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Geh' hin, mein Heiland Jesu Christ
Geh' hin, mein Heiland Jesu Christ
1.) Geh hin, mein Heiland Jesu Christ!
Geh hin nach Salems Mauern,
Wo deine Feinde jetzt mit List
Und Bosheit auf dich lauern.
Geh hin, dein Kampf-Platz ist dir nah,
Die Leidensstunde ist nun da,
Damit auf dieser Erde
Des Vaters Zorn von Ewigkeit
Zu unsrer Seelen Trost und Freud,
Durch dich vollendet werde.
2.) Geh hin! und schwitze warmes Blut,
Lass dich die Angst entstellen!
Empfinde Gottes Zorn und Glut,
Und alle Macht der Höllen.
Herr, dieses Leiden tröstet mich,
Wenn mich die Hölle mächtiglich
Will peinigen und plagen.
Ja, dieser Kampf hilft mir in Not,
In Pein und Qual, ja selbst im Tod
All' meine Angst ertragen.
3.) Geh' hin, mein liebster Seelenfreund!
Und lass dich gerne binden,
So wird an mir der arge Feind,
Nicht leichtlich Herrschaft finden.
Herr, deine Bande drücken dich,
Sie sind mein Schmuck, und können mich
Von Satans Strick und Ketten,
Von Mosis Fluch und Finsternis,
Dies weiß und glaub ich ganz gewiss,
Und von der Höll' erretten.
4.) Geh hin, mein Heil und stelle dich
Den Juden und den Heiden.
Herr, dein Verhör, das tröstet mich
In meinem Sündenleiden.
Hält Tod und Höll' und Satan mir
Gesetz und Straf' und Sünde für,
So schützt mich dein Verklagen.
Dies widerstehet dem Gericht
Und Gottes Zorn, und lässt mich nicht
In meiner Angst verzagen.
5.) Geh hin, mein treuer Herr und Gott,
Und lass dich da verspotten.
Hier will man sich zu deiner Not
Mit Macht zusammenrotten.
Schmach, Hohn und Speichel warten dein,
Soll dieses deine Ehre sein?
O König aller Ehren!
Doch steh' es aus: denn deine Schmach,
Dein Hohn zieht mir die Ehre nach.
Dort werd' ich's sehn und hören.
6.) Geh hin! mein Gott, lass deinen Leib
Mit Schläg' und Striemen färben.
Durch dieses lässt du Mann und Weib,
In keinem Kreuze sterben.
Herr, deine blutge Dornenkron
Erwirbt mir der Gerechten Lohn,
Dein Rohr die Sieges-Palmen.
So sing ich denn in meiner Qual.
Ich steh' und dichte bei dem Pfahl
Der Geißlung frohe Psalmen.
7.) Geh hin, mein Seelen-Bräutigam,
Zum Ort der armen Sünder.
Stirb hier als ein geduldigs Lamm
Vor alle Adams Kinder.
Hier mache durch dein strömend' Blut
Den zorngen Vater wieder gut,
Und tilg' der Höllen Flammen.
So knien wir denn allerseits,
Mit stiller Andacht unters Kreuz.
Nichts kann uns mehr verdammen.
8.) Geh hin, mein Freund, und lass dich nun
In Josephs Grabmal senken.
Lass meine Sünde bei dir ruhn,
So darf kein Fluch mich kränken.
Geliebter Jesu, deine Kluft
Die heiliget auch meine Gruft
Und lässt mich freudig sterben.
Mein Hingang in das dunkle Grab,
Nimmt mir, wie dir, das Leiden ab,
Und lässt mich Kronen erben.
9.) Geh hin und steh' von Toten auf!
Brich durch, und triumphiere!
Geh, nimm zum Vater deinen Lauf,
Und neben ihm regiere.
Dein Durchbruch, Jesu, öfnet mir
Dereinst auch meine Grabes-Tür,
Und heißt mich zu dir kommen.
Da werd' ich auch, wie du, verklärt,
Da seh' ich, und mir widerfährt
Die Herrlichkeit der Frommen.
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Autor: Sidonia Hedwig Zäunemann
Melodie: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
Bezug: Evangelium des Lukas, 18. Kapitel, Vers 31
Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem etc.
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Sidonien Hedwig Zäunemannin,
Kayserlich gekrönter Poetin,
Poetische Rosen in Knospen
Erfurt, 1733
Thema: Passion
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Sidonia Hedwig Zäunemann (* 15. Januar 1714 in Erfurt/Thüringen; † 11. Dezember 1740 in Plaue/Thüringen) war eine deutsche Dichterin.
