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O schönes Licht, o Gnadenschein!

Photo: Winterfeld bei Calw, Württemberg

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O schönes Licht, o Gnadenschein

 

1.) O schönes Licht, o Gnadenschein!

Die Nacht wird mir zu Tage!

Wer wollte denn nun traurig sein?

Weg alle Furcht und Plage!

Es gehet Jakobs Stern mir auf

Und will durch seinen hellen Lauf

Durch alle Wolken dringen.

Mein Geist, der dieses Wunder sieht,

Soll ein erfreutes Morgenlied

Bei Jesu Krippe singen.

 

2.) Brich an, du Aufgang aus der Höh!

Die Gnad ist nun erschienen.

Schau, wie ich dir entgegen geh,

Da deine Cherubinen

Mit lauter Jauchzen um dich stehn

Und durch das lieblichste Getön

Die ganze Welt erfüllen.

Mein Gloria stimmt auch mit ein

Und sollt es nur gleich Lallen sein,

Doch nimm damit vorwillen.

 

3.) Lass auch nur deinen Gnadenschein

Bei mir so heilsam werden.

Kein Mensch soll ausgeschlossen sein

Auf dieser ganzen Erden.

Du bist der Juden Licht und Heil

Und auch der Heiden Trost und Teil,

Ein Heiland aller Sünder.

So werden, die nur gläubig sind,

Durch dich, du Gott und Menschenkind,

Des Allerhöchsten Kinder.

 

4.) Doch soll ich deiner Menschheit Frucht

Recht heilsamlich genießen,

So werd ich mich auch deiner Zucht

Stets unterwerfen müssen.

Du bindest denen Bürden ein,

Die nur gezogne Kinder sein,

Die Rute liegt daneben.

Dass mein Freude nicht zerrinnt,

So lass mich als dein frommes Kind

Nach deinem Willen leben.

 

5.) Du Gott wirst Mensch, so gib, dass ich

Ungöttlichs Wesen meide

Und mich hinfort beständiglich

Von allen Lüsten scheide.

Wer diese Welt verleugnen kann,

Der ist dein rechter Untertan.

Hilf, dass ich danach strebe,

Weil ich von göttlichem Geschlecht,

Dass ich auch züchtig und gerecht

In meinem Wandel lebe.

 

6.) Du kommst auf Erden, dass du mich

In deinen Himmel leitest.

So wart ich denn getrost auf dich,

Bis du den Thron beschreitest.

Ich bin in Hoffnung selig schon,

Denn du, des großen Gottes Sohn,

Wirst dermaleinst erscheinen,

Nicht arm und bloß wie in der Zeit,

Vielmehr in großer Herrlichkeit,

Die erben auch die Deinen.

 

7.) Du hast, o teurer Heiland, hier

Dich selbst für uns gegeben.

So lasse mich auch künftig dir

Nur ganz zu eigen leben.

Von aller Ungerechtigkeit

Hat dein Erlösen mich befreit,

Dafür will ich dich preisen

Und mich hinfort zu deinem Ruhm

Als dein erkauftes Eigentum

In guten Werken weisen.

 

8.) Dir, reines Kind, kann auch allein

Ein reines Volk nur dienen.

So mache mein Gewissen rein,

Lass mich im Guten grünen,

Und weil du mich so herzlich liebst,

Dass du dich mir zu eigen gibst,

Dich auch von Herzen meinen.

Da du in Gnaden hier erscheinst,

So wirst du mir auch dermaleinst

Im Zorne nicht erscheinen.

 

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Text: Benjamin Schmolck

Melodie: Der Tag, der ist so freudenreich

Kapitel: Weihnachten

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gefunden in: Benjamin Schmolcks

Lieder und Gebete, eine Auswahl

Herausgegeben von Ludwig Grote

Leipzig, 1860

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Benjamin Schmolck, geb. 21.12.1672 in Brauchitschdorf (Schlesien), evangelischer Pfarrer in Schweidnitz/Swidnica (heute Polen), bekannt als Erbauungsschriftsteller, zuletzt gelähmt und erblindet; gest. 12.02.1737 in Schweidnitz.

Er wurde 1702 Pfarrer an der Friedenskirche in Schweidnitz, einer der nach dem westfälischen Frieden nur drei verbliebenen evangelischen Kirchen in Schlesien.

Dort war sein Wirken vor allem vom Kampf gegen die Gegenreformation gekennzeichnet. Er dichtete etwa 1200 Lieder, die in 20 Sammlungen herausgegeben wurden, und verfasste zahlreiche Erbauungs- und Gebetbücher. Beeinflusst durch den Pietismus war er ein herausragender und bekannter Kirchenlieddichter von ungewöhnlicher Frömmigkeit, Standhaftigkeit und ausgeprägter Christusliebe.

Das Evangelische Gesangbuch enthält heute fünf seiner Lieder, darunter 'Jesus soll die Losung sein' (EG 62), 'Schmückt das Fest mit Maien' (EG 135) und das allseits beliebte Sonntagslied 'Tut mir auf die schöne Pforte' (EG 166).

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Benjamin Schmolck (1672-1737) was a German Lutheran composer of hymns.

He was born as a pastor's son in Brauchitschdorf (Chróstnik), Silesia on December 21, 1672. After attending the gymnasium in Liegnitz (Legnica), he studied theology at the University of Leipzig from 1693 to 1697. In 1702 he was ordained as a deacon at the Protestant Church of Peace and in 1714 as the pastor of the Church of the Holy Trinity in Schweidnitz (Swidnica), where he stayed for the rest of his life. Influenced by the pietism movement he became the most popular hymn writer of his day. His compositions include 'My Jesus as Thou Wilt' and 'A faithful friend is wandering yonder'. Schmolck died in Schweidnitz on February 12, 1737.

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Uploaded on January 5, 2010
Taken on December 28, 2009