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Wenn alle Pfeiler wanken
Photo: Säulen am Landesmuseum Wiesbaden
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Herr Jesu, du bist mein
1.) Herr Jesu, du bist mein
Im Leben und im Sterben.
Und ich verbleibe dein,
Samt allen Himmelserben,
Dir opfre ich mich auf,
Herz, Seele, Leib und Leben
Und alles, was ich bin,
Bleibt dir, mein Hort, ergeben.
2.) Zwar weicht der schwere Sinn,
Den ich hier an mir trage,
Noch oft zur Erde hin,
Wie ich dir vielmals klage.
Doch, mein Immanuel,
Reiß du mich vom Gewichte
Und dringe mich hinauf
Zu deinem Himmelslichte.
3.) Hier ist mein ganzes Herz
Mit aller seiner Liebe,
Zieh du es himmelwärts,
Durch deines Geistes Triebe.
Es steht in deiner Hand,
Sein Denken und sein Dichten
Und alles, was er tut,
Kannst du zum Himmel richten.
4.) Du bist mein höchstes Gut,
Im Himmel und auf Erden,
Auf dem mein Herz beruht
Im Leiden und Beschwerden.
Was bleibt mir außer dir?
In allen schnöden Gründen,
So weit man blicken kann,
Ist nichts, wie du, zu finden.
5.) In dieser bösen Zeit
Der angsterfüllten Tage
Ist lauter Eitelkeit,
Fast ohne Zahl und Waage.
Drum bleibt es wohl dabei:
Wer sich zum Eiteln kehret
Und sich der Welt ergibt,
Ist albern und betöret.
6.) Die Welt mag immerhin
Das, was sie hoch will achten,
In ihrem stolzen Sinn
Als einen Gott betrachten.
Und weil ich niedrig bin,
Mich für verworfen schätze,
Sich allzeit oben an
Und mich zu unterst setze.
7.) Sie mache, was sie will,
Wer will ihr das verwehren!
Ich halte Jesu still,
Dem soll mein Herz gehören.
Die Welt verbleibet Welt,
Will sie mich ferner plagen
Und neiden bis im Tod,
Ich will es willig tragen.
8.) Sie lege heimlich mir,
Wie sie den Frommen lohnet,
Die Netze vor die Tür,
Ich bin es schon gewohnet.
Sie tue mich in Bann,
Sie fluche, lästre, schände,
Sie nehme gar mein Blut
Und wasche sich die Hände.
9.) Sie tue, was sie tut
Und nicht vermag zu lassen,
Hier ist mein bisschen Blut,
Will sie dasselbe hassen,
So nehme sie das hin,
Sie kann dir, o mein Leben,
Durch ihre Raserei,
Herr Jesu, nichts vergeben.
10.) Ich bleibe doch an dir,
Nach dir will ich mich nennen,
Herr Jesu, für und für
Soll nichts von dir mich trennen.
Ich weiß und bin gewiss:
Bin ich bei dir in Gnaden,
Was kann der Satan tun?
Was kann die Welt mir schaden?
11.) Ja, Liebster, ziehe mich
Hinauf zu dir im Himmel,
Mein Herze sehnet sich
Aus diesem Weltgetümmel.
Es ächzet unverrückt
Nach jenen frohen Auen,
In der Versicherung,
Dein Antlitz da zu schauen.
12.) Hier ist kein Ruheplatz
Für Gott ergebne Sinnen,
Kein wahrer Seelenschatz
Des Himmels zu gewinnen.
Hier lebt man in Gefahr
Dort ist der Seelen Weide.
Hier ist ein Tränental,
Dort ist des Himmels Freude.
13.) Ach, stärke nur den Sinn
Und fördre die Gedanken,
Dass ich beständig bin,
Wenn alle Pfeiler wanken.
Lass meinen ganzen Mut,
Lass Wünschen und Verlangen,
O liebster Jesu, nur
An dir alleine hangen.
14.) Denn mag es alles sein,
Du bleibest meine Wonne.
Fällt gleich der Himmel ein,
Zerschmelzet Mond und Sonne,
Du bist mein Himmelreich
Und will die Welt zerkrachen,
Ich sorge nicht dafür,
Du wirst es doch wohl machen.
15.) Du, du verbleibst mein Teil
In diesem Lebenslande.
Du bist mein Schutz und Heil,
Trotz aller Todesbande.
