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Mach meinen Mut beherzt und fest
Photo: Während des Rosenfestes in Eltville, Rheingau
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Ach Vater, du versuchest uns
1.) Ach Vater, du versuchest uns
Nicht über das Vermögen,
Du kennst die Schwachheit unsers Tuns
Und willst uns Kraft beilegen.
Du wollst aus heiligem Gericht
Mich und auch andre Christen nicht
In die Versuchung führen.
2.) Lass zwischen Sünd' und Lastern mich
Der Tugend Mittel treffen.
O Gott, wie leicht betrügt man sich,
Wie kann ein Schein uns äffen.
Lass mich die Demut ohne Scheu,
Doch aber ohne Heuchelei
Und Hochmut still ausüben.
3.) In Freuden lass den heitern Sinn
Zu keinem Leichtsinn werden.
Bewahre, was ich tu und bin,
Wort, Werke und Gebärden.
Lass mich nicht mürrisch, frech und hart,
Doch auch nicht zaghaft und zu zart
Bei meinem Trauern werden.
4.) Lass mir mein Auge licht und rein,
Die Glieder keusch und züchtig,
Den Umgang hold und ehrbar sein,
Die Reden recht und richtig.
Den Glauben mannhaft, klug und frei,
Die Liebe ehrbar, redlich, treu,
Die Hoffnung froh und tapfer.
5.) Mach meinen Mut beherzt und fest,
Dass er sich Ziel und Schranken
Durch keine Lust verrücken lässt,
Durch sündliche Gedanken,
Durch Hass, Begierde, Furcht und Pein
Und sollt es selbst der Teufel sein
Mit seiner List und Lügen.
6.) O Jesu, lass mir deinen Tod
Die Fleischeslüste töten.
Und lass ob deiner Kreuzesnot
Mich, eh' ich fall, erröten.
Dein Kreuz sei dem geprüften Geist,
Weil er sonst keinen Trost mehr weiß,
Zur Kraft, zum Trost und Leben.
7.) Wenn Teufel, Hölle, Tod und Welt
Und Sünde, eh' ich's merke,
Mir tausendfache Netze stellt,
So gib mir Sieg und Stärke.
Führ' mich, versuchter Jesu Christ,
Du kannst, weil du allmächtig bist,
Den Satan untertreten.
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Text: Philipp Friedrich Hiller
Melodie: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
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gefunden in:
Sammlung der vorzüglichsten Lieder
für Kirche, Schule und Haus
verlegt bei Samuel Elsner, Berlin, 1832
Liednummer 64 - Versuchung
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Philipp Friedrich Hiller, geboren am 6.01.1699 in Mühlhausen an der Enz, heute ein Stadtteil von Mühlacker, evangelischer Pfarrer und ein bedeutender Kirchenlieddichter des württembergischen Pietismus,† 24.04.1769 in Steinheim am Albuch. Hiller wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter heiratete 1706 den Bürgermeister von Vaihingen an der Enz, der ihm ein guter Stiefvater war. Ab dem 14. Lebensjahr besuchte Hiller die Klosterschule in Denkendorf. Hier gewann der Klosterpräzeptor Johann Albrecht Bengel entscheidenden Einfluss auf Hiller. Ab 1716 besuchte er die Klosterschule in Maulbronn, ab 1719 das Theologische Stift in Tübingen.
Im Anschluss an seine Studien wurde Hiller 1724 Pfarrgehilfe in Brettach. Nach drei Jahren kehrte er zu seinen Eltern in Vaihingen zurück. Hier unterrichtete er seinen Bruder und vertrat benachbarte Pfarrer. Anschließend war er eine Zeitlang in Schwaigern Vikar, bevor er 1729 als Hauslehrer nach Nürnberg ging, wo er von 1729 bis 1731 weilte.
Ende 1731 ging Hiller als Vikar nach Hessigheim am Neckar. Die dortige Pfarrerstochter wurde 1732 seine Frau. Von 1732 bis 1736 war er Pfarrer in Neckargröningen bei Ludwigsburg, anschließend in Mühlhausen an der Enz und ab 1748 in Steinheim am Albuch bei Heidenheim. Wegen des geringen Gehaltes und mancherlei Krankheiten innerhalb seiner Familie hatte er große Sorgen um das tägliche Brot. 1751 erkrankte er selbst an einem Halsleiden. Trotz ärztlicher Bemühungen drohte er die Stimme zu verlieren. Wegen der andauernden Heiserkeit musste er die Predigertätigkeit aufgeben. Er behielt sein Amt bei, kümmerte sich um die Seelsorge. Den öffentlichen Dienst versah ein Vikar.
Durch seine Krankheit hatte er mehr Zeit für das Bibelstudium und seine dichterischen Arbeiten. Bis heute ist er in Württemberg der beliebteste Liederdichter. Er hatte 1073 Lieder gedichtet. Als sein Meisterstück zählt das am 28. August 1755 über Epheser Kapitel 1, Vers 21 und 22 gedichtete Lied 'von dem großen Erlöser': 'Jesus Christus herrscht als König' (EKG 123).
