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O ewiger Gott, Herr Zebaoth

Photo: St. Georg besiegt den Drachen, Darstellung am Mainzer Landgericht

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O ewiger Gott, Herr Zebaoth

 

1.) O ewiger Gott, Herr Zebaoth, (a)

Sieh an, wie wir mit mancher Not

Umschränkt sein und beladen.

Des Jammers ist kein Ziel noch Maß,

Das uns jetzt trifft ohn' Unerlass:

Komm uns zu Hilf' mit Gnaden.

 

2.) Komm, Herr, und schau, wie böse Zeit

Betroffen hat uns arme Leut'.

Kein Glaub' ist mehr vorhanden.

Ein Mensch des anders Teufel ist,

Beg'waltigung (b) und arge List

Treibt man in allen Landen.

 

3.) Kein Treue noch Barmherzigkeit

Man findet mehr in dieser Zeit,

Sehr wild und wüst es stehet.

Blutstürzung (c), Kriegen, Raub und Mord

In unserm Land, vor nie erhort, (d)

In vollem Schwang jetzt gehet.

 

4.) Sie üben hier und da Gewalt

Und ängsten beides Jung und Alt,

Ja männiglich sie dringen,

Dass man muss ihnen seinen Schweiß

Herlangen, und zu ihrem Preis, -

Mit Trotzen sie's erzwingen.

 

5.) Darüber manches fromme Herz

Aus lauter Angst und großem Schmerz

Sehr bitterlich muss weinen,

Dass er muss hin ins Elend gehn,

Sein Hab und Gut von fern ansehn

Und darben mit den Seinen.

 

6.) O Jesu Christe, Gottes Sohn,

Wie kannst du doch in deinem Thron

Den Frevelern zusehen?

Steh du uns bei, du treuer Hort,

Und rett' uns doch von solchem Mord,

Sonst ist's mit uns geschehen.

 

7.) Es ist, Herr, mehr denn allzu wahr,

Dass wir allsamt die vor'gen Jahr

Das Sündenmaß erfüllet.

Es ist erfüllet übrig voll,

Dass jeder hat verdienet wohl,

Dass jetzt dein Zorn so brüllet.

 

8.) Weil aber uns die Sünde leid,

So bitten wir zur Gnadenzeit:

Ach ihrer nicht gedenke.

Wirf sie, Herr Christe, gar zurück,

Tritt nieder uns die schwere Bürd' (e)

Und deine Gnad' uns schenke.

 

9.) Wen hast du lassen unerhört,

Der sich im Glauben zu dir kehrt?

Ach, wollest dich erbarmen!

Weil nun die Not ist groß und schwer,

Herr, deine Ohren zu uns kehr',

Komm' doch und hilf uns Armen!

 

10.) Komm' uns zu Hilf' und säume nicht,

Als denen nur Gewalt geschicht, (f)

Und leiden große Schmerzen.

Ach Herr, nimm' du dich unser an,

Wie du vor Zeiten hast getan,

Tröst alle fromme Herzen.

 

11.) Ich bins gewiss und glaube frei,

Dass deine Zukunft nahe sei,

Sonst wär' es nicht so böse. (g)

Ach eile, Herr, eil zum Gericht,

Es wird doch allhier besser nicht:

Vom Übel uns erlöse!

 

(a) Zebaoth ist ein Ehrenname Gottes. Er kommt aus dem Hebräischen und bedeutet Heer oder Heerscharen.

(b) Gewaltausübung

(c) Blutvergießen

(d) wie noch nie vorher gehört

(e) am angegebenen Ort sthet 'Brück',

was aber m.E. keinen Snn ergibt

(f) alte Form von 'geschieht'

(g) Ausdruck einer Endzeitstimmung, die aus den Bedrückungen einer von Krieg gekennzeichneten Zeit Zeichen für die bevorstehende Wiederkunft Christi sieht

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Autor: Nikolaus Elerdt

Melodie: Kommt her zu mir, spricht Gottes Sohn

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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gefunden in:

Das deutsche evangelische Kirchenlied des siebzehnten Jahrhunderts

Herausgegeben von Albert Fischer (†) und Wilhelm Christian Ludwig Tümpel, Zweiter Band

Druck und Verlag C. Bertelsmann

Gütersloh, 1905

Liednummer 488

Thema: Bittgesänge, Gotteslob und -dank

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Nikolaus Elerdt (auch: Elerdus, Elerd, Elert; * 17. Oktober 1586 in Wusterhausen/Dosse; † 14. August 1637 in Berlin) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Theologe und Liederdichter.

Nikolaus Elerdt war der älteste Sohn des Pfarrers Bartholomäus Elerdt (* 1552) und einer Tochter des Hofpredigers Joachim Pasche (1527-1578). Elerdt ging 1597 auf die Schulen in Guben, Ruppin, Berlin, Brandenburg an der Havel und Zittau. 1606 immatrikulierte er sich an der Universität Wittenberg, konnte aber nicht seine Studien aus finanziellen Nöten fortsetzen und nahm 1611 eine Berufung als Rektor in Mittenwalde an. Im Jahr 1612 wurde er als Pfarrer an die Marienkirche in Berlin berufen und stieg 1632 zum Propst an der Nikolaikirche auf.

Elerdt gehört zum Kreis der lutherischen Theologen um Paul Gerhardt (1607-1676). Elerdt verfasste Gelegenheitsgedichte und geistliche Lieder, wie das Kirchenlied 'O ew'ger Gott, Herr Zebaoth', das auch Aufnahme in Johann Crügers Gesangbuch 'Praxis pietatis melica' (Übung der Gottseligkeit) von 1661 fand. Auch der Dreißigjährige Krieges hinterließ Spuren in Elerdts Lebenslauf: Als es in Berlin 1622 einen Aufstand wegen der vom Krieg ausgelösten Teuerung gab und die Häuser angesehener Kaufleuten gestürmt wurden, beruhigte er das Volk mit seiner Predigt 'Annonae charitas Marchia oder teure Zeit der Hungersnot'.

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Uploaded on August 8, 2018
Taken on June 19, 2016