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Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ
Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ
1.) Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ,
Im Stande, da dein Segen ist,
Im Stande heil'ger Ehe! (a)
Wie steigt und neigt sich deine Gab'
Und alles Gut so mild herab
Aus deiner heil'gen Höhe!
Wenn sich
An dich
Fleißig halten
Jung und Alten,
Die im Orden
Eines Lebens einig worden.
2.) Wenn Mann und Weib sich wohlbegehn
Und unverrückt beisammen stehn
Im Bande reiner Treue,
Da geht das Glück in vollem Lauf,
Da sieht man, wie der Engel Hauf'
Im Himmel selbst sich freue.
Kein Sturm,
Kein Wurm
Kann zerschlagen
Kann zernagen,
Was Gott gibet
Dem Paar, das in ihm sich liebet.
3.) Vor allen gibt er seine Gnad,
In derer Schoß er früh und spat
Sein' Hochgeliebten heget.
Da spannt sein Arm sich täglich aus,
Da fasst er uns und unser Haus
Gleich wie ein Vater pfleget.
Da muss
Ein Fuß
Nach dem andern
Gehn und wandern,
Bis sie kommen
In das Zelt und Sitz der Frommen.
4.) Der Mann wird einem Baume gleich,
An Ästen schön, an Zweigen reich.
Das Weib gleich einem Reben,
Der seine Träublein trägt und nährt
Und sich je mehr und mehr vermehrt
Mit Früchten, die da leben.
Wohl dir,
O Zier,
Mannes Sonne,
Hauses Wonne,
Ehrenkrone!
Gott denkt dein bei seinem Throne.
5.) Dich, dich hat er sich auerkorn,
Dass aus dir ward herausgeborn
Das Volk, das sein Reich bauet.
Sein Wunderwerk geht immer fort,
Und seines Mundes starkes Wort
Macht, dass dein Auge schauet
Schöne
Söhne
Und die Tocken, (b)
Die den Wocken (c)
Abzuspinnen
Und mit Kunst die Zeit gewinnen.
6.) Sei gutes Muts! Wir sind es nicht,
Die diesen Orden aufgericht',
Es ist ein höh'rer Vater,
Der hat uns je und je geliebt
Und bleibt, wenn unsre Sorg' uns trübt,
Der beste Freund und Rater.
Anfang,
Ausgang
Aller Sachen,
Die zu machen,
Wir gedenken,
Wird er wohl und weislich lenken.
7.) Zwar bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl
Ein Stündlein, da man Leidens voll
Die Tränen lässet schießen.
Jedennoch wer sich in Geduld
Ergibt, des' Leid wird Gottes Huld
In großen Freuden schließen.
Sitze,
Schwitze
Nur ein wenig,
Unser König
Wird behände
Machen, dass die Angst sich wende.
8.) Wohl her, mein König, nah herzu!
Gib Rat in Kreuz, in Nöten Ruh,
In Ängsten Trost und Freude.
Des' sollst du haben Ruhm und Preis,
Wir wollen singen bester Weis'
Und danken alle beide,
Bis wir
Bei dir,
Deinen Willen
Zu erfüllen,
Deinen Namen
Ewig loben werden. Amen.
