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Innehalten

Gestern Nachmittag wurde ich von einem Platzregen überrascht. "Komm morgen wieder Wirklichkeit! Für heute reicht es", dachte ich bei mir. Ich floh unter die Markise eines türkischen Lebensmittelladens, wo einige Tische und Stühle standen, und sah dem Regen zu, wie er trotzig beschirmte Passanten und vorbeieilende Radler einnässte. Das Getriebe auf den Bürgersteigen hörte nach und nach auf, und mein Unmut legte sich. Eine alte Frau gesellte sich zu mir, nahm Platz und drückte ihren Krückstock fest zwischen ihre dürren Beine. Der Ladenbesitzer kam mit zwei Teetässchen heraus und bot sie uns mit einem Lächeln an. Ich setzte mich und spürte beim Trinken die angenehm warme Flüssigkeitssäule in meinem Hals. Das ferne Rumoren rückte näher und die Pfützen bildeten kleine Seen, auf denen Blasen platzten. Worte fielen keine, einzig Blicke wurden getauscht.

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Uploaded on November 1, 2025