Robert-Straube-Hof Chemnitz - Ansicht am Grünband
Der Robert-Straube-Hof, gelegen zwischen Grünband, Bernsdorfer Plan,
und Augsburger Straße, entstand zwischen 1928 und 1930. Projektiert von Curt am Ende (bekannt durch das AOK-Gebäude an der Müllerstraße) und dem Architektenbüro Willi Jänichen und Gotth. Puschmann – ist es das erste Projekt der noch ziemlich neu gegründeten „Wohnhausbau Chemnitz – gemeinnützige Wohnungsfürsorge G.m.b.H.“ mit Sitz an der Kasernenstraße 1, in der alten 104-er Kaserne – heute Clara-Zetkin-Straße.
Obwohl die gründerzeitlichen Wohnhausbauten im industriell boomenden Chemnitz wie Pilze aus dem Boden schießen, ist die so geschaffene Wohnkapazität weit davon entfernt, den vorhandenen Bedarf auch nur annähernd zu decken. Entsprechend schlecht und beengt gestalten sich die Wohnverhältnisse für den kleinen Mann, 159 Personen in einem ganz „normalen“ Mietshaus an der Sonnenstraße sind da nur die Spitze des Eisberges – (siehe „Neue Chemnitzer“). Die kurz nach der Jahrhundertwende reduzierte Mehrwertsteuer auf 2% ja z.T. sogar 1% und die später erlassene Mietzinssteuer für neu geschaffenen Wohnraum sind nur ein Indiz für die Ohnmacht, mit der sich die Stadt dem immer mehr auftuenden Wohnungsnotproblem gegenüber sieht. Überhaupt „hinkte“ ganz allgemein das Geschaffene stets dem Bedarf hinterher, einerseits, weil letzterer immer wieder unerwartet rasch gestiegen war, andererseits, weil man wohl eine Rezession dieses Booms viel eher mutmaßte, als er dann tatsächlich eintritt. Die privaten Hauseigentümer und damit Vermieter verstehen es natürlich (zumindest überwiegend) recht bald, diese Diskrepanz für sich auszunutzen. Schlechte Wohnverhältnisse stehen der Zeit entsprechend hohe Mieten gegenüber und bis zum Erlaß einer begrenzenden staatlichen Reglementierung ist Mietwucher keine Seltenheit. Das lokal „infrastrukturelle“ Wohnungsnotproblem eskaliert sehr bald zum global sozialen Problem.
Findige Köpfe sind es, die es verstehen, aus dieser Not eine Tugend zu machen und die Wohnungsbaugesellschaften gründen, die teils in genossenschaftlicher (wie die obige), als auch teils in kommunaler Trägerschaft waren (so z.B. die Hans-Sachs-Straße), abgeschaut von Lösungsstrategien anderer innersächsischer wie auch innerdeutscher Städte, deren Probleme ganz ähnlich geartet waren.
Grundidee ist die, daß Interessierte durch Einmal- und weitere Beitragszahlungen ein Grundkapital ansparen, aus dem dann (infolge des Baues immer gleich mehrerer Häuser) preiswerter Wohnraum geschaffen wird, in dem dann die Genossenschaftsmitglieder mietbegünstigt wohnen können. Das, was die privaten Hausbesitzer an Profit von den eingenommen Mieten heraus holen, wird bei den wohngenossenschaftlichen Mieten eingespart. Ferner ist man jetzt nicht mehr der Willkür und Schikanen vieler Hausbesitzer ausgeliefert. Zahlt man stets pünktlich (es ist ja weniger als allgemein üblich) und läßt sich auch sonst nichts zuschulden kommen, hat man quasi sein kleines Reich auf Lebenszeit, damals gar nicht so allgemein selbstverständlich.
Neben dem Wohnraum als solchen hat jede Siedlungsgemeinschaft auch noch ein Minimum an Versorgungseinrichtungen wie Läden, Kioske, Gaststätte, Gemeinschaftswäscherei und manche sogar eine kleine Kinderbetreuungseinrichtung. In der Regel werden auch diese genossenschaftlich verwaltet und betrieben – mit dem entsprechenden Preisrabatt. In den Wäschereien beispielsweise kann man Waschmaschine, Schleuder und Mangel benutzen, ein „Luxus“, der normalerweise zu der Zeit in den Privathaushalten fernste Utopie ist. In den Hinterhöfen sind nicht etwa qualmende und lärmende Werkstätten oder gar ganze Fabriken, sondern Grünanlagen und Kinderspielplätze zu finden. Die Räumlichkeiten sind klein, aber hell und freundlich, nicht so düster und dunkel wie die gründerzeitlichen „Wohn-Katakomben“. Viele haben bereits eine eigene Badewanne. Klohs eine „halbe Treppe“ tiefer oder gar im Hinterhof kennt man hier nicht. Es sind richtige kleine "Ministädte" und werden auch gerne so bezeichnet.
