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Gott, der du Licht und Quelle bist

Bild: Deutsche Briefmarke zum Reformations-Fest 2017

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Gott, der du Licht und Quelle bist

 

1.) Gott, der du Licht und Quelle bist,

Daraus wir alle Gaben,

So unser Heil benötigt ist,

Getrost zu schöpfen haben,

Wir danken dir, dass du dein Wort

So rein bisher an diesem Ort

Dein Volk hast lassen hören.

Der Wahrheit Pfeiler stehet noch,

So drückt uns auch kein fremdes Joch

Unnützer falscher Lehren.

 

2.) Wir danken dir für dieses Licht,

Das in der Wahrheit leitet.

So lang und dies dein Angesicht

Wie Israel (a) begleitet,

So heißen wir selbst dein Geschlecht

Und haben deiner Kinder Recht,

So können wir genesen, (b)

Dein Wort macht uns von Sünden frei,

Es ist der Seelen Arzenei

Und reinigt unser Wesen.

 

3.) Es steuert allem Herzeleid,

Weil Christus in uns wohnet,

Ist unsers Herzens Trost und Freud',

Ein Schild, der unser schonet.

Es ist ein Ausfluss deiner Kraft,

Es ist der süßte Honigsaft,

Ein Brot, das Herz zu stärken:

Das Brünnlein Zions (a) fließt zwar still,

Hat aber Wassers in der Füll',

Wie selbst die Feinde merken.

 

4.) Durch dieses Zeugnis wird die Seel'

Mit deiner Kirch' verbunden,

Durch dieses Wort hat Michael (c)

Den Drachen überwunden.

So zeigt auch diese Richtschnur an,

Wie man unsträflich leben kann,

Wenn man nur darauf achtet,

Des Himmels Vorschmack findet sich,

Wenn dieses Wort recht inniglich

Im Herzen wird betrachtet.

 

5.) Herr, gib uns Kraft, damit dein Wort

Ganz tiefe Wutzel schlage,

Und dieser Same fort und fort

Viel gute Früchte trage,

Und dein' Erkenntnis bringe bei,

Der Glaube dir gehorsam sei,

Der inn're Mensch stark werde,

Bis wir durch deines Geistes Kraft

Auch üben gute Ritterschaft

In allerlei Gefährde.

 

6.) Wie wir isher mit frohem Mut

Dein liebes Wort vernommen,

So lass auch dieses teure Blut

Auf unsre Nachwelt kommen.

Die Kirch' und Schule segne du,

Erhalte sie in guter Ruh'

Als deine Hausgenossen.

Bei ihnen wollst du nimmermehr

Den leuchter deiner reinen Lehr'

Von seiner Stätte stoßen.

 

7.) Warum hast du der ersten Welt

Die Sündflut angerichtet,

Das Haus zu Siloh (d) abgestellt,

Jerusalem zernichtet?

Die Ursach' zeigst du selbsten an,

Weil sie nach ihres Herzens Wahn

Dein teures Wort verschlagen, (e)

So geht es noch zu dieser Frist, (f)

Was ein Geruch des Lebens ist,

Muss selbst zum Tod behagen. (g)

 

8.) Ach Gott, bekehr auch alle die,

Die unsre Lehre hassen,

Durch dein Wort überzeuge sie,

Den Irrtum zu verlassen,

Auf dass nach ihrer Bitterkeit

Die Schuppen mögen mit der Zeit

Von ihren Augen fallen,

Wie du dem Saulo (h) hast getan,

Dass sie mit uns auf rechter Bahn

Zum Himmel mögen wallen.

 

9.) So aber, Herr, es dir gefällt,

Dein Häuflein zu bewahren,

Ob es in Not auch Glauben hält,

So hör auch sein Begehren,

Gib deinem Völklein Kraft und Sieg,

Dass es niemalen unterlieg,

Wenn es die Feinde schrecken,

Damit sie sehen nach dem Spott,

Zu Zion sei der rechte Gott,

Der sein Volk könn' bedecken. (i)

 

(a) Die Nennung des Volkes Israel, der historischen Stadt Jerusalem oder Zion, eines Teils der Stadtbefestigung, steht für das Judentum und durch die Heilzusage Christi an alle Völker, auch in erweiterten Sinn für das Christentum.