(a) geheiligt, weil vor Gott geschlossen. Die Ehe selbst ist im evangelischen Sinn kein Sakrament und selbst nicht heilig
(b) Schläge
(c) Stock, auf dem der zu spinnende Flachs aufgewunden ist
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Autor: Paul Gerhardt
Melodie: Wie schön leuchtet der Morgenstern
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Coburgisches (evangelisches) Gesangbuch
Druck und Verlag Johann Carl Findeisen
Coburg, 1763
Liednummer 659
Thema: Trauung, Ehe, Beruf und Hausstand
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Paul Gerhardt, (* 12. März 1607 in Gräfenhainichen/Kurfürstentum Sachsen, † 27. Mai 1676 in in Lübben im Spreewald), war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und nach Martin Luther der bekannteste Lieddichter der evangelischen Kirche in Deutschland. Gerhardt immatrikulierte sich nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma 1628 an der Universität Wittenberg, wo er bedeutende Lehrer der lutherischen Orthodoxie fand. Er wirkte nach dem Studium zunächst als Hauslehrer in Wittenberg und Berlin und wurde 1651 zum evangelisch-lutherischer Propst in Mittenwalde in der Mark Brandenburg berufen. Ab dem Jahr 1657 war er dann Pfarrer an der Kirche St. Nikolai in Berlin, wo seit 1622 Johann Crüger als Kantor wirkte. Dieser hatte 1640 erstmals das berühmte Gesangbuch 'Praxis Pietatis Melica – Das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen' herausgegeben und nahm in die Folgeauflagen Lieder von Gerhardt auf. Zwischen ihm und Gerhardt entstand eine langjährige freundschaftliche und gedeihliche Zusammenarbeit; Crüger schrieb viele Melodien zu Gerhardts Lieder. Im Jahr 1667 wurde Gerhardt seines Amtes enthoben, weil er - als überzeugter Lutheraner - dem 1664 erlassenen Toleranzedikt des reformierten Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) nicht zustimmen konnte, das jede Polemik gegen die evangelisch-reformierte Kirche verbot und damit nach lutherischer Meinung die Verbindlichkeit der Konkordienformel in Frage stellte. Im Jahr 1669 wurde er Archidiakonus in Lübben im Spreewald, wo er 1676 starb. 1667 erschien unter dem Titel 'Geistliche Andachten' die erste Gesamtausgabe der Lieder Gerhardts. Herausgeber war Johann Georg Ebeling, der als neuer Kantor an der Nikolaikirche der Nachfolger Johann Crügers war und der ebenfalls mehrere Lieder Gerhardts vertont hatte. Die etwa 130 Lieder Gerhardts bezeugen vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) persönliches Gottvertrauen und christliche Heilserfahrung und sind darüber hinaus von außergewöhnlicher literarischer Qualität und ungekünsteltem Bildreichtum, was ihre bedeutende Wirkung in der evangelischen Kirche und die bis heute anhaltende Verbreitung. Im Evangelischen Gesangbuch (EG) von 1993 stehen 26 seiner Lieder.
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Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ
Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ
1.) Wie schön ist's doch, Herr Jesu Christ,
Im Stande, da dein Segen ist,
Im Stande heil'ger Ehe! (a)
Wie steigt und neigt sich deine Gab'
Und alles Gut so mild herab
Aus deiner heil'gen Höhe!
Wenn sich
An dich
Fleißig halten
Jung und Alten,
Die im Orden
Eines Lebens einig worden.
2.) Wenn Mann und Weib sich wohlbegehn
Und unverrückt beisammen stehn
Im Bande reiner Treue,
Da geht das Glück in vollem Lauf,
Da sieht man, wie der Engel Hauf'
Im Himmel selbst sich freue.
Kein Sturm,
Kein Wurm
Kann zerschlagen
Kann zernagen,
Was Gott gibet
Dem Paar, das in ihm sich liebet.
3.) Vor allen gibt er seine Gnad,
In derer Schoß er früh und spat
Sein' Hochgeliebten heget.
Da spannt sein Arm sich täglich aus,
Da fasst er uns und unser Haus
Gleich wie ein Vater pfleget.
Da muss
Ein Fuß
Nach dem andern
Gehn und wandern,
Bis sie kommen
In das Zelt und Sitz der Frommen.
4.) Der Mann wird einem Baume gleich,
An Ästen schön, an Zweigen reich.
Das Weib gleich einem Reben,
Der seine Träublein trägt und nährt
Und sich je mehr und mehr vermehrt
Mit Früchten, die da leben.
Wohl dir,
O Zier,
Mannes Sonne,
Hauses Wonne,
Ehrenkrone!
Gott denkt dein bei seinem Throne.
5.) Dich, dich hat er sich auerkorn,
Dass aus dir ward herausgeborn
Das Volk, das sein Reich bauet.
Sein Wunderwerk geht immer fort,
Und seines Mundes starkes Wort
Macht, dass dein Auge schauet
Schöne
Söhne
Und die Tocken, (b)
Die den Wocken (c)
Abzuspinnen
Und mit Kunst die Zeit gewinnen.
6.) Sei gutes Muts! Wir sind es nicht,
Die diesen Orden aufgericht',
Es ist ein höh'rer Vater,
Der hat uns je und je geliebt
Und bleibt, wenn unsre Sorg' uns trübt,
Der beste Freund und Rater.
