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Lobt Gott ihr frommen Christen
Photo: Bildnis Martin Luthers, als er noch Mönch war
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Lobt Gott ihr frommen Christen
1.) Lobt Gott ihr frommen Christen,
Freut euch und jubiliert:
Mit David dem Psalmisten,
Der vor der Arch' hofiert.
Die Harfen hört man klingen,
In deutscher Nation,
Darum viel Christen dringen,
Zum Evangelion.
2.) Von Mitternacht ist kommen,
Ein evangelisch' Mann:
Hat die Schrift vorgenommen,
Damit gezeiget an.
Das viel der frommen Christen,
Böslich betrogen seind,
Durch falsche Lehr der Sophisten
Und ihre wäschel (a) Kind.
3.) Die jetzund grimmig schreien,
Wenns auf der Kanzel stehn:
Mord über die Ketzereie,
Der Glaub' will untergehn.
Des geweihten Wassers Krafte,
Will niemands achten mehr,
Dazu der Priesterschafte
Tut man kein Zucht noch Ehr.
4.) Wer glaubt des Luthers Lehre,
Ist ewiglich verdammt:
Dergleich und anders mehre,
Schreien sie unverschamt.
Damit viel Christen treiben,
Vom Evangelion,
Die bei dem Scoto (b) bleiben,
Und seiner Opinion. (b)
5.) Ihr G'salbeten und Beschornen, (c)
Lasst ab von solchem Tun:
Das Recht habt ihr verloren,
Seid gewarnet und ermahnt:
Gott will jetzt an euch strafen,
Den Mord und großen Neid,
Den ihr mit seinen Schafen
Habt getrieben lange Zeit.
6.) Gar bald wird niederfallen,
Mammon der euer Abgott.
Und euch Gottlosen allen,
Zu Schanden und zu Spott.
Ihm ist durchs Luthers Lehre
Genommen all sein Macht,
Wollt euch nicht bekehren,
Ihr werd' mit ihm verjagt.
7.) Herr, her ihr lieben Brüder,
All die recht Christen sein.
Zum Fendlein (d) tracht ein jeder,
Ehr wolln wir legen ein.
Die Feind' wolln wir angreifen,
Ich mahn das b'schorne Gschlecht (e),
Ich hör die Trommeln und Pfeifen,
Her, her ihr lieben Knecht'.
8.) Ein jeder soll auch hören,
Wer unser Hauptmann ist.
Der König aller Ehren,
Unser Herr Jesus Christ.
Der will uns helfen streiten
In aller Angst und Not,
Jetzt in den letzten Zeiten,
Wie er versprochen hat.
9.) An Trommeln und an Pfeifen
Will Gott kein G'fallen han
Zun Waffen wolln wir greifen,
Den Harnisch legen an.
Den Paulus hat geschlagen,
In seiner Lieberei,
Schild, Helm, Panzer und Kragen
Ein Schwert ist auch dabei.
10.) Lasst sie nun niederhauen,
Das arm beschorn' Geschlecht (e).
Die auf ihr Werk fest bauen,
Und auf ihr geistlich' Recht.
Ihr G'schütz hat nicht wohl troffen,
Ist viel zu hoch gericht',
Noch eins seind sie verhoffen,
Es wird ihn' helfen nicht.
11.) Mit dem Tand sie sich rüsten,
Hab ich vernommen wohl:
Der Papst in Jahresfristen,
Ein Konzilium halten soll.
Darinnen soll man sehen,
Ob Luthers Lehr sei wahr,
Wie soll aber das geschehen,
Der nicht erlebt das Jahr.
12.) Auf Christum soll er schauen,
Der unser Hauptmann ist:
Auf seine Wort vertrauen,
Kein Lüg' noch arge List.
An ihm nie ward erfunden
Auch kein Betrüglichkeit,
Wär' Luther überwunden,
Würd' mancher Sophist erfreut.
13.) Nimm jetzt also für gute,
Du gesalbte geschmirbt Sekt' (f):
Gott halt in seiner Hute,
All die er hat erweckt,
Durch evangelisch' Lehre,
Vom Schlaf der Gleißnerei (g),
Dem Glorie, Preis und Ehre,
Immer und Ewig sei.
14.) Ihr Fürsten und ihr Herren,
Habt kein Verdruss daran:
Das Wort Gott helft handhaben,
Dazu den Christenmann.
Gott wirds euch widergelten,
In seinem höchsten Thron,
Wenn Seel' und Leib sich scheiden
Und müssen schnell davon.
(a) ggf. welsche, d.h. romanische Kinder, ggf. die den alten kath. Glauben Anhängenenden (?)
(b) Scoto: unbekannte Bedeutung, sinngemäß: die in der Dunkelheit bleiben (dem kath. Glauben)
Opinion: Meinung, Haltung
(c) katholische Fürsten und Bischöfe
(d) ggf. Fähnlein (?)
