amras_de
Sei, gewünschte Nacht, gegrüßet
Photo: evangelische Nikolai-Kirche, Frankfurt/Main
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Taue, doch, o Himmel, taue
1.) Taue, doch, o Himmel, taue,
Brecht ihr Wolken, regnet her!
Dass man den Gerechten schaue,
Dessen nun nicht ohn' Beschwer
Die betrübte Welt so lange
Harret, sehnsuchtsvoll und bange.
2.) Ja es träufelt, ja es tauet,
Der gesunde Regen fällt.
Schauet hin, ihr Menschen, schauet,
Dort, dort liegt das Heil der Welt.
Dies Kind ist der Tau, der Regen,
Der die Erde soll bewegen.
3.) Däucht michs oder ist's im Wesen?
Wie das Land schön weit und breit
Von der Unart ist genesen,
Durch die fromme Feuchtigkeit.
Wie dass Täler, Feld und Höhen
Schon in schönerm Schmucke gehen?
4.) Sei, gewünschte Nacht, gegrüßet,
Da der keusche Jungfraunmund
Einen jungen Sohn geküsset,
Eh sie ihn recht sehen kunnt.
Einen Sohn, den sie mit Rechte
Doch wohl Vater heißen möchte.
5.) Flieg, gemahlter West, und streue
Aus dem Blumen-Himmel Klee,
Dass die Luft Narzissen speie,
Lilien für den weißen Schnee,
Dass das Kind, als in der Wiege
Und in hellen Windeln liege.
6.) Ihr, die eingestallten Tiere,
Haucht ihm warmen Atem zu,
Dass es keine Kälte rühre.
Stört es nicht aus seiner Ruh.
Jungfrau Mutter, denk indessen,
Dass du Amme bist, und wessen!
7.) O, ihr hochgelobten Krippen,
Unsers Heilands Schirm und Rast,
Und, o Stall, dass du nicht Lippen,
Dass du doch nicht Zungen hast!
Dass du selber könntest singen
Von den wundersamen Dingen.
8.) Kleiner Gast, doch auch zugleiche
Großer Wirt der weiten Welt,
Gib doch künftig unserm Reiche,
Dass es sich zufrieden stellt,
Dass doch mit dem alten Jahre
Hin auch alle Plage fahre.
9.) Segne künftig unsre Linden,
Unsre halberstorbne Stadt,
Dass sich möge wiederfinden,
Was der Krieg verderbet hat.
Reinige die faulen Lüfte,
Die so schwanger sind von Gifte!
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Text: Paul Fleming
mögl. Melodie: Tut mir auf die schöne Pforte
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Gefunden in:
Paul Flemings erlesene Gedichte
Herausgeben von Gustav Schwab
Stuttgart und Tübingen, 1820
J. G. Cotta'sche Buchhandlung
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Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.
Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.
Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.
Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.
In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.
David Pohle (1624-1695) vertonte 12 Arien auf Texte aus Flemings 5. Odenbuch.
Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648), der große Teile Deutschlands verwüstete und entvölkerte beweisen seine Lieder und Oden unverbrüchliche Glaubensgewissheit und große Bewunderung für den schwedischen König Gustav II. Adolf, der auf Seiten der evangelischen Länder und Reichstädte kämpfte.
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Paul Fleming (October 5, 1609 – April 2, 1640) was a German poet. He was born Hartenstein, in Vogtland, Saxony, and received first medical training at the University of Leipzig and his medical doctorate at Hamburg.
Fleming was engaged with Adam Olearius in embassies in Russia and Persia. He settled in Hamburg in 1639, but died the following year. As a lyricist he stood in the front rank of German poets.
Sei, gewünschte Nacht, gegrüßet
Photo: evangelische Nikolai-Kirche, Frankfurt/Main
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Taue, doch, o Himmel, taue
1.) Taue, doch, o Himmel, taue,
Brecht ihr Wolken, regnet her!
Dass man den Gerechten schaue,
Dessen nun nicht ohn' Beschwer
Die betrübte Welt so lange
Harret, sehnsuchtsvoll und bange.
2.) Ja es träufelt, ja es tauet,
Der gesunde Regen fällt.
Schauet hin, ihr Menschen, schauet,
Dort, dort liegt das Heil der Welt.
Dies Kind ist der Tau, der Regen,
Der die Erde soll bewegen.
3.) Däucht michs oder ist's im Wesen?
Wie das Land schön weit und breit
Von der Unart ist genesen,
Durch die fromme Feuchtigkeit.
Wie dass Täler, Feld und Höhen
Schon in schönerm Schmucke gehen?
4.) Sei, gewünschte Nacht, gegrüßet,
Da der keusche Jungfraunmund
Einen jungen Sohn geküsset,
Eh sie ihn recht sehen kunnt.
Einen Sohn, den sie mit Rechte
Doch wohl Vater heißen möchte.
5.) Flieg, gemahlter West, und streue
Aus dem Blumen-Himmel Klee,
Dass die Luft Narzissen speie,
Lilien für den weißen Schnee,
Dass das Kind, als in der Wiege
Und in hellen Windeln liege.
6.) Ihr, die eingestallten Tiere,
Haucht ihm warmen Atem zu,
Dass es keine Kälte rühre.
Stört es nicht aus seiner Ruh.
Jungfrau Mutter, denk indessen,
Dass du Amme bist, und wessen!
7.) O, ihr hochgelobten Krippen,
Unsers Heilands Schirm und Rast,
Und, o Stall, dass du nicht Lippen,
Dass du doch nicht Zungen hast!
Dass du selber könntest singen
Von den wundersamen Dingen.
8.) Kleiner Gast, doch auch zugleiche
Großer Wirt der weiten Welt,
Gib doch künftig unserm Reiche,
Dass es sich zufrieden stellt,
Dass doch mit dem alten Jahre
Hin auch alle Plage fahre.
9.) Segne künftig unsre Linden,
Unsre halberstorbne Stadt,
Dass sich möge wiederfinden,
Was der Krieg verderbet hat.
Reinige die faulen Lüfte,
Die so schwanger sind von Gifte!
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Text: Paul Fleming
mögl. Melodie: Tut mir auf die schöne Pforte
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Gefunden in:
Paul Flemings erlesene Gedichte
Herausgeben von Gustav Schwab
Stuttgart und Tübingen, 1820
J. G. Cotta'sche Buchhandlung
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Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.
Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.
Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.
Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.
In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.
David Pohle (1624-1695) vertonte 12 Arien auf Texte aus Flemings 5. Odenbuch.
Vor dem Hintergrund des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648), der große Teile Deutschlands verwüstete und entvölkerte beweisen seine Lieder und Oden unverbrüchliche Glaubensgewissheit und große Bewunderung für den schwedischen König Gustav II. Adolf, der auf Seiten der evangelischen Länder und Reichstädte kämpfte.
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Paul Fleming (October 5, 1609 – April 2, 1640) was a German poet. He was born Hartenstein, in Vogtland, Saxony, and received first medical training at the University of Leipzig and his medical doctorate at Hamburg.
Fleming was engaged with Adam Olearius in embassies in Russia and Persia. He settled in Hamburg in 1639, but died the following year. As a lyricist he stood in the front rank of German poets.