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Es steht der Himmel offen

Photo: Häuserschlucht in San Gimignano, 2005

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Das neunte erbauliche Seelen-Lied

 

1.) Ich weiß, o mein Herr Jesu Christ,

Dass, weil ich leb auf Erden,

Das Kreuz mit mir verknüpfet ist

Und ich versucht muss werden.

Bald plagt mich Krieg, bald Hungersnot,

Bald Krankheit schier bis auf den Tod,

Bald muss ich unrecht leiden.

Der Lügner lässt mir keine Ruh,

Er setzt mir oft so grimmig zu,

Dass ich wünsch' ab zu scheiden.

 

2.) Ich bin geplagt bei Tag und Nacht,

Ich muss voll Angst hier wallen.

Des Satans Zorn und große Macht

Beschweret mich vor allen.

Die Sünde macht mir gar zu bang,

Es währt das Kreuz auch viel zu lang,

Ich fürcht, ich muss verzagen.

Wo soll ich hin, ich armes Kind,

Im Fall ich kein Errettung find?

Herr, höre doch mein Klagen!

 

3.) Mein Seelichen, ermuntre dich,

Hör' einmal auf zu schreien.

Dein Gott, der zürnt nicht ewiglich,

Er will dich bald befreien.

Was ist doch unser Lebensgang?

Ein Augenblick, ja kaum so lang.

Es ist sehr bald geschehen,

Dass wir nach dieser kurzen Zeit

In übergroßer Herrlichkeit

Den Herren Jesum sehen.

 

4.) Ich seh' ihn schon dem Glauben nach.

Ei, sollt ich dann nicht hoffen,

Dass sich wird bessern meine Sach?

Es steht der Himmel offen.

Da seh ich in dem Freudenland

Und zwar zu Gottes Rechten Hand

Den Herren Jesum prangen.

Nun ist vollendet bald mein Lauf.

Mein Heiland, nimm mich gnädig auf

Und stille mein Verlangen.

 

5.) Was acht ich Trübsal, Angst und Pein?

Was frag ich nach den Schmerzen,

Die härter sind als Stahl und Stein,

Ja quälen Seel und Herzen?

Was soll das sein, so mich beschwert?

Dies Leiden ist ja nimmer wert

(Wie Paulus selbst bekennet)

Der großen Ehr- und Freudenzeit,

Welch in der süßen Ewigkeit

Uns Gottes Kinder nennet.

 

6.) Ich weiß, dass mein Erlöser lebt,

Drum darf ich nicht erschrecken.

Er ist der Held, der mich erhebt,

Er wird mich auferwecken

Und als sein' auserwählte Braut

Mit Adern, Sehnen, Fleisch und Haut

An jenem Tag umgeben.

Da will ich dann verkläret stehn

Und Gott mit meinen Augen sehn.

O wundersüßes Leben!

 

7.) So tobe nun, Welt, Teufel, Tod,

Lass tausend Trübsal kommen:

Mich schrecket weder Angst noch Not,

Die Furcht ist mir benommen.

Es währt doch alles Kreuz und Leid,

O Seelichen, nur kurze Zeit.

Drum darf ich das nicht scheuen.

Bald kommt die Stund', in der ich mich

- Die Welt quitierend ewiglich -

Mit Jesu werd' erfreuen.

 

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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Text: Johann Rist

Melodie: Ein Kindelein so löbelich

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gefunden in:

A. Fischer / W. Tümpel:

Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts,

Band 2, Hildesheim 1964.

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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Johann Rist (* 8. März 1607 in Ottensen (heute Stadtteil von Hamburg); † 31. August 1667 in Wedel (Holstein)) war ein deutscher Dichter, Kirchenlieddichter und evangelisch-lutherischer Prediger.

Rist war der Sohn des aus Nördlingen stammenden evangelischen Pastors in Ottensen Caspar Rist und seiner Ehefrau Margarethe Ringemuth. Nach erstem Unterricht durch den Vater besuchte Rist das Johanneum in Hamburg; später dann das Gymnasium in Bremen.