Mach meinen Mut beherzt und fest
Photo: Während des Rosenfestes in Eltville, Rheingau
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Ach Vater, du versuchest uns
1.) Ach Vater, du versuchest uns
Nicht über das Vermögen,
Du kennst die Schwachheit unsers Tuns
Und willst uns Kraft beilegen.
Du wollst aus heiligem Gericht
Mich und auch andre Christen nicht
In die Versuchung führen.
2.) Lass zwischen Sünd' und Lastern mich
Der Tugend Mittel treffen.
O Gott, wie leicht betrügt man sich,
Wie kann ein Schein uns äffen.
Lass mich die Demut ohne Scheu,
Doch aber ohne Heuchelei
Und Hochmut still ausüben.
3.) In Freuden lass den heitern Sinn
Zu keinem Leichtsinn werden.
Bewahre, was ich tu und bin,
Wort, Werke und Gebärden.
Lass mich nicht mürrisch, frech und hart,
Doch auch nicht zaghaft und zu zart
Bei meinem Trauern werden.
4.) Lass mir mein Auge licht und rein,
Die Glieder keusch und züchtig,
Den Umgang hold und ehrbar sein,
Die Reden recht und richtig.
Den Glauben mannhaft, klug und frei,
Die Liebe ehrbar, redlich, treu,
Die Hoffnung froh und tapfer.
5.) Mach meinen Mut beherzt und fest,
Dass er sich Ziel und Schranken
Durch keine Lust verrücken lässt,
Durch sündliche Gedanken,
Durch Hass, Begierde, Furcht und Pein
Und sollt es selbst der Teufel sein
Mit seiner List und Lügen.
6.) O Jesu, lass mir deinen Tod
Die Fleischeslüste töten.
Und lass ob deiner Kreuzesnot
Mich, eh' ich fall, erröten.
Dein Kreuz sei dem geprüften Geist,
Weil er sonst keinen Trost mehr weiß,
Zur Kraft, zum Trost und Leben.
7.) Wenn Teufel, Hölle, Tod und Welt
Und Sünde, eh' ich's merke,
Mir tausendfache Netze stellt,
So gib mir Sieg und Stärke.
Führ' mich, versuchter Jesu Christ,
Du kannst, weil du allmächtig bist,
Den Satan untertreten.
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Text: Philipp Friedrich Hiller
Melodie: Aus tiefer Not schrei ich zu dir
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gefunden in:
Sammlung der vorzüglichsten Lieder
für Kirche, Schule und Haus
verlegt bei Samuel Elsner, Berlin, 1832
Liednummer 64 - Versuchung
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Philipp Friedrich Hiller, geboren am 6.01.1699 in Mühlhausen an der Enz, heute ein Stadtteil von Mühlacker, evangelischer Pfarrer und ein bedeutender Kirchenlieddichter des württembergischen Pietismus,† 24.04.1769 in Steinheim am Albuch. Hiller wurde als Sohn eines Pfarrers geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb sein Vater. Seine Mutter heiratete 1706 den Bürgermeister von Vaihingen an der Enz, der ihm ein guter Stiefvater war. Ab dem 14. Lebensjahr besuchte Hiller die Klosterschule in Denkendorf. Hier gewann der Klosterpräzeptor Johann Albrecht Bengel entscheidenden Einfluss auf Hiller. Ab 1716 besuchte er die Klosterschule in Maulbronn, ab 1719 das Theologische Stift in Tübingen.
Im Anschluss an seine Studien wurde Hiller 1724 Pfarrgehilfe in Brettach. Nach drei Jahren kehrte er zu seinen Eltern in Vaihingen zurück. Hier unterrichtete er seinen Bruder und vertrat benachbarte Pfarrer. Anschließend war er eine Zeitlang in Schwaigern Vikar, bevor er 1729 als Hauslehrer nach Nürnberg ging, wo er von 1729 bis 1731 weilte.
Ende 1731 ging Hiller als Vikar nach Hessigheim am Neckar. Die dortige Pfarrerstochter wurde 1732 seine Frau. Von 1732 bis 1736 war er Pfarrer in Neckargröningen bei Ludwigsburg, anschließend in Mühlhausen an der Enz und ab 1748 in Steinheim am Albuch bei Heidenheim. Wegen des geringen Gehaltes und mancherlei Krankheiten innerhalb seiner Familie hatte er große Sorgen um das tägliche Brot. 1751 erkrankte er selbst an einem Halsleiden. Trotz ärztlicher Bemühungen drohte er die Stimme zu verlieren. Wegen der andauernden Heiserkeit musste er die Predigertätigkeit aufgeben. Er behielt sein Amt bei, kümmerte sich um die Seelsorge. Den öffentlichen Dienst versah ein Vikar.
Durch seine Krankheit hatte er mehr Zeit für das Bibelstudium und seine dichterischen Arbeiten. Bis heute ist er in Württemberg der beliebteste Liederdichter. Er hatte 1073 Lieder gedichtet. Als sein Meisterstück zählt das am 28. August 1755 über Epheser Kapitel 1, Vers 21 und 22 gedichtete Lied 'von dem großen Erlöser': 'Jesus Christus herrscht als König' (EKG 123).