(e) die Mönche, die 'Geschorenen'
(f) geschmirbt = unbekannte Bedeutung, wahrscheinlich 'schmieren', gemeint ist hier wieder der kath. Klerus (Sekte), der das Salben bei rituellen Handlungen betreibt, was der evangelischen Kirche fremd ist
(g) Feigheit, Heuchelei und Duckmäuserei
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Autor: Ludwig Hailmann
Melodie: ohne Angaben
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
und für diese Veröffentlichung eingerichtet
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gefunden in:
Das deutsche Kirchenlied
von Martin Luther bis auf Nicolaus Hermann und Ambrosius Blaurer
Herausgegeben von K[arl] E[duard] P[hilipp] Wackernagel
Druck und Verlag S.G.Liesching
Stuttgart, 1841
Liednummer 415
Thema: Nachfolge, Kirche und Mission
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Ludwig Hailmann, auch Heilman(n) († erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Lieddichter.
Er dichtete das geistliche Lied 'Lobt Gott, ihr frommen Christen, freut euch und jubilirt mit David, dem Psalmisten'. Dieses war zur Zeit der Reformation weit verbreitet, zunächst in Einzeldrucken, dann in Liedsammlungen. Eine Zeile der elften Strophe gab dem Autor der Allgemeinen Deutschen Biographie Auskunft, dass die Stelle sich auf den Speyerer Reichstag von 1526 bezieht, weshalb das Werk seiner Meinung nach 1526/1527 entstanden sein muss. Karl Eduard Philipp Wackernagel vermutet jedoch in seinem Buch 1841 in Stuttgart erschienenen Werk 'Das deutsche Kirchenlied', das Gedicht sei vielleicht schon 1517 kurz nach dder Veröffentlichung der Thesen Luthers gedruckt worden.
Das Lied verbreitete sich in mehreren Gesangbüchern des 16. Jahrhunderts, die letzten historischen Auftritte hingegen waren Mitte des 17. Jahrhunderts. In abgewandelter Form fand das Lied Eingang in den Stammteil des Evangelischen Kirchengesangbuchs (Nr. 202); in das heute genutzte Evangelische Gesangbuch wurde es nicht wieder aufgenommen. Das Lied besitzt ein Akrostichon, also einen Leistenvers, in dem die Anfangsbuchstaben der Zeilen bzw. Strophen einen sinnvollen Text ergeben, hier den Namen des Autors.
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Lobt Gott ihr frommen Christen
Photo: Bildnis Martin Luthers, als er noch Mönch war
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Lobt Gott ihr frommen Christen
1.) Lobt Gott ihr frommen Christen,
Freut euch und jubiliert:
Mit David dem Psalmisten,
Der vor der Arch' hofiert.
Die Harfen hört man klingen,
In deutscher Nation,
Darum viel Christen dringen,
Zum Evangelion.
2.) Von Mitternacht ist kommen,
Ein evangelisch' Mann:
Hat die Schrift vorgenommen,
Damit gezeiget an.
Das viel der frommen Christen,
Böslich betrogen seind,
Durch falsche Lehr der Sophisten
Und ihre wäschel (a) Kind.
3.) Die jetzund grimmig schreien,
Wenns auf der Kanzel stehn:
Mord über die Ketzereie,
Der Glaub' will untergehn.
Des geweihten Wassers Krafte,
Will niemands achten mehr,
Dazu der Priesterschafte
Tut man kein Zucht noch Ehr.
4.) Wer glaubt des Luthers Lehre,
Ist ewiglich verdammt:
Dergleich und anders mehre,
Schreien sie unverschamt.
Damit viel Christen treiben,
Vom Evangelion,
Die bei dem Scoto (b) bleiben,
Und seiner Opinion. (b)
5.) Ihr G'salbeten und Beschornen, (c)
Lasst ab von solchem Tun:
Das Recht habt ihr verloren,
Seid gewarnet und ermahnt:
Gott will jetzt an euch strafen,
Den Mord und großen Neid,
Den ihr mit seinen Schafen
Habt getrieben lange Zeit.
6.) Gar bald wird niederfallen,
Mammon der euer Abgott.
Und euch Gottlosen allen,
Zu Schanden und zu Spott.
Ihm ist durchs Luthers Lehre
Genommen all sein Macht,
Wollt euch nicht bekehren,
Ihr werd' mit ihm verjagt.
7.) Herr, her ihr lieben Brüder,
All die recht Christen sein.
Zum Fendlein (d) tracht ein jeder,
Ehr wolln wir legen ein.
Die Feind' wolln wir angreifen,
Ich mahn das b'schorne Gschlecht (e),
Ich hör die Trommeln und Pfeifen,
Her, her ihr lieben Knecht'.
8.) Ein jeder soll auch hören,
Wer unser Hauptmann ist.
Der König aller Ehren,
Unser Herr Jesus Christ.