Anfang,
Ausgang
Aller Sachen,
Die zu machen,
Wir gedenken,
Wird er wohl und weislich lenken.
7.) Zwar bleibt's nicht aus, es kommt ja wohl
Ein Stündlein, da man Leidens voll
Die Tränen lässet schießen.
Jedennoch wer sich in Geduld
Ergibt, des' Leid wird Gottes Huld
In großen Freuden schließen.
Sitze,
Schwitze
Nur ein wenig,
Unser König
Wird behände
Machen, dass die Angst sich wende.
8.) Wohl her, mein König, nah herzu!
Gib Rat in Kreuz, in Nöten Ruh,
In Ängsten Trost und Freude.
Des' sollst du haben Ruhm und Preis,
Wir wollen singen bester Weis'
Und danken alle beide,
Bis wir
Bei dir,
Deinen Willen
Zu erfüllen,
Deinen Namen
Ewig loben werden. Amen.
(a) geheiligt, weil vor Gott geschlossen. Die Ehe selbst ist im evangelischen Sinn kein Sakrament und selbst nicht heilig
(b) Schläge
(c) Stock, auf dem der zu spinnende Flachs aufgewunden ist
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Autor: Paul Gerhardt
Melodie: Wie schön leuchtet der Morgenstern
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Coburgisches (evangelisches) Gesangbuch
Druck und Verlag Johann Carl Findeisen
Coburg, 1763
Liednummer 659
Thema: Trauung, Ehe, Beruf und Hausstand
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Paul Gerhardt, (* 12. März 1607 in Gräfenhainichen/Kurfürstentum Sachsen, † 27. Mai 1676 in in Lübben im Spreewald), war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und nach Martin Luther der bekannteste Lieddichter der evangelischen Kirche in Deutschland. Gerhardt immatrikulierte sich nach dem Besuch der Fürstenschule in Grimma 1628 an der Universität Wittenberg, wo er bedeutende Lehrer der lutherischen Orthodoxie fand. Er wirkte nach dem Studium zunächst als Hauslehrer in Wittenberg und Berlin und wurde 1651 zum evangelisch-lutherischer Propst in Mittenwalde in der Mark Brandenburg berufen. Ab dem Jahr 1657 war er dann Pfarrer an der Kirche St. Nikolai in Berlin, wo seit 1622 Johann Crüger als Kantor wirkte. Dieser hatte 1640 erstmals das berühmte Gesangbuch 'Praxis Pietatis Melica – Das ist Übung der Gottseligkeit in christlichen und trostreichen Gesängen' herausgegeben und nahm in die Folgeauflagen Lieder von Gerhardt auf. Zwischen ihm und Gerhardt entstand eine langjährige freundschaftliche und gedeihliche Zusammenarbeit; Crüger schrieb viele Melodien zu Gerhardts Lieder. Im Jahr 1667 wurde Gerhardt seines Amtes enthoben, weil er - als überzeugter Lutheraner - dem 1664 erlassenen Toleranzedikt des reformierten Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) nicht zustimmen konnte, das jede Polemik gegen die evangelisch-reformierte Kirche verbot und damit nach lutherischer Meinung die Verbindlichkeit der Konkordienformel in Frage stellte. Im Jahr 1669 wurde er Archidiakonus in Lübben im Spreewald, wo er 1676 starb. 1667 erschien unter dem Titel 'Geistliche Andachten' die erste Gesamtausgabe der Lieder Gerhardts. Herausgeber war Johann Georg Ebeling, der als neuer Kantor an der Nikolaikirche der Nachfolger Johann Crügers war und der ebenfalls mehrere Lieder Gerhardts vertont hatte. Die etwa 130 Lieder Gerhardts bezeugen vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) persönliches Gottvertrauen und christliche Heilserfahrung und sind darüber hinaus von außergewöhnlicher literarischer Qualität und ungekünsteltem Bildreichtum, was ihre bedeutende Wirkung in der evangelischen Kirche und die bis heute anhaltende Verbreitung. Im Evangelischen Gesangbuch (EG) von 1993 stehen 26 seiner Lieder.
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