Sie wurde 1714 als Tochter des Advokaten und Notars Paul Nikolas Zäunemann geboren und wuchs in einer bürgerlichen Familie lutherischer Tradition auf. Schon früh zeigte sich bei igr eine Neigung, aus dem weiblichen Rollenverständnis ihrer Zeit auszubrechen. Sie zeichnete sich durch großen Lerneifer aus und brachte sich selbst Französisch und Latein bei. Sie ritt als Mann verkleidet, um beisielsweise ihre Schwester in Ilmenau zu besuchen. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die Gedichte, die sie anfangs als Gelegenheitsdichtungen für Hochzeiten oder Festivitäten verfasste. Für den 'Curieusen und immerwährenden astronomisch-meteorologisch-oeconomischen Frauenzimmer-Reise- und Hand-Calender' von Johann Michael Funcke schrieb sie die Vorrede.
Als ihr dichterisches Vorbild bezeichnete sie Christiana Mariana von Ziegler (1695–1760), die den gesellschaftlichen Normen mehr entsprach und bekannter als sie war. Wie ihr Vorbild Ziegler, die 1733 von der Universität Wittenberg als erste Frau mit dem Titel 'Poeta laureata' (kaiserlich gekrönte Dichterin) geehrt worden war, erhielt auch Zäunemann diese Ehrung 1738 von der Universität Göttingen.
Sidonia Zäunemann ertrank 1740 bei einem ihrer Ausritte, als sie beim Überqueren einer vom Hochwasser beschädigten Brücke über die Gera bei Angelroda in die Fluten stürzte.
Ihre Lieder erschienen 1738 am Verlagsort Erfurt unter dem Titel 'Poetische Rosen in Knospen'. In dem Dankgedicht 'Für drei Stücke, so mein Schöpfer mir so liebreich zugedacht' dankte sie Martin Luther für seine Bibelübersetzung, die es ihr von frühester Jugend an ermöglicht hätte, die Bibel auf deutsch zu lesen und zu verstehen.
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Geh' hin, mein Heiland Jesu Christ
Geh' hin, mein Heiland Jesu Christ
1.) Geh hin, mein Heiland Jesu Christ!
Geh hin nach Salems Mauern,
Wo deine Feinde jetzt mit List
Und Bosheit auf dich lauern.
Geh hin, dein Kampf-Platz ist dir nah,
Die Leidensstunde ist nun da,
Damit auf dieser Erde
Des Vaters Zorn von Ewigkeit
Zu unsrer Seelen Trost und Freud,
Durch dich vollendet werde.
2.) Geh hin! und schwitze warmes Blut,
Lass dich die Angst entstellen!
Empfinde Gottes Zorn und Glut,
Und alle Macht der Höllen.
Herr, dieses Leiden tröstet mich,
Wenn mich die Hölle mächtiglich
Will peinigen und plagen.
Ja, dieser Kampf hilft mir in Not,
In Pein und Qual, ja selbst im Tod
All' meine Angst ertragen.
3.) Geh' hin, mein liebster Seelenfreund!
Und lass dich gerne binden,
So wird an mir der arge Feind,
Nicht leichtlich Herrschaft finden.
Herr, deine Bande drücken dich,
Sie sind mein Schmuck, und können mich
Von Satans Strick und Ketten,
Von Mosis Fluch und Finsternis,
Dies weiß und glaub ich ganz gewiss,
Und von der Höll' erretten.
4.) Geh hin, mein Heil und stelle dich
Den Juden und den Heiden.
Herr, dein Verhör, das tröstet mich
In meinem Sündenleiden.
Hält Tod und Höll' und Satan mir
Gesetz und Straf' und Sünde für,
So schützt mich dein Verklagen.
Dies widerstehet dem Gericht
Und Gottes Zorn, und lässt mich nicht
In meiner Angst verzagen.
5.) Geh hin, mein treuer Herr und Gott,
Und lass dich da verspotten.
Hier will man sich zu deiner Not
Mit Macht zusammenrotten.
Schmach, Hohn und Speichel warten dein,
Soll dieses deine Ehre sein?
O König aller Ehren!
Doch steh' es aus: denn deine Schmach,
Dein Hohn zieht mir die Ehre nach.
