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Maria, das Jungfräulein zart

Maria, das Jungfräulein zart

 

- Loblied der Maria am Fest Mariä Heimsuchung - (a)

 

1.) Maria, das Jungfräulein zart,

Da sie vons Himmels Throne

Aus dem Geist Gottes schwanger ward

Mit ihrem lieben Sohne,

Da kam sie zu Elisabeth,

Und grüßete sie tugendlich,

Groß Wundertat, sie zwingen tat,

Also zu singen fröhlich:

 

2.) Den Herrn erhebet meine Seel',

Mein Geiste sich erfreuet

In Gott, dem Herrn, der meine Seel'

Und alten Schaden (b) heilet,

Denn er an meiner Niedrigkeit

Hat seine Gnad' bewiesen,

Sieh, nun werd ich zu aller Zeit,

Hinfort selig gepriesen.

 

3.) Denn der, des Macht nicht wehren kann,

Auch alle Welt gemeine, (c)

Hat große Ding' an mir getan,

Der heilig ist alleine:

Es währet sein' Barmherzigkeit

In viel tausend Geschlechte,

Die ihn fürchten zu aller Zeit

Und ihr Herz dienet rechte.

 

4.) Mit seinem Arm, was Hoffart hat,

In seines Herzens Sinne,

Gewaltiglich zerstreuet Gott

Gar heimlich, doch geschwinde,

Des Menschen Herz will Weisheit han,

Und sein Wohlmeinung schützen,

Sucht Heiligkeit nach seinem Wahn,

Den Gräuel will Gott stürzen.

 

5.) Wer groß Gewalt auf Erden hat,

Aber nach Gott nicht fraget,

Aus seinen Thron den stürzet Gott,

Also den Stolz er plaget.

Er aber klein von Herzen ist

Und kann sich Gott ergeben,

Den hilft er aus zu jeder Frist,

Und pflegt ihn hoch zu heben.

 

6.) Wer hungert und sonst Mangel hat,

Doch gern von Gottes wegen

Mit reichem Schatz, den füllet Gott

Und wird sein ewig pflegen.

Den Reichen, der um Gottes Ehr'

Auf Erden nicht will darben

Ein' kleine Zeit, Gott lässet leer

Und muss ewig verderben.

 

7.) Darum erschien dieselbe Zeit,

Die Gott hat vorgenommen,

Dacht er an sein' Barmherzigkeit,

Dass er aufhalf den Frommen

Israel, der mit seinem Gott

In schwerer Angst musst ringen

Und weil er sein' Verheißung hat,

Den Sieg davon kann bringen.

 

8.) So wird er nun durch seinen Sohn,

Den ich bald werd' gebären,

Solch großes Heil und Hilfe tun,

Und allen Jammer wehren,

Wie den Vätern und Abraham

Und ohn' End' seinem Samen, (d)

Gott hat geschworen bei sein'm Ruhm,

Dem sei Lob ewig, - Amen!

 

(a) Am Fest Mariä Heimsuchung (lateinisch: Visitatio Mariae) am 2. Juli gedenken die römisch-katholische und die altkatholische Kirche sowie teilweise die anglikanischen und die lutherischen Kirchen der Episode, die im Evangelium des Lukas (1. Kapitel, Vers 39) im Anschluss an die Verkündigungsszene erzählt wird: Maria macht sich auf den Weg, um ihre Verwandte Elisabeth zu besuchen (daher 'Heimsuchung') und die Freude mit ihr zu teilen. Elisabeth, selbst im sechsten Monat schwanger (mit Johannes dem Täufer), grüßt sie mit den Worten: 'Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Gesegnet bist du unter den Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.' Maria antwortet mit ihrem berühmten Loblied, dem Magnificat.

