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Allmächtiger und starker Gott

Photo: Haus in Leer, Ostfriesland

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Allmächtiger und starker Gott

 

Lob- und Danklied, welches nach geendigtem starken Donnerwetter, oder wenn sonst ein heftiges Ungewitter ohne Schaden ist vorübergangen

 

1.) Allmächtiger und starker Gott,

Du hocherhabner Zebaoth,

Jetzt haben wir gehöret an

Mit Zittern, was dein' Allmacht kann.

 

2.) Wir loben, preisen, fürchten dich,

Die wir gleich jet so grausamlich

Erschrocken deine Macht gesehn,

Vor welcher niemand kann bestehn.

 

3.) O großer Gott, wir danken dir,

Dass wir, vor Furcht erstarret schier,

Geprüfet doch zu dieser Frist,

Dass du noch unser Vater bist.

 

4.) Du hast erhöret in der Not

Dein Volk, das schier vor Schrecken tot,

Und uns in dieser schweren Zeit

Erwiesen viel Barmherzigkeit.

 

5.) Ach Herr, wenn Trübsal kommt herbei

Und du vernimmst ein Angstgeschrei,

Wenn wir vor Zagen werden bleich,

So bist du ja von Liebe reich.

 

6.) Du gibst auf alles fleißig Acht,

Hast diese Stund an uns gedacht

Wie an den Noah in der Flut,

Dem du gefristet Leib und Gut.

 

7.) Du hast uns, Herr, in dieser Not

Bewahrt vor einem schnellen Tod,

Gleich wie du dort der Jünger Schar

Erhieltest in des Meers Gefahr.

 

8.) Es hat uns weder Feu'r noch Hitz

Noch Donner noch ein starker Blitz

Noch auch der Hagel in der Bahn

Des Ungewitters Leid getan.

 

9.) Was du verheißen vor der Zeit,

Dass uns der Flammen Grausamkeit

Im wenigsten nicht schaden soll,

Ist nun erfüllet recht und wohl.

 

10.) Du hast verhütet Feu'r und Brand,

Dazu mit deiner Gnadenhand

Gehalten mich auf mein Begehr

Wie dort Sankt Peter in dem Meer.

 

11.) Dein' Hand und Schatten hat bedeckt

Uns, die wir waren sehr erschreckt:

Du hast beschirmet unsern Leib,

Auch Haus und Hof, Gut, Kind und Weib.

 

12.) Dem Satan hieltest du zu Trutz',

O großer Gott, uns starken Schutz,

Ja stundest bei uns in Gefahr,

Bis dass dein Zorn vorüber war.

 

13.) Du hast dein freundlichs Angesicht

In dieser Not verborgen nicht.

Du hast erwiesen in der Tat,

Dass deine Treu kein Ende hat.

 

14.) Für solche Wohltat danken wir

Aus reinem Herzen billig dir,

Ja geben dir mit höchstem Fleiß'

In dieser Stunde Lob und Preis.

 

15.) Und ob's gleich wenig nützen kann,

So nimm doch unser Opfer an,

Das auf dem Altar Jesu Christ

Im Glauben dir gewidmet ist.

 

16.) Verleih uns Gnad, o du mein Licht,

Dass nimmer wir vergessen nicht

Der Wohltat, die dein Hilf' und Hand

An uns, dein armes Volk, gewand.

 

17.) Hilf, dass es uns zur Buße treib'

Und Frömmichkeit nicht außen bleib',

Auf dass, wenn plötzlich bricht herein

Dein Tag, wir ja nicht sicher sein.

 

18.) O süßer Jesu, mach' uns fromm.

O du mein liebster Heiland, komm':

Ich wart auf dich mit höchstem Fleiß'

Und opfre dir Lob, Ehr' und Preis'.

 

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Der Text wurde von mir behutsam, soweit

es die Strophenform und der Endreim zu-

ließen, in heutiges Hochdeutsch übertragen

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Text: Johann Rist

Melodie: Wenn wir in höchsten Nöten sein

Oder: Nun jauchzt dem Herren alle Welt

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gefunden in:

A. Fischer / W. Tümpel:

Das deutsche evangelische Kirchenlied des 17. Jahrhunderts,

Band 2, Hildesheim 1964.

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Johannes Rist (* 8. März 1607 in Ottensen (heute Stadtteil von Hamburg); † 31. August 1667 in Wedel (Holstein)) war ein deutscher Dichter, Kirchenlieddichter und evangelisch-lutherischer Prediger.

Rist war der Sohn des aus Nördlingen stammenden evangelischen Pastors in Ottensen Caspar Rist und seiner Ehefrau Margarethe Ringemuth. Nach erstem Unterricht durch den Vater besuchte Rist das Johanneum in Hamburg; später dann das Gymnasium in Bremen.

An der Universität Rinteln studierte Rist Theologie u.a. bei Johannes Gisenius und Josua Stegmann. Um 1626 wechselte er an die Universität Rostock. Nach dem Studium ging Rist nach Hamburg zu seinem Rostocker Kommilitonen Ernst Stapel. Mit diesem schrieb und publizierte er Theaterstücke und trat auch selbst als Darsteller auf.

1633 wurde Rist Hauslehrer beim Landschreiber Heinrich Sager in Heide. Im gleichen Jahr verlobte er sich mit Elisabeth Stapel, der Schwester des früh verstorbenen Freundes Ernst Stapel und des Pinneberger Amtmanns Franz Stapel. Durch Hilfe des letzteren wurde er im Frühjahr 1635 zum Pastor im damals dänischen Wedel an der Unterelbe nahe Hamburg berufen. Kurz nach seinem Amtsantritt heiratete Rist seine Verlobte. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen zwei früh verstarben.

Beim Einfall der Schweden unter General Lennart Torstensson im Torstenssonkrieg, während des Dreißigjährigen Krieges, verlor Rist durch Plünderungen seine wertvolle Bibliothek. Im Zweiten Nordischen Krieg verlor Rist 1658 noch einmal alles Hab und Gut und musste mit seiner Familie nach Hamburg flüchten. Nachdem 1662 seine Frau Elisabeth gestorben war, heiratete Rist zwei Jahre später Anna Hagedorn, geb. Badenhop, die Witwe seines 1660 verstorbenen Freundes Johann Philipp Hagedorn; sie starb 1680.

Ab 1663 veröffentlichte Rist in lockerer Folge sechs Monatsgespräche, Dialoge über jeweils ein spezielles Thema: Januar – die Tinte; Februar – das Landleben, März – der Stein der Weisen, April – die Malerei, Mai – Lese- und Schreibkunst, Juni – die Todesbetrachtung. Nach Rists Tod wurden die restlichen sechs Monatsgespräche durch Erasmus Finx ergänzt. Johann Rist starb hochgeachtet am 31. August 1667 im Alter von 60 Jahren in Wedel.

Johann Rist gilt neben Paul Gerhardt als der bedeutendste protestantische geistliche Dichter des 17. Jahrhunderts.

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Uploaded on August 11, 2015
Taken on July 27, 2015