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Spannest du noch immer deinen Schleier
Spannest du noch immer deinen Schleier
- Bei Regenmangel -
1.) Spannest du noch immer deinen Schleier,
Deinen Wolkenmantel wie ein Zelt,
O Natur, in stummer Totenfeier,
Und es wird die Aussicht nicht mehr freier
In die helle Sternenwelt?
2.) Hauchst du Frost auch aus des Löwen (a) Munde?
Sirius (b) hat keine Gluten mehr?
Tanzt nicht mehr des Jahres Mittagsstunde
Mit den übrigen um Schwesterbunde
Segnend um den Himmel her?
3.) Sieh die Fluren, wie sie saftlos liegen,
Und das Obst am Zweige küsst kein Strahl.
Sieh die Rebe traubenschwer sich biegen,
Doch kein Schein will ihre Frucht vergnügen,
Und sie weihn zum Freudenmahl.
4.) Hat es unser Tun so gar verdorben?
Macht es die Verkehrtheit nun zu arg?
Bist du, weil um Schaden wir geworben,
Uns mit deiner Treue hingestorben,
Und dein Tempel ist dein Sarg?
5.) Doch dein Meister wird es besser lenken,
Der auch Bösen gibt mit milder Hand.
Einst wird keine Trübnis mehr uns kränken,
Eine ew'ge Sonne wird uns schenken
Ew'ge Frucht in der Verklärung Laub.
(a) das Sternzeichen
(b) Doppelsternsystem im Sternbild des 'Großen Hundes', Symbol des Sommers, vgl. die heißen, nach ihm benannten 'Hundstage'
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Autor: Johann Friedrich von Meyer
Melodie: ohne Angaben
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Christoterpe
Ein Taschenbuch für christliche Leser
auf das Jahr 1834
Herausgegeben mit mehreren Andern
von Albert Knapp
Verlag C.F. Osiander
Tübingen
Thema: Natur, Wetter und Schöpfung
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Johann Friedrich von Meyer (* 12. September 1772 in Frankfurt am Main; † 28. Januar 1849 ebenda) war ein deutscher Jurist, evangelischer Theologe und Politiker. Sein Nachruhm gründete sich vor allem auf seine jahrzehntelange Bibelforschung und eine 1819 erschienene Bibelübersetzung, die ihm den Beinamen 'Bibel-Meyer' einbrachte.
Meyer war der Sohn eines 1758 aus Hildesheim nach Frankfurt eingewanderten Großkaufmannes, der 1789 in den Adel erhoben worden war. Er besuchte das Frankfurter Gymnasium (heute: Lessing-Gymnasium), worauf er die Universität Göttingen besuchte, um Rechtswissenschaften zu studieren. 1792 schloss er das Studium mit der Promotion ab, wechselte jedoch an die Universität Leipzig, wo er in Philologie ebenfalls promoviert wurde.
1794 ging er als Praktikant an das Reichskammergericht in Wetzlar. Hier heiratete er 1795 Maria Magdalena Franziska von Zwackh. Später war er pfalz-bayerischer Appellationsrat in Mannheim und Kammerdirektor des Fürsten von Salm-Kyrburg. Nach dem Verlust dieser Stellung aufgrund der Koalitionskriege kehrte er 1802 nach Frankfurt am Main zurück.
1807 berief ihn Carl Theodor von Dalberg zum Stadtgerichtsrat. Seine juristische Karriere führte ihn weiter zum Appellationsgerichtsrat (1822) sowie zum Appellationsgerichtspräsidenten (1840 bis 1848). Parallel dazu begann er eine politische Laufbahn in seiner Vaterstadt, die ihn nach der Konstituierung der Freien Stadt Frankfurt zunächst in das Amt des Senators, 1821 in das Schöffenamt führte. Mehrfach bekleidete er das Amt des Älteren Bürgermeisters, das höchste Amt in der Freien Stadt.
Sein Nachruhm gründete sich jedoch weniger auf seine politischen Ämter, als vielmehr auf seine wissenschaftliche Arbeit. Seit 1807 hatte er sich mit Hilfe seiner guten Kenntnis der klassischen Sprachen intensiv mit dem Studium der Bibel befasst. 1816 wurde er Mitgründer und Präsident der heute noch bestehenden Frankfurter Bibelgesellschaft. Er legte eine eigene Revision der Lutherbibel vor, die 1819 in drei Bänden erschien. Darin versuchte er den Charakter der Luther-Bibel zu wahren und zugleich die Fortschritte in der Urtextforschung und in der Kenntnis des Hebräischen zu berücksichtigen. Darüber hinaus war er ein begabter Zeichner, spielte die Harfe und verfasste in seiner Studentenzeit eine Reihe von Romanen und Dramen. Meyer starb am 28. Januar 1849, dreizehn Stunden nach dem plötzlichen Tod seiner Frau.
