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Nur frisch hinein, es wird so tief nicht sein

Nur frisch hinein, es wird so tief nicht sein

 

1.) Nur frisch hinein, es wird so tief nicht sein,

Das Rote Meer wird dir schon Platz vergönnen.

Was wimmerst du? Sollt der nicht helfen können,

Der nach dem Blitz gibt heitern Sonnenschein?

Nur frisch hinein!

 

2.) Betrübter Christ, der du in Schmerzen bist,

Ermuntre dich und deine schwache Sinnen:

Das schwere Kreuz wird doch einmal zerrinnen

Gleich einem Fluß, der dir zum Beispiel ist,

Betrübter Christ!

 

3.) Der Himmels-Held hat einen Weg bestellt,

Den niemand weiß: Eh sein Volk sollte sinken,

Muss selbst das Meer auf dieses Helden Winken

Zur Mauer sein. Er herrscht in Futen-Feld,

Der Himmels-Held.

 

4.) Die Tapferkeit ist jederzeit bereit,

Durch Kreuz und Schmach und durch die krause Wellen

Zu dringen durch, kein Sturmwind kann sie fällen,

Sie hält uns fest in steter Sicherheit,

Die Tapferkeit.

 

5.) Ein Kriegesmann muss tapfer halten an,

Es steht nicht wohl, wenn Krieger wollen stehen,

Weil sie das End' des Krieges nicht erfahren.

Ein Christ ist auch, der tapfer kämpfen kann,

Ein Kriegesmann.

 

6.) Es höret auf ein Ding, so bald sein Lauf

Zum Ende läuft. Was einmal angefangen,

Das nimmt ein End'. Der Herr ist vorgegangen,

Du folge nach, und tritt nur tapfer drauf,

Es höret auf.

 

7.) Des Kreuzes Pein wird ja nicht ewig sein,

Es ist ein Kelch, der seinen Boden zeiget,

Man sieht den Grund, wenn alles ausgeneiget. (a)

Drum bilde dir wie süßen Nektar ein

Des Kreuzes Pein.

 

8.) Die Zentnernot zerbricht der kalte Tod:

Hindurch, hindurch, und folge deinem Führer!

Dein Jesus ist der Erd- und Meerregierer,

Der watet durch, und tritt für dich in' Kot

Die Zentnernot.

 

9.) Er ist der Hirt, der dich nicht lassen wird,

Er wird sein Schaf auf seinen Achseln tragen,

Es wartet schon auf dich der Engel Wagen

Zum sichern Schutz, und ob (b) du dich verirrt,

Er ist der Hirt.

 

10.) Auf, schwacher Sinn, wirf allen Kummer hin

Und schicke dich, die Tiefe zu durchwaten.

Kommt schon ein Sturm, dein Jesus wird dir raten

Und helfen aus, der Tod ist dein Gewinn.

Auf, schwacher Sinn!

 

11.) Der Christen Stand ist hier also bewandt,

Es muss ein Kreuz das andre Kreuze jagen.

So ging es dem, der unser Kreuz getragen

Am Kreuzesstamm. Es ist kein Kindertand

Der Christenstand.

 

12.) Wer wandern soll, muss oftmals Trauerns voll

Durch Berg und Tal und tiefe Pfützen dringen.

So muss ein Christ auch nach dem Himmel ringen,

Und leiden Pein: Der muss oft geben soll,

Wer wandern soll.

 

13.) Ach, süßer Christ, wenn du nur bei mir bist,

So will ich auch mein Leben willig enden,

Zu dir, mein Gott, will ich mich gänzlich wenden

Und tragen, was mir auferleget ist,

Ach, süßer Christ.

 

(a) ausgetrunken

(b) wenn auch

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Autor: Michael Kongehl

Melodie: Eigene Melodie

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Johann Anastatasii Freylinghausen

Geistreiches Gesang=Buch.

den Kern alter und neuer Lieder in sich haltend

Herausgegeben von Gotthilf August Francke

gedruckt in Halle, 1741

Im Verlag des Waisenhauses

Liednummer 985

Thema: Gottvertrauen, Kreuz und Trost

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Michael Kongehl (* 19. März 1646 in Kreuzburg, Ostpreußen; † 1. November 1710 in Königsberg) war ein deutscher lyrischer Dichter, Dramatiker der Barockzeit und evangelischer Kirchenlieddichter.

Michael Kongehl erfuhr seine Schulbildung in Königsberg (Herzogtum Preußen) und immatrikulierte sich 1661 an der Theologischen Fakultät der Universität Königsberg. Eine dreijährige Bildungsreise durch ganz Deutschland brachte ihn in Kontakt mit den Nürnberger Dichterkreis der Pegnitzschäfer, die ihn 1673 als Mitglied aufnahmen. Auch in den beiden folgenden Jahren hielt Kongehl sich wieder in Nürnberg auf, wo er den Ordenspräsidenten Sigmund von Birken mehrmals besuchte.

Ohne jeden Zweifel war der Aufenthalt in Nürnberg bedeutend für Kongehls dichterische Entwicklung. Die Kenntnis italienischer Novellistik bzw. die Bekanntschaft mit Formen der mystischen Frömmigkeit wirkten maßgeblich auf seine durchaus originäre Textproduktion. 1683 kehrte er nach Königsberg zurück und aktiviert die verfeinerte Nürnberger Poetik in der dortigen regionalpolitischen Situation. Er setzte sich über das Medium Text vehement für die bürgerliche Position in den ständischen bzw. konfessionellen Auseinandersetzungen ein. Er wurde Ratsherr und schließlich Bürgermeister der Stadt Kneiphof/ Königsberg. Insgesamt verfasste Kongehl zahlreiche Kasualia, Eklogen, Epigramme und vier Dramen und einen historischen Roman.

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Michael Kongehls Lieder/ Hymns

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Gott, meines Lebens Leben

Nur frisch hinan die saure Kreuzesbahn

Nur frisch hinein, es wird so tief

So bist du nun zugegen

So bleibt dennoch ein gut Gewissen

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Uploaded on September 24, 2014
Taken on November 11, 2013