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Herr des Todes, deine Rechte
Photo: Nordfriedhof in Wiesbaden im Herbst
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Herr des Todes, deine Rechte
- Beim Tod einer Ehefrau und Mutter -
1.) Herr des Todes, deine Rechte
Liegt auf unserm Herzen schwer.
Finster, wie des Grabes Nächte,
Öd' und traurig ist's umher.
Zürne nicht ob unsern Klagen!
Kaum zu fassen, kaum zu tragen,
Ach, so schwer auf unsrer Brust
Liegt der schmerzliche Verlust.
2.) Wie die Meereswelle flutet,
Steigt empor des Gatten Schmerz.
Wie aus Todeswunden blutet
Der verwaisten Kinder Herz.
Herz vom Herzen losgerissen,
Sollen sie die Teure missen.
Welche liebend uns beglückt,
Ach, sie ist uns nun entrückt!
3.) Gott, wir sinken vor dir nieder,
Vater, der die Wunde schlug,
Heil, o heile du sie wieder!
Sprich zum Gram: Es ist genug!
Dass wir nicht durch Unmut fehlen, (a)
Gib, o Gott, in unsre Seelen,
Wie dein heilig' Wort verheißt,
Uns den Tröster, deinen Geist.
4.) Sie ist heim zu dir gegangen.
Wir noch pilgern mühsam hier,
Und mit innigem Verlangen
Wünschen wir uns hin zu ihr.
Du wirst unsern Wunsch erfüllen,
Wirst den Drang der Liebe stillen,
Hebst auch uns einst zu dem Chor
Deiner Seligen empor.
5.) Lass auf unsers Leben Pfade
Leuchten deines Trostes Licht,
Und verlass mit deiner Gnade
Uns in unserm Jammer nicht!
Zieh uns immer mehr nach oben,
Wo die Engel, Herr, dich loben!
Richt' und hebe himmelwärts
Unsre Hoffnung, unser Herz!
(a) fehl gehen
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Autor: Christian Ludwig Neuffer
Melodie: Alle Menschen müssen sterben
oder: Du, o schönes Weltgebäude
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Sammlung christlicher Lieder zum Gebrauche
für die öffentliche und häusliche Andacht
als Entwurf eines Gesangbuches für die
Evangelisch-protestantische Kirche
des Großherzogtums Baden herausgegeben
Verlag von J.M. Katz, Witwe
Pforzheim, 1831
Liednummer 501
Thema: Tod und Ewigkeit
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Christian Ludwig Neuffer (* 26. Januar 1769 in Stuttgart/Herzogtum Württemberg; † 29. Juli 1839 in Ulm) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer, Pädagoge, Herausgeber und Schriftsteller. Neuffer wurde als Sohn des Registrators beim Konsortium in Stuttgart, Ludwig Ehrenreich Neuffer, und seiner griechischstämmigen Frau Magdalena Perlargus geboren, die beide einen pietistischen Gebetskreis besuchten. Nach Abschluss des Stuttgarter Gymnasiums studierte Neuffer in den Jahren zwischen 1786 und 1791 Theologie am Tübinger Stift. In dieser Zeit wurde Neuffer mit Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) bekannt und half diesem bei der Herausgabe seiner Zeitschrift 'Teutsche Chronik'. Im Jahr 1795 verlor Neuffer durch Krankheit seine Verlobte, Rose Stäudlin, der er in der Figur der Erato in seinen Liedern ein Denkmal gesetzt hat. Nach dem Studium war Neuffer zunächst Hilfsgeistlicher in Stuttgart, gab Mädchen des Bürgertums Privatunterricht und war dann Pfarrer am Stuttgarter Waisenhaus. Im Jahr 1803 heiratete er Wilhelmine Louise Osterle und wurde als Diakon (Zweiter Pfarrer) nach Weilheim an der Teck berufen. Zwischen 1808 und 1819 übernahm er die Pfarrstelle in Zell unter Aichelberg, wo er sich dem literarischen Schaffen widmete. Im Jahr 1819 wurde Neuffer als Stadtpfarrer an das Ulmer Münster berufen, war dort zugleich Schulinspektor und gründete selbst eine Schule. 1821 wurde er als Mitglied in einen Gerichtssenat des Donaukreises berufen. Von acht Kindern, deren Existenz nachgewiesen ist, verlor Neuffer vier durch frühen Tod; vier weitere Töchter begleiteten ihn bei seinem Umzug nach Ulm. Seine Werke sind wie die vieler schwäbischer Dichter seiner Zeit vom Spätwerk Friedrich Schillers beeinflusst. Neuffer veröffentlichte eine Predigsammlung, einige Erbauungsbücher und gab eine Zeitschrift, die 'Monatsschrift für Geistes- und Herzensbildung junger Frauenzimmer' heraus, die von 1802 bis 1803 erschien. Er schrieb darüber hinaus Gedichte; seine weltlichen Gedichte erschienen in zwei Bänder ab 1805 in Hildburghausen und Stuttgart, von seinen geistlichen Liedern sind 18 überregional bekannt geworden und stehen in Kirchengesangbüchern und Liedanthologien des 19. Jahrhunderts. Diese erschienen im Jahr 1820 in Leipzig unter dem Titel 'Christliche Urania'.