(b) Nach christlicher Vorstellung unterliegt jeder Mensch der Erbsünde, die durch den Sündenfall Adams auf ihn gekommen ist und erst durch Jesus Christus und seinen Opfertod am Kreuz aufgehoben wurde. Das Verhaftetsein in der Sünde wird oft mit dem Begriff Krankheit oder des Schadens umschrieben

(c) allgemein

(d) Nachkommen

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Autor: Nikolaus Maurus

Melodie: Durch Adams Fall ist ganz verderbt

oder: Ein Lämmlein geht und trägt die Schuld

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Geistlicher Harffen-Klang auff Zehen Seyten

In einem vollständigen Gesang-Buche,

Darinn über 1000 Lieder zu finden,

von Johann Quirsfeld

Druck: Christoph Günther

Verlag: Christoph Klinger

Leipzig, 1679

Liednummer 290

Thema: Mariä Heimsuchung

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Nicolaus Maurus (eigentlich: Mohr; * 1483 in Sankt Goarshausen; † 26. November 1539 in Frankfurt am Main) war ein deutscher lutherischer Theologe.

Sein Vater hatte bereits vor seiner Geburt in Worms gewohnt, wo Maurus sich seine erste wissenschaftliche Bildung erwarb. Erstmals trat Maurus 1520 als Kantor an der Magnuskirche auf und 1523 in eben derselben Funktion, sowie als Kanoniker an der St. Andreasstiftskirche in Worms. In Worms hatte er Martin Luther kennengelernt, der auf dem Reichstag zu Worms gewesen war und für dessen Überzeugungen er sich begeisterte. Ihm folgte er am 18. Februar 1523 nach Wittenberg, wo er bei seinem Freund Friedrich Bauer unterkam. Mit Bauer kehrte er nach Worms zurück und wurde Pfarrer der lutherischen Gemeinde an der Georgenkirche.

Unter den Eindrücken der Reformationszeit, hatte sich Maurus in Worms gegen den herrschenden Zölibatskodex verehelicht. Als Vertreter der neuen lutherischen Lehre musste er mit Bauer manche Anfeindungen von den scholastischen Kirchenvertretern erdulden. Luther reagierte daraufhin in einem Brief an die Wormser. Nachdem die Lutherische Gemeinde durch den Rat unterstützt immer mehr an Bedeutung erlangte, verließ Maurus 1524 Worms. Er wurde Diakon in Weißenburg, 1526 war er der erste evangelische Pfarrer in Darmstadt, übernahm dort 1527 die Superintendentur und ging 1529 als Pfarrer nach Zwingenberg an der Bergstraße.

Dort ist er jedoch 1531 nicht mehr nachweisbar. Im Jahr 1535 taucht er in Frankfurt am Main auf, wo er sich als Nachfolger der Predigerstelle des Dionysius Melander beim Frankfurter Rat bewarb. Trotz mancher Anfeindungen und gegen den Willen des Landgrafen Philipp I., erhielt Maurus im August 1536 die Stelle des Predigers an der Katharinenkirche. Als Gegner der Reformierten etablierte Maurus nun den lutherischen Part der evangelischen Kirche in Frankfurt. Dabei arbeitete er eng mit Peter Geltner zusammen und sorgte unter anderem dafür, dass die reformierten Theologen wie Peter Chomberger und Johann Bernhard Frankfurt verließen. Der von Zeitzeugen als aufbrausender Mensch geschilderte Maurus, verstarb aber bald und wurde in der Katharinenkirche beigesetzt. Maurus der sich auch an einem bisher unbekannten Ort den akademischen Grad eines Magisters erworben hatte, blieb als Kirchenliedkomponist in Erinnerung. So hatte den CXIV Psalm der Bibel 'Da Israel aus Ägypten zog' übertragen, welches in das Frankfurter Gesangbuch Eingang fand. Im 'Geistlichen Harpfen-Klang', den Johann Quirsfeld 1679 herausgab, steht sein Lied auf das Fest Mariä Heimsuchung 'Maria, das Jungfräulein zart' (siehe oben).

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Uploaded on July 4, 2017
Taken on May 25, 2017