Der will uns helfen streiten
In aller Angst und Not,
Jetzt in den letzten Zeiten,
Wie er versprochen hat.
9.) An Trommeln und an Pfeifen
Will Gott kein G'fallen han
Zun Waffen wolln wir greifen,
Den Harnisch legen an.
Den Paulus hat geschlagen,
In seiner Lieberei,
Schild, Helm, Panzer und Kragen
Ein Schwert ist auch dabei.
10.) Lasst sie nun niederhauen,
Das arm beschorn' Geschlecht (e).
Die auf ihr Werk fest bauen,
Und auf ihr geistlich' Recht.
Ihr G'schütz hat nicht wohl troffen,
Ist viel zu hoch gericht',
Noch eins seind sie verhoffen,
Es wird ihn' helfen nicht.
11.) Mit dem Tand sie sich rüsten,
Hab ich vernommen wohl:
Der Papst in Jahresfristen,
Ein Konzilium halten soll.
Darinnen soll man sehen,
Ob Luthers Lehr sei wahr,
Wie soll aber das geschehen,
Der nicht erlebt das Jahr.
12.) Auf Christum soll er schauen,
Der unser Hauptmann ist:
Auf seine Wort vertrauen,
Kein Lüg' noch arge List.
An ihm nie ward erfunden
Auch kein Betrüglichkeit,
Wär' Luther überwunden,
Würd' mancher Sophist erfreut.
13.) Nimm jetzt also für gute,
Du gesalbte geschmirbt Sekt' (f):
Gott halt in seiner Hute,
All die er hat erweckt,
Durch evangelisch' Lehre,
Vom Schlaf der Gleißnerei (g),
Dem Glorie, Preis und Ehre,
Immer und Ewig sei.
14.) Ihr Fürsten und ihr Herren,
Habt kein Verdruss daran:
Das Wort Gott helft handhaben,
Dazu den Christenmann.
Gott wirds euch widergelten,
In seinem höchsten Thron,
Wenn Seel' und Leib sich scheiden
Und müssen schnell davon.
(a) ggf. welsche, d.h. romanische Kinder, ggf. die den alten kath. Glauben Anhängenenden (?)
(b) Scoto: unbekannte Bedeutung, sinngemäß: die in der Dunkelheit bleiben (dem kath. Glauben)
Opinion: Meinung, Haltung
(c) katholische Fürsten und Bischöfe
(d) ggf. Fähnlein (?)
(e) die Mönche, die 'Geschorenen'
(f) geschmirbt = unbekannte Bedeutung, wahrscheinlich 'schmieren', gemeint ist hier wieder der kath. Klerus (Sekte), der das Salben bei rituellen Handlungen betreibt, was der evangelischen Kirche fremd ist
(g) Feigheit, Heuchelei und Duckmäuserei
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Autor: Ludwig Hailmann
Melodie: ohne Angaben
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
und für diese Veröffentlichung eingerichtet
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gefunden in:
Das deutsche Kirchenlied
von Martin Luther bis auf Nicolaus Hermann und Ambrosius Blaurer
Herausgegeben von K[arl] E[duard] P[hilipp] Wackernagel
Druck und Verlag S.G.Liesching
Stuttgart, 1841
Liednummer 415
Thema: Nachfolge, Kirche und Mission
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Ludwig Hailmann, auch Heilman(n) († erste Hälfte des 16. Jahrhunderts) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Lieddichter.
Er dichtete das geistliche Lied 'Lobt Gott, ihr frommen Christen, freut euch und jubilirt mit David, dem Psalmisten'. Dieses war zur Zeit der Reformation weit verbreitet, zunächst in Einzeldrucken, dann in Liedsammlungen. Eine Zeile der elften Strophe gab dem Autor der Allgemeinen Deutschen Biographie Auskunft, dass die Stelle sich auf den Speyerer Reichstag von 1526 bezieht, weshalb das Werk seiner Meinung nach 1526/1527 entstanden sein muss. Karl Eduard Philipp Wackernagel vermutet jedoch in seinem Buch 1841 in Stuttgart erschienenen Werk 'Das deutsche Kirchenlied', das Gedicht sei vielleicht schon 1517 kurz nach dder Veröffentlichung der Thesen Luthers gedruckt worden.
Das Lied verbreitete sich in mehreren Gesangbüchern des 16. Jahrhunderts, die letzten historischen Auftritte hingegen waren Mitte des 17. Jahrhunderts. In abgewandelter Form fand das Lied Eingang in den Stammteil des Evangelischen Kirchengesangbuchs (Nr. 202); in das heute genutzte Evangelische Gesangbuch wurde es nicht wieder aufgenommen. Das Lied besitzt ein Akrostichon, also einen Leistenvers, in dem die Anfangsbuchstaben der Zeilen bzw. Strophen einen sinnvollen Text ergeben, hier den Namen des Autors.
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