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Spannest du noch immer deinen Schleier
Spannest du noch immer deinen Schleier
- Bei Regenmangel -
1.) Spannest du noch immer deinen Schleier,
Deinen Wolkenmantel wie ein Zelt,
O Natur, in stummer Totenfeier,
Und es wird die Aussicht nicht mehr freier
In die helle Sternenwelt?
2.) Hauchst du Frost auch aus des Löwen (a) Munde?
Sirius (b) hat keine Gluten mehr?
Tanzt nicht mehr des Jahres Mittagsstunde
Mit den übrigen um Schwesterbunde
Segnend um den Himmel her?
3.) Sieh die Fluren, wie sie saftlos liegen,
Und das Obst am Zweige küsst kein Strahl.
Sieh die Rebe traubenschwer sich biegen,
Doch kein Schein will ihre Frucht vergnügen,
Und sie weihn zum Freudenmahl.
4.) Hat es unser Tun so gar verdorben?
Macht es die Verkehrtheit nun zu arg?
Bist du, weil um Schaden wir geworben,
Uns mit deiner Treue hingestorben,
Und dein Tempel ist dein Sarg?
5.) Doch dein Meister wird es besser lenken,
Der auch Bösen gibt mit milder Hand.
Einst wird keine Trübnis mehr uns kränken,
Eine ew'ge Sonne wird uns schenken
Ew'ge Frucht in der Verklärung Laub.
(a) das Sternzeichen
(b) Doppelsternsystem im Sternbild des 'Großen Hundes', Symbol des Sommers, vgl. die heißen, nach ihm benannten 'Hundstage'
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Autor: Johann Friedrich von Meyer
Melodie: ohne Angaben
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Christoterpe
Ein Taschenbuch für christliche Leser
auf das Jahr 1834
Herausgegeben mit mehreren Andern
von Albert Knapp
Verlag C.F. Osiander
Tübingen
Thema: Natur, Wetter und Schöpfung
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Johann Friedrich von Meyer (* 12. September 1772 in Frankfurt am Main; † 28. Januar 1849 ebenda) war ein deutscher Jurist, evangelischer Theologe und Politiker. Sein Nachruhm gründete sich vor allem auf seine jahrzehntelange Bibelforschung und eine 1819 erschienene Bibelübersetzung, die ihm den Beinamen 'Bibel-Meyer' einbrachte.
Meyer war der Sohn eines 1758 aus Hildesheim nach Frankfurt eingewanderten Großkaufmannes, der 1789 in den Adel erhoben worden war. Er besuchte das Frankfurter Gymnasium (heute: Lessing-Gymnasium), worauf er die Universität Göttingen besuchte, um Rechtswissenschaften zu studieren. 1792 schloss er das Studium mit der Promotion ab, wechselte jedoch an die Universität Leipzig, wo er in Philologie ebenfalls promoviert wurde.
1794 ging er als Praktikant an das Reichskammergericht in Wetzlar. Hier heiratete er 1795 Maria Magdalena Franziska von Zwackh. Später war er pfalz-bayerischer Appellationsrat in Mannheim und Kammerdirektor des Fürsten von Salm-Kyrburg. Nach dem Verlust dieser Stellung aufgrund der Koalitionskriege kehrte er 1802 nach Frankfurt am Main zurück.
1807 berief ihn Carl Theodor von Dalberg zum Stadtgerichtsrat. Seine juristische Karriere führte ihn weiter zum Appellationsgerichtsrat (1822) sowie zum Appellationsgerichtspräsidenten (1840 bis 1848). Parallel dazu begann er eine politische Laufbahn in seiner Vaterstadt, die ihn nach der Konstituierung der Freien Stadt Frankfurt zunächst in das Amt des Senators, 1821 in das Schöffenamt führte. Mehrfach bekleidete er das Amt des Älteren Bürgermeisters, das höchste Amt in der Freien Stadt.
Sein Nachruhm gründete sich jedoch weniger auf seine politischen Ämter, als vielmehr auf seine wissenschaftliche Arbeit. Seit 1807 hatte er sich mit Hilfe seiner guten Kenntnis der klassischen Sprachen intensiv mit dem Studium der Bibel befasst. 1816 wurde er Mitgründer und Präsident der heute noch bestehenden Frankfurter Bibelgesellschaft. Er legte eine eigene Revision der Lutherbibel vor, die 1819 in drei Bänden erschien. Darin versuchte er den Charakter der Luther-Bibel zu wahren und zugleich die Fortschritte in der Urtextforschung und in der Kenntnis des Hebräischen zu berücksichtigen. Darüber hinaus war er ein begabter Zeichner, spielte die Harfe und verfasste in seiner Studentenzeit eine Reihe von Romanen und Dramen. Meyer starb am 28. Januar 1849, dreizehn Stunden nach dem plötzlichen Tod seiner Frau.
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