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Dir, Herr der Herrlichkeit
Dir, Herr der Herrlichkeit
1.) Dir, Herr der Herrlichkeit dankt dein verpflichtet' Kind,
Das sich vor deine Füß in Jesu Namen find,
Und in des Geistes Kraft, der 'Vater' rufen lehret
In tiefster Niedrigkeit dich seinen Vater ehret.
2.) Du bist's, der mich mir selbst, und was ich an mir hab'
Und was ich vor mir seh' aus lauter Liebe gab.
Du bist's, der mich ans Licht aus Mutterleibe führte,
Mit Gliedern, Haut und Fleisch, Verstand, Vernunft auszierte.
3.) Du bist's, der mich bis heut' auf diese Stund' ernährt,
Der, wenn kein Mittel mehr, viel Mittel hat beschert,
Der wenn der Zeiten Sturm mich Blöden wollt ersaufen,
Mich mit der Vater Hand zog aus den größten Tiefen.
4.) Du bist's, der mich so hoch da ich dein Feind geschätzt,
Dass du dein einigs Kind vor mich hast aufgesetzt,
Dass ich durch dessen Dienst die Freiheit möcht' ererben
Schenkst du das Leben mir durch sein erschrecklich' Sterben.
5.) Ich werde durch sein Blut von meinen Gräueln rein,
Und geh' durch seine Schmach ins Reich der Ehren ein.
Er zahlet mein Schuld, er ist für mich verhöhnet,
Er trug den Fluch für mich, durch ihn bin ich versöhnet.
6.) Er schenkt, was er erwarb, mir ganz zum Eigentum,
Er gibt mir seinen Geist, sein Unschuld ist mein Ruhm.
Sein Fleisch ist meine Speis, er reist mich aus den Stricken
Der Höll', und will mein Herz mit seinem Blut erquicken.
7.) Er zeiget mir den Weg zur höchsten Herrlichkeit,
Er ist die Wahrheit selbst und führt aus Zank und Streit.
Er ist, (O Wunder-Lieb! O höchste Treu!) das Leben,
Er ist's, der alles mir zugleich mit sich gegeben.
8.) Dir Herr der Herrlichkeit dankt dein verpflichtet' Kind,
Das sich vor deinen Füß' in Jesu Namen find',
Und in des Geistes Kraft, der 'Vater' rufen lehret,
In tiefster Niedrigkeit dich, seinen Vater, ehret.
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Text: Andreas Gryphius
Melodie: ohne Angaben
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gefunden in:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der
deutschsprachigen Werke.
Band 3, Tübingen 1963
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Andreas Gryphius (eigentlich von Greif), geb. am 2. Oktober 1616 in Glogau (Schlesien), war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barock. Er war der bedeutendste deutsche Sonettdichter des 17. Jahrhunderts.
Er absolvierte nach schwerer Jugend in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges Studien in Danzig und Leiden (Niederlande), bereiste Frankreich und Italien und war ab 1650 Syndikus der Landstände des Fürstentums Glogau. Er war sprachmächtiger und gedankentiefer Dichter des deutschen Barock, der die Erfahrung der Vergänglichkeit mit christlicher Hoffnung verbindet und bedeutender Dramatiker mit Trauer- und Lustspielen, Lyriker mit Sammlungen meisterhafter Sonette. Gestorben am 16. Juli 1664 in Glogau.
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Andreas Gryphius (11 October 1616 - 16 July 1664) was a German lyric poet and dramatist.
Gryphius was born as Andreas Greif in Glogów (Großglogau) in Silesia, where his father was a clergyman. The family name was Greif, latinized, according to the prevailing fashion, as Gryphius. Left early an orphan and driven from his native town by the troubles of the Thirty Years' War, he received his schooling in various places, but notably at Wschowa (Fraustadt) where he enjoyed an excellent classical education.
In 1634 he went to Danzig (Gdansk Poland) where he met professors Peter Crüger and Johann Mochinger at the Danzig Gymnasium, who introduced Gryphius to the new German language poetry. Crüger had for years close contacts to Martin Opitz, who became known as 'father of German poetry'. Greatly influenced by Crüger, he is the only one Gryphius dedicated poems to. Gryphius wrote Latin language poetry as well as German poems and a number of Sonetten.
Gryphius grew up during the Thirty Years War and witnessed the destruction of large parts of Germany, which had lasting effects for centuries. No German dramatic writer before him had risen to so high a level, nor had he worthy successors until about the middle of the 18th century.
