Back to photostream

Ich erwäg es oft und viel

Ich erwäg es oft und viel

 

1.) Ich erwäg es oft und viel,

Was dich doch getrieben,

Uns ohn' alles Maß und Ziel,

Wie du tatst, zu lieben.

Dass du Angst, Gewalt und Not,

Schläge, Hohn und Banden,

Lästerung und Kreuz und Tod

Willig ausgestanden.

 

2.) War es unsre Würdigkeit?

Nein, des Vaters Güte,

Deines Herzens Freundlichkeit

Und dein treu' Gemüte,

Das hat dich ans Kreuz gebracht,

Dass kein Mensch verzagte,

Wenn der Sünden Meng' und Macht

Die Gewissen nagte.

 

3.) Welch' ein wunderbarer Rat,

Den man nie ergründet!

Welche unerhörte Tat,

Die man nirgends findet!

Sünden, deren Gott zum Hohn,

Menschen sich erfrechen,

Die lässt Gottes eigner Sohn,

An sich strenge rächen.

 

4.) Herr, dein Friede sei mit mir,

Und auf mein Gewissen,

Wenn es zaget, lass von dir

Trost und Freude fließen!

Jesu, meiner Seelen Hort,

Treib durch deine Schmerzen

Alle Seelenangst hinfort

Fern aus meinem Herzen.

 

5.) Lass mich, wenn ich dich erblick,

Sobald Gnade finden,

Wenn mein banges Herz erschrickt,

Über Straf' und Sünden.

Sieh, ich fall' zerknirscht von Reu'

Mit wahrhaft'ger Buße

Und dem Vorsatz bessrer Treu',

Jesu, dir zu Fuße.

 

6.) Nun ich weiß, worauf ich bau'

Und bei wem ich bleibe,

Wessen Fürsprach' ich vertrau',

Und an wen ich glaube.

Jesu, du bist es allein,

Welcher mich beschirmet,

Wenn gleich alle Höllenpein

Meinen Geist bestürmet.

 

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Autor: Heinrich Held

Melodie: Jesus Christus blickt dich an

oder: Christus, der uns selig macht

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Schatzkästlein enthaltend biblische Betrachtungen auf alle

Tage im Jahre zur Beförderung häuslicher Andacht und Gottseligkeit

Von Johannes [Evangelista] Gossner

Verlegt bei Karl Tauchnitz, Leipzig, 1830

Thema: Christuslied

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

Heinrich Held, auch Henrich, (* 1620 in Guhrau/Herzogtum Glogau in Schlesien; † 1659 in Stettin) war Jurist, Ratsherr und evangelisch-lutherischer Lieddichter. Infolge der Repressionen durch die katholische Gegenreformation musste die Familie Helds im Jahr 1628 von Guhrau in das 30 km entfernte Fraustadt in Schlesien übersiedeln. Um das Jahr 1637 besuchte er das Gymnasium in Thorn, um sich etwa im Jahr 1637 an der Universität in Königsberg zu immatrikulieren, wo er bis 1640 Rechtswissenschaften studierte. Held arbeitete anschließend als Hauslehrer und beendete sein Jurastudium spätestens im Jahr 1648 an der Hochschule in Rostock. Er kehrte nach Fraustadt zurück und war dort um 1651 als Rechtsanwalt tätig. Im Jahr 1657 wurde er zum Stadtsekretär in Altdamm bei Stettin ernannt, wo er ab 1658 auch als Kämmerer und Ratsherr wirkte. Sein literarisches Werk lässt sich der Ersten Schlesischen Dichterschule zuordnen. Von seinen geistlichen Liedern sind 45 überregional bekannt geworden und stehen in Kirchengesangbüchern des 17. bis 21. Jahrhunderts. Im Evangelischen Gesangbuch (EG) aus dem Jahr 1993 finden sich das von Held verfasste Adventslied 'Gott sei Dank durch alle Welt' (Nr. 12) und das Pfingstlied 'Komm, o komm, du Geist des Lebens' (Nr. 134).

++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++

 

1,139 views
7 faves
1 comment
Uploaded on February 13, 2020
Taken on June 1, 2019