Dort werd' ich's sehn und hören.
6.) Geh hin! mein Gott, lass deinen Leib
Mit Schläg' und Striemen färben.
Durch dieses lässt du Mann und Weib,
In keinem Kreuze sterben.
Herr, deine blutge Dornenkron
Erwirbt mir der Gerechten Lohn,
Dein Rohr die Sieges-Palmen.
So sing ich denn in meiner Qual.
Ich steh' und dichte bei dem Pfahl
Der Geißlung frohe Psalmen.
7.) Geh hin, mein Seelen-Bräutigam,
Zum Ort der armen Sünder.
Stirb hier als ein geduldigs Lamm
Vor alle Adams Kinder.
Hier mache durch dein strömend' Blut
Den zorngen Vater wieder gut,
Und tilg' der Höllen Flammen.
So knien wir denn allerseits,
Mit stiller Andacht unters Kreuz.
Nichts kann uns mehr verdammen.
8.) Geh hin, mein Freund, und lass dich nun
In Josephs Grabmal senken.
Lass meine Sünde bei dir ruhn,
So darf kein Fluch mich kränken.
Geliebter Jesu, deine Kluft
Die heiliget auch meine Gruft
Und lässt mich freudig sterben.
Mein Hingang in das dunkle Grab,
Nimmt mir, wie dir, das Leiden ab,
Und lässt mich Kronen erben.
9.) Geh hin und steh' von Toten auf!
Brich durch, und triumphiere!
Geh, nimm zum Vater deinen Lauf,
Und neben ihm regiere.
Dein Durchbruch, Jesu, öfnet mir
Dereinst auch meine Grabes-Tür,
Und heißt mich zu dir kommen.
Da werd' ich auch, wie du, verklärt,
Da seh' ich, und mir widerfährt
Die Herrlichkeit der Frommen.
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Autor: Sidonia Hedwig Zäunemann
Melodie: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld
Bezug: Evangelium des Lukas, 18. Kapitel, Vers 31
Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem etc.
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Sidonien Hedwig Zäunemannin,
Kayserlich gekrönter Poetin,
Poetische Rosen in Knospen
Erfurt, 1733
Thema: Passion
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Sidonia Hedwig Zäunemann (* 15. Januar 1714 in Erfurt/Thüringen; † 11. Dezember 1740 in Plaue/Thüringen) war eine deutsche Dichterin.
Sie wurde 1714 als Tochter des Advokaten und Notars Paul Nikolas Zäunemann geboren und wuchs in einer bürgerlichen Familie lutherischer Tradition auf. Schon früh zeigte sich bei igr eine Neigung, aus dem weiblichen Rollenverständnis ihrer Zeit auszubrechen. Sie zeichnete sich durch großen Lerneifer aus und brachte sich selbst Französisch und Latein bei. Sie ritt als Mann verkleidet, um beisielsweise ihre Schwester in Ilmenau zu besuchen. Zu ihren bekanntesten Werken zählen die Gedichte, die sie anfangs als Gelegenheitsdichtungen für Hochzeiten oder Festivitäten verfasste. Für den 'Curieusen und immerwährenden astronomisch-meteorologisch-oeconomischen Frauenzimmer-Reise- und Hand-Calender' von Johann Michael Funcke schrieb sie die Vorrede.
Als ihr dichterisches Vorbild bezeichnete sie Christiana Mariana von Ziegler (1695–1760), die den gesellschaftlichen Normen mehr entsprach und bekannter als sie war. Wie ihr Vorbild Ziegler, die 1733 von der Universität Wittenberg als erste Frau mit dem Titel 'Poeta laureata' (kaiserlich gekrönte Dichterin) geehrt worden war, erhielt auch Zäunemann diese Ehrung 1738 von der Universität Göttingen.
Sidonia Zäunemann ertrank 1740 bei einem ihrer Ausritte, als sie beim Überqueren einer vom Hochwasser beschädigten Brücke über die Gera bei Angelroda in die Fluten stürzte.
Ihre Lieder erschienen 1738 am Verlagsort Erfurt unter dem Titel 'Poetische Rosen in Knospen'. In dem Dankgedicht 'Für drei Stücke, so mein Schöpfer mir so liebreich zugedacht' dankte sie Martin Luther für seine Bibelübersetzung, die es ihr von frühester Jugend an ermöglicht hätte, die Bibel auf deutsch zu lesen und zu verstehen.
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