Doch steigt die Flamme deiner Liebe

Zu größrer Glut in meiner Brust,

Wenn rege Sehnsucht reiner Triebe

Des alten Adams (b) Fleischeslust

Zu kreuzigen, und töten tracht',

So heißt es auch: 'Es ist vollbracht!'

 

10.) Soll auch mein Haupt in vielen Schmerzen,

Gleich deinem, unter Dornen stehn.

Soll ich mit tränenvollem Herzen

Durch Trübsal ins Reich Gottes gehn,

Kommt's, dass mir Seel' und Leib verschmacht,

So sei mein Trost: 'Es ist vollbracht!'

 

11.) Schmeck ich in dieser Jammerhöhle

Mit dir des Todes Bitterkeit,

So sei die Tröstung meiner Seele

Dein frohes Leben, nach der Zeit,

Dass ich, wenn Glaub' und Hoffnung wacht,

Mit Freuden sprech: 'Es ist vollbracht!'

 

(a) Denken

(b) Nach christlicher Vorstellung unterliegt jeder Mensch der Erbsünde, die durch den Sündenfall Adams auf ihn gekommen ist und erst durch Jesus Christus und seinen Opfertod am Kreuz aufgehoben wurde. Adam oder Moses, zwei Personen des Alten Testaments, werden häufig als Personifizierungen der Erbsünde benannt. Der durch Christi Opfertod erlöste Mensch ist demgegenüber der neue Mensch, die neue Kreatur oder der neue Adam.

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Autor: Tobias Heinrich Schubart

Melodie: Wer nur den lieben Gott lässt walten

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gefunden in:

Vermehrtes Hannoverisches

[evangelisches] Kirchen-Gesang-Buch

Im Verlage seligen

Nicolai Försters und Sohnes Erben

Hannover, 1740

Liednummer 168

Thema: Passion

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Tobias Heinrich Schubart (auch: Theophilus Sincerus; * 14. Februar 1699 in Osterbruch (in kaiserlicher Landeshoheit; heute Landkreis Cuxhaven); † 22. Februar 1747 in Hamburg) war ein evangelisch-lutherischer Theologe und Liederdichter. Schubart wurde als Sohn von Heino Schubart (1667-1725) geboren, der seit 1694 Pfarrer in Osterbruch war. Tobias Heinrich Schubart besuchte ab 1716 das Johanneum und anschließend das Gymnasium in Hamburg, um ab 1720 Theologie in Jena zu studieren, wo er 1723 sein Kandidatenexamen ablegte. Im Anschluss erhielt er eine Pfarrstelle in Neuenkirchen und wechselte anschließend als Pfarrer zu einer Gemeinde seiner Vaterstadt. Im Jahr 1728 wurde er als Pfarrer an die Kirche St. Michaelis nach Hamburg berufen. In den Jahren zwischen 1733 und 1735 gab er Sammlungen geistlicher Lieder heraus und ließ Predigten und theologische Streitschriften verlegen. Seine Lieder sind dem Rationalismus seiner Zeit verpflichtet. 28 Titel übernahm Johann Jacob Gottschald in sein Universalgesangbuch von 1737, des weiteren befinden sich einige Lieder von Schubart auch in Gemeindegesangbüchern wieder.

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Uploaded on April 3, 2020
Taken on April 8, 2018