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Herr des Todes, deine Rechte
Photo: Nordfriedhof in Wiesbaden im Herbst
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Herr des Todes, deine Rechte
- Beim Tod einer Ehefrau und Mutter -
1.) Herr des Todes, deine Rechte
Liegt auf unserm Herzen schwer.
Finster, wie des Grabes Nächte,
Öd' und traurig ist's umher.
Zürne nicht ob unsern Klagen!
Kaum zu fassen, kaum zu tragen,
Ach, so schwer auf unsrer Brust
Liegt der schmerzliche Verlust.
2.) Wie die Meereswelle flutet,
Steigt empor des Gatten Schmerz.
Wie aus Todeswunden blutet
Der verwaisten Kinder Herz.
Herz vom Herzen losgerissen,
Sollen sie die Teure missen.
Welche liebend uns beglückt,
Ach, sie ist uns nun entrückt!
3.) Gott, wir sinken vor dir nieder,
Vater, der die Wunde schlug,
Heil, o heile du sie wieder!
Sprich zum Gram: Es ist genug!
Dass wir nicht durch Unmut fehlen, (a)
Gib, o Gott, in unsre Seelen,
Wie dein heilig' Wort verheißt,
Uns den Tröster, deinen Geist.
4.) Sie ist heim zu dir gegangen.
Wir noch pilgern mühsam hier,
Und mit innigem Verlangen
Wünschen wir uns hin zu ihr.
Du wirst unsern Wunsch erfüllen,
Wirst den Drang der Liebe stillen,
Hebst auch uns einst zu dem Chor
Deiner Seligen empor.
5.) Lass auf unsers Leben Pfade
Leuchten deines Trostes Licht,
Und verlass mit deiner Gnade
Uns in unserm Jammer nicht!
Zieh uns immer mehr nach oben,
Wo die Engel, Herr, dich loben!
Richt' und hebe himmelwärts
Unsre Hoffnung, unser Herz!
(a) fehl gehen
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Autor: Christian Ludwig Neuffer
Melodie: Alle Menschen müssen sterben
oder: Du, o schönes Weltgebäude
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Sammlung christlicher Lieder zum Gebrauche
für die öffentliche und häusliche Andacht
als Entwurf eines Gesangbuches für die
Evangelisch-protestantische Kirche
des Großherzogtums Baden herausgegeben
Verlag von J.M. Katz, Witwe
Pforzheim, 1831
Liednummer 501
Thema: Tod und Ewigkeit
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Christian Ludwig Neuffer (* 26. Januar 1769 in Stuttgart/Herzogtum Württemberg; † 29. Juli 1839 in Ulm) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer, Pädagoge, Herausgeber und Schriftsteller. Neuffer wurde als Sohn des Registrators beim Konsortium in Stuttgart, Ludwig Ehrenreich Neuffer, und seiner griechischstämmigen Frau Magdalena Perlargus geboren, die beide einen pietistischen Gebetskreis besuchten. Nach Abschluss des Stuttgarter Gymnasiums studierte Neuffer in den Jahren zwischen 1786 und 1791 Theologie am Tübinger Stift. In dieser Zeit wurde Neuffer mit Christian Friedrich Daniel Schubart (1739-1791) bekannt und half diesem bei der Herausgabe seiner Zeitschrift 'Teutsche Chronik'. Im Jahr 1795 verlor Neuffer durch Krankheit seine Verlobte, Rose Stäudlin, der er in der Figur der Erato in seinen Liedern ein Denkmal gesetzt hat. Nach dem Studium war Neuffer zunächst Hilfsgeistlicher in Stuttgart, gab Mädchen des Bürgertums Privatunterricht und war dann Pfarrer am Stuttgarter Waisenhaus. Im Jahr 1803 heiratete er Wilhelmine Louise Osterle und wurde als Diakon (Zweiter Pfarrer) nach Weilheim an der Teck berufen. Zwischen 1808 und 1819 übernahm er die Pfarrstelle in Zell unter Aichelberg, wo er sich dem literarischen Schaffen widmete. Im Jahr 1819 wurde Neuffer als Stadtpfarrer an das Ulmer Münster berufen, war dort zugleich Schulinspektor und gründete selbst eine Schule. 1821 wurde er als Mitglied in einen Gerichtssenat des Donaukreises berufen. Von acht Kindern, deren Existenz nachgewiesen ist, verlor Neuffer vier durch frühen Tod; vier weitere Töchter begleiteten ihn bei seinem Umzug nach Ulm. Seine Werke sind wie die vieler schwäbischer Dichter seiner Zeit vom Spätwerk Friedrich Schillers beeinflusst. Neuffer veröffentlichte eine Predigsammlung, einige Erbauungsbücher und gab eine Zeitschrift, die 'Monatsschrift für Geistes- und Herzensbildung junger Frauenzimmer' heraus, die von 1802 bis 1803 erschien. Er schrieb darüber hinaus Gedichte; seine weltlichen Gedichte erschienen in zwei Bänder ab 1805 in Hildburghausen und Stuttgart, von seinen geistlichen Liedern sind 18 überregional bekannt geworden und stehen in Kirchengesangbüchern und Liedanthologien des 19. Jahrhunderts. Diese erschienen im Jahr 1820 in Leipzig unter dem Titel 'Christliche Urania'.
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