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Reinecker Villa Bernhardstraße 71 Chemnitz

Der Name, der mit dieser alten Villa verknüpft ist, hat in der Chemnitzer Geschichte mehrere größere Rollen gespielt, sowohl rühmliche als auch unrühmliche ...

Es ist die Berhardstraße 71, die ehemalige Villa des Chemnitzer Werkzeugmaschinenfabrikanten Julius Eduard Reinecker (1832-1895). Direkt daneben an der 69 stand die Villa seines Sohnes und späteren Fabrikchefs R. Reinecker, leider längst abgerissen, hier aber an der Bernhardstraße Ecke Reinecker Straße noch gut ersichtlich:

www.albert-gieseler.de/dampf_de/imageHtml/ima gedet102469....

Reineckers Enkelin war übrigens mit dem bekannten Chemnitzer Architekten Basarke verheiratet, ob er diese Villa entworfen hat, ist jedoch unwahrscheinlich.

Bei www.Albert-Gieseler.de findet man auch zahlreiche Fabrikate und historische Verdienste der Firma, die fast 20 Jahre lang (1870-1890) auf dem geschichtsträchtigen Standort Augustusburger Str. 35 (früher Oststraße 21 – wer ein Adreßbuch hat) Hochkonjunktur hat (wo übrigens auch die Wiege von Richard Hartmann und Johann von Zimmermann stand), bis es schließlich endgültig zu eng wird und Reinecker – immerhin bereits 58-jährig – einen neuen Anfang in Gablenz auf dem Grundstück Bernhardstr. 66 wagt, etwa zu gleicher Zeit gegenüber in der 71 entsteht obige Villa. Doch das erfolgsgewohnte Unternehmen kommt ins Schlingern in den Jahren der Weltwirtschaftskrise und mehrfach muß der Reinecker Vorstand Grundstücke verkaufen und andere schmerzliche Transaktionen tätigen, um dem drohenden Bankrott zu entrinnen. Schließlich ist der letzte Rettungsanker nur noch das sogenannte „Russengeschäft“ eine nicht sehr repektvolle Bezeichnung des Außenhandels mit der Sowjetunion, die „anrüchig“ und pikant erschien, aber für viele Firmen wirklich der letzte Rettungsanker und somit lukrativ war, wie z.B. für die Wanderer Werke und ganz explizit für die Reinecker Fabrik, deren Umsatz zeitweilig zu 90 % durch dieses „Russengeschäft“ abgedeckt wurde. Doch die Reinecker A.G. zeigt sich für diese Rettung nicht sehr dankbar. Mit Hitlers Machtantritt ist das „Russenschäft“ gestorben und nun ist leicht ausmalbar, wieviel Prozent von Reinecker nunmehr Rüstungs-Industrie ist. Hier beginnt nun die unrühmliche Rolle. Reinecker ist der absolute „Rüstungshai“ an sich unter den Chemnitzer Großproduzenten und man muß wohl sagen, daß die UdSSR durch ihren Handel mit dieser Firma (auf Grundlage des Rapallo Vertrages) einen der umfangreichsten Lieferanten für Hitlers Weltkrieg gegen ihr Land vor dem Untergang rettete. Entsprechend „ „ verschnupft “ “ reagiert man nach dem Krieg – das Unternehmen ist eines von ganz wenigen, welches von der SMAD keine Wiederaufbaugenehmigung erhält. Zwar heißt es bei Firmenchroniken oft, die Fabrik sei demontiert worden – und doch eröffnet sie meist bald danach erneut, wenn auch unter neuem Namen. Die klügeren Köpfe in der sowjetischen Führung hatten bald erkannt, daß ihnen die demontierten Maschinen und Anlagen eigentlich nicht viel nützten, die DIN war mit russischen Industrienormen offenbar nur wenig kompatibel. Außerdem wäre ihnen ein industriell daniederliegendes Deutschland, noch dazu arm an Rohstoffen, auf ewig ein Klotz am Bein gewesen, Wälder und Wiesen und Kolchosen (eine Art LPG) hatten sie selber genug, was sie brauchten, war technisches Know how beim Aufbau ihrer Wirtschaft. Außerdem ließ sich der Erlaß der Reparationszahlungen

politpropagandistisch hervorragend gut vermarkten – so gut – daß die westlichen alliierten Besatzungsmächte bald nachzogen. Ganz tot ist der Name Reinecker hingegen bis heute nicht, in den Altbundesländern gibt es noch heute eine Firma, die auf seinen Namen Bezug nimmt. Zuletzt war in dem heute zum Verkauf anstehenden Reinecker Anwesen eine Wohnungsverwaltung.

 

 

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Uploaded on February 4, 2012
Taken on April 18, 2010