Dir, Herr der Herrlichkeit
Dir, Herr der Herrlichkeit
1.) Dir, Herr der Herrlichkeit dankt dein verpflichtet' Kind,
Das sich vor deine Füß in Jesu Namen find,
Und in des Geistes Kraft, der 'Vater' rufen lehret
In tiefster Niedrigkeit dich seinen Vater ehret.
2.) Du bist's, der mich mir selbst, und was ich an mir hab'
Und was ich vor mir seh' aus lauter Liebe gab.
Du bist's, der mich ans Licht aus Mutterleibe führte,
Mit Gliedern, Haut und Fleisch, Verstand, Vernunft auszierte.
3.) Du bist's, der mich bis heut' auf diese Stund' ernährt,
Der, wenn kein Mittel mehr, viel Mittel hat beschert,
Der wenn der Zeiten Sturm mich Blöden wollt ersaufen,
Mich mit der Vater Hand zog aus den größten Tiefen.
4.) Du bist's, der mich so hoch da ich dein Feind geschätzt,
Dass du dein einigs Kind vor mich hast aufgesetzt,
Dass ich durch dessen Dienst die Freiheit möcht' ererben
Schenkst du das Leben mir durch sein erschrecklich' Sterben.
5.) Ich werde durch sein Blut von meinen Gräueln rein,
Und geh' durch seine Schmach ins Reich der Ehren ein.
Er zahlet mein Schuld, er ist für mich verhöhnet,
Er trug den Fluch für mich, durch ihn bin ich versöhnet.
6.) Er schenkt, was er erwarb, mir ganz zum Eigentum,
Er gibt mir seinen Geist, sein Unschuld ist mein Ruhm.
Sein Fleisch ist meine Speis, er reist mich aus den Stricken
Der Höll', und will mein Herz mit seinem Blut erquicken.
7.) Er zeiget mir den Weg zur höchsten Herrlichkeit,
Er ist die Wahrheit selbst und führt aus Zank und Streit.
Er ist, (O Wunder-Lieb! O höchste Treu!) das Leben,
Er ist's, der alles mir zugleich mit sich gegeben.
8.) Dir Herr der Herrlichkeit dankt dein verpflichtet' Kind,
Das sich vor deinen Füß' in Jesu Namen find',
Und in des Geistes Kraft, der 'Vater' rufen lehret,
In tiefster Niedrigkeit dich, seinen Vater, ehret.
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Text: Andreas Gryphius
Melodie: ohne Angaben
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gefunden in:
Andreas Gryphius: Gesamtausgabe der
deutschsprachigen Werke.
Band 3, Tübingen 1963
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Der Text wurde von mir behutsam, soweit
es die Strophenform und der Endreim zu-
ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen
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Andreas Gryphius (eigentlich von Greif), geb. am 2. Oktober 1616 in Glogau (Schlesien), war ein deutscher Dichter und Dramatiker des Barock. Er war der bedeutendste deutsche Sonettdichter des 17. Jahrhunderts.
Er absolvierte nach schwerer Jugend in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges Studien in Danzig und Leiden (Niederlande), bereiste Frankreich und Italien und war ab 1650 Syndikus der Landstände des Fürstentums Glogau. Er war sprachmächtiger und gedankentiefer Dichter des deutschen Barock, der die Erfahrung der Vergänglichkeit mit christlicher Hoffnung verbindet und bedeutender Dramatiker mit Trauer- und Lustspielen, Lyriker mit Sammlungen meisterhafter Sonette. Gestorben am 16. Juli 1664 in Glogau.
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Andreas Gryphius (11 October 1616 - 16 July 1664) was a German lyric poet and dramatist.
Gryphius was born as Andreas Greif in Glogów (Großglogau) in Silesia, where his father was a clergyman. The family name was Greif, latinized, according to the prevailing fashion, as Gryphius. Left early an orphan and driven from his native town by the troubles of the Thirty Years' War, he received his schooling in various places, but notably at Wschowa (Fraustadt) where he enjoyed an excellent classical education.
In 1634 he went to Danzig (Gdansk Poland) where he met professors Peter Crüger and Johann Mochinger at the Danzig Gymnasium, who introduced Gryphius to the new German language poetry. Crüger had for years close contacts to Martin Opitz, who became known as 'father of German poetry'. Greatly influenced by Crüger, he is the only one Gryphius dedicated poems to. Gryphius wrote Latin language poetry as well as German poems and a number of Sonetten.
Gryphius grew up during the Thirty Years War and witnessed the destruction of large parts of Germany, which had lasting effects for centuries. No German dramatic writer before him had risen to so high a level, nor had he worthy successors until about the middle of the 18th century.