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O binde, liebstes Jesulein

Weihnachtspyramide in einer Ausstellung im Haus der Evangelischen Kirche, Wiesbaden, 2009

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O binde, liebstes Jesulein

 

1.) O binde, liebstes Jesulein,

Wie dieses dein Gebrauch,

Dich selber dieses Fest mir ein,

Ich schenke mich dir auch:

Komm, nimm mich dir zu eigen hin,

Zu Lobe deiner Liebe,

Ach, gib mir deinen Kindessinn,

Dass ich dich nicht betrübe.

 

2.) Wie liebreich, freundlich, hold und mild

Bist du, o schönstes Kind

Ach, leucht in mich, bis dass dein Bild

In mir Gestalt gewinnt.

Ach, werde doch in mir auf's neu

Durch deinen Geist geboren,

Damit ich dir recht ähnlich sei, -

So werd ich nicht verloren.

 

3.) Versüße doch, o süßer Christ,

Durch deine Freundlichkeit,

Was noch so bitter in uns ist,

Gib Frieden für den Streit,

Dass wir, dir holdem Kindlein gleich,

Einander uns vergeben,

Und in dir, als im Himmelreich,

Einander liebend leben.

 

4.) Du ziehst mit Fried' und Freuden ein,

Es ist nur deine Lust,

In Herzensleid um uns zu sein, -

Auch mir sei nichts bewusst,

Als nur die Lust an dir, mein Heil,

Ich will mich dir verschreiben,

Erhalte mich zu deinem Teil,

Dir ewig treu zu bleiben.

 

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Autor: Karl Heinrich von Bogatzky

Melodie: Willkommen, edles Knäbelein

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Die Übung der Gottseligkeit

In allerley Geistlichen Liedern

von Carl Heinrich von Bogatzky

Verlag des Waisenhauses,

Halle [an der Saale], 1750

Thema: Weihnachten

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Karl Heinrich von Bogatzky (* 7. September 1690 in Jankowe bei Militsch (Niederschlesien); † 15. Juni 1774 in Halle/Saale) war ein evangelischer Theologe, Schriftsteller und Lieddichter der pietistischen Richtung. Er wurde als Sohn des Obristleutnants Johann Adam von Bogatzky und Eva Eleonore, geb. von Kalkreut, auf dem Hofgut seiner Vorfahren geboren und in christlichem Sinn erzogen. Als junger Mann war er zunächst als Page am Hof in Weißenfels angestellt, wo er die poetischen Versuche unternahm. Nachdem er seinen Vater umstimmen konnte, der ihn für die Militärlaufbahn vorgesehen hatte, studierte zunächst ab dem Jahr 1713 in Jena Rechtswissenschaften. Im Jahr 1714 besuchte er August Hermann Francke (1663-1727) in Halle/Saale, wo er zum lebendigen Glauben fand, dennoch aber zunächst sein begonnenes Studium fortsetzte. Um die Weihnachtszeit 1715 entschied er sich am Grab seiner unerwartet verstorbenen Mutter, Theologie zu studieren. Im Jahr 1726 hielt er sich in Glauchau auf, wo er dem dortigen Pfarrer mit seiner Arbeitskraft und seinem ganzen Vermögen half, eine Waisenhaus zu gründen. Im gleichen Jahr heiratete er seine Cousine Eleonore Barbara von Fels. Nachdem seine Frau ihm zwei Söhne geboren hatte, verstarb sie nach acht Jahren Ehe, worauf Bogatzky zu seiner Schwester nach Breslau zog, die ihm half, seine Kinder aufzuziehen. Bogatzky nahm zuerst eine Stelle am Reußschen Hof in Köstritz, dann um 1729 eine Stelle bei dem Herzog Christian Ernst von Sachsen-Saalfeld an, dessen geistlicher Berater er wurde. Auf Einladung von August Herrmann Francke wohnte ab Jahr 1746 im Waisenhaus der Franckeschen Stiftungen in Halle, wo er Erbauungsstunden für die Studenten hielt, viele Schriften und Lieder verfasste und 1774 mit 84 Jahren verstarb. Bogatzkys Schriften zeichnen sich durch tiefen Glaubensgehalt und großen Reichtum geistlicher Erfahrung aus. Er schrieb über 400 Lieder, das bekannteste ist das Missionslied 'Wach auf, du Geist der ersten Zeugen', das auch im Evangelischen Gesangbuch (EG) von 1993 unter Nummer 241 steht.

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Uploaded on January 5, 2020
Taken on December 2, 2009