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Nimm mich nur, gib dich mir

Ich lebe

 

Andacht

 

1.) Ich lebe. Doch nicht ich,

Derselbe lebt in mir,

Der mir durch seinen Tod

Das Leben bringt herfür.

 

2.) Mein Leben war sein Tod

Sein Tod war mir mein Leben.

Nur geb’ ich wieder Ihm

Was Er mir hat gegeben.

 

3.) Er lebt durch meinen Tod.

Mir sterb ich täglich ab.

Der Leib, mein irdnes Teil,

Der ist der Seelen Grab.

 

4.) Er lebt nur auf den Schein.

Wer ewig nicht will sterben,

Der muss hier in der Zeit

Verwesen und verderben,

 

5.) Weil (a) er noch sterben kann.

Der Tod, der geistlich heißt,

Der ist als denn zu spat

Wann uns sein Freund hinreißt,

 

6.) Der unsern Leib bringt um.

Herr, gib mir die Genade,

Dass dieses Leibes-Brauch

Nicht meiner Seelen schade.

 

7.) Mein Alles und mein Nichts

Mein Leben, meinen Tod,

Das hab ich bei mir selbst.

Hilfst du, so hats nicht Not.

 

8.) Ich will, ich mag, ich soll,

Ich kann mir selbst nicht raten,

Dich will ichs lassen tun.

Du hast bei dir die Taten.

 

9.) Die Wünsche tu ich nur.

Ich lasse mich ganz Dir.

Ich will nicht meine sein.

Nimm mich nur, gib Dich mir.

 

(a) solange

 

Paul Fleming (* 5. Oktober 1609 in Hartenstein, Sachsen; † 2. April 1640 in Hamburg) war ein deutscher Arzt und Schriftsteller. Paul Fleming gilt als einer der bedeutendsten Lyriker des deutschen Barock.

 

Fleming war der Sohn des Stadtpastors Abraham Fleming von Hartenstein. Von seinem Vater erhielt er den ersten Unterricht. Anschließend besuchte er zunächst die Schule in Mittweida, doch schon im Alter von 14 Jahren wurde er 1623 von Johann Hermann Schein in die Leipziger Thomasschule aufgenommen. 1628 immatrikulierte er sich an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und schloss das Studium 1633 mit dem Magistergrad ab. 1629 schloss er mit seinem Studienkameraden Georg Gloger (1603-1631) Bekanntschaft, mit dem er bis zu dessen Tod freundschaftlich verbunden blieb. Gloger wies Fleming auf das Buch von der Deutschen Poeterey von Martin Opitz hin. Opitz wurde zum Leitstern für Fleming.

 

Auf Einladung von Adam Olearius ging Fleming 1633 nach Holstein, wo Herzog Friedrich von Holstein-Gottorf ihn engagierte, als Hofjunker und Arzt seine Gesandtschaft nach Russland zu begleiten. Anfang August 1634 erreichte die Reisegruppe die russische Hauptstadt Moskau. Ein Teil der Gesandtschaft kehrte im April 1635 nach Gottorp zurück, während Fleming mit dem Rest in Reval verweilte.

 

Im Oktober des gleichen Jahres reiste Fleming mit der Gesandtschaft des Herzogs von Gottorf nach Persien. Im August 1637 erreichten sie Isfahan und blieben dort bis 1639. Schon auf der Rückreise aus Russland 1635 lernte er in Reval (heute Tallinn) die drei Töchter der Kaufmannsfamilie Niehusen kennen. In seinem Gedicht an Elsabe Niehusen 'Ein getreues Hertze wissen' betonte er den Wert der Treue für die menschliche Selbstbehauptung. 1639 verlobte sich Fleming mit Anna Niehusen, der jüngeren Schwester Elsabes, nachdem Elsabe im Juni 1637 einen anderen geheiratet hatte.

 

In Verfolgung seiner beruflichen Karriere erwarb Fleming 1640 an der Universität Leiden die medizinische Doktorwürde und beabsichtigte, nach Reval zu gehen, um sich dort als Arzt niederzulassen. Doch unterwegs starb Paul Fleming im Alter von 30 Jahren in Hamburg an einer Lungenentzündung. Er wurde in der Hauptkirche St. Katharinen bestattet, wo sich sein Grabstein bis heute erhalten hat.

 

David Pohle (1624-1695) vertonte 12 Arien auf Texte aus Flemings 5. Odenbuch.

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Uploaded on January 13, 2010
Taken on December 26, 2008