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Jesu, mein Erbarmer höre

Grabplatte auf dem Nordfriedhof Wiesbaden

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Jesu, mein Erbarmer höre

 

1.) Jesu, mein Erbarmer höre.

Und dich kehre

Doch in Gnaden her zu mir!

Du erkennest mein Plage,

Meine Klage

Ist ja Nacht und Tag vor dir.

 

2.) Sieh, wie ich im Finstern schwebe!

Ach, ich lebe

Wie verirrt im fremden Land.

Äußerlich in Kreuz und Schmerzen,

Und im Herzen

sind die Leiden dir bekannt.

 

3.) Schau die Bande, die mich drücken

Und verstricken,

Mache mich Gefangnen los!

Denn ich kann mich selbst vom Bösen

Nicht erlösen.

Ach, ich bin so schwach und bloß.

 

4.) Des Versuchers lose Stricke,

Sein Tücke

Auf mich Armen dringen zu,

Dass mein Herz oft gar will wanken.

In Gedanken

Lässt er mir auch keine Ruh.

 

5.) Keine Ruhe kann ich finden,

Meine Sünden,

Die mich drücken, schenke mir.

Stille mein betrübtes Sehnen

Und die Tränen,

Mache mich getrost in dir!

 

6.) Ach, mein Mut ist gar gesunken,

Keinen Funken

Find ich oft vom Glauben mehr.

Oft mein Herze wahrlich meinet,

Und es scheinet,

Dass ich ganz verstoßen wär.

 

7.) Herr, wann willst du dich erbarmen?

Lass mich Armen

Doch nicht liegen, wie ich’s wert!

Du hast mich ja selbst gezogen

Und bewogen,

Dass ich mich zu dir gekehrt.

 

8.) Du hast auch, mein Gott und König,

Mich nicht wenig

Deine Treue lassen sehn.

Bin ich gleich nicht treu geblieben,

Dich zu lieben,

Doch bleibt deine Treue stehn.

 

9.) Komm und stärke meinen Glauben,

Den zu rauben

Satan immer ist bedacht.

Hilf mir, dass ich im Vertrauen

Möge schauen

Auf dich auch in finstrer Nacht!

 

10.) Segne kräftig meine Leiden,

Mich zu scheiden

Mehr von Sünd und Eigenheit,

Mehr und inniger ergeben

Dir zu leben

Stets in wahrer Heiligkeit!

 

11.) Gib Geduld, dass ich gelassen

Mög umfassen

Meine Leiden sanft und still.

Lass sich beugen alles Harte,

Dass ich warte,

Wie und wann der Herr es will!

 

12.) Da, mein Heiland ist mein Wille,

Komm und stille

Mein gestörtes Herze dann.

Steh mir bei, so kann ich stehen,

Lass mich sehen,

Was in mir die Gnade kann!

 

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Text: Gerhard Tersteegen

Melodie: ohne Angabe

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Gerhard Tersteegen (niederdeutsch: Gerrit ter Steegen), geboren am 25. November 1697 in Moers, einer evangelischen Enklave am katholischen Niederrhein, gestorben am 3. April 1769 in Mülheim an der Ruhr, war deutscher Theologe, niederrheinischer Prediger, Seelsorger, Schriftsteller, bedeutender Kirchenlieddichter und Mystiker des reformierten Pietismus.

Zuerst Kaufmann in Mülheim/Ruhr, dann Bandwirker, um abgeschieden leben zu können. Er wurde Laientheologe und tiefgründiger Mystiker des reformierten Pietismus. Seine Lieder besingen die pilgernde Gemeinschaft der Gläubigen und die kindlich vertrauende Anbetung Gottes.

Er war ein reformierter Mystiker, der nicht nur eine umfassende theologische und allgemeine Bildung besaß, sondern auch ein reiches inneres Leben.

Durch Wort und Schrift war er vielen Menschen ein Seelsorger und sogar geistlicher Führer. Manchmal versammelten sich Hunderte, um seine Reden zu hören. Seine Ehrfurcht vor Gott spiegelt sich in vielen seiner Lieder durch die zarten und innigen Töne wieder.

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Gerhard Tersteegen (November 25, 1697 – April 3, 1769), a German Reformed religious writer, born at Moers, at that time the capital of a countship belonging to the house of Orange-Nassau (it fell to Prussia in 1702), which formed a Protestant enclave in the midst of a Catholic country.

After being educated at the gymnasium of his native town, Tersteegen was for some years apprenticed to a merchant. He soon came under the influence of Wilhelm Hoffman, a pietistic revivalist, and devoted himself to writing and public speaking, withdrawing in 1728 from all secular pursuits and giving himself entirely to religious work.

He also had a great influence on radical Pietism.

His writings include a collection of hymns (Das geistliche Blumengartlein [The spiritual flower-garden], 1729. new edition, Stuttgart, 1868), a volume of Gebete (prayers), and another of Briefe (letters), besides translations of the writings of the French mystics and of Julian of Norwich. He died in Mülheim, North Rhine-Westphalia.

He was well known for his deeply spiritual sermons in his day, and hundreds of people crowded into his home to hear him speak of the things of God. Some of his sermons have been translated into English.

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Uploaded on May 29, 2010
Taken on April 18, 2010