Soweit ganz gut durchdacht und die Idee funktioniert auch in der Praxis, bis ein dicker Strich in die Rechnung kommt - … - durch die Weltwirtschaftskrise !!! Die mit ihr einhergehende Inflation schwächt die angesparten baugesellschaftlichen Fonds erheblich und viele der nun arbeitslos gewordenen Mitglieder werden nervös und ziehen ihre Anteile wie auch ihre Mitgliedschaft wieder zurück. Dies erklärt, warum der Siedlungsbau in der Folgezeit stark verlangsamt und in stark abgespeckter Form voran geht. Daß die geplanten Projekte überhaupt Wirklichkeit werden, ist der Umsicht, den scharfen Rechenkünsten wie auch der Fachkompetenz der beauftragten Architekten zu verdanken. Curt am Ende sowie Willi Jänichen & Gotth. Puschmann sind ein bewährtes Trio, die Erfahrungen auf dem Gebiet des Siedlungsbaues haben und die obige Wohnsiedlung ist nicht
ihr einziges Großprojekt in dieser Art. Der Siedlungsbau in jenen komplizierten Zeiten (der private Wohnungsbau liegt zeitweise so gut wie ganz darnieder und selbst die Fertigstellung des Stadtbades zieht sich bis 1935 hin) stellt die Planer und Projektanten vor außerordentlich schwierige Herausforderungen, aus ganz besonders wenig muß ganz besonders viel „gemacht“ werden, sowohl hinsichtlich der äußeren Optik wie auch hinsichtlich der Funktionalität. Zu Recht werden nun die Architekten nicht mehr nur an ihren pompösen Bauwerken gemessen, sondern auch daran, was sie an Referenzen auf dem Gebiet des genossenschaftlichen bzw. kommunalen Wohnungsbaus zu bieten haben …
Ja und dann gibt es da noch jemanden, einen gewissen Herrn Robert Straube, ein sehr sozial eingestellter SPD-Politiker, der in seiner Funktion als Stadtverordneter große Verdienste besitzt, um den genossenschaftlichen Wohnungsbau trotz aller Widrigkeiten auf den Weg zu bringen.
Erfreulich zu sehen, daß viele dieser Häuser sich heute wieder in neuem Glanz präsentieren, trotz Abrißwahn und Geldmangel.
Robert-Straube-Hof Chemnitz - Ansicht am Grünband
Der Robert-Straube-Hof, gelegen zwischen Grünband, Bernsdorfer Plan,
und Augsburger Straße, entstand zwischen 1928 und 1930. Projektiert von Curt am Ende (bekannt durch das AOK-Gebäude an der Müllerstraße) und dem Architektenbüro Willi Jänichen und Gotth. Puschmann – ist es das erste Projekt der noch ziemlich neu gegründeten „Wohnhausbau Chemnitz – gemeinnützige Wohnungsfürsorge G.m.b.H.“ mit Sitz an der Kasernenstraße 1, in der alten 104-er Kaserne – heute Clara-Zetkin-Straße.
Obwohl die gründerzeitlichen Wohnhausbauten im industriell boomenden Chemnitz wie Pilze aus dem Boden schießen, ist die so geschaffene Wohnkapazität weit davon entfernt, den vorhandenen Bedarf auch nur annähernd zu decken. Entsprechend schlecht und beengt gestalten sich die Wohnverhältnisse für den kleinen Mann, 159 Personen in einem ganz „normalen“ Mietshaus an der Sonnenstraße sind da nur die Spitze des Eisberges – (siehe „Neue Chemnitzer“). Die kurz nach der Jahrhundertwende reduzierte Mehrwertsteuer auf 2% ja z.T. sogar 1% und die später erlassene Mietzinssteuer für neu geschaffenen Wohnraum sind nur ein Indiz für die Ohnmacht, mit der sich die Stadt dem immer mehr auftuenden Wohnungsnotproblem gegenüber sieht. Überhaupt „hinkte“ ganz allgemein das Geschaffene stets dem Bedarf hinterher, einerseits, weil letzterer immer wieder unerwartet rasch gestiegen war, andererseits, weil man wohl eine Rezession dieses Booms viel eher mutmaßte, als er dann tatsächlich eintritt. Die privaten Hauseigentümer und damit Vermieter verstehen es natürlich (zumindest überwiegend) recht bald, diese Diskrepanz für sich auszunutzen. Schlechte Wohnverhältnisse stehen der Zeit entsprechend hohe Mieten gegenüber und bis zum Erlaß einer begrenzenden staatlichen Reglementierung ist Mietwucher keine Seltenheit. Das lokal „infrastrukturelle“ Wohnungsnotproblem eskaliert sehr bald zum global sozialen Problem.