Raubt mich der Tod dahin,
Mit dir will ich im Sterben,
Dort bei der Engelschar,
Den ganzen Himmel erben.
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Text: Cyriacus Schneegaß
Melodie: O Gott, du frommer Gott
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gefunden in:
Geistliches neuvermehrtes
Altenburgisches Gesang- und Gebetbuch,
Altenburg, 1778. Liednummer 1052
Kapitel: Von der Verschmähung der Welt
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Cyriacus Schneegaß (* 5. Oktober 1546 in Bufleben, nördlich von Gotha in Thüringen, † 1597 in Friedrichroda in Thüringen) war evangelischer Pfarrer und Kirchenlieddichter.
Schneegaß wurde 1546 in dem Dorfe Bufleben, nördlich von Gotha, geboren, er ist vermutlich aus einem bäuerlichen Geschlechte hervorgegangen, erlebte eine durch kriegerische und theologische Wirren bewegte Jugend. Der Schmalkaldische Krieg mit seinen für die thüringischen Länder bedeutsamen Folgen, wie die Belagerung und Einnahme Gothas durch den Kurfürsten August von Sachsen fallen in die Jahre seiner Kindheit und Ausbildung.
Er besuchte die Handelsschule in Gotha und darauf die Universität in Jena. Von seinen Lehrern ist der gothaische Rektor Cyriacus Lindemann hervorzuheben, der maßgeblichen Einfluss auf ihn hatte.
Nachweise über sein Leben finden sich erst wieder 1573, als er das erste geistliche Amt als fünfter evangelischer Pfarrer an der St. Blasiuskirche des Waldortes Friedrichroda aufnimmt. Gleichzeitig bekleidete er die Stelle eines Adjunkten der weimarischen Superintendentur. In diese Zeit fällt die Vermählung mit Dorothea Lindemann, der einzigen Tochter seines 1568 gestorbenen Lehrers. Sie gebar ihm acht Töchter, von denen vier im Vorwort zu seinem Buch 'Geistliche Lieder und Psalmen' erwähnt werden. Darüber hinaus sind zwei früh gestorbene Söhne bekannt.
In evangelische Gesangbücher hat vor allem das beliebte Lied 'In dir ist Freude in allem Leide' Aufnahme gefunden.
Wenn alle Pfeiler wanken
Photo: Säulen am Landesmuseum Wiesbaden
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Herr Jesu, du bist mein
1.) Herr Jesu, du bist mein
Im Leben und im Sterben.
Und ich verbleibe dein,
Samt allen Himmelserben,
Dir opfre ich mich auf,
Herz, Seele, Leib und Leben
Und alles, was ich bin,
Bleibt dir, mein Hort, ergeben.
2.) Zwar weicht der schwere Sinn,
Den ich hier an mir trage,
Noch oft zur Erde hin,
Wie ich dir vielmals klage.
Doch, mein Immanuel,
Reiß du mich vom Gewichte
Und dringe mich hinauf
Zu deinem Himmelslichte.
3.) Hier ist mein ganzes Herz
Mit aller seiner Liebe,
Zieh du es himmelwärts,
Durch deines Geistes Triebe.
Es steht in deiner Hand,
Sein Denken und sein Dichten
Und alles, was er tut,
Kannst du zum Himmel richten.
4.) Du bist mein höchstes Gut,
Im Himmel und auf Erden,
Auf dem mein Herz beruht
Im Leiden und Beschwerden.
Was bleibt mir außer dir?
In allen schnöden Gründen,
So weit man blicken kann,
Ist nichts, wie du, zu finden.
5.) In dieser bösen Zeit
Der angsterfüllten Tage
Ist lauter Eitelkeit,
Fast ohne Zahl und Waage.
Drum bleibt es wohl dabei:
Wer sich zum Eiteln kehret
Und sich der Welt ergibt,
Ist albern und betöret.
6.) Die Welt mag immerhin
Das, was sie hoch will achten,
In ihrem stolzen Sinn
Als einen Gott betrachten.
Und weil ich niedrig bin,
Mich für verworfen schätze,
Sich allzeit oben an
Und mich zu unterst setze.
7.) Sie mache, was sie will,
Wer will ihr das verwehren!
Ich halte Jesu still,
Dem soll mein Herz gehören.
Die Welt verbleibet Welt,
Will sie mich ferner plagen
Und neiden bis im Tod,
Ich will es willig tragen.