(b) Nach christlicher Vorstellung unterliegt jeder Mensch der Erbsünde, die durch den Sündenfall Adams auf ihn gekommen ist und erst durch Jesus Christus und seinen Opfertod am Kreuz aufgehoben wurde. Das Verhaftetsein in der Sünde wird oft mit dem Begriff der Krankheit, der Missetat, der Seuche, des Gebrechens, einer Wunde, des Elends, des Frevels, der Flecken, des Fluchs, der Nacht, des Gestanks oder des Schadens umschrieben.

(c) Der Erzengel Michael steht als Schutzheiliger für das deutsche Volk, wodurch erkenntlich wird, dass der Drachen (in der folgenden Zeile) für die Irrlehren der katholischen Kirche steht.

(d) Silo (hebräisch Schiloh) ist ein in der Bibel (hauptsächlich im Alten Testament) erwähnter geographischer Ort des Alten Nordreiches von Israel, der etwa 1050 v. Chr. von den Philistern zerstört wurde.

(e) ausgeschlagen

(f) auch in unserer Zeit

(g) was weltlich ist, muss sich mit dem Tod abfinden

(h) Saulo ist der Dativ des Namens Saulus, der als Paulus von Tarsus (* vermutlich vor dem Jahr 10 in Tarsus/Kilikien; † nach 60, vermutlich in Rom) einer der ersten und sehr erfolgreicher Missionar des Urchristentums war und den Titel Völkerapostel trug. Er verkündete vor allem Nichtjuden den auferstandenen Jesus Christus und gilt als der eigentliche Gründer des Christentums als eigenständiger Religion.

(i) schützen

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Autor: Ernst Friedrich Zobel

Melodie: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

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Theologia in Hymnis oder

Universal=Gesangbuch

ausgefertigt von Johann Jakob Gottschald

Diacon zu Eubenstock

Verlegt bei Johann Christian Martini

Leipzig, 1737

Liednummer 1052

Thema: Reformationsfest

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Ernst Friedrich Zobel, Pseudonym Christlieb Rezendorf (Anagramm seines Namens), (* 1. April 1687 Altdorf/Reichsstadt Nürnberg; † 2. Juli 1756 ebenda) war ein deutscher Pädagoge, Verleger und Schriftsteller evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Zobel wurde als Sohn eines Buchbinders geboren und besuchte die Lateinschule in Altdorf. Er erlernte das Handwerk seines Vaters und absolvierte seine Wanderschaft als Geselle. Zurückgekehrt in seine Vaterstadt erhielt er eine Anstellung als Hilfslehrer an der Deutschen Schule, wo er später auch als Lehrer arbeitete. Er führt eine ausgedehnte Korrespondenz mit Gelehrten in ganz Deutschland und legte eine Bibel-Lotterie auf, die ihn bekannt machte und deren Gewinn er für die Erbauung der Stadtkirche in Altdorf stiftete. Er verfasste die Abhandlung 'Christliche Handleitung zu würdiger Genießung des heiligen Abendmahls', eine Polemik gegen den Jesuiten Thomas Binner aus Amberg, sowie ein Werk gegen die päpstlichen Irrtümer, zur Augsburger Konfession und eine Geschichte der lutherischen Reformation, die er zusammen unter dem Titel 'Dreifaches Kleeblatt' herausgab. Er verlegte die 1756 das Gesangbuch von Altdorf, das unter dem Titel 'Altdorfische neu-eingerichtete Davids-Harpfe' erschien. Ein geistliches Lied von Zobel heißt 'Gott, der du Licht und Quelle bist' und ist ein Loblied auf die Reformation Martin Luthers. Ein Schwiegersohn Zobels ist namentlich bekannt, er hieß Johann Adam Hessel und lebte von 1712 bis 1785.

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Uploaded on October 31, 2019