Findige Köpfe sind es, die es verstehen, aus dieser Not eine Tugend zu machen und die Wohnungsbaugesellschaften gründen, die teils in genossenschaftlicher (wie die obige), als auch teils in kommunaler Trägerschaft waren (so z.B. die Hans-Sachs-Straße), abgeschaut von Lösungsstrategien anderer innersächsischer wie auch innerdeutscher Städte, deren Probleme ganz ähnlich geartet waren.
Grundidee ist die, daß Interessierte durch Einmal- und weitere Beitragszahlungen ein Grundkapital ansparen, aus dem dann (infolge des Baues immer gleich mehrerer Häuser) preiswerter Wohnraum geschaffen wird, in dem dann die Genossenschaftsmitglieder mietbegünstigt wohnen können. Das, was die privaten Hausbesitzer an Profit von den eingenommen Mieten heraus holen, wird bei den wohngenossenschaftlichen Mieten eingespart. Ferner ist man jetzt nicht mehr der Willkür und Schikanen vieler Hausbesitzer ausgeliefert. Zahlt man stets pünktlich (es ist ja weniger als allgemein üblich) und läßt sich auch sonst nichts zuschulden kommen, hat man quasi sein kleines Reich auf Lebenszeit, damals gar nicht so allgemein selbstverständlich.
Neben dem Wohnraum als solchen hat jede Siedlungsgemeinschaft auch noch ein Minimum an Versorgungseinrichtungen wie Läden, Kioske, Gaststätte, Gemeinschaftswäscherei und manche sogar eine kleine Kinderbetreuungseinrichtung. In der Regel werden auch diese genossenschaftlich verwaltet und betrieben – mit dem entsprechenden Preisrabatt. In den Wäschereien beispielsweise kann man Waschmaschine, Schleuder und Mangel benutzen, ein „Luxus“, der normalerweise zu der Zeit in den Privathaushalten fernste Utopie ist. In den Hinterhöfen sind nicht etwa qualmende und lärmende Werkstätten oder gar ganze Fabriken, sondern Grünanlagen und Kinderspielplätze zu finden. Die Räumlichkeiten sind klein, aber hell und freundlich, nicht so düster und dunkel wie die gründerzeitlichen „Wohn-Katakomben“. Viele haben bereits eine eigene Badewanne. Klohs eine „halbe Treppe“ tiefer oder gar im Hinterhof kennt man hier nicht. Es sind richtige kleine "Ministädte" und werden auch gerne so bezeichnet.
Soweit ganz gut durchdacht und die Idee funktioniert auch in der Praxis, bis ein dicker Strich in die Rechnung kommt - … - durch die Weltwirtschaftskrise !!! Die mit ihr einhergehende Inflation schwächt die angesparten baugesellschaftlichen Fonds erheblich und viele der nun arbeitslos gewordenen Mitglieder werden nervös und ziehen ihre Anteile wie auch ihre Mitgliedschaft wieder zurück. Dies erklärt, warum der Siedlungsbau in der Folgezeit stark verlangsamt und in stark abgespeckter Form voran geht. Daß die geplanten Projekte überhaupt Wirklichkeit werden, ist der Umsicht, den scharfen Rechenkünsten wie auch der Fachkompetenz der beauftragten Architekten zu verdanken. Curt am Ende sowie Willi Jänichen & Gotth. Puschmann sind ein bewährtes Trio, die Erfahrungen auf dem Gebiet des Siedlungsbaues haben und die obige Wohnsiedlung ist nicht
ihr einziges Großprojekt in dieser Art. Der Siedlungsbau in jenen komplizierten Zeiten (der private Wohnungsbau liegt zeitweise so gut wie ganz darnieder und selbst die Fertigstellung des Stadtbades zieht sich bis 1935 hin) stellt die Planer und Projektanten vor außerordentlich schwierige Herausforderungen, aus ganz besonders wenig muß ganz besonders viel „gemacht“ werden, sowohl hinsichtlich der äußeren Optik wie auch hinsichtlich der Funktionalität. Zu Recht werden nun die Architekten nicht mehr nur an ihren pompösen Bauwerken gemessen, sondern auch daran, was sie an Referenzen auf dem Gebiet des genossenschaftlichen bzw. kommunalen Wohnungsbaus zu bieten haben …
Ja und dann gibt es da noch jemanden, einen gewissen Herrn Robert Straube, ein sehr sozial eingestellter SPD-Politiker, der in seiner Funktion als Stadtverordneter große Verdienste besitzt, um den genossenschaftlichen Wohnungsbau trotz aller Widrigkeiten auf den Weg zu bringen.
Erfreulich zu sehen, daß viele dieser Häuser sich heute wieder in neuem Glanz präsentieren, trotz Abrißwahn und Geldmangel.