8.) Sie lege heimlich mir,
Wie sie den Frommen lohnet,
Die Netze vor die Tür,
Ich bin es schon gewohnet.
Sie tue mich in Bann,
Sie fluche, lästre, schände,
Sie nehme gar mein Blut
Und wasche sich die Hände.
9.) Sie tue, was sie tut
Und nicht vermag zu lassen,
Hier ist mein bisschen Blut,
Will sie dasselbe hassen,
So nehme sie das hin,
Sie kann dir, o mein Leben,
Durch ihre Raserei,
Herr Jesu, nichts vergeben.
10.) Ich bleibe doch an dir,
Nach dir will ich mich nennen,
Herr Jesu, für und für
Soll nichts von dir mich trennen.
Ich weiß und bin gewiss:
Bin ich bei dir in Gnaden,
Was kann der Satan tun?
Was kann die Welt mir schaden?
11.) Ja, Liebster, ziehe mich
Hinauf zu dir im Himmel,
Mein Herze sehnet sich
Aus diesem Weltgetümmel.
Es ächzet unverrückt
Nach jenen frohen Auen,
In der Versicherung,
Dein Antlitz da zu schauen.
12.) Hier ist kein Ruheplatz
Für Gott ergebne Sinnen,
Kein wahrer Seelenschatz
Des Himmels zu gewinnen.
Hier lebt man in Gefahr
Dort ist der Seelen Weide.
Hier ist ein Tränental,
Dort ist des Himmels Freude.
13.) Ach, stärke nur den Sinn
Und fördre die Gedanken,
Dass ich beständig bin,
Wenn alle Pfeiler wanken.
Lass meinen ganzen Mut,
Lass Wünschen und Verlangen,
O liebster Jesu, nur
An dir alleine hangen.
14.) Denn mag es alles sein,
Du bleibest meine Wonne.
Fällt gleich der Himmel ein,
Zerschmelzet Mond und Sonne,
Du bist mein Himmelreich
Und will die Welt zerkrachen,
Ich sorge nicht dafür,
Du wirst es doch wohl machen.
15.) Du, du verbleibst mein Teil
In diesem Lebenslande.
Du bist mein Schutz und Heil,
Trotz aller Todesbande.
Raubt mich der Tod dahin,
Mit dir will ich im Sterben,
Dort bei der Engelschar,
Den ganzen Himmel erben.
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Text: Cyriacus Schneegaß
Melodie: O Gott, du frommer Gott
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gefunden in:
Geistliches neuvermehrtes
Altenburgisches Gesang- und Gebetbuch,
Altenburg, 1778. Liednummer 1052
Kapitel: Von der Verschmähung der Welt
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Cyriacus Schneegaß (* 5. Oktober 1546 in Bufleben, nördlich von Gotha in Thüringen, † 1597 in Friedrichroda in Thüringen) war evangelischer Pfarrer und Kirchenlieddichter.
Schneegaß wurde 1546 in dem Dorfe Bufleben, nördlich von Gotha, geboren, er ist vermutlich aus einem bäuerlichen Geschlechte hervorgegangen, erlebte eine durch kriegerische und theologische Wirren bewegte Jugend. Der Schmalkaldische Krieg mit seinen für die thüringischen Länder bedeutsamen Folgen, wie die Belagerung und Einnahme Gothas durch den Kurfürsten August von Sachsen fallen in die Jahre seiner Kindheit und Ausbildung.
Er besuchte die Handelsschule in Gotha und darauf die Universität in Jena. Von seinen Lehrern ist der gothaische Rektor Cyriacus Lindemann hervorzuheben, der maßgeblichen Einfluss auf ihn hatte.
Nachweise über sein Leben finden sich erst wieder 1573, als er das erste geistliche Amt als fünfter evangelischer Pfarrer an der St. Blasiuskirche des Waldortes Friedrichroda aufnimmt. Gleichzeitig bekleidete er die Stelle eines Adjunkten der weimarischen Superintendentur. In diese Zeit fällt die Vermählung mit Dorothea Lindemann, der einzigen Tochter seines 1568 gestorbenen Lehrers. Sie gebar ihm acht Töchter, von denen vier im Vorwort zu seinem Buch 'Geistliche Lieder und Psalmen' erwähnt werden. Darüber hinaus sind zwei früh gestorbene Söhne bekannt.
In evangelische Gesangbücher hat vor allem das beliebte Lied 'In dir ist Freude in allem Leide' Aufnahme gefunden.