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O unerforschlich-tiefes Wesen

O unerforschlich-tiefes Wesen

 

1.) O unerforschlich-tiefes Wesen,

Das ihr die Gottheit auserlesen.

Drei sollen eines sein?

Wer mag dies Wundermeer ergründen

Und bei Vernunft Erlärung finden,

Wie doch sei dieser Gnadenschein?

 

2.) Hier muss der Glaube dies bloß fassen,

Und sich auf Gottes Wort verlassen,

So solch Geheimnis uns entdeckt.

Der will ein lieber Vater heißen

Und mich aus allem Elend reißen,

Der Geist, Leib, Seel' und Sinnen schreckt.

 

3.) Sein Sohn will mein Erlöser werden,

Dass er mich von den Sünd-Beschwerden,

Ja, schwerer Höllenpein befrei.

Und dessen Geist soll Tröstung geben

In allem Kreuz und Kummerleben,

Zum Zeugnis, dass ich Gottes sei.

 

4.) O wundervolle Himmelsgüte!

Gott zeiget heut' sein Gunstgemüte,

Wie ihn nach unserm Heil verlangt!

Uns will er hier zu Kindern haben,

Dass er uns ewig möge laben

Im Himmelreich, wo Wonne prangt.

 

5.) Gib, werter Gott, dass ich von Sünden

Mich mög zu wahrer Buße finden,

Und dein sein, wie du meine bist.

Lass mich hier deine Lieb' erkennen,

Dich Gott, mich dein Geschöpfe nennen,

Das da erlöst hat Jesus Christ.

 

6.) Und lass mich deinen Geist regieren,

Ja, zu der Tugendbahn aufführen,

Weil du mit mir dich hast vermählt,

Dass ich nicht meinen Taufbund trenne,

Noch selber ins Verderben renne,

Und flecke dies, was du erwählt.

 

7.) Hilf mir nur stetig dies erwägen,

Dass in dem Taufstein Heil und Segen

Auf meine Seel' geflossen war.

Und dass mein Nam' sei eingeschrieben

Im Himmel, wo Gott ewig lieben

Die Frommen in verknüpfter Schar.

 

8.) So wird mich Sünd' und Tod nicht schrecken,

Noch Satan mit der Angst bedecken,

Ich weiß, dass ich des Herren bin,

Gott ist mein Trost, mein Freund, mein Leben,

Der wird mich hier mit Heil umgeben,

Und Seligkeit wird mein Gewinn.

 

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Autor: Johann Christoph Männling

Melodie: ohne Angaben

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Joh. Christoph Männlings

Poetischer Blumen-Garten

Oder: Teutsche Gedichte

Verlag Johann Georg Bleßing

Breßlau, 1717

Thema: Trinitatis

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Johann Christoph Männling (* 14. Oktober 1658 in Wabnitz bei Oels in Schlesien im Herzogtum Oels; † 4. Juli 1723 in Stargard/Pommern) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer und Dichter. Er besuchte Schule und Gymnasium in Breslau und immatrikulierte sich anschließend an der dortigen Universität, um Theologie zu studieren. Nachdem er an die Universität in Wittenberg gewechselt hatte, schloss er das Studium mit dem Magistergrad ab. Im Jahr 1685 veröffentlichte er eine Poetik unter dem Titel 'Europäischer Parnassus'. Im Jahr 1688 wurde er als Pfarrer nach Creutzburg in Schlesien berufen, von wo er zwölf Jahre später wegen der Protestantenverfolgungen nach Stargard fliehen musste. Dort erhielt er im Jahr 1700 eine Anstellung als Diakon (Zweiter Pfarrer) an der Johanniskirche, woran sich eine bis zu seinem Tod währende Tätigkeit als Hauptpfarrer an der Kirche St. Augustin und als Garnisonprediger anschloss. Männling war Zeit seines Lebens auch als Dichter tätig, wobei ein großer Teil der überlieferten Werke aus Nachdichtungen besteht. 160 seiner geistlichen Lieder erschienen im Jahr 1717 unter dem Titel 'Poetischer Blumen-Garten'; ein weiteres, 1694 verlegtes, Werk heißt 'Geistliche Sabbaths-Stunden'. Ein Großteil von Männlings sonstigen Schriften gilt als verschollen, darunter auch seine wahrscheinlich nie gedruckten Stargarder Schul-Dramen.

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Uploaded on June 17, 2019
Taken on July 5, 2014