An der Universität Rinteln studierte Rist Theologie u.a. bei Johannes Gisenius und Josua Stegmann. Um 1626 wechselte er an die Universität Rostock. Nach dem Studium ging Rist nach Hamburg zu seinem Rostocker Kommilitonen Ernst Stapel. Mit diesem schrieb und publizierte er Theaterstücke und trat auch selbst als Darsteller auf.

1633 wurde Rist Hauslehrer beim Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Elisabeth Stapel, der Schwester des früh verstorbenen Freundes Ernst Stapel und des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel. Durch Hilfe des letzteren wurde er im Frühjahr 1635 zum Pastor im damals dänischen Wedel an der Unterelbe nahe Hamburg berufen. Kurz nach seinem Amtsantritt heiratete Rist seine Verlobte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei früh verstarben.

Beim Einfall der Schweden unter General Lennart Torstensson im Torstenssonkrieg, während des Dreißigjährigen Krieges, verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek. Im Zweiten Nordischen Krieg verlor Rist 1658 noch einmal alles Hab und Gut und musste mit seiner Familie nach Hamburg flüchten. Nachdem 1662 seine Frau Elisabeth gestorben war, heiratete Rist zwei Jahre später Anna Hagedorn, geb. Badenhop, die Witwe seines 1660 verstorbenen Freundes Johann Philipp Hagedorn; sie starb 1680.

Ab 1663 veröffentlichte Rist in lockerer Folge sechs Monatsgespräche, Dialoge über jeweils ein spezielles Thema: Januar – die Tinte; Februar – das Landleben, März – der Stein der Weisen, April – die Malerei, Mai – Lese- und Schreibkunst, Juni – die Todesbetrachtung. Nach Rists Tod wurden die restlichen sechs Monatsgespräche durch Erasmus Finx ergänzt. Johann Rist starb hochgeachtet am 31. August 1667 im Alter von 60 Jahren in Wedel.

Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts.

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Johann von Rist (1607-1667) was a German poet and dramatist best known for the hymns he wrote. He was born at Ottensen in Holstein (today Hamburg) on 8 March 1607; the son of the Lutheran pastor of that place, Caspar Rist. He received his early training at the Johanneum in Hamburg and the Gymnasium Illustre in Bremen; he then studied theology at the University of Rinteln. Under the influence of Josua Stegman there, his interest in hymn writing began. On leaving Rinteln, he tutored the sons of a Hamburg merchant, accompanying them to the University of Rostock, where he himself studied Hebrew, mathematics, and medicine. During his time at Rostock, the Thirty Years War almost emptied the University, and Rist himself lay there for several weeks, suffering from pestilence.

In 1633 he became tutor in the house of Landschreiber Heinrich Sager at Heide, in Holstein. Two years later (1635) he was appointed pastor of the village of Wedel on the Elbe. The same year he married Elisabeth Stapel, sister of Franz Stapel, bailiff of nearby Pinneberg. They had 5 children, of whom 2 died early; Elisabeth died 1662. In 1664 he married Anna Hagedorn, born Badenhop, widow of his friend Phillipp Hagedorn. He died in Wedel on 31 August 1667.

Rist first made his name known to the literary world by a drama, Perseus (1634), which he wrote while at Heide, and in the next succeeding years he produced a number of dramatic works of which the allegory Das friedewünschende Teutschland (1647) and Das friedejauchzende Teutschland (1653) (new ed. of both by H. M. Schletterer, 1864) are the most interesting. Rist soon became the central figure in a school of minor poets. The emperor Ferdinand III crowned him laureate in 1644, ennobled him in 1653, and invested him with the dignity of a Count Palatine, an honor which enabled him to crown, and to gain numerous poets for the Elbschwanen order ("Elbe Swan Order"), a literary and poetical society which he founded in 1660. He had already, in 1645, been admitted, under the name Daphnis aus Cimbrien, to the literary order of Pegnitz, and in 1647 he became, as Der Rüstige, a member of the Fruchtbringende Gesellschaft ("Fruitbearing Society").

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Uploaded on June 27, 2010
Taken on July 26, 2005