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Allegorien die Arbeit, die Lebensfreude und das gute Echo in der Eingangshalle des Neuen Rathauses Chemnitz

Obwohl dieses Dreier-Skulpturen-Ensemble im Entre` des Neuen Rathauses Chemnitz ein ausgesprochener Blickfang ist, spielt es in der beschreibenden und bildgebenden Reflexion der bauplastischen Indoor-Ausstattung des nunmehr 100-jährigen Chemnitzer Verwaltungs-Titanen eine eher untergeordnete Rolle. Warum - das ist restlos unerklärlich. Es entstand unter den bewährten Händen des einst renommierten Künstlers und Bildhauers Prof. Richard König, dessen Heimatgefilde jedoch nicht Chemnitz, sondern das Dresden-Radebeuler Revier war. Doch im Gegensatz zu heute, wo er fast völlig in Vergessenheit geraten ist, hatte er damals in unserer Stadt bereits einen guten Namen, denn man kannte ihn nicht nur als den Schöpfer der beeindruckenden Engel-Plastik auf dem städtischen Friedhof, sondern auch als den geistigen Vater der beiden allegorischen Figuren "die Liebe" und "der Haß" im heute so heißenden Opernhaus am heute so heißenden Theaterplatz, damals 1909, zum Zeitpunkt der Einweihung des ersteren, war es das neue Stadttheater am damals so bezeichneten Königsplatz. Die oben im Bild zu sehenden drei Allegorien verkörpern die Arbeit, die Lebensfreude und das Echo und sind allesamt ganz explizit verknüpft mit den Funktionen, Aufgaben und Zweckbestimmungen eines Rathauses. Die - ARBEIT - ganz klar, ein gewisser - wenn auch wechselnder - "prozentiger" Obulus gewinnbringender Tätigkeit fließt ganz unweigerlich in´s Stadtsäckel, Grundlage für alles Wirken und Agieren der Stadtverwaltung und für die Umsetzung ihrer Beschlüsse in die Realität. Sämtliche städtischen Subventionen, Investitionen und Bezuschussungen werden daraus finanziert. Daraus resultierend die - LEBENSFREUDE - für die Chemnitzer, die sich ergibt, wenn alle dementsprechend eingesetzten Mittel zum Nutzen für alle angelegt sind (sicherlich ein abstrahierter Idealfall) gemeint ist der Bau von kommunalen Einrichtungen wie Schulen, Bädern, kulturellen Institutionen bis hin zu schützenden und behütendenden Funktionen vor inneren und äußeren Feinden und Belagerern (sprich Polizei und Armee). Das - ECHO - jedoch, die an sich am schwierigsten zu deutende Allegorie ist zu sehen im Kontext mit all den vielen Wünschen, Eingaben, Petitionen, Klagen, Widersprüchen und Beschwerden, die an die Stadtverwaltung gerichtet wurden, alle hoffend auf einen abhelfenden positiven Bescheid, also auf ein - "GUTES ECHO" - und mit diesem Zusatzattribut ging diese Skulptur in das geschichtliche "Oberbewußtsein" der alten Chemnitzer ein, wenngleich man sich leicht ausrechnen kann, daß das erhoffte "ECHO" aus dem Rathaus bei weitem nicht immer zu aller Zufriedenheit ausgefallen sein dürfte, also bei weitem nicht immer ein gutes war. Des einen Genugtuung war halt des anderen Verdruß …

Doch all das Gesagte verdanke ich nicht Google und auch nicht mal www.chemnitz.de , nicht der hiesigen Presse und auch nicht der einschlägigen publizierten Literatur zum alten Chemnitz, sondern keinem geringeren als dem Chemnitzer Türmer Herrn Stefan Weber, der mir all das erzählte, als er mich dort fotografieren sah. Ihm daher ganz besonderer Dank, umso mehr, als ich im Nachhinein merkte, wie dünn die Datenlage zu diesem Detail eigentlich ist. Daraufhin hatte ich mir extra den Reprint der Festschrift zur Einweihung des Neuen Rathauses Chemnitz von jemandem geborgt, doch auch dort war die Beschreibung nicht eingehender als die unseres verdienten Chemnitzer Türmers.

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Uploaded on September 9, 2011
Taken on September 4, 2011