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früherer Sitz des gesamtdeutschen Zentralvorstands des Arbeiter-Samariter-Bundes ASB in Chemnitz, Ludwig-Kirsch-Straße 23 (ehem. Alexanderstraße)

Hier befand sich einst der gesamtdeutsche Zentralvorstand des Arbeiter-Samariter-Bundes ASB. Seine Chemnitzer Traditionen gehen zurück bis etwa 1908/1909, als der Bund hier gegründet wurde, der in Berlin bereits seit 1888 existierte. Ziel bzw. Anliegen war es, daß sich angesichts vieler Notzustände der damaligen Zeit die Bedürftigsten und Ärmsten selber helfen sollten, quasi durch sich und ihresgleichen selber. Zunächst mehr auf Unfallhilfe und Katastrophen-Rettung in den Produktionsstätten konzentriert, wurde der Aufgabenbereich bald auch auf soziale Belange außerhalb der Fabriken ausgedehnt. Es gab ja viele, die nicht mehr in der Lage waren, an einer Maschine in den Fabriken ihr täglich Brot zu verdienen, zumindest sich aber noch auf den Beinen halten konnten, um somit noch anderen weitaus gebrechlicheren Mitmenschen zu helfen und sie zu unterstützen, dies organisierte der ASB dazumal. Auf Grund der sozialen Herkunft seiner Mitglieder war seine finanzielle Decke „dünn gestrickt“ konnte aber dennoch mit dem wenigen vorhandenen erstaunlich viel leisten, zumindestens für die damalige Zeit. Daß er damit ganz unmerklich Ansehen und ein gewisses politisches Gewicht erlangte, ist natürlich nicht verwunderlich. Wieso man den zentralen Bundessitz

1923 von Berlin nach Chemnitz in die damalige Alexanderstraße (heute Ludwig-Kirsch-Straße) verlegte, darüber kann ich nur Vermutungen anstellen. Zum einen sicher, weil Chemnitz durch seine starke Industrieballung eine große Arbeiterschaft hatte, zum anderen wohl auch, weil man in Berlin wahrscheinlich zu sehr auf dem politischen Präsentierteller saß – mit entsprechenden Anfeindungen und vielleicht auch Diffamierungen (und nicht jede feingesponnene juristische Intrige konnten die Samariter damals BGB-gesetzlich astrein kontern). Doch die Chemnitzer Wahl sollte sich als glücklich erweisen, bis zum Machtantritt der Nazis verdoppelte sich die Mitgliederzahl beinahe. Mit dem Einzug der braunen Pest in die Parlamente 1933 war es mit diesem Siegeszug freilich vorbei. Eine solche (wenn auch immer noch kleine) Arbeitermacht direkt vor ihrer Nase konnte (und wollte) sie schon gleich nach ihrem Machtantritt nicht mehr „verknusen“. Die Räume und Büros mitsamt aller Einrichtung wurden z.T. demoliert, der Rest (mitsamt Gebäude) beschlagnahmt, kurz darauf der ASB verboten. Nach dem Krieg wurde dieses Verbot, warum auch immer, nicht explizit wieder aufgehoben. Die Chemnitzer Samariter hatten sich nicht nur mit (extrem niedrigen) Mitgliedsbeiträgen, sondern auch durch Eigenproduktion von prekär wichtigen Hygieneartikeln finanziert, aber auch durch Spenden von religiösen und sozialdemokratischen Einrichtungen, was möglicherweise der Stein des (Nachkriegs-) Anstoßes war, einer Zeit, wo die SPD mit der KPD fusionierte und eine weltanschauliche Diskussion zwischen Kirche und Staat entbrannte, die hübsch paar Jahre anhalten sollte. Immerhin, ein kleines Gedenktäfelchen überdauerte die „hohen DDR-Zeiten“, um den ASB wenigstens nicht ganz in Vergessenheit geraten zu lassen, was aber damals dennoch leider weitgehend geschah. Richtig reanimiert (also wiederbelebt) wurde er erst nach der Wende, doch im Gegensatz zu seiner einstigen caritativen Bestimmung erbringt er heute nur noch gewinnbringende Leistungen, na ja, der Zahn der Zeit. Zu seiner Ehrenrettung sei aber gesagt, daß eben jene Leistungen (krankenpflegerische ambulante Hilfsdienste) hilfreich und unentbehrlich sind im Gegensatz zu so manch anderen geldeinbringenden Aktivitäten, die sich aber oftmals als nicht halb so nutzbringend erwiesen. Nach dem Beitritt zur Bundesrepublik war einer der bekanntesten Vorsitzenden des Chemnitzer ASB Herr Dr. Klaus Schaarschmidt, einer der bekanntesten „Rettungsdienst-Ikonen“ (neben Herrn Dr. Rudolf Wickleder) von Karl-Marx-Stradt / Chemnitz, denen so mancher „Hiesiger“ in letzter Minute sein Leben verdankte. Eine Ironie des Schicksals war es, daß beide - irgendwann - nicht mehr zu retten waren, nicht nur schade allein, sondern schlichtweg ein großer Verlust für den Chemnitzer Rettungsdienst. Daß er heute dennoch tadellos funktioniert, verdankt er nicht zuletzt auch den einst anhaltenden intensiven Bemühungen dieser beiden.

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Uploaded on September 14, 2010
Taken on September 11, 2010