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Fall auf die Gemeinde nieder

Photo: Anglikanische St. Augustin-Kirche in Wiesbaden

Anglican Church of St. Augustine of Canterbury in Wiesbaden

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Fall auf die Gemeinde nieder

 

1.) Fall auf die Gemeinde nieder,

Geist, der uns mit Feuer tauft!

Alle sind wir Jesu Glieder,

All mit seinem Blut erkauft.

Füll uns mit der Andacht Glut,

Lass der Leidenschaften Flut

Nicht des Herzens Ruhe stören,

Denn wir singen Gott zu Ehren.

 

2.) Salb uns alle, lehr uns feiern

Jesu Christi Leidenszeit.

Unsern Bund mit Gott erneuern

Lehr uns, Geist der Heiligkeit!

Rein und keusch sei unser Herz,

Nicht von Eis und nicht von Erz,

Und von deinem Strahl getroffen,

Jeder frommen Rührung offen.

 

3.) Stell den Mittler neuen Bundes

Uns in seiner Schönheit vor.

Bring die Reden seines Mundes

Mächtig vor des Sünders Ohr.

Führ uns nach Gethsemane

In das Allerheiligste,

Wo des Richters Arm ihn schreckte

Und mit Schweiß und Blut bedeckte.

 

4.) Zeig uns dann den Weltgebieter

Unter seiner Mörder Schar,

Wie er duldete die Wüter

Um ihn her, wie groß er war,

Wie er falscher Zeugen Hohn,

Purpurmantel, Dornenkron',

Geißel, Schläge, Speichel, Wunden

Hocherduldend überwunden.

 

5.) Geh mit uns dem Opferlamme

Auf dem blutgen Pfade nach,

Zeig uns an des Kreuzes Stamme

Seines großen Todes Schmach.

Fließt sein Blut, sein Blut, sein Blut,

Geist des Herrn, so schaff uns Mut.

Hüll uns ein in deine Flügel

Auf dem nachtbeströmten Hügel.

 

6.) Seine letzten Worte schreibe

Uns ins Herz mit Flammenschrift!

Stärk uns, Tröster, bleibe, bleibe

Bei uns, wenn der Tod ihn trifft.

Wenn: 'Es ist vollbracht, versöhnt

Ist die Welt!' herunter tönt.

Wenn wir sehen seine bleiche,

Kalte, blutbeströmte Leiche.

 

7.) O du heilige Gemeinde,

Blick zu deinem Haupt empor,

Zum Messias, deinem Freunde,

Den zum Lamme Gott erkor!

Welche Wonn' und Seligkeit

Schafft die stille Leidenszeit!

Sie entreißt uns dem Getümmel,

Lüpft den Vorhang von dem Himmel.

 

8.) Leiden, wie der Mittler, leiden

Wollen wir, zu Gott gekehrt.

Sterben wollen wir mit Freuden,

Weil sein Tod uns sterben lehrt.

Sehen werden wir dann ihn,

Tod, o Tod, bu bist Gewinn!

Bist ein Ausflug in die Hütten,

Die der Gottmensch uns erstritten.

 

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Autor: Christian Friedrich Daniel Schubart

Melodie: ohne Angaben

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gefunden in der

Anthologie christlicher Gesänge

aus allen Jahrhunderten der Kirche

Fünfter Band

Herausgegeben von August Jakob Rambach

verlegt bei J. F. Hammerich,

Altona und Leipzig, 1832

Thema: Passion

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Christian Friedrich Daniel Schubart (* 24. März 1739 in Obersontheim in der damaligen Grafschaft Limpurg, jetzt Landkreis Schwäbisch Hall; † 10. Oktober 1791 in Stuttgart) war ein deutscher Dichter, Organist, Komponist und Journalist.

Historische Bedeutung erlangte er insbesondere durch seine scharf formulierten sozialkritischen Schriften, mit denen er die absolutistische Herrschaft und deren Dekadenz im damaligen Herzogtum Württemberg öffentlich anprangerte.

Als Sohn eines Pfarrvikars und Lehrers wuchs Schubart zunächst in Aalen auf. Von 1763 bis 1769 lebte er in Geislingen an der Steige. 1769 wurde er als Organist und Musikdirektor an den württembergischen Hof nach Ludwigsburg berufen. Dem dortigen Adel und Klerus wurde er aufgrund seiner scharfen Kritik an Aristokratie und Geistlichkeit zusehends ein Dorn im Auge. Nach vier Jahren sah sich Herzog Carl Eugen gezwungen, ihn des Landes zu verweisen.

In Augsburg begann Schubart 1774 die Herausgabe der Zeitschrift ‚Teutsche Chronik‘, in der er gegen Missstände polemisierte. Als nach kurzer Zeit der Augsburger Magistrat den Druck des Journals verbot und Schubart vertrieb, wurde die Herausgabe in Ulm 1775 fortgesetzt.

1777 lockte Karl Eugen ihn mit Hilfe eines Spitzels nach Blaubeuren, um ihn auf württembergischem Territorium verhaften lassen zu können. Man brachte Schubart auf die Bergfestung Asperg, wo er zehn Jahre lang einer Umerziehung unterworfen war. Erst im Mai 1787 ließ der Herzog ihn frei, vor allem infolge einer Intervention Preußens zu Gunsten Schubarts. Er wurde zum Musik- und Theaterdirektor am Herzogshof zu Stuttgart ernannt, wo er auch die Herausgabe seiner Zeitschrift fortführten konnte.

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Uploaded on March 20, 2018
Taken on September 2, 2016